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Carl Dahlhaus

Carl Dahlhaus (* 10. Juni 1928 in Hannover; † 13. März 1989 in Berlin) war ein deutscher Musikwissenschaftler. Carl Dahlhaus (1928–1989) …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Bedeutung und Arbeitsgebiete
  2. 2. Ausbildung und beruflicher Weg
  3. 3. Zentrale Veröffentlichungen
  4. 4. Herausgeberschaft und wissenschaftliches Gesamtwerk
  5. 5. Auszeichnungen und Lebensende

Bedeutung und Arbeitsgebiete

Carl Dahlhaus (10. Juni 1928 in Hannover – 13. März 1989 in Berlin) war ein deutscher Musikwissenschaftler. Seine Forschung prägte vor allem die Beschäftigung mit der Musikgeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts. Weitere zentrale Arbeitsgebiete waren die Musikästhetik, also die philosophische Untersuchung musikalischer Schönheit, Bedeutung und Wertung, sowie die Musiktheorie, die Strukturen und Gesetzmäßigkeiten von Musik beschreibt.

Dahlhaus arbeitete sowohl historisch als auch systematisch: Er untersuchte einzelne Komponisten und Werke, behandelte Epochen und Gattungen und beschäftigte sich zugleich mit grundlegenden Begriffen wie Tonalität, Harmonik, Rhythmik, Melodik und musikalischem Urteil. Als Autor und Herausgeber zahlreicher, häufig enzyklopädischer Veröffentlichungen trug er außerdem dazu bei, musikwissenschaftliches Wissen umfassend zu ordnen und zugänglich zu machen.

Ausbildung und beruflicher Weg

Dahlhaus studierte zunächst Jura und später Musikwissenschaft an den Universitäten Göttingen und Freiburg im Breisgau. Zu seinen Göttinger Kommilitonen gehörten Joachim Kaiser und Rudolf Stephan. 1953 wurde er in Göttingen mit einer Arbeit über die Messen von Josquin des Prés promoviert.

Von 1950 bis 1958 war Dahlhaus unter Heinz Hilpert als Dramaturg am Deutschen Theater Göttingen tätig. Ein Dramaturg begleitet die inhaltliche und künstlerische Gestaltung von Theaterproduktionen. Von 1960 bis 1962 arbeitete Dahlhaus als Redakteur der Stuttgarter Zeitung, bevor er sich auf die wissenschaftliche Forschung konzentrierte.

Von 1962 bis 1966 war er an der Universität Kiel Wissenschaftlicher Sachbearbeiter für musikalische Landesforschung. Dort habilitierte er sich 1966 mit den Untersuchungen über die Entstehung der harmonischen Tonalität. Die Habilitation ist eine wissenschaftliche Qualifikation, die traditionell zur selbstständigen Hochschullehre berechtigt. Nach einem Jahr als Wissenschaftlicher Rat an der Universität des Saarlandes wurde Dahlhaus 1967 als Nachfolger von Hans Heinz Stuckenschmidt auf den Lehrstuhl für Musikgeschichte an der Technischen Universität Berlin berufen.

Zentrale Veröffentlichungen

Dahlhaus veröffentlichte Arbeiten zu Theorie, Ästhetik und Geschichte der Musik sowie Analysen einzelner Werke. Zu seinen frühen wissenschaftlichen Hauptarbeiten zählen Studien zu den Messen Josquins des Prés von 1953 und Untersuchungen über die Entstehung der harmonischen Tonalität von 1966. Harmonische Tonalität bezeichnet die Ordnung von Akkorden und Tonbeziehungen um ein tonales Zentrum.

Grundlegende Themen behandelte er unter anderem in Musikästhetik (1967), Analyse und Werturteil (1970), Grundlagen der Musikgeschichte (1977) und Die Idee der absoluten Musik (1978). Die „absolute Musik“ ist dabei als Musik ohne außermusikalisches Programm oder ausdrücklich erzählte Handlung ein zentraler Gegenstand musikästhetischer Diskussionen.

Einen besonderen Schwerpunkt bildete die Musik des 19. Jahrhunderts. Dazu gehören Zwischen Romantik und Moderne. 4 Studien zur Musikgeschichte des späteren 19. Jahrhunderts (1974), Die Musik des 19. Jahrhunderts (1980), Musikalischer Realismus. Zur Musikgeschichte des 19. Jahrhunderts (1982) und die zweibändige Musiktheorie im 18. und 19. Jahrhundert (1984–1989). Außerdem schrieb Dahlhaus über Ludwig van Beethoven, Johannes Brahms, Arnold Schönberg und Richard Wagner. Zu Wagner erschienen unter anderem Richard Wagners Musikdramen, Wagners Ästhetik und Wagners Konzeption des musikalischen Dramas, jeweils 1971.

Seine Aufsätze behandeln unter anderem Notenschrift, musikalische Gattungen, elektronische und Neue Musik, Improvisation, Zwölftontechnik sowie das Verhältnis von Musik, Ästhetik, Politik und Geschichte. Beispiele sind Formprinzipien in Wagners „Ring des Nibelungen“ (1969), Ist die Zwölftontechnik illusorisch? Eine Dublik (1972), Was heißt Improvisation? (1979) und Warum ist neue Musik so schwer verständlich? Plädoyer für ein historisches Verständnis (1986). Sammelbände bündelten Aufsätze zur Neuen Musik, zur neueren Operngeschichte sowie zur klassischen und romantischen Musikästhetik.

Herausgeberschaft und wissenschaftliches Gesamtwerk

Neben eigenen Studien übernahm Dahlhaus umfangreiche editorische Aufgaben. Er war Editionsleiter der Richard-Wagner-Gesamtausgabe und gab Schriften zu Wagner, Mendelssohn, musikalischer Hermeneutik, systematischer Musikwissenschaft und Musikgeschichte heraus. Hermeneutik bedeutet hier die methodische Deutung und Auslegung von Musik.

Zu seinen bedeutendsten Gemeinschaftsprojekten gehörten das mit Hans Heinrich Eggebrecht herausgegebene zweibändige Brockhaus-Riemann-Musiklexikon (1978–1979), das mit Hermann Danuser herausgegebene Neue Handbuch der Musikwissenschaft in 13 Bänden (1980–1995) sowie Pipers Enzyklopädie des Musiktheaters in 6 Bänden (1986–1997), die gemeinsam mit dem Forschungsinstitut für Musiktheater der Universität Bayreuth unter Leitung von Sieghart Döhring entstand. Dahlhaus war zudem an Funkkollegs zur Musik und Musikgeschichte beteiligt.

Seine Gesammelten Schriften wurden nach seinem Tod von Hermann Danuser in Verbindung mit Hans-Joachim Hinrichsen und Tobias Plebuch in 11 Bänden herausgegeben und erschienen von 2000 bis 2007. Die von Tobias Robert Klein herausgegebenen Briefe 1945–1989 wurden 2022 veröffentlicht.

Auszeichnungen und Lebensende

Für seine wissenschaftliche Arbeit erhielt Dahlhaus bedeutende Ehrungen. 1985 wurde ihm das Große Verdienstkreuz mit Stern der Bundesrepublik Deutschland verliehen. Er war Mitglied des Ordens Pour le mérite für Wissenschaften und Künste sowie der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung. 1987 erhielt er den Frankfurter Musikpreis.

Ein ihm zugesprochenes Forschungsstipendium am Historischen Kolleg in München für das Kollegjahr 1988/1989 konnte er aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr antreten. Carl Dahlhaus starb am 13. März 1989 in Berlin und wurde auf dem Evangelischen Kirchhof Nikolassee in Berlin bestattet.

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