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Tokio

Mit 9.640.742 Einwohnern (Stand: 2021) ist die bevölkerungsreichste Metropole des Landes Sitz der japanischen Regierung und des Tennō als Teil des …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Tokio als Hauptstadt und Metropole
  2. 2. Lage, Klima und Erdbebenrisiko
  3. 3. Von Edo zur modernen Hauptstadt
  4. 4. Bevölkerung und politische Ordnung
  5. 5. Wirtschaft, Verkehr und Bildung
  6. 6. Kultur, Sehenswürdigkeiten und Alltag

Tokio als Hauptstadt und Metropole

Tokio, auch Tokyo genannt, ist die Hauptstadt Japans und eine Weltstadt in der Kantō-Region im Osten der Hauptinsel Honshū. Es ist Sitz der japanischen Regierung und des Tennō. Die 23 Bezirke umfassen das Gebiet der ehemaligen Stadt Tokio, die 1943 als Verwaltungseinheit aufgelöst wurde. Deshalb gibt es im administrativen Sinn keine eigenständige Stadt Tokio mehr.

Die 23 Bezirke bilden den städtischen Kernbereich. Ihre Fläche beträgt 621,98 km²; in den Basisdaten werden für Tokio 628 km², 9.640.742 Einwohner und eine Bevölkerungsdichte von 15.351,5 Einwohnern je km² angegeben (Stand: 1. März 2021). Jeder Bezirk ist weitgehend eine eigenständige Kommune. Zur Präfektur Tokio gehören zusätzlich die westlich gelegene Tama-Region sowie die Izu- und Ogasawara-Inseln und Okinotorishima. Die Präfektur umfasst 13.572 km² und hat mehr als 13 Millionen Einwohner.

Mit den Nachbarstädten Yokohama, Kawasaki, Chiba und Saitama sowie weiteren Gemeinden bildet Tokio die Metropolregion Tokio. Je nach Abgrenzung werden unterschiedliche Zahlen genannt: Für 2014 werden 13.572 km² und rund 37,555 Millionen Einwohner angegeben, für 2017 37,4 Millionen und für 2019 38,505 Millionen. Die verschiedenen Werte beruhen auf unterschiedlichen Definitionen der Metropolregion. Sie gilt als größte Metropolregion der Welt.

Tokio ist zugleich Industrie-, Handels-, Bildungs- und Kulturzentrum Japans. Die Stadt besitzt zahlreiche Universitäten, Forschungsinstitute, Theater und Museen, ist ein zentraler Verkehrsknotenpunkt und einer der bedeutendsten Finanzplätze der Welt.

Lage, Klima und Erdbebenrisiko

Tokio liegt an der Bucht von Tokio in der Kantō-Ebene, durchschnittlich sechs Meter über dem Meeresspiegel. Die Kantō-Ebene ist die größte Ebene Japans. Frühere Vulkanausbrüche des Fujisan bedeckten sie mit fruchtbarer vulkanischer Asche, dem kantō rōmu sō. Die Bucht ist tief genug für einen Hafen und zugleich flach genug, um Land aufzuschütten.

Klimatisch liegt Tokio im subtropischen Ostseitenklima; nach Köppen gehört es zum warmgemäßigten Seeklima. Die Sommer sind heiß und feucht, mit etwa 30 °C am Tag und 20 °C in der Nacht. Die Winter sind trocken und sonnig, mit ungefähr 10 °C am Tag und 0 °C in der Nacht. Die Regenzeit Tsuyu dauert meist von Ende Juni bis Mitte Juli. Im September oder Oktober können Taifune starke Winde und Regen bringen. Die durchschnittliche Jahrestemperatur beträgt 15,6 °C, die mittlere jährliche Niederschlagsmenge 1466,8 Millimeter. August ist mit durchschnittlich 27,1 °C der wärmste, Januar mit 5,2 °C der kälteste Monat.

Tokio liegt in einer der aktivsten Erdbebenzonen der Welt. Kleine Erdbeben sind häufig, eine zuverlässige kurzfristige Vorhersage ist jedoch nicht möglich. Eine statistische Untersuchung Kawasumi Hiroshis ergab für Erdbeben mit einer Magnitude über 5 seit 818 durchschnittlich ein größeres Beben alle 69 Jahre. Der Artikel betont, dass diese Berechnung geologische Bedingungen nicht berücksichtigt und daher keine konkrete Vorhersage erlaubt. Ishibashi Katsuhiko beschrieb dagegen Zyklen, in denen mehrere kleinere Beben einem großen Beben vorausgehen.

Beim Großen Kantō-Erdbeben am 1. September 1923 starben in Tokio und Yokohama rund 140.000 Menschen; etwa 380.000 Häuser wurden zerstört. Das Beben hatte eine Magnitude von 7,9. Für die Zukunft sagen Seismologen erneut ein verheerendes Erdbeben in ähnlicher Größenordnung voraus. Deshalb und wegen der hohen Grundstückspreise wurde seit den 1990er Jahren über eine Verlegung der Hauptstadt diskutiert. Drei Kandidatenregionen wurden zwischen 1992 und 1999 ermittelt, konkrete Aktivitäten gab es bisher jedoch nicht.

Von Edo zur modernen Hauptstadt

Das Gebiet Tokios war bereits in der Steinzeit besiedelt. Die spätere Siedlung Edo begann als kleiner Fischereihafen. Um 1457 ließ der Daimyō Ōta Dōkan eine Burg errichten. 1590 gelangte die Burg an Tokugawa Ieyasu. Nach seinem Sieg in der Schlacht von Sekigahara begründete er das Shōgunat und machte Edo zu dessen politischem Zentrum.

1603 bestimmte Tokugawa Ieyasu Edo zur Hauptstadt des Shōgunats. Der Tennō blieb in Kyōto, während die tatsächliche politische Macht beim Shōgun lag. Die Edo-Burg wurde erweitert. Das Wachstum wurde durch die Sankin-kōtai-Verfügung gefördert: Daimyō mussten eigene Residenzen in Edo unterhalten, während ihre Familien dort praktisch als Geiseln gehalten wurden. Handwerker und Kaufleute siedelten sich an, um den Hof zu versorgen.

Edo wurde wiederholt durch Erdbeben und Brände zerstört. Ein Großbrand von 1657 vernichtete mehr als 60 Prozent des damaligen Stadtgebiets und forderte mehrere Tausend Menschenleben. Danach wurden Stadtstrukturen zur Brandverhütung und zur Verteidigung der Burg neu geordnet; Tempel und Schreine wurden teilweise in Außenbezirke verlegt.

1868 wurde das Shōgunat abgeschafft, der kaiserliche Hof nach Edo verlegt und die Stadt in Tokio umbenannt, was „östliche Hauptstadt“ bedeutet. Die Burg Edo wurde zum Kaiserpalast. Nach einem Großbrand von 1872 wurden Ginza und Marunouchi nach westlichem Vorbild wiederaufgebaut. Das Große Kantō-Erdbeben von 1923 und die anschließenden Brände zerstörten erneut große Teile der Stadt. Bis 1930 entstanden mehr als 200.000 neue Gebäude, darunter Stahlbetonbrücken und Parks.

1943 wurde die Stadt Tokio als Verwaltungseinheit aufgelöst. Amerikanische Luftangriffe 1944 und 1945 zerstörten auf etwa 39 km² sämtliche Häuser; mehr als 100.000 Menschen starben, auch der historische Kaiserpalast wurde vernichtet. Nach der Besatzungszeit von 1945 bis 1952 folgten Wiederaufbau, starkes Wirtschaftswachstum und Bevölkerungszuwachs. Tokio war 1964 und, nach pandemiebedingter Verschiebung, 2021 Austragungsort der Olympischen Sommerspiele.

Bevölkerung und politische Ordnung

Seit den 1880er-Jahren leben in Tokio mehr als eine Million Menschen. Die Bevölkerung der heutigen 23 Bezirke wuchs von geschätzten 595.900 Einwohnern im Jahr 1872 auf rund 2,19 Millionen im Jahr 1908. Nach dem Zweiten Weltkrieg stieg sie rasch an und erreichte 1965 mit 8.893.094 Einwohnern einen Höhepunkt. Danach nahm sie zunächst ab; durch Reurbanisierung wächst sie seit den 2000er Jahren wieder. Am 1. Oktober 2019 wurden 9.644.079 Einwohner gezählt.

Die Metropolregion wuchs laut Vereinten Nationen von 11,275 Millionen Einwohnern 1950 auf 37,397 Millionen 2017. Bis 2020 wurde ein weiteres Wachstum erwartet. Für 2050 werden 32,6 Millionen und für 2100 25,6 Millionen Einwohner prognostiziert. Danach könnte Tokio seinen Status als bevölkerungsreichste Agglomeration der Welt verlieren. Die durchschnittliche Fertilitätsrate der Stadt lag 2006 bei 0,98; Tokio gehört damit zu den kinderärmsten Städten Japans.

Eine gemeinsame Stadtverwaltung der 23 Bezirke existiert nicht. Gemeinsame Aufgaben werden von der Präfektur Tokio mit Sitz im Tokyo Metropolitan Government Building in Shinjuku wahrgenommen. Die 23 Sonderbezirke besitzen einen besonderen kommunalen Status und arbeiten in bestimmten Bereichen über gemeinsame Institutionen zusammen. Versuche, zusätzlich eine engere Verwaltungsstruktur für die gesamte Metropolregion mit den Nachbarpräfekturen aufzubauen, blieben ohne konkretes Ergebnis.

Bei den Wahlen ist das Stimmgewicht unterschiedlich. Bei der Wahl zum Parlament der Präfektur Tokio stellten die Bezirke nach der Wahl 2017 insgesamt 87 von 127 Abgeordneten. 2009 wählten in Chiyoda knapp 40.000 Wahlberechtigte einen Abgeordneten, während in Edogawa mehr als 500.000 Wahlberechtigte fünf Abgeordnete wählten. Bei Gouverneurs- und nationalen Oberhauswahlen bildet die gesamte Präfektur Tokio einen einzigen Wahlkreis; dort unterscheidet sich das Stimmgewicht der Bezirksbewohner nicht vom übrigen Präfekturgebiet.

Wirtschaft, Verkehr und Bildung

Tokio ist das wichtigste Wirtschafts- und Finanzzentrum Japans. Die Metropolregion erwirtschaftete laut einer Studie von 2014 ein Bruttoinlandsprodukt von 1.617 Milliarden US-Dollar nach Kaufkraftparität und lag damit weltweit auf Rang eins der wirtschaftsstärksten Metropolregionen. 19,3 Millionen Arbeitskräfte sind dort beschäftigt. Für Tokio selbst wird für 2024 eine Wirtschaftsleistung von 2,055 Billionen US-Dollar angegeben. Die Tokioter Börse ist die größte nationale Wertpapierbörse; Tokio zählt neben New York City und London zu den bedeutendsten globalen Finanzplätzen.

An der Tokiobucht konzentriert sich zwischen Tokio und Yokohama das größte Industriegebiet Japans. Die Schwerindustrie erzeugt mehr als zwei Drittel des Gesamtproduktionswertes. Die Leichtindustrie stellt unter anderem chemische Produkte, Kameras, Maschinen, Metallwaren, Nahrungsmittel, optische Geräte, Textilien und Konsumgüter her. Wegen des hohen Lohnniveaus verlagerten Tokioter Unternehmen seit den 1970er Jahren Produktion nach Südostasien.

In den 1980er Jahren führte ein starker Anstieg der Grundstückspreise zur Immobilienblase. Grundstücke dienten als Sicherheiten für immer höhere Kredite; zugleich stiegen Aktienkurse und der Yen-Wert. 1990 platzte die Blase, Grundstückspreise fielen auf ein Viertel, Aktienwerte brachen ein und Banken blieben auf faulen Krediten sitzen. Es folgten Wirtschaftsflaute und Deflation. Maßnahmen zur Privatisierung und Deregulierung unter Premierminister Jun’ichirō Koizumi waren teilweise erfolglos; Banken konnten später viele faule Kredite abschreiben und sich durch Fusionen stabilisieren.

Tokio ist das Zentrum des japanischen Eisenbahnnetzes. Die wichtigsten Bahnhöfe sind Ikebukuro, Shibuya, Shinagawa, Shinjuku, Tokio und Ueno. Die Flughäfen Haneda und Narita übernehmen den internationalen und nationalen Flugverkehr. Der Hafen von Tokio bildet mit den Hafenbereichen von Yokohama und Chiba eine Einheit und schlägt jährlich mehr als 360 Millionen Tonnen Güter um.

Das Nahverkehrssystem umfasst rund 300 Kilometer kostenpflichtige Stadtautobahnen, zwölf U-Bahn-Linien mit zusammen über 300 Kilometern, S-Bahnen von JR East, private Vorortbahnen, Busse und die Toden-Arakawa-Linie. Über 80 Prozent der beförderten Personen nutzen das Bahnnetz. Tokio ist außerdem Mittelpunkt des Bildungswesens: Die Universitäten der Metropolregion machen etwa ein Viertel aller Universitäten Japans aus; ungefähr ein Drittel der japanischen Studierenden ist dort eingeschrieben. Besonders bedeutend sind die Universität Tokio, die Keiō-Universität und die Waseda-Universität.

Kultur, Sehenswürdigkeiten und Alltag

Tokio verbindet historische Anlagen mit moderner Großstadtarchitektur. Der Kaiserpalast liegt im früheren Gelände der Edo-Burg. In seiner Umgebung befinden sich das Regierungsviertel mit Parlament, Amtssitz des Premierministers und Oberstem Gerichtshof sowie das Geschäftsviertel Marunouchi. Weitere wichtige Zentren sind Shinjuku, Shibuya, Akihabara, Ginza und Nihombashi.

Zu den bekannten Bauwerken gehören der 333 Meter hohe Tokyo Tower, die Rainbow Bridge und der 634 Meter hohe Tokyo Sky Tree. Der Sky Tree wurde am 18. März 2011 fertiggestellt und am 22. Mai 2012 eröffnet. Bedeutende religiöse Bauwerke sind der Meiji-Schrein und der Sensō-ji, der älteste Tempel Tokios.

Tokio besitzt zahlreiche Theater für Nō, Kabuki, Oper, Ballett, zeitgenössischen Tanz, Musicals und westliche Dramen. Das Nationalmuseum Tokio im Ueno-Park ist das größte und älteste Museum Japans und zeigt rund 110.000 Exponate. Weitere Museen behandeln westliche und moderne Kunst, Naturwissenschaften, die Stadtgeschichte und die Geschichte der U-Bahn.

Obwohl die Stadt dicht bebaut ist, gibt es über hundert öffentliche Parks. Bedeutend sind der Ueno-Park, der Yoyogi-Park, Shinjuku Gyoen, der Hibiya-Park und die Grünanlagen um den Kaiserpalast. Der Tama-Zoo umfasst 52,3 Hektar und besitzt asiatische, afrikanische und australische Bereiche. Der Ueno-Zoo ist der älteste Tierpark Japans. Im Sport sind besonders Sumō, Baseball und Fußball populär; Sumō-Turniere finden in Tokio im Januar, Mai und September statt.

Anfang April feiern viele Menschen die Kirschblüte mit Hanami-Picknicks, besonders im Ueno-Park und im Park des Kaiserpalasts. Die Tokioter Gastronomie umfasst mehr als 50.000 Restaurants. Neben Sashimi, Udon, Soba und Ramen sind Monjayaki, Kaiseki, Teppanyaki, Shabu shabu und Sukiyaki bekannt. Tokio bietet außerdem zahlreiche chinesische, koreanische, indische, thailändische, vietnamesische und andere internationale Restaurants.

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