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Projektunterricht
Kommunikationskompetenz zum Herstellen und Pflegen von Kontakten, zur gemeinsamen Reflexion und Arbeit im Projekt; Organisationskompetenz als Teil der …
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Grundidee und Ziele
Projektunterricht oder Projektarbeit ist eine Lehr- und Lernform, in der ein Projekt das Lernen bestimmt. Ein Projekt ist dabei ein größeres Vorhaben mit Begründung, Zielplanung und praktischer Durchführung oder ein zu lösendes Problem. Projektunterricht soll Lernen lebensnah machen, Problembewusstsein, interdisziplinäres Denken, Selbstständigkeit und Kooperationsbereitschaft fördern. Er entstand als Gegenbewegung zu einer theoretisch-intellektuellen Verengung schulischer Bildung und zum Frontalunterricht.
Er ist besonders sinnvoll bei komplexen Problemen oder umfangreichen Aufgaben, die ein einzelnes Fach nicht ausreichend bearbeiten kann. Mehrere Fachkompetenzen werden dann in Fächerkonzentration und fächerverbindendem Unterricht zusammengeführt. Zugleich sollen mehrere Lernpotenzen aktiviert werden: Dieses ganzheitliche Fordern heißt Mehrdimensionales Lernen. Die Projektmethode bezeichnet enger das Wie des Vorgehens und seine Organisationsformen. Zum gesamten didaktischen Aufgabenfeld gehören dagegen Wer, Was, Warum, Wozu, Wann und Wie eines Vorhabens.
Kennzeichen und Zusammenarbeit
Eine einheitliche Definition gibt es wegen der komplexen und unterschiedlich verstandenen Unterrichtsform nicht. Typische Merkmale sind Handlungsorientierung mit körperlicher und geistiger Arbeit sowie möglichst vielen angesprochenen Sinnen, Selbstorganisation und Selbstverantwortung, kooperatives Lernen, Lebenswelt- und Situationsbezug, Interessenbezug, zielgerichtete Planung, Interdisziplinarität, Gesellschaftsrelevanz, Ganzheitlichkeit, Produktorientierung, demokratische Gestaltung und außerschulische Lernorte.
Als Minimalanforderungen nennen Warwitz und Rudolf: Komplexität der Aufgabe, Bedürfnisspannung der Beteiligten, Lebensweltbezug und gesellschaftliche Relevanz, mehrdimensionale Lernbeanspruchung, interdisziplinäre Sachansätze, gemeinsame Planung, Durchführung und Auswertung sowie Ziel- und Prozessorientierung. Nicht jedes Unterrichtsvorhaben erfüllt dies vollständig: Projektorientierter Unterricht ist meist eine Vorstufe und geht häufig von einem Fach aus, etwa projektorientiertem Mathematik- oder Sportunterricht.
Projektunterricht ist sozialintegrativ: Lehrkräfte und Lernende arbeiten als gleichberechtigte, aber unterschiedlich kompetente Partner an einem Vorhaben. Die Lehrkraft gibt ihr Organisationsmonopol auf, behält aber Koordination und letzte Verantwortung. Sie wird als „teilnehmender Leiter“ beschrieben und entscheidet, wann Unterstützung oder selbstbestimmtes Lernen nötig ist. Schüler sind „leitende Teilnehmer“: Sie sollen aktiv handeln und Projektkompetenz aufbauen. Dazu gehören Kooperations-, Kommunikations-, Organisations- und Produktionskompetenz, Self-Access-Kompetenz für Selbstbestimmung, Selbstreflexion und Verselbständigung sowie didaktische Kompetenz, wenn sie Ergebnisse vorstellen oder selbst lehren.
Ablauf, Themen und Dokumentation
Nach Emer/Lenzen läuft ein einfaches Schulprojekt über Initiierung, Einstieg, Planung, Durchführung, Präsentation, Auswertung und Weiterführung. In der Planung wird ausgehandelt, wer was, wann, wo und mit wem macht. Die Auswertung reflektiert die Ergebnisse; die Weiterführung kann Folgeprojekte anstoßen.
Warwitz/Rudolf unterscheiden sechs anspruchsvollere Phasen: Sondierung der Schwierigkeit, Interessen, Voraussetzungen, Gruppensituation und Finanzierung; Motivation durch gemeinsame Ideen und Zielvorstellungen; Planung von Teilzielen, Fächerbeteiligung, Zeitrahmen und einem „Projektvertrag“; Vorbereitung mit Material, Geld, Gruppen, Aufgaben und nötigen Fertigkeiten; Realisierung, etwa als Projekttag oder Projektwoche; sowie Rückbesinnung mit Dokumentation, Präsentation, Selbstkritik und Folgeplanung. Je nach Schwierigkeit können Phasen gründlicher bearbeitet oder zusammengezogen werden.
Für die Themenwahl empfehlen Katz und Chard (2000, S. 220) unter anderem: Das Thema soll vor Ort beobachtbar und von Kindern untersuchbar sein, an Erfahrungen anknüpfen, verschiedene Medien ermöglichen und weder zu eng noch zu vage sein. Es soll genügend Kompetenzerwerb erlauben, viele Kinder interessieren oder für ihre Entwicklung wichtig sein und zu lokalen Zielen oder Curricula passen. Dokumentation verbessert laut W. E. Fthenakis (2000, S. 231 f) die Qualität: Sie vertieft und festigt Lernen, macht Ideen und Arbeiten der Kinder sichtbar, unterstützt gemeinsame Evaluation und Planung, bezieht Eltern ein und hilft der Lehrkraft, Lernprozesse und Methoden besser zu verstehen.
Typische Beispiele
Die Anforderungen müssen an Alter, Aufgabenkomplexität und Erfahrung der Lerngruppe angepasst werden. Der Weg kann von einfachen zu komplexen Projekten und vom projektorientierten zum eigentlichen Projektunterricht führen.
In der Grundschule ist das Fußgängerdiplom ein fächerübergreifendes Projekt zur Verkehrserziehung. Kinder verwandeln den Spielraum in einen Verkehrsraum, basteln Verkehrszeichen, erfinden Regeln, erkunden realen Verkehr und üben Signale. Als Endprodukt organisieren sie einen Kreuzungsverkehr mit Schutzmann und Drittklässlern als Radfahrern. Beim Schulwegspiel entwerfen und bauen Kinder nach Erkundungsgängen ihres Schulwegs ein Brettspiel.
Weitere Beispiele sind „Raum und Stigmatisierung“ an einer Förder- oder Sonderschule, Kajakbau und Kajakfahren an der Realschule mit Chemie, Physik, Technik und Sport sowie ein Metapherlexikon der Sportsprache am Gymnasium. In einem Hochschulseminar wurde unter dem Thema „Ritterleben auf einer Burg“ die Ruine Neuscharfeneck erforscht, historische Lebensformen rekonstruiert und das Projekt durch einen 40-minütigen Videofilm sowie eine Begleitbroschüre von 74 Seiten dokumentiert. Bildungsverbünde können Hochschullehrkräfte, Lehrkräfte, Studierende und Schüler zusammenbringen, etwa bei den Projekten „Erlebnis Dschungel“ oder „Robin Hood“.
Entwicklung der Projektidee
Vorläufer reichen zu Architekturstudenten im Italien des 16. Jahrhunderts und zur Académie royale d’architecture in Paris im frühen 18. Jahrhundert zurück. Dort erstellten Studierende selbstständig Entwürfe für größere Bauvorhaben. Von französischen Bauakademien und technischen Hochschulen verbreitete sich die Idee nach Deutschland, Österreich, in die Schweiz und Mitte des 19. Jahrhunderts in die Vereinigten Staaten. Calvin M. Woodward übertrug sie von der Hochschule auf die Schule, Charles R. Richards auf die Elementarschule und Rufus W. Stimson auf die Berufsschule. Seit 1915 verbreitete sich die von John Dewey und William Heard Kilpatrick neu bestimmte project method.
Die Verbindung früher Wurzeln mit der heutigen Projektmethode ist umstritten; eine einheitliche Theorie, auf die man sich uneingeschränkt berufen könnte, gab es nie. Anfang der 1970er Jahre kam es zu einer Renaissance, ausgelöst durch Kritik an der „Verkopfung“ von Schul- und Hochschulausbildung und durch das Bedürfnis nach Lebensnähe und aktiver Beteiligung. Die ursprüngliche Grundintention war gesellschaftlich-politisch: Unterricht sollte auf gesellschaftliche Veränderungen mit problembezogenen und lebensnahen Aufgaben reagieren.
Staatliche Besonderheiten
In Deutschland gewann Projektunterricht seit Anfang der 1970er Jahre zunächst an Hochschulen und später an Schulen an Bedeutung. Fächerübergreifendes Arbeiten, außeruniversitäre und außerschulische Lernorte sowie fächerintegrative Studiengänge ergänzten den Fachunterricht. In Baden-Württemberg wurde 1979 der Musisch-Ästhetische Gegenstandsbereich für Sport, Musik und Kunst lehrplanmäßig verankert; daneben entstand ein Bereich für Hauswirtschaft und Technisches Werken.
In Österreich gilt Projektunterricht seit dem Grundsatzerlass zum Projektunterricht, BMBWK-Rundschreiben Nr. 44/2001, als besonderes Bildunganliegen.
In der Schweiz definieren Maturanden für die abschließende Maturaarbeit ein selbst gewähltes Projekt und bearbeiten es nach Grundzügen wissenschaftlichen Arbeitens. In Basel bereitet das nicht promotionsrelevante Grundlagenfach Lernen am Projekt (LaP) darauf vor. In Kantonen wie Luzern, Obwalden und Zürich gibt es im 9. Schuljahr Projektunterricht (PU), der Gruppen- und Einzelprojekte sowie eine im Zeugnis aufgeführte Abschlussarbeit umfasst. Hochschulen wie die ETH Zürich fördern projektbasierte Lehre unter anderem durch ein Student Project House und die ETH Woche.