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Amische

Die Amischen (englisch Amish ['ɑːmɪʃ]) sind eine täuferisch-protestantische Glaubensgemeinschaft, die überwiegend in den USA lebt.

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Überblick und Verbreitung
  2. 2. Entstehung und Entwicklung
  3. 3. Glaube, Gemeinde und Gottesdienst
  4. 4. Alltag, Technik und Kleidung
  5. 5. Aufwachsen, Beruf und Gesundheit
  6. 6. Untergruppen und Verhältnis zu Mennoniten

Überblick und Verbreitung

Die Amischen sind eine täuferisch-protestantische Glaubensgemeinschaft mit Wurzeln in der Täuferbewegung der Reformationszeit in der Schweiz und in Süddeutschland. Sie trennten sich 1693 unter dem mennonitischen Ältesten Jakob Ammann vom Hauptstrom der Mennoniten. Mit „Amischen“ sind heute meist die Amischen alter Ordnung gemeint.

Sie leben stark gemeinschaftsbezogen, traditionell mit Bezug zur Landwirtschaft, und prüfen technische Neuerungen daraufhin, wie sie Familie, Gemeinde und Abgeschiedenheit von der Außenwelt beeinflussen. Wichtige Glaubensmerkmale sind die Bekenntnistaufe, also die Taufe von Menschen, die ihren Glauben selbst bekennen, Gewaltlosigkeit, die Ablehnung von Eiden sowie die Trennung von Staat und Kirche.

Im Jahr 2022 gab es 373.620 Amische alter Ordnung in mehr als 500 Siedlungen, in 32 US-Bundesstaaten, drei kanadischen Provinzen sowie je einer Gemeinde in Bolivien und Paraguay. Für 2021 nennt der Artikel 355.660 Amische in den USA und etwa 6.000 in Kanada. Die größten Zahlen hatten Pennsylvania mit 84.500, Ohio mit 80.240 und Indiana mit 60.960 Personen. Große Siedlungsräume liegen unter anderem in Lancaster County in Pennsylvania, in mehreren Countys Ohios sowie in Elkhart und LaGrange County in Indiana.

Amische wohnen nicht in vollständig abgeschlossenen Dörfern, sondern meist neben nichtamischen Nachbarn, die sie „englisch“ nennen. Die meisten sprechen untereinander Pennsylvaniadeutsch; kleinere Gruppen in Indiana sprechen Berndeutsch oder Elsässisch. Im Gottesdienst verwenden sie ein stark dialektal gefärbtes Hochdeutsch, mit der Außenwelt kommunizieren sie auf Englisch.

Entstehung und Entwicklung

Die Täuferbewegung entstand während der Reformation neben anderen reformatorischen Strömungen. Aus ihr gingen die Mennoniten hervor. Schweizer Brüder, eine mennonitische Gruppe in der Schweiz und Süddeutschland, hatten im Elsass das Dordrechter Bekenntnis von 1632 angenommen, setzten dessen Forderungen nach Absonderung von der Welt und Gemeindebann aber zunächst weniger streng um.

Ende des 17. Jahrhunderts verlangte Jakob Ammann eine strengere Gemeindezucht. Er vertrat unter anderem, dass Menschen nur durch einen vollständigen Übertritt mit allen Konsequenzen zur Gemeinde gehören und gerettet werden könnten. Sein Gegenspieler Hans Reist hielt auch nicht beigetretene Helfer verfolgter Mennoniten, die sogenannten Treuherzigen, für rettbar. Ammann forderte außerdem strenge Regeln zu Kleidung, Barttracht, Bann und Meidung. Meidung bedeutet den Abbruch sozialen Umgangs mit Personen, die nach einem Verstoß uneinsichtig bleiben; sie sollte sogar innerhalb der Familie gelten. Die Auseinandersetzung führte 1693 zur dauerhaften Spaltung. Ammann erkannte seine Härte später als zu rigoros an, doch die Trennung ließ sich nicht mehr aufheben.

Ab 1709 wanderten etwa 500 Amische, ungefähr 100 Familien, aus der Pfalz nach Pennsylvania aus; dokumentierte Einwanderer kamen 1737 mit der Charming Nancy in Philadelphia an. Dort bot William Penn Glaubensfreiheit. Eine zweite Auswanderungswelle begann 1815 und dauerte bis zum Ersten Weltkrieg; nach 1860 kamen allerdings nur noch wenige Amische nach Amerika.

Von 1862 bis 1878 berieten amische Gemeindeleiter in Dienerversammlungen über Modernisierung. Die Traditionalisten zogen sich 1865 zurück und organisierten sich später als Amische alter Ordnung. Die Modernisierer, etwa zwei Drittel der Amischen, nannten sich Amish Mennonites, verloren schrittweise viele Besonderheiten und vereinigten sich überwiegend mit Mennoniten. Weitere Gruppen entstanden: Beachy-Amische erlaubten in den späten 1920er Jahren den Autobesitz; Amische neuer Ordnung entstanden in den 1960er Jahren und verbinden stärker evangelikale Spiritualität mit mehr Technik. In Europa schlossen sich die verbliebenen amischen Gemeinden schließlich Mennoniten an; die letzte amische Gemeinde in Deutschland bestand bis 1937 in Ixheim.

Glaube, Gemeinde und Gottesdienst

Die sichtbare Lebensweise soll nach amischem Verständnis geistliche Grundsätze ausdrücken. Wichtige Schriften sind die Schleitheimer Artikel von 1527, das Dordrechter Bekenntnis von 1632, der Ausbund von 1564 und Ernsthafte Christenpflicht von 1708. Zentral sind Demut und Gelassenheit. Die Amischen verstehen sich als „in dieser Welt, aber nicht von dieser Welt“ und begründen dies unter anderem mit Johannes 17,11–18 und 15,19, Römer 12,2, 2. Korinther 6,14–17 und 1. Johannes 2,15.

Jede Ortsgemeinde ist autonom. Ihre Ordnung regelt große Teile der Lebensführung und kann durch Mehrheitsbeschluss geändert werden. Zweimal jährlich wird in einer Ordnungsgemeinde darüber verhandelt. Ein Abendmahlsgottesdienst zwei Wochen später findet nur statt, wenn Einigkeit erreicht wird. Bleibt ein Konflikt bestehen, wechseln einzelne Familien oft in passendere Gemeinden; andernfalls kann sich die Gemeinde teilen. Ähnliche Gemeinden bilden Gemeindebünde, innerhalb derer Mitglieder und Prediger zwischen Ortsgemeinden wechseln können.

Eine Gemeinde hat gewöhnlich etwa 150 Mitglieder und wird von einem Bischof, zwei Predigern und einem Diakon geleitet. Nur Männer können diese Ämter ausüben. Nach einer Wahl kommen Namen von Männern mit ausreichender Stimmenzahl in ein Los; der gezogene Mann ist lebenslang eingesetzt, darf das Amt nicht ablehnen und erhält weder Bezahlung noch besondere Ausbildung.

Mit wenigen Ausnahmen findet alle zwei Wochen ein drei- bis vierstündiger Hausgottesdienst statt. Männer und Frauen sitzen getrennt. Gesungen wird ohne Instrumente, traditionell einstimmig und sehr langsam aus dem Ausbund. Der Gottesdienst enthält einen kurzen und einen langen Predigtteil; die Predigt dauert meist mehr als zwei Stunden. Danach essen die Anwesenden im Haus der Gastgeberfamilie. Unverheiratete über 16 Jahre treffen sich am Abend zum gemeinsamen Singen. An gottesdienstfreien Sonntagen besucht man traditionell Verwandte und Freunde. Zu Hause gibt es meist Morgenandachten und tägliches Bibellesen, aber gewöhnlich kein umfangreiches privates Bibelstudium.

Alltag, Technik und Kleidung

Die Ordnung soll Gruppenerhalt und Gruppenleben vor individueller Verwirklichung stellen. Deshalb werden Fernsehen und Internet bei den Amischen alter Ordnung grundsätzlich abgelehnt. Ein Telefon im Wohnhaus ist meist verboten, weil es das Leben dominieren könnte. Telefonate bei Nachbarn oder an öffentlichen Telefonen sind jedoch möglich; manche Gruppen erlauben Telefone in Scheunen oder Geschäftsräumen. Handys und Smartphones sind eine besondere Herausforderung, vor allem bei noch nicht getauften Jugendlichen.

Die meisten Amischen alter Ordnung besitzen keine Autos, weil die dadurch mögliche große Mobilität nach ihrer Auffassung den lokalen Zusammenhalt schwächen kann und das Auto als Statussymbol gilt. Die Nutzung fremder Autos ist meist erlaubt; deshalb gibt es Fahrdienste nichtamischer Personen. Besonders konservative Gruppen wie die Swartzentruber-Amischen beschränken auch die Nutzung stark. Im Alltag fahren viele Amische Pferdekutschen. Züge und öffentliche Busse sind erlaubt, Flugreisen bei fast allen Untergruppen verboten. Traktoren sind häufig nur stationär erlaubt, nicht als Zugmaschinen bei der Feldarbeit. Technik wird also nicht pauschal abgelehnt: 2024 stellte ein Wagenbauer auch Kutschen mit hydraulischen Scheibenbremsen und Navis her.

Haushalte sind meist nicht an das öffentliche Stromnetz angeschlossen. Sie nutzen Gaslampen, Dieselgeneratoren, Batterien sowie hydraulische oder pneumatische Geräte. Waschmaschinen sind auf diese Weise in fast allen Untergruppen vorhanden. Die technische Praxis unterscheidet sich erheblich: Manche Gruppen erlauben beispielsweise Innen-Toiletten, Werkzeuge oder Kühlschränke, strengere Gruppen kaum solche Geräte.

Kleidung und Haartracht sollen Demut und Schlichtheit zeigen. Männer tragen schlichte Anzugjacken mit Stehkragen, Hosenträger statt Gürtel und breite Hüte. Verheiratete Männer tragen Bärte, Schnurrbärte sind fast überall verboten. Frauen tragen einfarbige Kleider mit langen Ärmeln, Schürzen und Häubchen; sie verlassen das Haus nicht ohne Kopfbedeckung. Haare von Mädchen und Frauen werden nicht abgeschnitten. Schmuck, Ringe und Make-up sind untersagt. Ein Foto stillschweigend zuzulassen ist nicht verboten, sich für die Kamera zu präsentieren gilt jedoch als mangelnde Demut.

Aufwachsen, Beruf und Gesundheit

Amische Kinder alter Ordnung besuchen meist eigene, von Eltern finanzierte Schulen. Dort lernen Kinder unterschiedlicher Klassenstufen gemeinsam, häufig bei jungen unverheirateten amischen Lehrerinnen. Unterrichtet werden vor allem Lesen, Schreiben und Rechnen sowie Deutsch zum Lesen religiöser Texte. Religiöse Unterweisung über Gebet und Bibeltexte hinaus gilt als Aufgabe der Familie. Biologie, Sexualkunde, erdgeschichtliche und wissenschaftliche Lehren sowie Evolutionstheorie werden nicht unterrichtet. Nach einem Urteil des Obersten Gerichtshofs der Vereinigten Staaten von 1972 sind amische Schülerinnen und Schüler nach der achten Klasse von der Schulpflicht befreit.

Rumspringa bezeichnet die Zeit ab dem 16. Lebensjahr bis zu einem möglichen Gemeindebeitrag und zur Heirat. Noch ungetaufte Jugendliche unterstehen nicht der Gemeindeordnung und haben mehr Freiheiten. In großen Siedlungen können sogenannte buddy bunches entstehen, Gruppen mit sehr unterschiedlichem Verhalten: von Jugendlichen in amischer Kleidung und mit Kutsche bis zu Gruppen mit Autos, modischer Kleidung, Alkohol und teilweise Drogen. Die meisten Jugendlichen entscheiden sich anschließend für die Gläubigentaufe und das Leben in der Gemeinde. Dann gelten die Regeln verbindlich; schwere Verstöße können Bann und Meidung nach sich ziehen, eine Rückkehr nach glaubhafter Reue bleibt möglich.

Da Farmen knapp und teuer wurden, arbeiten Amische heute nicht nur in der Landwirtschaft. Häufig sind Bauhandwerk, Holzverarbeitung, Handel und die Herstellung von Massivholzmöbeln. Neue Siedlungen entstehen meist, wenn mehrere Familien bezahlbares Land nahe einer kleineren Stadt suchen. Die größere Erwerbsvielfalt kann die Versorgung innerhalb der eigenen Gemeinschaft erleichtern, erhöht aber zugleich den Kontakt zur Außenwelt und kann das Familien- und Gemeinschaftsleben verändern.

Amische schließen grundsätzlich keine Versicherungen ab; von der US-Krankenversicherungspflicht wurden sie 2012 ausgenommen. Gesundheitskosten tragen zunächst Familien, bei Bedarf Gemeinde und Nachbargemeinden durch Spenden. Teilweise bestehen Selbsthilfeorganisationen wie Amish Aid. Wegen weniger Gründerfamilien und Heiraten innerhalb der Gruppe treten bestimmte rezessive Erbkrankheiten häufiger auf. Der Gründereffekt hilft der Forschung, genetische Ursachen seltener Krankheiten zu erkennen. Die Säuglingssterblichkeit ist laut Artikel insgesamt weder höher noch niedriger als in der nichtamischen ländlichen Bevölkerung der Region.

Untergruppen und Verhältnis zu Mennoniten

Die Amischen sind keine einheitliche Gruppe, sondern umfassen mehr als 40 Untergruppen. Unterschiede entstanden durch Siedlungsräume, Dialekte, unterschiedliche Auffassungen zur Lebensführung und unterschiedliche Technikregeln. Die größten Gruppen stammen aus Lancaster County, Holmes County sowie Elkhart und LaGrange County. Zu den besonders konservativen Gruppen gehören etwa Swartzentruber- und Buchanan-Amische. Die Schweizer Amischen in Adams und Allen County sprechen Berndeutsch beziehungsweise Elsässisch und machen etwa sieben Prozent der Amischen aus.

Je konservativer eine Untergruppe ist, desto höher sind nach dem Artikel meist Kinderzahl und Anteil der Jugendlichen, die dauerhaft der Gemeinschaft beitreten. Konservativere Gruppen wachsen daher schneller; liberalere, besonders Amische neuer Ordnung mit Elektrizität, wachsen langsam, stagnieren oder schrumpfen. Die Annahme einer Neuerung kann stillschweigend erfolgen, später verboten werden oder durch einen einstimmigen Gemeindebeschluss erlaubt werden. Fernsehen wurde meist sofort verboten.

Mennoniten und Amische süddeutsch-schweizerischer Herkunft teilen historische Wurzeln und theologische Grundpositionen: Glaubenstaufe, Ablehnung von Eiden und Verweigerung des Militärdienstes. Im Durchschnitt sind amische Gruppen bei Glaubenspraxis und Technik strenger, doch es gibt auch sehr konservative Mennonitengruppen. Ein sichtbarer Unterschied liegt häufig im Gottesdienstort: Amische versammeln sich meist wechselnd in Häusern, Scheunen oder Werkstätten. Mennoniten errichten bei ausreichender Gemeindegröße meist Versammlungshäuser.

Darstellungen in der Populärkultur weichen laut Artikel oft deutlich von der Wirklichkeit ab. Die Serie Amish Mafia wird als Scripted-Reality und reine Erfindung bezeichnet; Ähnliches gilt für Breaking Amish und Amish: Out of Order.

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