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Werner-von-Siemens-Gymnasium (Bad Harzburg)
Im obligatorischen Seminarfach werden wissenschaftspropädeutisch Arbeitstechniken eingeübt. Arbeitsgemeinschaften. Bearbeiten. Es findet sich ein …
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Profil und Lage
Das Werner-von-Siemens-Gymnasium ist ein staatliches Gymnasium in Bad Harzburg im Landkreis Goslar (Niedersachsen). Es wurde 1869 gegründet und ist eines von drei Gymnasien in Bad Harzburg. Zum Einzugsgebiet gehören neben Bad Harzburg insbesondere Vienenburg und Goslar. Namensgeber ist der Erfinder Werner von Siemens. Im Schuljahr 2024/25 besuchten 784 Schülerinnen und Schüler die Schule; geleitet wird sie seit 2014 von Inga Rau.
Die Schule liegt im Zentrum des Kurortes Bad Harzburg am nördlichen Rand des Harzes. Das Schulgelände wird von drei Straßen begrenzt, die jeweils einen eigenen Eingang bieten. In der Nähe befinden sich die Innenstadt, das Rathaus und Parkmöglichkeiten. Am Rand des Geländes fließt die Radau.
Geschichte und Gebäude
Die Schule entstand aus der 1869 gegründeten Harzburger Privat-Schulgesellschaft, die von Familienvätern aus Neustadt, dem damaligen Namen Bad Harzburgs, und Bündheim gegründet wurde. Nach einer Genehmigung durch das Herzogliche Consistorium in Wolfenbüttel begann der Unterricht zunächst durch Gustav Vogel. 1869 übernahm Kandidat Rothe den Privatunterricht, 1870 Julius Klingemann. Nach der Genehmigung der Privatschule am 5. Oktober 1872 wurde Klingemann ihr erster Direktor.
Unter Friedrich Koldewey entwickelte sich die Privatschule zu einem Progymnasium. Nach Abschluss dieser Entwicklung, elf Jahre später, übernahm die Stadt Bad Harzburg die Trägerschaft. Die erste Reifeprüfung fand 1918 im inzwischen ausgebauten Reformrealgymnasium statt. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Unterricht am 13. Dezember 1945 wieder aufgenommen. Seit 1969 trägt die Schule den Namen Werner-von-Siemens-Gymnasium. Seit 2014 ist Inga Rau Schulleiterin; von Februar bis Juli 2014 war sie zunächst kommissarisch tätig.
Das Gymnasium besteht im Wesentlichen aus Hauptbau, Fachtrakt, Altbau und weiteren Verwaltungsgebäuden. Der heutige Hauptbau wurde 1928 eingeweiht und 1956 ausgebaut. Im selben Jahr entstand die Turnhalle; ihre Einweihung erfolgte am 18. November 1957. Der Fachtrakt wurde 1969 eröffnet und 1979 um eine zusätzliche Etage erweitert. Die Aula entstand 1981 und 1982. Eine weitere Turnhalle wurde 1988 und 1989 gebaut und am 10. November 1989 eingeweiht. Bereits am folgenden Tag diente sie nach dem Mauerfall als Nachtquartier für aus dem Ostharz eintreffende DDR-Bürger.
1994 wurde im Hauptgebäude eine Cafeteria eingerichtet. Sie wurde 2009 durch einen Anbau ersetzt, der am 3. Februar 2010 eröffnet wurde und Mittagessen sowie kleine Pausenmahlzeiten am Vormittag anbietet. 2010 wurde außerdem die Schulklingel durch einen Schulgong ersetzt. Mitte November 2013 wurde ein Anbau für ein Holzpelletheizsystem fertiggestellt, das aus Kosten- und Umweltgründen installiert wurde. Wegen steigender Schülerzahlen und der Rückumstellung auf G9 beschloss der Landkreis Goslar im September 2018 einen weiteren Erweiterungsbau. Seine Fertigstellung war für Winter 2026 vorgesehen; die Kosten wurden mit 17,3 Millionen Euro angegeben.
Auf dem Außengelände gibt es den Schulhof mit Basketballkorb, Beachvolleyball- und Fußballfeld, den Kastanienhof mit Tischtennisplatten sowie den nur für Oberstufenschüler zugänglichen Brunnenhof. Über das Gelände verteilt stehen Kunstinstallationen, die von verschiedenen Schülergenerationen gestaltet wurden. Während der Expo 2000 wurde eine Klangskulptur mit Klangachse und Flaschophonie installiert; eine dazugehörige Aufführung wurde im Guinness-Buch der Rekorde dokumentiert.
Unterricht und pädagogische Arbeit
Eine Besonderheit der Schule sind die Fächer „Medien“ und „Selbstbestimmtes Lernen“ (SBL). Dafür sind die Unterrichtsstunden auf 40 Minuten verkürzt und jeweils zwei Einheiten zu einem 80-Minuten-Block zusammengefasst. Die gewonnene Zeit wird für fachbezogenes und fächerübergreifendes Arbeiten genutzt, ohne die tägliche Unterrichtszeit zu verlängern.
Das Fach „Medien“ findet von Klasse 5 bis Klasse 11 jeweils mit einer Doppelstunde pro Woche statt. Es behandelt den Umgang mit Computer, Smartphone und anderen digitalen Medien sowie Software, Hardware, Internet und Sicherheitsaspekte. Ziel ist der Aufbau umfassender Medienkompetenz. Die Kenntnisse werden auch im regulären Unterricht, etwa in Deutsch, Kunst oder Mathematik, angewendet. Seit Beginn der Erprobungsphase des Fachs Informatik in Niedersachsen im Schuljahr 2022/23 wird Informatik in den Jahrgängen 9 und 10 unterrichtet.
SBL wird von Klasse 5 bis Klasse 11 ebenfalls mit einer Doppelstunde pro Woche angeboten; ab Klasse 12 stehen vier Einzelstunden zur Verfügung. Das Fach umfasst vier Elemente: Lernmethoden und Arbeitstechniken, individuelle Lernzeit, soziale Kompetenz und Projektarbeit. In den Klassen 5 und 6 stehen Lernmethoden und Arbeitstechniken im Mittelpunkt; später werden sie vertieft und im Fachunterricht angewendet. So können Aufgaben an individuelle Lernbedürfnisse angepasst und innerhalb von SBL bearbeitet werden. Soziale Kompetenzen werden unter anderem mit dem Programm „Lions-Quest – Erwachsen werden“ gefördert. Projektarbeit verbindet über längere Zeit umfassende Aufgaben und häufig mehrere Fächer; sie spielt besonders ab Klasse 9 eine Rolle. In der Qualifikationsphase heißt das Angebot „SLQ (Selbstbestimmtes Lernen in der Qualifikationsphase)“ und dient als von Lehrkräften begleitete, fachgebundene und frei wählbare Lernzeit, in der auch Tutorien oder Beratung genutzt werden können.
Seit dem Schuljahr 2016/2017 ist die Schule eine offene Ganztagsschule. Unter dem Motto „Jeder kann – keiner muss“ sind Nachmittagsangebote freiwillig und interessengeleitet. Das Angebot umfasst Arbeitsgemeinschaften, Förderung und Betreuung. Besonders ausgeprägt sind Musik und Kunst mit zwei Chören, Orchester, Band, Kunst- und Theater-AG. Die Theater-AG nimmt unter anderem an der Braunschweiger Schultheaterwoche teil.
Integration und Inklusion gehören ebenfalls zur pädagogischen Arbeit. Seit der Einschulung der fünften Klassen im Sommer 2006 gab es zieldifferente Integration. Bis 2014 nahmen vier geistig behinderte Kinder, eines davon auch körperlich behindert und mit Down-Syndrom, erfolgreich am Schulalltag teil. Der Unterricht findet je nach Bedarf gemeinsam in der Klasse oder separat und individuell angepasst statt; zusätzlich können Sonderpädagogen unterstützen. 2007 erhielt die Schule von der Zeitschrift Unicum die Auszeichnung „Schule des Jahres“ für die Integration geistig behinderter Schülerinnen und Schüler. Mit dem offiziellen Beginn der Inklusion in Niedersachsen erhielten die betreffenden Lernenden den Status inkludierter Schüler.
Soziales Lernen wird durch Lions Quest, Streitschlichter, Klassenpaten und Schülerengagement gefördert. Tutoren können unter Unterstützung von Lehrkräften Förderkurse in Englisch, Deutsch, Mathematik, Latein und Französisch anbieten. Weitere Aufgaben gibt es in Bibliothek, schulischem Intranet, bei Veranstaltungen und in der Schülervertretung. Projekte mit Seniorenheimen, etwa Computerkurse sowie Chor- und Theaterauftritte, und Typisierungsaktionen mit der DKMS ergänzen das Angebot. Die Patenschüler erhielten 2015 den Jugendförderpreis des Landkreises Goslar.
Europaschule und internationale Kontakte
Das Werner-von-Siemens-Gymnasium ist wegen seiner Fremdsprachenangebote, europäischer Unterrichtsthemen und interkultureller Zusammenarbeit „Europaschule in Niedersachsen“. Die erste Zertifizierung erfolgte 2015, die Rezertifizierung 2020.
Englisch beginnt in Klasse 5 als erste Fremdsprache. Ab Klasse 6 wählen die Schülerinnen und Schüler Französisch oder Latein als zweite Fremdsprache; die Entscheidung fällt im zweiten Halbjahr der Klasse 5. In der Oberstufe kann Spanisch hinzukommen. Neu zugewanderte Schülerinnen und Schüler können bei Bedarf durch eine Sprachfeststellungsprüfung weitere Fremdsprachen als Ersatz für eine Pflichtfremdsprache nachweisen. Arbeitsgemeinschaften und Austauschfahrten bieten außerdem Grundlagen in Italienisch, Russisch und Spanisch. Externe Sprachprüfungen sind insbesondere in Englisch (Telc) und Französisch (DELF) möglich.
Das Fahrtenprogramm umfasst eintägige Exkursionen, Klassen- und Studienfahrten, meist ins europäische Ausland, sowie Fahrten nach Rom, Paris und Spanien im Rahmen des Französisch- beziehungsweise Lateinunterrichts. Hinzu kommen Chorfahrten, eine Ski-Alpin-Fahrt nach Österreich und Besuche ausländischer Partnerschulen.
Der USA-Austausch fand seit 1996 im Rahmen des German American Partnership Program (GAPP) statt. Partner waren zunächst die Severna Park High School in Maryland und seit 2011 zusätzlich die Upper Moreland High School in Willow Grove, Pennsylvania. Die Partnerschulen wurden im jährlichen Wechsel besucht. Der dreiwöchige Aufenthalt in den USA umfasste meist den Schul- und Familienalltag sowie Reisen nach New York City, Washington, D.C., Philadelphia und Lancaster County zu den Amischen. Ein individueller Austausch bis zu einem Schuljahr war ebenfalls möglich. Der letzte Austausch fand 2017 statt; wegen der personellen Situation an den amerikanischen High Schools gibt es derzeit keine Austauschaktivitäten. Als Ersatz findet seit 2019, mit einer Unterbrechung während der Corona-Zeit, jährlich eine Englandfahrt statt.
Der Polenaustausch besteht seit 1993. Er führte zunächst nach Sklarska Poneba, seit 1998 nach Bydgoszcz und seit 2014 nach Posen. Im Mittelpunkt steht die Völkerverständigung zwischen Polen und Deutschen, nicht vorrangig die Verbesserung einer bereits gelernten Fremdsprache. Sprachbarrieren werden durch gemeinsame Unternehmungen überwunden. Ein jährlicher Austausch mit dem Liceo Bodoni in Saluzzo, Piemont, richtete sich besonders an die 9. Klassen. Ziele waren moderne Landeskunde Italiens und die Projektarbeit „Auf den Spuren der Römer“; Arbeitssprache war Englisch.
In Comenius- und Erasmus+-Projekten arbeitete die Schule mit Partnern in mehreren europäischen Ländern zusammen. Dazu gehörten 2011–2013 „One Hundred Years of Being a Woman“, 2013–2015 „EU-Gusto“, 2018–2020 „A European Heritage of the Past, Present and Future“ und 2020–2023 „Healthier Youth in a Healthier EU“. Beim letzten Projekt wurde die Laufzeit wegen der Corona-Pandemie von zwei auf drei Jahre verlängert. Für 2023–2027 ist die Schule für Erasmus+ akkreditiert. Angeboten werden Austauschbegegnungen für einzelne Lernende und Gruppen sowie Fortbildungen und Job-Shadowing für Lehrkräfte. Partnerländer sind Finnland, Frankreich, Griechenland, Italien, Polen, Portugal, die Slowakei, Slowenien und Spanien.
Schulleben, Berufsorientierung und Auszeichnungen
Die Schule arbeitet seit mehr als 40 Jahren mit dem Niedersächsischen Internatsgymnasium Bad Harzburg und dem Gymnasium Braunlage zusammen. Gemeinsame Kurse in der Oberstufe, Projekte wie Picus-Tag und Walderlebnistag sowie Lehrkräfteaustausch sollen Unterrichtsversorgung und Zusammenarbeit verbessern. Es bestehen außerdem Kontakte zu Grundschulen, zum Mönchehaus Museum für moderne Kunst, zur Kreismusikschule Goslar, zur telc gGmbH und seit 2007 offiziell zu Siemens in Braunschweig. Diese Kooperationen dienen unter anderem dem Übergang auf das Gymnasium, kultureller Bildung, Sprachprüfungsvorbereitung, musikalischer Arbeit und Berufsförderung.
Zur Studien- und Berufsvorbereitung gehören Vorträge, eine Ausbildungs- und Studienbörse, Informationen im schulischen Intranet, ein dreiwöchiges Betriebspraktikum und ein Bewerbungs- und Vorstellungstraining in Klasse 11. Im Rahmen von „BOGS“ nehmen Schülerinnen und Schüler an „BENIMM“ und „BEREIT“ teil: Klasse 11 beschäftigt sich mit Verhaltensregeln in der Arbeitswelt, Klasse 9 mit einem mehrtägigen Berufseignungstest. In der Oberstufe gibt es Besuche im Berufsinformationszentrum, Orientierungsveranstaltungen und Beratung durch die Arbeitsagentur. Fahrten führen zu Hochschulinformationstagen der TU Clausthal und der Universität Göttingen. Ehemalige Schüler berichten regelmäßig über Studium und Universitäten; im Seminarfach werden wissenschaftspropädeutische Arbeitstechniken eingeübt.
Der Elternverein verbindet Eltern, ehemalige Schüler, Freunde der Schule, Schulleitung und Lehrerkollegium. Er unterstützt schulische Aktivitäten finanziell und betreibt Öffentlichkeitsarbeit. Die 1964 gegründete Schülerzeitung „Profil“ erscheint viermal jährlich vor den Ferien und wird in einer Arbeitsgemeinschaft erstellt. Sie gilt als älteste kontinuierlich erscheinende Schülerzeitung Niedersachsens; der Verband der Niedersächsischen Jungredakteure bezeichnet sie als älteste Schülerzeitung Deutschlands.
Zu den ausgewählten Auszeichnungen und Erfolgen zählen „Schule des Jahres“ im Bereich Kunst/Musik 1997, der zweite Platz bei „Philosophie im Clip“ 2010, Anerkennungspreise beim Deutschen Klimapreis 2014 und 2015, „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ 2015, „Digitale Schule“ 2018, das Lions-Quest-Qualitätssiegel 2018, der Schülerfriedenspreis 2019, „Umweltschule in Europa“ 2022 und „Klimaneutrale Schule“ 2022 sowie deren Re-Zertifizierung 2023. Hinzu kommen wiederholte Teilnahmen an Landes- und Bundesfinals von „Jugend trainiert für Olympia“ sowie weitere Erfolge in Schach, Tischtennis, Skilanglauf, Klimaschutz und Informatik.