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Weltwirtschaftsforum

Das Weltwirtschaftsforum (WEF; englisch World Economic Forum [ˈwɜːld ˌiːkəˈnɒmɪk ˈfɔːɹəm], französisch Forum économique mondial, italienisch Forum economico …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Kern und Aufbau
  2. 2. Mitgliedschaft, Finanzierung und Sicherheit
  3. 3. Aktivitäten und Programme
  4. 4. Entwicklung und Jahrestreffen
  5. 5. Kritik und Gegenbewegungen

Kern und Aufbau

Das Weltwirtschaftsforum, kurz WEF, ist eine Schweizer Stiftung und Lobbyorganisation mit Sitz in Cologny bei Genf. Es ist vor allem durch sein Jahrestreffen in Davos bekannt. Dort kommen zahlende Mitgliedsunternehmen, führende Personen aus Wirtschaft, Politik, Wissenschaft, Zivilgesellschaft und Medien zusammen, um über globale Fragen zu sprechen. Traditionell stand Wirtschaftspolitik im Mittelpunkt; zunehmend behandelt das WEF auch Umweltschutz, soziale Fragen, Digitalisierung und soziales Unternehmertum.

Das WEF wurde 1971 von Klaus Schwab zusammen mit Hilde Schwab als European Management Symposium gegründet. 1987 wurde es in World Economic Forum umbenannt. Es bezeichnet sich selbst als unparteiisch und an keine politischen oder nationalen Interessen gebunden. Seine Mission lautet, „den Zustand der Welt zu verbessern“ („committed to improving the state of the world“). Seit 2015 hat es offiziell den Status einer internationalen Organisation, besitzt Beobachterstatus beim Wirtschafts- und Sozialrat der Vereinten Nationen und steht unter externer Aufsicht des Eidgenössischen Departements des Innern.

Das höchste interne Aufsichtsgremium ist der Stiftungsrat. Neben dem Hauptsitz in Cologny hat das WEF Büros in Peking, New York und Tokio; 2016 eröffnete es in San Francisco das „Center for the Fourth Industrial Revolution“. 2020 beschäftigte es 550 Personen. Im Mai 2024 kündigte Klaus Schwab an, im Januar 2025 vom Amt des Executive Chairman in den Vorsitz des Kuratoriums zu wechseln; am 21. April 2025 trat er auch dort sofort zurück. Nach weiteren Wechseln wurden Larry Fink und André Hoffmann im August 2025 zu Interimsvorsitzenden des Kuratoriums ernannt. Im Februar 2026 trat CEO Børge Brende wegen seiner Beziehung zu Jeffrey Epstein zurück.

Mitgliedschaft, Finanzierung und Sicherheit

Das WEF finanziert sich vor allem über rund 1000 Mitgliedsunternehmen und über staatliche Zuschüsse. Ein typisches Mitgliedsunternehmen ist ein globales Unternehmen mit mehr als 5 Milliarden US-Dollar Umsatz, wobei dies je nach Branche und Region variieren kann. Seit 2005 beträgt die Basis-Jahresgebühr 42'500 Schweizer Franken; für die Teilnahme des Präsidenten am Jahrestreffen kommen 18'000 Franken hinzu. Industriepartner und strategische Partner zahlen 250'000 beziehungsweise 500'000 Franken, um stärker an Initiativen des Forums mitzuwirken.

Die Jahrestreffen verursachen erhebliche Sicherheitskosten. Für das Treffen 2019 wurden knapp elf Millionen Franken veranschlagt. An den Polizeikosten von neun Millionen Franken beteiligte sich die Stiftung mit einem Viertel; der Rest entfiel auf Bund, Kanton Graubünden und Gemeinde Davos. Die Schweizer Armee schützt Verkehrswege und Gebäude und überwacht den Luftraum; bis zu 5000 Angehörige der Streitkräfte können eingesetzt werden. Auch Österreich beteiligt sich mit Luftraumsicherung im Rahmen der Operation Dädalus. Nach Kritik erhöhte das WEF 2021 seine Beteiligung, sodass die Kosten für den Bund für die Treffen 2022, 2023 und 2024 auf 2,55 Millionen Franken pro Jahr sanken.

Die Finanzierung der Sicherheit ist ein wiederkehrender Streitpunkt. Kritisiert wird, dass öffentliche Mittel für ein Treffen verwendet werden, das vor allem zahlungskräftigen Unternehmen und einflussreichen Gästen offensteht. Das WEF verweist dagegen auf seine Rolle als internationale Dialogplattform.

Aktivitäten und Programme

Die wichtigste Veranstaltung ist das jährliche Treffen in Davos im Januar oder Februar. Es dauert fünf Tage und umfasst etwa 220 Sitzungen des offiziellen Programms. Behandelt werden globale Themen wie Handelshemmnisse, Konflikte, Armut, Umweltprobleme und mögliche Lösungen. Zusätzlich gibt es viele informelle Treffen, Empfänge und Präsentationen von Unternehmen und Staaten. Rund 500 Journalisten aus Internet-, Print-, Radio- und Fernsehmedien nehmen teil; offizielle Programmpunkte werden auch als Webcast übertragen.

Neben Davos organisiert das WEF weitere Treffen. Seit 2007 gibt es in China das Jahrestreffen der „New Champions“, auch „Sommer-Davos“ genannt. Es richtet sich vor allem an Vertreter globaler Wachstumsunternehmen aus Schwellenländern und Industriestaaten, an junge Führungskräfte, regionale Vertreter und Technologiepioniere. Außerdem veranstaltet das WEF regionale Treffen, etwa zu Indien, Ostasien, Afrika, Lateinamerika oder einzelnen Ländern wie der Ukraine.

Das WEF betreibt mehrere Netzwerke und Förderprogramme. Die „Young Global Leaders“ wurden 2005 gegründet; Mitglieder sind junge Führungskräfte aus verschiedenen Bereichen, die für sechs Jahre berufen werden und bei der Berufung höchstens 40 Jahre alt sein dürfen. Die „Global Shapers“ wurden 2011 für Menschen zwischen 20 und 30 Jahren gegründet und bestehen aus lokalen Hubs; am 24. Oktober 2020 gab es 500 Hubs und 10.251 Shapers in 152 Ländern. Seit 2000 unterstützt das Forum Sozialunternehmer in Zusammenarbeit mit der Schwab Foundation for Social Entrepreneurship. Außerdem ernennt es jährlich rund 30 Technologiepioniere; seit 2003 wurde diese Auszeichnung 391 Unternehmen verliehen.

Das WEF veröffentlicht regelmäßig Wirtschaftsberichte. Dazu gehören der Global Competitiveness Report seit 1979, der Global Information Technology Report seit 2001, der Global Gender Gap Report seit 2005, der Global Risk Report seit 2006, der Global Travel and Tourism Report seit 2007 und der Global Enabling Trade Report seit 2008. Hinzu kommen Initiativen zu Gesundheit, Bildung, Klima, Wasser und Korruptionsbekämpfung, darunter die Global Health Initiative, die Global Education Initiative, die Environmental Initiative, die Water-Initiative und die Partnering Against Corruption Initiative.

Entwicklung und Jahrestreffen

Das erste European Management Symposium fand 1971 in Davos statt. Klaus Schwab lud 444 Führungskräfte westeuropäischer Unternehmen ein, um sie mit Managementpraktiken aus den Vereinigten Staaten bekannt zu machen. Schwab vertrat den Stakeholder-Ansatz: Unternehmen sollen nicht nur Aktionäre berücksichtigen, sondern auch Kunden, Mitarbeitende, die Standortgemeinde und Regierungen. Nach dem Zusammenbruch des Systems fester Wechselkurse von Bretton Woods und dem Jom-Kippur-Krieg 1973 weitete sich der Fokus des Jahrestreffens von Managementfragen auf wirtschaftliche und soziale Themen aus; 1974 wurden erstmals führende Politiker eingeladen.

1987 wurde das European Management Forum in World Economic Forum umbenannt. Danach verstand es sich stärker als Plattform für internationale Konfliktlösung. 1988 unterzeichneten Griechenland und die Türkei die Davos Declaration, die einen Krieg verhindern sollte. 1992 traten Frederik Willem de Klerk, Nelson Mandela und Mangosuthu Buthelezi erstmals gemeinsam außerhalb Afrikas auf. 1994 unterzeichneten Schimon Peres und Jassir Arafat einen Vertragsentwurf über Gaza und Jericho.

Die Jahrestreffen spiegeln häufig aktuelle Krisen und Debatten wider. 2008 standen nach massiven Börsenverlusten die Finanzkrise, Protektionismus und Konjunkturpolitik im Mittelpunkt. 2009 lautete das Motto „Shaping the Post-Crisis World“; Themen waren Finanzmarktregulierung, staatliche Eingriffe und die Rolle des Dollars. 2010 ging es unter anderem um Reformen des Finanz- und Währungssystems. 2015 wurden Krise und Zusammenarbeit, Wachstum und Stabilität, Innovation und Industrie sowie Gesellschaft und Sicherheit diskutiert; zugleich wurde der ökologische Fußabdruck der Anreise thematisiert.

Seit 2016 prägt die „Vierte Industrielle Revolution“ viele Treffen, also die Verbindung von Digitalisierung, künstlicher Intelligenz, Robotik und neuen Wirtschaftsformen. 2020 standen Klima, 5G, Deepfakes, saubere Energie und globale Risiken im Mittelpunkt; der Global Risk Report nannte das Scheitern des Klimaschutzes und der Anpassung an den Klimawandel als langfristiges Hauptrisiko. 2021 wurde das Treffen wegen der COVID-19-Pandemie zunächst nach Singapur verlegt und dann abgesagt; ersatzweise gab es die virtuelle „Davos Agenda“. 2022 standen Klimanotstand, Ernährungskrise, Energieunsicherheit, Inflation, Gesundheitskrisen und die Folgen des Ukraine-Kriegs auf der Agenda; Russland wurde ausgeladen, Wolodymyr Selenskyj wurde per Video zugeschaltet.

2023 lautete das Motto „Zusammenarbeit in einer fragmentierten Welt“, 2024 „Rebuilding Trust“. 2025 hieß das Rahmenthema „Zusammenarbeit für das intelligente Zeitalter“ und bezog sich stark auf künstliche Intelligenz, geopolitischen Wettbewerb und Protektionismus. 2026 erhielt das Forum ungewöhnlich viel Aufmerksamkeit wegen Aussagen Donald Trumps zu Grönland, Reaktionen europäischer Politikerinnen und Politiker sowie Debatten über Zölle, Souveränität, transatlantische Beziehungen und den Ukrainekrieg.

Kritik und Gegenbewegungen

Das WEF ist regelmäßig Ziel von Kritik und Demonstrationen. Globalisierungskritiker sehen es häufig als neoliberale Organisation und als Symbol des Kapitalismus. Ähnlich wie G8-Gipfel, Weltbank, WTO und IWF wurde es seit den späten 1990er-Jahren dafür kritisiert, Kapitalismus und Globalisierung würden Armut verstärken und die Umwelt schädigen.

Zentrale Kritikpunkte sind mangelnde demokratische Rechenschaftspflicht, finanzielle Intransparenz, unklare Auswahlkriterien, öffentliche Sicherheitskosten, die Bildung einer abgehobenen Elite, die Vereinnahmung demokratischer Strukturen und globaler Krisen sowie ein hoher ökologischer Fußabdruck der Jahrestreffen. Kritiker werfen dem WEF außerdem vor, kritische Medien nicht ausreichend zu akkreditieren und mit Initiativen zu Umwelt oder sozialer Verantwortung vor allem institutionelle Beschönigung zu betreiben. Gegen Klaus Schwab und andere führende Mitarbeiter wurden 2024 im Wall Street Journal Vorwürfe wegen Fehlverhaltens und Belästigung erhoben; das WEF wies die konkreten Vorwürfe zurück und verwies auf eine Null-Toleranz-Politik.

Ein weiterer Kritikpunkt betrifft Ungleichheit. Oxfam nutzte WEF-Treffen mehrfach, um auf die wachsende Wohlstandskluft hinzuweisen. Für 2015 wurde berichtet, dass das reichste eine Prozent der Menschen 48 Prozent des weltweiten Reichtums besitze. 2019 erklärte Oxfam, das Vermögen von 2.200 Milliardären sei um 12 Prozent gestiegen, während das Vermögen der ärmsten Hälfte um 11 Prozent gesunken sei.

Demonstrationen fanden unter anderem 2000 in Melbourne und Davos statt. 2012 errichteten Aktivisten der Occupy-Bewegung ein Iglu-Camp unter dem Motto „Occupy WEF“. 2020 führten etwa 1000 Demonstrierende eine Winterwanderung für Klimagerechtigkeit zum 50. WEF durch. Als Gegenveranstaltungen entstanden unter anderem „Das andere Davos“, das Weltsozialforum, Public Eye on Davos und das Open Forum Davos. Diese Formate wollten Globalisierung, soziale Ungleichheit, Umweltzerstörung und die Rolle großer Unternehmen aus einer kritischen Perspektive diskutieren.

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