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Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand

Charlotte Buff

Charlotte Buff. Vorbild der Lotte in Goethes Werk Die Leiden des jungen Werther ... Eine deutsch-französisch-schweizerische Familie macht Geschichte(n).

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Bedeutung und Herkunft
  2. 2. Begegnung mit Goethe und Werther
  3. 3. Familie, spätere Jahre und Grab
  4. 4. Kinder und Verwandtschaft
  5. 5. Literarische und öffentliche Erinnerung

Bedeutung und Herkunft

Charlotte Sophie Henriette Buff, nach ihrer Heirat Charlotte Kestner, wurde am 11. Januar 1753 in Wetzlar geboren und starb am 16. Januar 1828 in Hannover. Sie ist vor allem deshalb bekannt, weil sie das Vorbild für die Figur Lotte in Johann Wolfgang von Goethes 1774 erschienenem Briefroman Die Leiden des jungen Werthers war.

Sie war das zweite von sechzehn Kindern von Heinrich Adam Buff (1711–1795), Wetzlarer Kastnereiverwalter und später Deutsch-Ordens-Amtmann, und Magdalena Ernestina geb. Feyler (1731–1771). Nach dem frühen Tod ihrer Mutter im Jahr 1771 führte Charlotte den Haushalt ihres Vaters und versorgte zehn jüngere Geschwister. 1768 wurde sie verlobt; am 4. April 1773 heiratete sie den kurhannoverschen Legationssekretär Johann Christian Kestner. Die Familie Kestner zählte im 18. und 19. Jahrhundert zu den „Hübschen Familien“, also zu Familien an der Spitze des Bürgertums im Kurfürstentum Hannover.

Begegnung mit Goethe und Werther

Goethe lernte Charlotte Buff am 9. Juni 1772 auf einem Ball im Jägerhaus in Volpertshausen bei Wetzlar kennen. Seine Großtante Lange veranstaltete das Fest vermutlich zum Geburtstag von Charlottes älterer Schwester Karoline und wegen deren bevorstehender Verlobung. Goethe sollte Charlotte zum Ball abholen; zuvor hatte er eigentlich die 17-jährige Johannette Lange umworben.

Charlotte beeindruckte ihn durch ihr Aussehen und ihre offene Art. Er tanzte den Abend mit ihr und bewunderte, wie sie die Gäste während eines Gewitters mit einem Spiel ablenkte. Die im Werther geschilderte Szene, in der Lotte ihren Geschwistern Brot schneidet, ereignete sich jedoch nicht am Tag des Balls, sondern erst am folgenden Tag im Haus der Familie Buff in Wetzlar. Goethe verstand sich auch mit Charlottes Geschwistern und mit ihrem Verlobten Kestner gut.

Für Goethe war eine Beziehung zu der bereits verlobten Charlotte aussichtslos. Seine Zuneigung und Eifersucht führten dazu, dass er Wetzlar nach einem brieflichen Abschied von Charlotte und Kestner verließ. Die Trennung verarbeitete er in Die Leiden des jungen Werthers: Charlotte wurde zum Vorbild für Lotte, Kestner für die Figur Albert.

Familie, spätere Jahre und Grab

Nach der Heirat lebte Charlotte Kestner mit ihrem Mann in Hannover, zunächst in der Aegidienneustadt. Sie leitete ein großes Hauswesen, zuerst in der Aegidienstraße und später in der Großen Wallstraße, heute Georgswall. Sie wurde Mutter von acht Söhnen und vier Töchtern. Nach dem Tod ihres Mannes im Jahr 1800 blieb sie eine wichtige Bezugsperson für die weit verstreute Familie und kümmerte sich weiter um deren Fortkommen und Wohlergehen.

Mit Goethe stand sie weiterhin in brieflichem Kontakt und bewirkte, dass er ihren Söhnen, darunter August Kestner, half. Im September 1816 reiste sie für einige Wochen nach Weimar und traf Goethe dort wieder. Dieses Wiedersehen blieb einmalig und förmlich. Charlotte Kestner wurde auf dem Gartenfriedhof in Hannover begraben. Ihr klassizistisches Grabdenkmal entwarf Georg Ludwig Friedrich Laves, der Ehemann ihrer Enkelin.

Direkte Nachfahren leben heute in Deutschland, der Schweiz und Frankreich. Nach neuesten Forschungen gibt es mehr als 1200 Nachfahren von Charlotte und ihren Geschwistern.

Kinder und Verwandtschaft

Zu den zwölf Kindern Charlotte Kestners gehörten unter anderem Georg Heinrich Friedrich Wilhelm Kestner (1774–1867), Archivar, Bankier sowie Kunst- und Autographensammler, Georg August Christian Kestner (1777–1853), Diplomat und Kunstsammler, Theodor Friedrich Arnold Kestner (1779–1847), Mediziner und Stadtphysikus in Frankfurt am Main, sowie Friedrich Kestner (1795–1872), Kaufmann in Le Havre und königlich hannoverscher Generalkonsul. Mehrere ihrer Söhne waren Fabrikbesitzer in Thann im Elsaß.

Ihr Neffe Heinrich Buff, Sohn ihres Bruders Wilhelm Karl Ludwig Buff, war Chemiker. Als Großneffe wird Hans Buff-Gießen (1862–1907) genannt, ein Opernsänger mit der Stimmlage Tenor.

Literarische und öffentliche Erinnerung

Das Treffen Charlotte Kestners mit Goethe in Weimar von 1816 gestaltete Thomas Mann in seinem 1939 erschienenen Roman Lotte in Weimar literarisch. Der Roman wurde 1974 verfilmt: Lilli Palmer spielte die Titelrolle, Martin Hellberg Goethe. Im Film Goethe! von 2010 wird Lotte von Miriam Stein dargestellt.

Die Goethe-Gesellschaft Hannover veranstaltete 1928 und 2003 Gedächtnisfeiern für Charlotte Kestner. 1974 erhielt bei der Aufstellung der Nanas in Hannover eine Nana den Namen Charlotte. Außerdem ist der koreanische Konzern Lotte nach Charlotte Buff benannt: Gründer Shin Kyuk-Ho wählte den Namen, weil er von Goethes Roman begeistert war.

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