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Werner von Siemens

Das Unternehmen entwickelte sich innerhalb weniger Jahrzehnte von einer kleinen Werkstatt, die neben Telegraphen vor allem Eisenbahnläutwerke, Drahtisolierungen …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Bedeutung und Überblick
  2. 2. Ausbildung und Lebensweg
  3. 3. Erfindungen und elektrotechnische Leistungen
  4. 4. Aufbau des Unternehmens
  5. 5. Politik und Verantwortung
  6. 6. Ehrungen und wissenschaftliche Arbeiten

Bedeutung und Überblick

Ernst Werner Siemens (* 13. Dezember 1816 in Lenthe, Königreich Hannover; † 6. Dezember 1892 in Charlottenburg, Königreich Preußen) war ein deutscher Erfinder, Elektroingenieur und Industrieller. Ab 1888 führte er den Namen von Siemens. Er gilt als Begründer der modernen Elektrotechnik, besonders der elektrischen Energietechnik.

Seine wichtigste wissenschaftliche Leistung war die Entdeckung und Begründung des dynamoelektrischen beziehungsweise elektrodynamischen Prinzips. Es ermöglichte den Bau elektrischer Generatoren, mit denen elektrische Energie in großem Umfang erzeugt werden konnte. Dadurch wurde der vielseitig einsetzbare Elektromotor möglich. Das dynamoelektrische Prinzip war allerdings bereits vom Dänen Søren Hjorth und vom Ungarn Ányos Jedlik entdeckt worden. Siemens erkannte als Erster die weitreichende Bedeutung der Entdeckung und sagte den Siegeszug der elektrischen Energie voraus.

Zusammen mit Johann Georg Halske gründete Siemens 1847 in Berlin die Telegraphen Bau-Anstalt von Siemens & Halske, aus der die heutige Siemens AG hervorging. Der Artikel nennt für die Gründung sowohl den 1. Oktober 1847 als auch den 12. Oktober 1847. Aus einer kleinen Werkstatt für Telegraphen, Eisenbahnläutwerke, Drahtisolierungen und Wassermesser entwickelte sich innerhalb weniger Jahrzehnte ein weltweit bedeutender Elektro- und Technologiekonzern.

Ausbildung und Lebensweg

Siemens war das vierte von vierzehn Kindern des Gutspächters Christian Ferdinand Siemens (1787–1840) und Eleonore Henriette Deichmann (1792–1839). Nach dem Umzug der Familie 1823 nach Mecklenburg blieb der wirtschaftliche Erfolg der Eltern aus. Zunächst wurde er von seiner Großmutter und seinem Vater unterrichtet. Er besuchte 1828 bis 1829 die Bürgerschule in Schönberg, erhielt anschließend drei Jahre Hausunterricht und besuchte von 1832 bis 1834 das Katharineum zu Lübeck. In Mathematik war er besonders begabt, verließ das Gymnasium jedoch 1834 ohne formalen Abschluss.

Da ein Studium für ihn wegen der finanziellen Lage der Familie nicht möglich war, bewarb er sich auf Empfehlung seines Geodäsie-Lehrers Ferdinand von Bültzingslöwen beim preußischen Militär. Nach einem Aufnahmetest in Magdeburg wurde er als einer von vier von vierzehn Bewerbern aufgenommen. Von 1835 bis 1838 besuchte er die Berliner Artillerie- und Ingenieurschule. Dort studierte er unter anderem Mathematik, Physik, Chemie, Geometrie und Ballistik und hörte zusätzlich Vorlesungen an der Berliner Universität. Zu seinen Lehrern gehörte der Physiker Gustav Magnus.

Nach dem Tod seiner Mutter im Juli 1839 und seines Vaters im Januar 1840 übernahm Siemens als ältester Sohn Verantwortung für seine jüngeren Geschwister. Wegen seiner Teilnahme als Sekundant an einem Duell wurde er zu fünf Jahren Festungshaft verurteilt. In seiner Zelle in der Zitadelle Magdeburg richtete er ein Versuchslabor ein und entwickelte ein Verfahren zur elektrischen Galvanisierung, insbesondere zum Versilbern und Vergolden.

Nach seiner Begnadigung wurde er 1842 nach Berlin versetzt. 1848 unterstützte er im Schleswig-Holsteinischen Krieg die Kieler Bürgerwehr bei der Verteidigung des Kieler Hafens und entwickelte ferngezündete Seeminen. Neben dem Militärdienst arbeitete er an einem Dampfmaschinenregler, einer Kunststeinpresse und einem Druckverfahren. Bis Juni 1849 blieb er beim Militär.

Siemens heiratete 1852 Mathilde Drumann (1824–1865); aus dieser Ehe stammten drei Söhne beziehungsweise Töchter, darunter Arnold, Wilhelm, Anna Zanders und Käthe Pietschker. 1869 heiratete er Antonie Siemens (1840–1900); aus dieser Ehe gingen Carl Friedrich und Hertha (1870–1939) hervor. 1887 erwarb er das etwa 600 Hektar große Gut Biesdorf und übertrug es 1889 seinem Sohn Wilhelm. Von 1889 bis 1892 schrieb er in Bad Harzburg seine Lebenserinnerungen. Er starb am 6. Dezember 1892 an einer Lungenentzündung und wurde später in die Familiengrabanlage auf dem Südwestkirchhof Stahnsdorf umgebettet.

Erfindungen und elektrotechnische Leistungen

1842 überzog Siemens einen Teelöffel aus Neusilber mithilfe von Gleichstrom aus Batterien wahlweise mit Silber oder Gold. Das dafür erteilte Patent verkaufte er an einen Juwelier; den Erlös schickte er seinem 18-jährigen Bruder Wilhelm nach England.

Ende 1846 entwickelte Siemens den elektrischen Zeigertelegrafen mit Selbstunterbrechung. 1847 erfand er ein Verfahren, Drähte nahtlos mit Guttapercha zu umhüllen. Diese Isolierung bildete und bildet die Grundlage für isolierte Leitungen und elektrische Kabel. 1857 entwickelte er eine Ozonröhre zur Trinkwasserreinigung mit elektrisch erzeugtem Ozon und formulierte ebenfalls 1857 das Gegenstromprinzip.

1866 entwickelte Siemens den ersten elektrischen Generator auf Grundlage des dynamoelektrischen Prinzips. Diese Entwicklung war ein entscheidender Schritt zur Starkstromtechnik. Elektrische Energie konnte nun in größerem Umfang produziert werden; dadurch konnten Elektromotoren flexibel eingesetzt werden. Zusammen mit Verbrennungsmotoren trugen sie dazu bei, die Dampfmaschine abzulösen und die zweite industrielle Revolution einzuleiten.

Weitere im Artikel genannte technische Meilensteine sind die erste elektrische Lokomotive und die erste elektrische Straßenbeleuchtung in Berlin (1879), der erste elektrische Aufzug in Mannheim (1880), die erste elektrische Straßenbahn in Groß-Lichterfelde, heute Berlin-Lichterfelde (1881), und der erste Oberleitungsbus der Welt (1882). Der Oberleitungsbus blieb allerdings ein erfolgreicher Versuch ohne Dauerbetrieb.

Aufbau des Unternehmens

Siemens gründete die Telegraphen Bau-Anstalt von Siemens & Halske gemeinsam mit dem Mechaniker Johann Georg Halske. Das Startkapital stammte von seinem Vetter Johann Georg Siemens, der mehr als 6000 Taler investierte und dafür sechs Jahre lang 20 Prozent des Gewinns erhalten sollte. Siemens brachte Wissen, Ideen und Experimentierfreude ein; Halske setzte diese Ideen konstruktiv in praktisch nutzbare Geräte um.

1848 erhielt das junge Unternehmen den Auftrag, eine Telegraphenleitung von Berlin nach Frankfurt am Main zu bauen, wo die deutsche Nationalversammlung tagte. Die Leitung wurde im Winter 1848/49 mit Geräten und Kabeln von Siemens & Halske errichtet. Sie machte das Unternehmen bekannt und führte zu weiteren Aufträgen in Preußen und den deutschen Staaten.

Wegen eines langjährigen Streits mit der preußischen Telegraphenverwaltung suchte Siemens früh internationale Märkte. Sein Bruder Wilhelm leitete die erste Auslandsniederlassung in London. 1852 erhielt das Unternehmen Aufträge für Telegraphenverbindungen von Warschau nach St. Petersburg und von St. Petersburg nach Moskau. Carl Siemens überwachte ab 1853 den Bau in Russland; 1855 wurde das russische Geschäft unter seiner Leitung zu einer wichtigen Zweigniederlassung. In England entstand eine eigene Kabelfabrik.

Nach dem Scheitern eines Seekabels von Cartagena nach Oran 1864 verlangte Halske, die verlustreiche Londoner Niederlassung aufzugeben. Siemens gründete sie deshalb 1865 mit Wilhelm und Carl als Siemens Brothers & Co. aus. Die Meinungsverschiedenheiten führten Ende 1867 zum Ausscheiden Halskes. Danach wurde Siemens & Halske zum Familienunternehmen der Siemens-Brüder. 1870 nahm die Indo-Europäische Telegraphenlinie von London über Teheran nach Kalkutta ihren Betrieb auf; sie war über 11.000 Kilometer lang. 1874 folgte die zweite transatlantische Telegraphenleitung, verlegt mit dem eigenen Kabelleger Faraday.

Politik und Verantwortung

Siemens unterstützte die Deutsche Revolution 1848/49. 1860 trat er dem liberalen Deutschen Nationalverein bei, 1861 war er Mitbegründer der Deutschen Fortschrittspartei. Bei den Wahlen vom 6. Mai 1862 wurde er in das Preußische Abgeordnetenhaus gewählt, dem er bis 1866 angehörte. Im preußischen Verfassungskonflikt stimmte er für die Indemnitätsvorlage Otto von Bismarcks.

Für Siemens gehörte zur Unternehmensführung auch die Beteiligung der Beschäftigten. Leitende Mitarbeiter erhielten seit Mitte der 1850er-Jahre erfolgsabhängige Tantiemen; andere Mitarbeiter bekamen Prämien. Ab Mitte der 1860er-Jahre zahlte Siemens & Halske allen Arbeitern und Angestellten eine Inventurprämie. Sie war eine frühe Form des Leistungsanreizes und ein Vorläufer der Erfolgsbeteiligung. 1872 gründete Siemens eine Pensions-, Witwen- und Waisenkasse. 1873 führte das Unternehmen eine tägliche Arbeitszeit von neun Stunden ein, also bei einer Sechstagewoche 54 Wochenstunden; üblich waren damals 72 Wochenstunden.

Siemens setzte sich außerdem für einen einheitlichen Patentschutz im Deutschen Reich ein. Sein Gutachten von 1863 begründete die Notwendigkeit und den Nutzen eines Patentgesetzes für die Industrie. Als Vorsitzender eines Patentschutzvereins arbeitete er an einem entsprechenden Entwurf mit. Nach seiner persönlichen Intervention bei Reichskanzler Bismarck trat am 25. Mai 1877 das Deutsche Patentgesetz in Kraft. Siemens verband den Patentschutz mit der Stärkung der deutschen Industrie und ihres internationalen Ansehens.

1879 gründete er mit Heinrich von Stephan den Elektrotechnischen Verein und prägte dabei das Wort „Elektrotechnik“. Als erster Vorsitzender setzte er sich für Lehrstühle der Elektrotechnik an Technischen Hochschulen ein. 1885 ermöglichte er durch den Kauf und die Stiftung eines Geländes die Gründung der Physikalisch-Technischen Reichsanstalt.

Ehrungen und wissenschaftliche Arbeiten

Siemens erhielt 1860 die Ehrendoktorwürde der philosophischen Fakultät der Universität Berlin. 1867 wurde er auf der Weltausstellung in Paris zum Ritter der Ehrenlegion ernannt. 1874 wurde er Mitglied der Preußischen Akademie der Wissenschaften und Ehrenmitglied des Vereins Deutscher Ingenieure. Weitere Mitgliedschaften und Auszeichnungen waren der Geheime Regierungsrat (1880), der Orden Pour le Mérite für Wissenschaften und Künste am 18. Januar 1886, die auswärtige Mitgliedschaft der Göttinger Akademie der Wissenschaften (seit 1880) und die Wahl in die Leopoldina (1887). Am 5. Mai 1888 erhob Kaiser Friedrich III. ihn in den Adelsstand.

Die SI-Einheit des elektrischen Leitwerts, das Siemens, ist nach ihm benannt. Zu seinen Lebzeiten bezeichnete „ein Siemens“ beziehungsweise „Siemens-Einheit“ (SE) jedoch einen bestimmten elektrischen Widerstand: das Widerstandsnormal einer Quecksilbersäule bestimmter Abmessungen bei 0 °C. Es galt: 1 SE = 0,944 Ohm. Auch die Pflanzengattung Siemensia Urb. aus der Familie der Rötegewächse trägt seinen Namen.

Zu seinen Schriften gehören Veröffentlichungen über unterirdische Telegraphenleitungen (1851), die elektrische Telegraphie (1866), Vorschläge zu einem Patentgesetz (1869), gesammelte Abhandlungen und Vorträge (1881) sowie wissenschaftliche und technische Arbeiten in zwei Bänden (1882 und 1889). In Beiträgen für die Preußische Akademie behandelte er unter anderem submarine Telegraphenleitungen, das elektrische Sonnenpotential, den Magnetismus, die Erhaltung der Kraft im Luftmeer der Erde und das Windsystem der Erde. In der Elektrotechnischen Zeitschrift schrieb er 1880 über die Elektrizität im Dienste des Lebens, die dynamoelektrische Maschine und elektrotechnische Mittel gegen schlagende Wetter in Bergwerken.

An Werner von Siemens erinnern unter anderem Büsten, Reliefs und Denkmäler in Berlin, Lenthe, Magdeburg und München. Sein Porträt erschien auf einer 20-Reichsmark-Banknote von 1929 sowie auf Briefmarken von 1952 und 1992.

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