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Ludwig XIV.
Ludwig XIV. gilt als wichtigster Vertreter des höfischen Absolutismus und Gottesgnadentums. Die von ihm etablierte Hofkultur, deren zentrales Symbol die …
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König und absoluter Herrscher
Ludwig XIV. (französisch Louis XIV.; * 5. September 1638 in Schloss Saint-Germain-en-Laye; † 1. September 1715 in Schloss Versailles) war von 1643 bis zu seinem Tod König von Frankreich und Navarra sowie Kofürst von Andorra. Er gehörte dem Haus Bourbon an. Wegen seiner 72-jährigen Regentschaft zählt er zu den am längsten herrschenden Monarchen der neuzeitlichen Geschichte; seine Beinamen waren „Sonnenkönig“ (Roi-Soleil) und „der Große“ (Louis le grand).
Er wurde nach 23 kinderlosen Ehejahren seiner Eltern Ludwig XIII. und Anna von Österreich geboren und erhielt deshalb den Beinamen Dieudonné, „der Gottgegebene“. Nach dem Tod seines Vaters am 14. Mai 1643 wurde er mit vier Jahren König. Zunächst regierten seine Mutter und der Leitende Minister Kardinal Jules Mazarin. Nach Mazarins Tod am 9. März 1661 übernahm Ludwig mit 22 Jahren selbst die Regierung.
Ludwig XIV. gilt als wichtigster Vertreter des höfischen Absolutismus. Absolutismus bedeutet hier die starke Bündelung staatlicher Macht beim König. Sein Herrschaftsanspruch beruhte außerdem auf dem Gottesgnadentum: Der Monarch verstand seine Macht als von Gott verliehen. Ludwig baute Verwaltung, Armee und Hof gezielt aus, schwächte adelige Gegner und machte Frankreich zu einer dominierenden europäischen Großmacht.
Regierung, Wirtschaft und Religionspolitik
In der persönlichen Regierung setzte Ludwig keinen neuen Leitenden Minister ein. Er verkleinerte den Staatsrat auf wenige zentrale Minister und kontrollierte die Regierungsgeschäfte selbst. Nicolas Fouquet, der Finanzminister, wurde wegen Korruption und Hochverrat verhaftet; Jean-Baptiste Colbert übernahm eine Schlüsselrolle in der Finanz- und Wirtschaftspolitik. Weitere wichtige Minister waren Le Tellier und dessen Sohn Louvois für das Heer sowie Lionne und Kanzler Séguier.
Colbert bekämpfte Korruption, ordnete die Bürokratie neu und förderte den Merkantilismus. Das ist eine Wirtschaftspolitik, bei der der Staat Handel, Manufakturen und Ausfuhren stärkt. Die Steuereinnahmen konnten laut Artikel mehr als verdoppelt werden, ohne neue Steuern zu erheben. Frankreich entwickelte eine führende Luxusindustrie, etwa für Gobelinteppiche, Spiegel, Spitzen, Goldschmiedearbeiten und Möbel. Nordfrankreich wurde zu einer Zollunion verbunden; eine einheitliche Zollgrenze für das ganze Königreich scheiterte jedoch an lokalen Privilegien.
Die Steuerlast war ungleich verteilt: Adel und Klerus waren durch feudale Regeln von direkten Steuern wie der Landsteuer taille befreit. Ludwig führte jedoch die Kopfsteuer capitation ein, die auch die oberen Stände, den Dauphin und die Prinzen von Geblüt traf. Trotz hoher Einnahmen verschuldete sich der Staat vor allem durch den Spanischen Erbfolgekrieg stark: 1715 standen Einnahmen von 69 Millionen Livres Ausgaben von 132 Millionen Livres und Staatsschulden von 3,5 Milliarden Livres gegenüber.
Religiös verfolgte Ludwig das Ziel eines einheitlich katholischen Frankreichs. Mit den Gallikanischen Artikeln von 1681 begrenzte er den Einfluss des Papstes auf die französische Kirche. Durch das Edikt von Fontainebleau vom 18. Oktober 1685 widerrief er das Edikt von Nantes. Hugenottische Kirchen und Schulen wurden geschlossen oder zerstört; von 1685 bis 1730 flohen etwa 200.000 von 730.000 Hugenotten ins Ausland. Die im Artikel genannte neuere Forschung bewertet diese Zahl als zu gering für einen spürbaren Schaden an der französischen Wirtschaft, betont aber die Belastung des französischen Ansehens bei protestantischen Staaten.
Kriege und Ausdehnung Frankreichs
Ludwig setzte außenpolitisch auf Expansion und strategisch gesicherte Grenzen. Im Devolutionskrieg 1667/68 gegen Spanien eroberte Frankreich Gebiete in den Spanischen Niederlanden und die Franche-Comté. Im Frieden von Aachen durfte Frankreich große Teile im Westen der Spanischen Niederlande behalten, musste die Franche-Comté aber zurückgeben.
Der Holländische Krieg von 1672 bis 1678/79 richtete sich gegen die Niederlande. Ludwig hatte England im Vertrag von Dover und Schweden als Partner gewonnen und Holland zuvor isoliert. Frankreich setzte bis zu 120.000 Soldaten ein; die Niederlande verhinderten eine vollständige Niederlage durch das Öffnen von Deichen und Überflutungen. Im Frieden von Nimwegen behielt Frankreich fast alle Eroberungen gegenüber Spanien und dem Heiligen Römischen Reich, darunter 1674 erneut die Franche-Comté. Der Festungsbaumeister Sébastien le Prestre de Vauban schuf oder modernisierte mehr als 160 Befestigungsanlagen, darunter Saarlouis und Neuf-Brisach.
Durch die Reunionen annektierte Ludwig weitere Gebiete, darunter 1681 Straßburg; außerdem wurden Saarbrücken und Pfalz-Zweibrücken besetzt. 1684 erreichte er im Regensburger Waffenstillstand eine vorläufige Anerkennung dieser Erwerbungen. Seine Macht erreichte in dieser Zeit einen Höhepunkt: Frankreich war militärisch führend, seine Flotte war stark gewachsen, die Wirtschaft florierte, und europäische Höfe ahmten die französische Kultur nach.
Im Pfälzischen Erbfolgekrieg von 1688 bis 1697 kämpfte Frankreich gegen die Liga von Augsburg. Der Frieden von Rijswijk bestätigte Frankreich den Besitz Straßburgs und der elsässischen Reunionen; Ludwig gab aber Luxemburg, Lothringen und die Pfalz zurück. Seine Kriege vergrößerten Frankreich, belasteten aber Bevölkerung und Staatsfinanzen erheblich.
Versailles, Kunst und staatliche Repräsentation
Schloss Versailles war zugleich Residenz, Machtinstrument und Symbol des Königtums. Ludwig ließ das Jagdschloss seines Vaters ab 1661 zu einem prunkvollen Palast ausbauen; am 6. Mai 1682 zog der Hof nach Versailles. Der König wollte den Adel in seiner Nähe halten, damit er weniger unabhängig in den Provinzen handeln oder sich gegen die Krone organisieren konnte. Für Verwaltungsaufgaben stützte er sich außerdem auf den finanziell abhängigen Dienstadel, die noblesse de robe.
Ämter, Titel und königliche Gunst waren vor allem bei Hof erreichbar. Das strenge Zeremoniell regelte selbst kleine Handlungen wie das Stehen, Sitzen oder Sprechen in Gegenwart des Königs. Das Lever, das feierliche morgendliche Aufstehen des Königs, machte Dienste am Herrscher zu begehrten Ehren. Zeitweise wohnten mehrere Tausend Menschen im Schloss; der gesamte Hofstaat umfasste laut Artikel rund 20.000 Personen. Der Hofadel wurde dadurch an den König gebunden und gab viel Geld für Kleidung, Feste und Lebenshaltung aus.
Ludwig nutzte Kunst, Architektur, Feste und Wissenschaft zur Verherrlichung des Königs und des Staates. Unter Colberts Förderung entstanden königliche Akademien für Malerei und Bildhauerei (1648), Inschriften (1663), Wissenschaften (1666), Architektur (1671) und Musik (1672). Das 17. Jahrhundert wird deshalb als Grand Siècle bezeichnet. Geförderte Künstler und Gelehrte prägten Literatur, Musik, Malerei und Architektur, darunter Molière, Lully, Racine, La Fontaine, Le Vau, Mansart und Le Nôtre. Der Stil Louis-quatorze und der klassizistische Barock wurden europaweit vorbildhaft.
Auch Paris wurde ausgebaut: Dazu gehörten unter anderem Boulevards, Plätze wie Place des Victoires und Place Vendôme, der Umbau des Louvre, das Hôtel des Invalides, das Pariser Observatorium und die Comédie-Française. Paris hatte 700.000 Einwohner und wurde zu einem städtebaulichen und kulturellen Vorbild.
Spanische Nachfolge, Tod und Bedeutung
Nach dem kinderlosen Tod des spanischen Königs Karl II. im Jahr 1700 nahm Ludwig dessen Testament an: Sein Enkel Philippe d’Anjou wurde als Philipp V. König von Spanien. Damit begann der Spanische Erbfolgekrieg (1702–1713 beziehungsweise bis 1714 gegen die Haager Große Allianz). Frankreich musste zeitweise 680.000 Soldaten unterhalten. Im Frieden von Utrecht 1713 sowie den Friedensschlüssen von Rastatt und Baden 1714 blieb Philipp V. König von Spanien und behielt die Kolonien; die Spanischen Niederlande und die italienischen Besitzungen fielen an den Kaiser. Frankreich musste auf fast alle militärischen Eroberungen verzichten, hatte aber die habsburgische Umklammerung endgültig gebrochen.
Ludwig überlebte seinen Sohn Louis, le Grand Dauphin, und seinen ältesten Enkel Louis de Bourgogne. Daher folgte ihm sein Urenkel Ludwig XV.; bis zu dessen Volljährigkeit sollte Ludwigs Neffe Philipp II. d’Orléans Regent sein. Ludwig starb am 1. September 1715 gegen 8:15 Uhr im Alter von 76 Jahren an Wundbrand. Sein Leichnam wurde in Saint-Denis bestattet. Während der Französischen Revolution wurde das Grab am 15. Oktober 1793 geöffnet und der gut erhaltene Leichnam in eine Massengruft geworfen; 1815 kamen die nicht mehr einzeln zuordenbaren Gebeine in ein gemeinsames Ossarium in der Krypta von Saint-Denis.
Seine Bilanz bleibt zwiespältig: Ludwig stärkte Zentralverwaltung, Armee, Kultur und Frankreichs internationale Stellung. Zu seinen Gesetzeswerken zählen der Code Louis sowie Regelungen für Handel, Schifffahrt und Sklavenhandel, der Code Noir. Zugleich stehen die Unterdrückung der Hugenotten und die hohen menschlichen und finanziellen Kosten der Kriege für die Schattenseiten seiner Herrschaft. Von 1661 bis 1715 erlebte Frankreich nur 20 Friedensjahre. Frankreich blieb nach dem Krieg hoch verschuldet, war laut Artikel jedoch weiterhin ein prosperierendes, bevölkerungsreiches und wirtschaftlich leistungsfähiges Reich.