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Landkreis Goslar
Der Landkreis Goslar liegt im Südosten von Niedersachsen, Verwaltungssitz ist die große selbständige Stadt Goslar. Wappen, Deutschlandkarte.
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Überblick und Raum
Der Landkreis Goslar liegt im Südosten Niedersachsens. Verwaltungssitz ist die große selbständige Stadt Goslar. Der Kreis besteht seit 1885, umfasst 966,73 km² und hatte am 31. Dezember 2025 insgesamt 126.082 Einwohner. Er gliedert sich in sieben Gemeinden sowie das unbewohnte gemeindefreie Gebiet Harz. Dieses ist mit 371,76 km² das größte gemeindefreie Gebiet Deutschlands.
Der Landkreis umfasst Teile des Innersteberglands, der Harzrandmulde, des Harly und des Südwestlichen Harzvorlands. Sein gesamter Süden liegt im Ober- und Mittelharz. Während der Norden meist zwischen 200 und etwas mehr als 300 m hoch liegt, erreichen Dicker Kopf 670 m und Schalke 762 m. Im Mittelharz liegen Achtermannshöhe mit 925 m, Bruchberg mit 927 m und Wurmberg mit 971 m. Der Wurmberg ist der höchste Berg Niedersachsens.
Nachbarkreise sind im Uhrzeigersinn ab Osten der Landkreis Harz in Sachsen-Anhalt, der Landkreis Nordhausen in Thüringen sowie Göttingen, Northeim, Hildesheim und Wolfenbüttel und die kreisfreie Stadt Salzgitter in Niedersachsen.
Die größeren Flüsse entspringen im Harz: Nette, Innerste mit Neile und Grane, Oker mit Radau und Ecker sowie Oder und Warme Bode. Wasserflächen entstanden durch Kiesabbau, durch Talsperren und durch den Bergbau. Der Vienenburger See und die Vienenburger Kiesteiche gehen auf Kiestagebau zurück. Innerste-, Grane-, Oker- und Eckertalsperre dienen unter anderem dem Hochwasserschutz und der Trinkwassergewinnung. Die Teiche, Gräben und Wasserläufe des Oberharzer Wasserregals versorgten früher den Oberharzer Bergbau.
Gemeinden und Bevölkerung
Die sieben Einheitsgemeinden mit ihren Einwohnerzahlen vom 31. Dezember 2025 sind Bad Harzburg (19.503), Braunlage (4.767), Clausthal-Zellerfeld (13.501), Goslar (47.454), Langelsheim (14.461), Liebenburg (7.784) und Seesen (18.612). Goslar ist Kreisstadt und große selbständige Stadt; Seesen ist eine selbständige Gemeinde. Hinzu kommt das unbewohnte gemeindefreie Gebiet Harz.
Zur Bevölkerungsdichte enthält der Artikel unterschiedliche aktuelle Angaben: In den Basisdaten stehen 130 Einwohner je km², im eigenen Abschnitt zur Bevölkerungsdichte dagegen 139 Einwohner/km² einschließlich des gemeindefreien Gebiets. Ohne dieses Gebiet werden 236 Einwohner/km² angegeben; das liege über dem niedersächsischen Wert und entspreche dem deutschen Wert.
Für das heutige Kreisgebiet zeigen die historischen Zahlen zunächst starkes Wachstum: von 57.421 Einwohnern 1821 über 121.654 im Jahr 1939 auf 199.520 im Jahr 1950. Danach ging die Einwohnerzahl langfristig zurück: 178.872 im Jahr 1961, 157.839 im Jahr 1987, 143.014 im Jahr 2010 und 134.672 im Jahr 2022. Zahlen für den Landkreis in seinem jeweils damaligen Gebietsstand sind wegen der vielen Grenzänderungen nicht unmittelbar mit denen des heutigen Kreisgebiets vergleichbar.
Nach dem Zensus 2022 waren 43,7 % der Bevölkerung evangelisch und 9,6 % katholisch. 46,7 % waren konfessionslos, gehörten einer anderen Glaubensgemeinschaft an oder machten keine Angabe.
Historische Entwicklung
Das Gebiet war über Jahrhunderte zwischen verschiedenen Herrschaften aufgeteilt, besonders zwischen dem Kurfürstentum Hannover, dem Hochstift Hildesheim und dem Fürstentum Braunschweig-Wolfenbüttel. Goslar war ab 1290 eine freie Reichsstadt und sicherte seinen Einfluss unter anderem durch Liebenburg, Harliburg und Harzburg. Der heutige Landkreis vereint Gebiete, die früher unter anderem zu den Kreisen Goslar, Gandersheim, Wolfenbüttel, Zellerfeld, Blankenburg und Hildesheim-Marienburg sowie zur kreisfreien Stadt Goslar gehörten.
Der Landkreis entstand am 1. April 1885 in der preußischen Provinz Hannover aus den Ämtern Liebenburg und Wöltingerode sowie der Stadt Goslar. Der zuvor braunschweigische Stadtforst Goslar kam 1890 hinzu. 1904 wurden etwa 4,5 km² unbewohntes Gebiet an das Amt Harzburg abgegeben. Am 1. April 1922 wurde Goslar kreisfrei; 1928 wurden zwei ehemalige Gutsbezirke in die Stadt eingegliedert. Am 1. April 1942 gab der Kreis sieben Gemeinden zur Bildung der Stadt Watenstedt-Salzgitter ab und erhielt Ostharingen.
Die niedersächsische Gebietsreform veränderte den Kreis grundlegend. Am 1. Juli 1972 kamen nördliche Gebiete der aufgelösten Landkreise Blankenburg und Zellerfeld sowie die bis dahin kreisfreie Stadt Goslar hinzu. 1974 wurden sieben Gemeinden an den Landkreis Wolfenbüttel abgegeben, während Bad Harzburg zum Landkreis Goslar kam. Am 1. August 1977 folgten aus dem aufgelösten Landkreis Gandersheim die Gemeinden Hahausen, Langelsheim, Lutter am Barenberge, Seesen und Wallmoden.
Spätere Fusionen verringerten die Zahl der Gemeinden: Sankt Andreasberg kam am 1. November 2011 zu Braunlage, Vienenburg am 1. Januar 2014 zu Goslar. Am 1. Januar 2015 entstand aus Altenau, Clausthal-Zellerfeld, Schulenberg im Oberharz und Wildemann die Einheitsgemeinde Berg- und Universitätsstadt Clausthal-Zellerfeld. Am 1. November 2021 fusionierten Hahausen, Lutter am Barenberge und Wallmoden mit Langelsheim.
Der ursprünglich preußische Kreis wurde am 1. November 1941 zusammen mit Goslar dem Freistaat Braunschweig zugeordnet; Braunschweig gab dafür den Landkreis Holzminden an Preußen ab. Nach dem Zweiten Weltkrieg lag das Gebiet in der Britischen Besatzungszone und wurde Teil Niedersachsens und der Bundesrepublik Deutschland.
Politik und Kennzeichen
Alexander Saipa (SPD) wurde am 12. September 2021 mit 53,05 % im ersten Wahlgang zum Landrat gewählt und trat sein Amt am 1. November 2021 an.
Der Kreistag hat 50 Sitze. Bei der Wahl vom 12. September 2021 erreichte die SPD 41,0 % und 21 Sitze, die CDU 27,3 % und 14 Sitze, die Grünen 10,6 % und 5 Sitze, AfD und FDP jeweils 3 Sitze, die Linke 2 Sitze sowie Bürgerliste und Wählergemeinschaft Langelsheim jeweils einen Sitz. Die Wahlbeteiligung betrug 55,9 %.
Das Kreiswappen ist von Gold und Rot gespalten. Vorn zeigt es einen halben schwarzen Adler, hinten einen nach links gewendeten silbernen Löwen. Der Adler steht für Goslar, der Löwe stammt aus dem Wappen der Grafen von Schladen, die von 1160 bis 1362 über große Teile des heutigen Kreisgebiets herrschten. Gustav Völker entwarf das Wappen; das preußische Staatsministerium genehmigte es am 8. August 1931. Die Flagge ist gelb-rot geteilt und trägt das Wappen zur Stangenseite hin verschoben.
Seit 2000 besteht eine Partnerschaft mit dem polnischen Landkreis Trzebnica in Niederschlesien. Frühere Partnerschaften bestanden mit dem dänischen Frederiksborg Amt und dem ehemaligen Landkreis Wernigerode.
Das Kfz-Kennzeichen GS wird seit dem 1. Juli 1956 durchgehend ausgegeben. Seit dem 15. November 2012 sind außerdem BRL für Braunlage beziehungsweise den früheren niedersächsischen Landkreis Blankenburg und CLZ für Clausthal-Zellerfeld beziehungsweise den Landkreis Zellerfeld erhältlich.
Wirtschaft, Forschung und Naturschutz
Der Landkreis war historisch ein bedeutendes Zentrum der Metallurgie, also der Gewinnung und Verarbeitung von Metallen. Grundlage waren der Erzbergbau am Rammelsberg und weitere Harzer Bergwerke. Nachdem der Untertagebau auf zu verhüttende Erze im 20. Jahrhundert endete, mussten sich große Teile der Industrie umstellen. An die frühere Bedeutung erinnern unter anderem der Metallurgiepark Oker, die ehemalige Bleihütte Oker, die Frau-Sophien-Hütte, die ehemalige Zinkhütte Harlingerode und zahlreiche stillgelegte Bergwerke. Langelsheim ist heute ein Zentrum der chemischen Industrie. Im Industriegebiet Münchehof bei Seesen befinden sich unter anderem Kalk-, Baustoff-, Beton- und Straßenbauunternehmen sowie das Niedersächsische Forstliche Bildungszentrum.
Im Strukturwandel gewann der Tourismus an Bedeutung. Goslar besitzt zwei Weltkulturerbestätten; große Teile des südöstlichen Kreisgebiets gehören zum Nationalpark Harz. Bad Harzburg, Braunlage und Clausthal-Zellerfeld sind traditionell vom Fremdenverkehr geprägt. Im Zukunftsatlas 2022 lag der Kreis auf Platz 362 von 400 untersuchten Regionen und wurde den Regionen mit „hohen Risiken“ zugeordnet; gegenüber 2016 verlor er 24 Plätze.
In Clausthal-Zellerfeld liegt die Technische Universität Clausthal mit rund 3.700 Studierenden im Wintersemester 2020/21. Sie ging aus den wissenschaftlichen Anforderungen des Oberharzer Bergbaus hervor und verbreiterte ihr Fächerangebot ab der Mitte des 20. Jahrhunderts. In Goslar arbeitet seit 2008 das Energie-Forschungszentrum Niedersachsen unter Führung der TU Clausthal zusammen mit den Universitäten in Braunschweig, Göttingen, Hannover und Oldenburg. Seit 2020 besteht außerdem das DIGIT Center for Digital Technologies von TU Clausthal und Ostfalia Hochschule mit Schwerpunkten in Industrie 4.0 und Kreislaufwirtschaft.
Der Harzteil des Landkreises gehört grundsätzlich zum Naturpark Harz. Ein Gebiet im Südwesten ist als länderübergreifender Nationalpark Harz strenger geschützt. Zusätzlich bestehen 22 Naturschutzgebiete. Dazu zählen beispielsweise das Siebertal mit 694,7 ha, das Mittlere Innerstetal mit Kanstein mit 563,0 ha, die Bachtäler im Oberharz um Braunlage mit 376,7 ha, das Okertal mit 246,0 ha und der Wurmberg mit 183,0 ha.
Verkehr
Wichtige Straßenverbindungen sind die Autobahnen A 7 im Westen und A 36 im Osten. Bei Goslar-Lochtum zweigt am Autobahndreieck Nordharz die etwa vier Kilometer lange A 369 ab. Die B 6 verbindet über Hildesheim, Salzgitter und Liebenburg den Raum Goslar mit A 369 und A 36. Die B 82 ist das wichtigste West-Ost-Bindeglied des Kreises zwischen Seesen und Goslar und führt Verkehr aus dem östlichen Nordharz zur A 7. Die B 4 verläuft von Bad Harzburg durch den Harz über Braunlage und Hohegeiß weiter in Richtung Nordhausen und Erfurt. Die autobahnähnliche B 243 verbindet Seesen und den Südharz und entlastet die weiter südlich gelegene A 38. Weitere Bundesstraßen sind B 27, B 64, B 241, B 242, B 248 und B 498.
Bereits 1840 erhielt das heutige Kreisgebiet mit der Strecke Braunschweig–Bad Harzburg einen Eisenbahnanschluss. Der Bahnhof Vienenburg gilt als ältester noch betriebener Bahnhof Deutschlands. Regionalzüge verbinden unter anderem Braunschweig, Bad Harzburg, Goslar, Hannover, Göttingen, Kreiensen, Magdeburg und Halle (Saale). Nach der deutschen Wiedervereinigung wurde die Verbindung Ilsenburg–Vienenburg teilweise neu gebaut und damit der Schienenweg nach Ostdeutschland wiederhergestellt.
Mehrere frühere Strecken wurden stillgelegt, darunter die Innerstetalbahn über Clausthal-Zellerfeld nach Altenau sowie die Anschlüsse nach Braunlage und Sankt Andreasberg. Der Schienenpersonenfernverkehr endete in den frühen 2000er Jahren mit der Abschaffung des Interregio. Stand 2022 gibt es im Landkreis keine elektrifizierte Bahnstrecke.
Wegen der stillgelegten Bahnlinien ist der Busverkehr besonders wichtig. Nachdem Regionalbus Braunschweig 2019 insgesamt 17 unwirtschaftliche Linien aufgeben wollte, übernahm die HarzBus GbR zum 1. April 2019 sämtliche betroffenen Linien. In Bad Harzburg fährt die Kraftverkehrsgesellschaft Braunschweig, in Goslar außerdem die Stadtbus Goslar GmbH. Das Netz gehört zum Verkehrsverbund Region Braunschweig. Die Linie 210 verbindet Vienenburg mit Halberstadt und damit den Landkreis mit dem Landesnetz Sachsen-Anhalt.