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Washington, D.C.

Der District of Columbia oder Washington, D.C. [ˈwɑʃɪŋtən ˈdiː ˌsiː] ist Bundesdistrikt, Regierungssitz und seit 1800 die Hauptstadt der Vereinigten Staaten …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Bedeutung und Grunddaten
  2. 2. Lage, Aufbau und Klima
  3. 3. Entstehung und historische Entwicklung
  4. 4. Bevölkerung, Religion und Bildung
  5. 5. Politischer Status und Wahlrechte
  6. 6. Wirtschaft, Verkehr und Kultur

Bedeutung und Grunddaten

Washington, D.C., offiziell District of Columbia, ist seit 1800 die Hauptstadt und der Regierungssitz der Vereinigten Staaten. Der District ist kein Bundesstaat und gehört keinem Bundesstaat an, sondern untersteht direkt dem US-Kongress. Er liegt zwischen Maryland und Virginia. D.C. steht für District of Columbia; Washington erinnert an George Washington, den ersten Präsidenten der Vereinigten Staaten.

In Washington befinden sich die Zentren der drei verfassungsmäßigen Gewalten: Im Weißen Haus arbeitet und wohnt der Präsident, im Kapitol tagt der Kongress mit Senat und Repräsentantenhaus, und am Supreme Court sitzt das Oberste Gericht. Außerdem haben unter anderem der Internationale Währungsfonds, die Weltbank und die Organisation Amerikanischer Staaten ihren Sitz in der Stadt.

Washington wurde am 16. Juli 1790 gegründet. Bei der Volkszählung 2020 hatte der District 689.545 Einwohner; die Metropolregion hatte 6.385.162 Einwohner. Zusammen mit dem Großraum Baltimore umfasste die Region 9.973.383 Einwohner. Die Fläche beträgt 177 km², die Bevölkerungsdichte 3.896 Einwohner je km². Politisch ist die Stadt in acht Bezirke gegliedert; Bürgermeisterin ist Muriel Bowser.

Lage, Aufbau und Klima

Washington liegt etwa 35 km westlich der Chesapeake Bay an der Mündung des Anacostia River in den Potomac River. Das Stadtgebiet liegt am linken Potomac-Ufer zwischen Maryland im Nordosten und Virginia im Südwesten. Die Höhe reicht von 0 bis 125 m.

Der ursprüngliche District of Columbia war ein Quadrat mit einer Seitenlänge von 10 Meilen beziehungsweise 16,1 km und einer Fläche von 100 Quadratmeilen beziehungsweise 258,9 km². 1846 wurde der von Virginia abgetretene Teil zurückgegeben; deshalb besteht der heutige District nur aus ursprünglich zu Maryland gehörendem Gebiet und ist 177 km² groß.

Die Stadt wird in die vier Quadranten Northwest, Southwest, Northeast und Southeast eingeteilt. Ihre Grenzen treffen am Kapitol zusammen. Zusätzlich gibt es acht politische Bezirke, sogenannte wards, die jeweils einen Vertreter in den Stadtrat wählen. Das Straßennetz ist überwiegend rechtwinklig und durchnummeriert. Ost-West-Straßen sind alphabetisch geordnet, Nord-Süd-Straßen nummeriert; die Einteilung beginnt jeweils am Kapitol. Diagonal verlaufende Hauptstraßen heißen Avenues und sind meist nach Bundesstaaten benannt.

Washington hat ein feucht-subtropisches Klima mit kontinentalen Einflüssen im Winter (Köppen-Klassifikation Cfa). Für den Bezugszeitraum 1991–2020 beträgt die mittlere Jahrestemperatur 15,2 °C und die Niederschlagssumme 1.062,2 mm. Im Durchschnitt gibt es 40,1 Tage mit mehr als 32 °C und 60,0 Nächte unter 0 °C. Ältere Daten für 1961–1990 nennen 14,5 °C und 981,1 mm; die Werte unterscheiden sich also je nach Bezugszeitraum.

Wegen einer Höhenbeschränkung darf kein Gebäude höher sein als die Breite der angrenzenden Straße plus 6,1 m. Ausnahmen bilden unter anderem das Washington Monument, der Turm des Old Post Office und die Washington National Cathedral.

Entstehung und historische Entwicklung

Vor der europäischen Besiedlung lebten im Gebiet des heutigen District of Columbia die Nacotchtank am Anacostia River. Alexandria wurde 1749 als Teil Virginias gegründet, Georgetown 1751 als Teil Marylands.

James Madison begründete 1788 in den Federalist Papers (Nr. 43), dass die Bundesregierung die Hauptstadt selbst kontrollieren müsse. Die Verfassung erlaubte dem Kongress, einen District von 10 mal 10 Meilen als Regierungssitz festzulegen. Nach New York City als Hauptstadt von 1788 bis 1790 bestimmte der Residence Act von 1790 Philadelphia für zehn Jahre zur Hauptstadt und sah zugleich die Suche nach einem dauerhaften Ort am Potomac vor. George Washington wählte ein Gebiet aus Teilen Marylands und Virginias. 1791 wurde daraus der District of Columbia gebildet.

Die neue Hauptstadt war als Planstadt gedacht. Pierre Charles L’Enfant entwarf einen Generalplan, der später von Andrew Ellicott stark verändert wurde. Der Bau begann am 13. Oktober 1792 mit dem künftigen Präsidentensitz, dem Weißen Haus. Am 11. Juni 1800 wurde Washington ständige Hauptstadt; Präsident John Adams zog im Juni 1800 mit seiner Regierung um, und am 17. November 1800 trat der Kongress erstmals dort zusammen. Der District of Columbia Organic Act von 1801 stellte den District unter die direkte Verwaltung des Kongresses und integrierte Alexandria und Georgetown.

Am 24. August 1814 eroberten britische Truppen Washington während des Britisch-Amerikanischen Krieges. Das Kapitol wurde zerstört, das Weiße Haus beschädigt, und Präsident James Madison floh nach Virginia. 1846 wurde der westlich des Potomac gelegene Teil an Virginia zurückgegeben. Der Kompromiss von 1850 verbot den Sklavenhandel, nicht aber die Sklavenhaltung. 1862 beendete der Compensated Emancipation Act die Sklaverei im District durch staatlichen Freikauf.

Der Organic Act von 1871 hob Washington, Georgetown und Washington County als eigenständige Einheiten auf und schuf eine einheitliche Verwaltung. Der McMillan-Plan von 1902 prägte die heutige National Mall als offenen Raum mit öffentlichen Gebäuden. Im New Deal wurden ab den 1930er Jahren zahlreiche Gebäude errichtet oder saniert.

Bevölkerung, Religion und Bildung

Die Einwohnerzahl stieg von 8.144 im Jahr 1800 auf 802.178 im Jahr 1950. Danach sank sie lange, unter anderem auf 572.059 im Jahr 2000, und stieg wieder auf 601.723 im Jahr 2010 und 689.545 im Jahr 2020. Der Zuwachs zwischen 2010 und 2020 war der erste größere Anstieg nach dem stetigen Rückgang seit 1950.

Nach den offiziellen Daten von 2010 waren 50,7 % der Bevölkerung Schwarze oder Afroamerikaner, 38,5 % Weiße, 3,5 % Asiaten, 0,3 % Indigene und 0,1 % Hawaiianer oder Angehörige anderer Pazifikinseln. 2,9 % gehörten zwei oder mehr Gruppen an. 9,1 % der Gesamtbevölkerung waren Hispanics oder Latinos jedweder Ethnie. Für 2015 wurde die Bevölkerung auf 672.228 Personen geschätzt.

Zu den mitgliederstärksten Religionsgemeinschaften gehörten im Jahr 2000 die römisch-katholische Kirche mit 160.048 Mitgliedern, die American Baptist Churches USA mit 51.836, die Southern Baptist Convention mit 38.852 und die Episcopal Church mit 19.698. 60.479 Einwohner waren islamischen und 25.500 jüdischen Glaubens.

Zu den bekanntesten der fünf Universitäten der Stadt zählen die Georgetown University, gegründet 1789, die George Washington University, gegründet 1821, und die Howard University, gegründet 1867 und eine der ältesten Universitäten für die afroamerikanische Bevölkerung.

Politischer Status und Wahlrechte

Washington besitzt seit 1974 einen Stadtrat und wählt eine Bürgermeisterin oder einen Bürgermeister. Die Selbstverwaltung bleibt jedoch eingeschränkt: Alle Gesetze des Stadtrats müssen vom Kongress bestätigt werden, und der Kongress kann über die Stadt hinweg entscheiden oder den Stadtrat auflösen. Im Jahr 2020 gehörten elf Stadträte der Demokratischen Partei an, zwei waren parteilos; seit 2009 gab es keinen republikanischen Stadtrat.

Der District wählt einen Delegierten für das Repräsentantenhaus. Dieser darf in Ausschüssen mitstimmen, nicht aber bei allgemeinen Abstimmungen. Im Senat ist der District nicht vertreten. Erst der 23. Verfassungszusatz von 1961 gab den Einwohnern das Recht, an Präsidentschaftswahlen teilzunehmen. Washington verfügt dabei über drei Wahlmänner, höchstens so viele wie der bevölkerungsärmste Bundesstaat.

Washington gilt als Hochburg der Demokraten. Seit 1964 stimmte die Mehrheit der Wahlberechtigten stets mit mindestens 56 Prozentpunkten Vorsprung für den demokratischen Präsidentschaftskandidaten. 2008 erhielt Barack Obama 92,5 % der Stimmen; das beste Ergebnis eines republikanischen Kandidaten erreichte Richard Nixon 1972 mit 21,56 %. 2024 entfielen 90,3 % beziehungsweise 294.185 Stimmen auf die Demokraten und 6,5 % beziehungsweise 21.076 Stimmen auf die Republikaner.

Die eingeschränkte Vertretung wird mit dem Slogan „Taxation without representation“ kritisiert. Vorgeschlagen wurden eine Vertretung durch einfaches Gesetz, ein Verfassungszusatz, die Rückgabe des Gebiets an Maryland oder die Umwandlung in einen Bundesstaat. Ein Verfassungszusatz von 1978 scheiterte, weil bis 1985 nur 16 statt der erforderlichen 38 Bundesstaaten zustimmten. Der Washington, D.C. Admission Act H.R. 51 wurde im April 2021 vom Repräsentantenhaus verabschiedet, aber nicht im Senat behandelt. Er sieht den Bundesstaat „Washington, Douglass Commonwealth“ vor; Regierungsgebäude sollten in einem kleinen District „The Capital“ verbleiben. Im August 2025 entsandte Präsident Donald Trump Nationalgardisten und Bundesagenten nach Washington. Bürgermeisterin Muriel Bowser verwies dagegen darauf, dass die Gewaltkriminalität 2024 den niedrigsten Stand seit mehr als drei Jahrzehnten erreicht habe.

Wirtschaft, Verkehr und Kultur

Das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf betrug 2016 160.472 US-Dollar und lag damit höher als in allen US-Bundesstaaten. Die Wirtschaft beruht vor allem auf der politischen und administrativen Funktion der Stadt. Bedeutende Bereiche sind Tourismus, Finanzen, Bildung, Gesundheit und Forschung. Der Staat, diplomatische Einrichtungen und private Stiftungen beschäftigen viele Einwohner. Die Arbeitslosenquote lag im November 2017 bei 6,4 %, gegenüber 4,1 % im Landesdurchschnitt. Gleichzeitig lebten 2013 18,9 % der Bevölkerung in Armut; Washington wies eine besonders hohe Einkommensungleichheit auf. Im weltweiten Lebensqualitätsvergleich von 2019 lag die Stadt auf Rang 53 von 231 Städten.

Die Capital-Beltway-Ringautobahn besteht aus Interstate 495 und Interstate 95. Das Busnetz Metrobus wird seit 1973 von der WMATA betrieben und reicht bis nach Maryland und Virginia. Der DC Circulator bestand von 2005 bis 2024. Die Union Station wird von Amtrak, MARC Train und Virginia Railway Express bedient. Die Metro Washington wurde 1976 eröffnet, war 2023 208 km lang und bestand seit 2014 aus sechs farblich unterschiedenen Linien. Ein erstes Straßenbahnsystem wurde 1962 stillgelegt; ein zweites bestand von 2016 bis 2026 aus einer Strecke.

Der Ronald Reagan Washington National Airport liegt in Virginia und dient vor allem dem nationalen Verkehr. Der Flughafen Washington Dulles liegt 45 km westlich, der Baltimore-Washington International Airport 65 km nordöstlich; beide bieten nationale und internationale Flüge.

Zu den fünf großen Profiteams gehören die Washington Commanders, Nationals, Capitals, Wizards und D.C. United. Die National Mall ist ein wichtiger Ort für Proteste und Großveranstaltungen. Bedeutende Sehenswürdigkeiten sind unter anderem Weißes Haus, Kapitol, Washington Monument, Lincoln Memorial, Jefferson Memorial, Supreme Court, National Mall, Nationalfriedhof Arlington, Library of Congress, National Archives, Kennedy Center und die Museen der Smithsonian Institution. Das Siegel zeigt Justitia, George Washington, das Kapitol und einen Zug; das Motto lautet „justitia omnibus“ („Gerechtigkeit für alle“), die Jahreszahl 1871 verweist auf die heutige Verwaltungsform. Washington hat vierzehn Partnerstädte und ist Sitz der OAS, der Weltbank, des IWF und des Regionalbüros USA der WHO.

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