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Weihnachtsgeschichte

Als Weihnachtsgeschichte bezeichnet man die Erzählungen im Neuen Testament (NT) zur Geburt Jesu von Nazaret. Im engeren Sinn ist damit der Textabschnitt Lk …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Begriff, Quellen und Aussageabsicht
  2. 2. Die Darstellung bei Lukas
  3. 3. Die Darstellung bei Matthäus
  4. 4. Historische Einordnung
  5. 5. Bedeutung im Kirchenjahr

Begriff, Quellen und Aussageabsicht

Als Weihnachtsgeschichte bezeichnet man die neutestamentlichen Erzählungen über die Geburt Jesu von Nazaret. Im engeren Sinn ist damit Lk 2,1–20 gemeint, im weiteren Sinn die gesamte Kindheits- und Vorgeschichte Jesu im Matthäus- und Lukasevangelium. Die heute geläufige einheitliche Erzählung entstand erst durch die Zusammenführung und Deutung verschiedener biblischer Motive. Das Wort „Weihnachten“ selbst kommt in den Evangelien nicht vor.

Das ältere Markusevangelium und das jüngere Johannesevangelium enthalten keine Geburts- oder Kindheitsgeschichte Jesu. Die Berichte bei Matthäus und Lukas unterscheiden sich deutlich in Inhalt und Zeitangaben und werden deshalb meist als unabhängig voneinander entstandene Texte betrachtet. Wahrscheinlich stellten die Evangelisten sie älteren Überlieferungen über das Wirken und Schicksal Jesu voran.

Gemeinsam ist beiden Darstellungen, dass Jesus zur Zeit des judäischen Königs Herodes in Bethlehem geboren worden sei, Maria und Josef verlobt gewesen seien und Jesus durch das Wirken des Heiligen Geistes von einer Jungfrau geboren worden sei. Engel kündigen seine Geburt, seinen Namen und seine Bedeutung als Messias, Nachkomme Davids und Sohn Gottes an. Nach der Geburt gelangt die Familie nach Nazareth: bei Matthäus durch einen Umzug, bei Lukas durch die Rückkehr an ihren bisherigen Wohnort.

Die Erzählungen verkünden Jesus als den von Gott bestimmten endzeitlichen Retter Israels. Seine Geburt erscheint als Erfüllung der Verheißungen des Tanach, der hebräischen Bibel, und als Beginn des angekündigten Reiches Gottes. Zugleich setzen die Texte das Wissen um Jesu spätere Passion, seinen Kreuzestod, seine Auferstehung und die Hoffnung auf seine Wiederkunft voraus.

Spätere apokryphe, also nicht in das Neue Testament aufgenommene Schriften wie das Protoevangelium des Jakobus, das Kindheitsevangelium nach Thomas und die Chronik von Zuqnin ergänzen oder verändern die neutestamentlichen Geschichten. Sie gelten nicht als Quellen für historische Informationen.

Die Darstellung bei Lukas

Die lukanische Kindheitsgeschichte reicht von den Ankündigungen der Geburten Johannes des Täufers und Jesu bis zum zwölfjährigen Jesus im Tempel (Lk 1,5–2,52). Beide Geburten werden parallel dargestellt, wobei Jesus als der Größere erscheint. Der Erzengel Gabriel kündigt Maria die Geburt Jesu an. Weitere Teile sind die Begegnung Marias mit Elisabeth, die Geburt Johannes des Täufers, der Lobgesang des Zacharias, die Darstellung Jesu im Tempel und die Wallfahrt des Zwölfjährigen nach Jerusalem.

Nach Lk 2,1–20 ordnet Kaiser Augustus eine „erste“ Volkszählung an. Deshalb reist Josef, ein Nachkomme König Davids, mit seiner hochschwangeren Verlobten Maria von Nazareth nach Bethlehem, dem Heimatort seiner Familie. Dort bringt Maria ihren „erstgeborenen“ Sohn zur Welt, wickelt ihn und legt ihn in eine Krippe, weil sie keinen Platz „in der Herberge“ haben.

Ein Stall wird im Text nicht ausdrücklich erwähnt. Das griechische Wort „katályma“ kann „Herberge“ oder „Gästezimmer“ bedeuten; in Lk 22,11 bezeichnet es den Raum des letzten Abendmahls. Für eine Herberge als Übernachtungsbetrieb verwendet Lukas dagegen in Lk 10,34 das Wort „pandocheíon“. Deshalb wurde auch vermutet, Maria und Josef hätten bei Verwandten in einem vollen Haus Unterkunft gesucht und das Kind in einem unzureichend ausgestatteten Gästezimmer oder in einem Stall beziehungsweise Schuppen in eine Futterkrippe gelegt.

Ein Engel verkündet Hirten in der Nähe, dass in Bethlehem der Heiland beziehungsweise Messias geboren worden sei. Eine Engelschar lobt Gott und verheißt Frieden auf Erden für die „Menschen seines Wohlgefallens“; alternativ wird dies mit „Menschen, die guten Willens sind“ übersetzt. Die Hirten eilen nach Bethlehem, huldigen dem Kind und berichten von den Engeln. Anschließend kehren sie zu ihren Herden zurück und preisen Gott.

Die Darstellung bei Matthäus

Bei Matthäus gehören Abstammung, Geburt und Kindheit Jesu zum Prolog des Evangeliums. Mt 1,1–2,23 enthält die Genealogie, also den Stammbaum Jesu, den Bericht über seine Geburt, die Anbetung durch die Magier, die Flucht nach Ägypten, den Kindermord von Bethlehem sowie die Rückkehr und Ansiedlung in Nazareth.

Maria wird durch das Wirken des Heiligen Geistes schwanger und bringt einen Sohn namens Jesus zur Welt. Dadurch wird Jesus als Sohn Davids, Sohn Josefs und Sohn Gottes vorgestellt. Seine Geburt selbst wird nur knapp erwähnt. Später besuchen ihn „Magier“ – Sterndeuter oder Weise aus dem Osten –, denen der Stern von Bethlehem den Weg weist. Sie finden das Kind in Bethlehem „im Haus“, huldigen ihm und bringen Geschenke. Matthäus bezeichnet sie weder als Könige noch nennt er Namen oder die Zahl drei; diese Einzelheiten stammen aus späteren Legenden.

Auf der Suche nach dem „neugeborenen König der Juden“ erkundigen sich die Magier zuvor im Jerusalemer Königspalast. So erfährt Herodes von einem möglichen Rivalen und befiehlt den Kindermord in Bethlehem. Ein Engel warnt Josef, sodass er mit Maria und Jesus nach Ägypten flieht. Nach dem Tod des Herodes kehrt die Familie nach Palästina zurück und lässt sich in Nazareth nieder.

Matthäus deutet Jesus mithilfe alttestamentlicher Texte als Messias und Repräsentanten Gottes. Als Sohn Gottes folgt er dem göttlichen Willen, als Sohn Davids wendet er sich Israel zu und als Sohn Josefs wirkt er besonders in Galiläa. Erfüllungszitate, unter anderem aus Jesaja, sollen zeigen, dass sich in Jesus frühere Verheißungen erfüllen.

Historische Einordnung

Matthäus und Lukas verbinden Jesu Geburt mit bekannten Personen wie Augustus, Publius Sulpicius Quirinius und Herodes. Matthäus bezieht sie außerdem ausdrücklich auf alttestamentliche Prophezeiungen. Beide Strategien sollen das Kommen des Messias und die Menschwerdung Gottes als geschichtliches, von Gott geplantes Ereignis darstellen. Historisch-kritische Untersuchungen weisen jedoch auf mehrere Spannungen hin.

Mi 5,1 nennt Bethlehem als Herkunftsort des Messias, während andere neutestamentliche Stellen Nazareth als Jesu „Vaterstadt“ und Wohnort seiner Familie voraussetzen. Lukas erklärt Bethlehem durch die Volkszählung und eine anschließende Rückkehr nach Nazareth. Bei Matthäus lebt die Familie zunächst in Bethlehem und zieht erst nach der Flucht nach Ägypten nach Nazareth. Vielen gilt Bethlehem deshalb als legendarischer Geburtsort, der Jesu Abstammung von David und seine Messianität verdeutlichen soll.

Jes 7,14 wird auf die Jungfrauengeburt bezogen. Umstritten ist die Bedeutung der Wörter: Das griechische „parthénos“ kann biologisch „Jungfrau“, aber auch „junge Frau“ bedeuten; das hebräische „almah“ wird als „unberührtes Mädchen“, teilweise auch als „heiratsfähiges Mädchen“ verstanden. Hos 11,1 wird bei Matthäus auf Jesu Rückkehr aus Ägypten bezogen. Die außerhalb des Matthäusevangeliums nicht belegte Erzählung vom Kindermord ermöglicht diesen Bezug. Die Aussage, der Messias werde „Nazoräer“ heißen, findet sich nicht direkt im Alten Testament. Sie könnte auf den „Spross Isais“ aus Jes 11,1 – hebräisch „nezer“ – oder nach Matthias Berghorn auf „NZR“ als alten Herrschertitel anspielen.

Probleme bereitet besonders die lukanische Volkszählung. Lukas scheint einen Reichszensus römischer Bürger und einen Provinzialzensus nicht-römischer Provinzbewohner miteinander zu verbinden. Augustus ließ 8 v. Chr. einen Reichszensus durchführen; dieser hätte Josef als Nichtbürger nicht betroffen. Quirinius führte nach Flavius Josephus erst 6 n. Chr. einen Provinzialzensus in Judäa durch. Matthäus setzt Jesu Geburt dagegen vor den Tod des Herodes im Jahr 4 v. Chr.; viele Historiker halten diese Datierung für glaubhaft. Die Angaben liegen somit mehr als zehn Jahre auseinander. Die vorgeschlagene Lösung, Quirinius sei zweimal Statthalter Syriens gewesen, hat sich in der historischen Forschung nicht durchgesetzt.

Ein Steuerformular von 127 n. Chr. zeigt zwar, dass Menschen für Steuerangelegenheiten vom Wohnort zum Geburtsort reisen mussten. Dennoch wäre eine Anordnung, sich statt am Wohnort am etwa tausend Jahre zurückliegenden Stammsitz der Familie registrieren zu lassen, für römische Steuerlisten unpraktisch gewesen. Zudem lag Nazareth im Gebiet des Herodes Antipas, wo ein römischer Statthalter nur indirekte Befehlsgewalt hatte. Die Stammbäume bei Matthäus und Lukas gelten als theologische, nicht als historisch verlässliche Aussagen; beide machen Josef zum Nachkommen Abrahams und Davids, obwohl er nach den Geburtsgeschichten nicht Jesu leiblicher Vater war.

Auch der 25. Dezember gilt nicht als historisch gesichertes Geburtsdatum. Da Schafe und Ziegen bei Bethlehem im Winter in Ställen gehalten werden, passt die nächtliche Weidehaltung der lukanischen Hirten nicht zum Dezember. Das Datum wurde erst im 4. Jahrhundert unter Kaiser Konstantin I. festgelegt; möglicherweise spielte das Fest des Sonnengottes Sol Invictus eine Rolle.

Aufgrund der Widersprüche sehen einige Historiker und Theologen die Geburtsgeschichten als literarische Fiktionen mit theologischer Absicht: Sie sollen Jesu Gottessohnschaft und sein Kommen historisch und prophetisch glaubhaft machen. Als wahrscheinlicherer Geburtsort wird dann Nazareth angenommen. Eine eindeutige historische Rekonstruktion ergibt sich aus den Texten nicht.

Bedeutung im Kirchenjahr

Im christlichen Kulturraum wird besonders die lukanische Weihnachtsgeschichte verwendet. Ihr Kernstück Lk 2,1–20 wird am Heiligen Abend und am Weihnachtstag in Gottesdiensten und Weihnachtsfeiern vorgelesen oder nachgespielt. Die evangelische Tradition ist stark durch die Übersetzung der Lutherbibel geprägt.

In der katholischen Liturgie ist Lk 2,1–14 das Evangelium der Weihnachtsmesse in der Nacht. In der zweiten Festmesse „Am Morgen“ folgt mit Lk 2,15–20 die Verkündigung an die Hirten. In der dritten Messe „Am Tag“ wird der Prolog des Johannesevangeliums, Joh 1,1–18, vorgetragen. Die matthäische Erzählung von den Magiern, Mt 2,1–12, ist das Evangelium am Fest der Erscheinung des Herrn, Epiphanias, am 6. Januar.

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