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Weihnachten

Als kirchlicher Feiertag ist der 25. Dezember seit 336 in Rom belegt. Wie es zu diesem Datum kam, ist ungeklärt. Diskutiert werden in der Literatur verschiedene …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Bedeutung und Feierformen
  2. 2. Biblische Grundlage und christliche Deutung
  3. 3. Warum Weihnachten am 25. Dezember gefeiert wird
  4. 4. Kirchenjahr und Gottesdienste
  5. 5. Wandel, Verbreitung und gesellschaftliche Rolle
  6. 6. Kunst und Musik

Bedeutung und Feierformen

Weihnachten, auch Christfest, ist im Christentum das Fest der Geburt Jesu Christi. Der Festtag ist der 25. Dezember, das Hochfest der Geburt des Herrn (lateinisch Sollemnitas Nativitatis Domini oder In Nativitate Domini). Die Feier beginnt am Vorabend, dem Heiligen Abend, und der 25. Dezember ist in vielen Staaten gesetzlicher Feiertag. In Deutschland, Österreich, den Niederlanden, Teilen der Schweiz und vielen weiteren europäischen Ländern ist auch der 26. Dezember ein Feiertag; er wird teils als Stephanstag begangen.

Im westlichen Christentum gehört Weihnachten neben Ostern und Pfingsten zu den drei Hauptfesten des Kirchenjahres. Ein kirchlicher Feiertag am 25. Dezember ist in Rom seit 336 belegt. Viele Menschen besuchen am Heiligen Abend, in der Nacht oder am Morgen des 25. Dezember einen Gottesdienst; in Deutschland betraf dies 2016 und 2018 etwa ein Fünftel der Bevölkerung.

Heute wird Weihnachten meist mit Familie oder Freunden und mit einer Bescherung gefeiert. Im deutschsprachigen Raum findet sie gewöhnlich am Abend des 24. Dezember statt, in englischsprachigen Ländern meist am Morgen des 25. Dezember. Als mythische Gabenbringer gelten besonders Christkind und Weihnachtsmann. Weihnachtsbaum, Krippe, Lieder, Gottesdienste und weitere Bräuche prägen das Fest, sind aber nicht alle unmittelbar aus den biblischen Geburtsgeschichten ableitbar.

Biblische Grundlage und christliche Deutung

Die historische Jesusforschung geht überwiegend davon aus, dass Jesus von Nazaret als Mensch seiner Zeit gelebt hat. Seine Geburt in Bethlehem wird nur in zwei der vier Evangelien erzählt: bei Matthäus und Lukas. Beide stellen ihren Evangelien unabhängig voneinander Kindheitsgeschichten mit legendarischen Elementen voran. Sie wollen aus nachösterlicher Sicht zeigen, dass Jesus von Anfang an der verheißene Messias war.

Lukas erzählt von der Anordnung des Kaisers Augustus, sich in Steuerlisten eintragen zu lassen. Josef zieht deshalb mit der schwangeren Maria von Nazaret nach Bethlehem, der Stadt Davids. Dort gebiert Maria ihren erstgeborenen Sohn, wickelt ihn in Windeln und legt ihn in eine Krippe, weil in der Herberge kein Platz ist (Lk 2,1–7). Danach folgen die Verkündigung an die Hirten und die Darstellung Jesu im Tempel. Matthäus berichtet dagegen besonders von Josefs Zweifel, der Botschaft eines Engels im Traum, der Verehrung durch Sterndeuter, der Flucht nach Ägypten, dem Kindermord des Herodes und der Rückkehr nach Nazaret.

Johannes und Paulus erzählen die Geburt nicht als Geschichte. Das Johannesevangelium deutet sie als Menschwerdung: „Das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt“ (Joh 1,14). Paulus beschreibt sie als Kenosis, also Selbstentäußerung oder Erniedrigung: Christus, Gott gleich, wurde den Menschen gleich und war gehorsam „bis zum Tod, bis zum Tod am Kreuz“ (Phil 2,5–11). Weihnachten steht damit theologisch nicht für sich allein, sondern für Gottes Heilstat zur Erlösung der Menschen, die von Jesu Geburt bis zu seiner Kreuzigung reicht.

Viele spätere Motive, etwa Geburt in einer Höhle, Ochs und Esel oder bestimmte Darstellungen von Maria und dem Kind, stammen nicht direkt aus den Evangelien. Die Beziehung zwischen christlichen Motiven und älteren religiösen Vorstellungen, etwa zu Dionysos, Isis, Osiris oder Horus, wird unterschiedlich bewertet. Eine Beeinflussung der christlichen Ikonographie durch antike Darstellungen erscheint plausibel; ob Weihnachten selbst Übernahme oder Verdrängung älterer Kulte war, bleibt umstritten.

Warum Weihnachten am 25. Dezember gefeiert wird

Das Neue Testament nennt kein Geburtsdatum Jesu. Um 200 berichtete Clemens von Alexandria von unterschiedlichen Spekulationen ägyptischer Christen: genannt wurden der 6. oder 10. Januar, aber auch der 19. oder 20. April, der 20. Mai und der 18. November. Der 25. Dezember wird erstmals ausdrücklich im Chronographen von 354 des Furius Dionysius Filocalus genannt, der auf römischen Quellen aus dem Jahr 336 beruht. Die Quelle enthält allerdings innere Widersprüche. Spätestens 354 ist das westkirchliche Weihnachtsfest am 25. Dezember damit belegt.

Für die Wahl des Datums werden zwei einander nicht ausschließende Theorien diskutiert. Nach der Berechnungshypothese wurde vom Todestag Jesu zurückgerechnet. Tertullian setzte den 14. Nisan, den Tag vor Pessach, um 200 mit dem 25. März gleich. Nach einer alten Vorstellung starben große Patriarchen am selben Kalendertag, an dem ihr Leben begann. Wurde für Jesus der 25. März zugleich als Tag seiner Empfängnis verstanden, ergab sich neun Monate später der 25. Dezember als Geburtsdatum.

Die religionsgeschichtliche Hypothese verbindet Weihnachten mit dem Sonnenkult des Sol Invictus und der Wintersonnenwende. Danach sei der 25. Dezember gewählt worden, um Christus als wahre Sonne und Sieger über den Tod zu deuten oder ein heidnisches Fest zu ersetzen. Diese Erklärung ist umstritten: Für ein von Kaiser Aurelian am 25. Dezember gestiftetes, besonders wichtiges Sol-Invictus-Fest gibt es keinen direkten antiken Nachweis. Das Datum ist für den Sonnengott erst im Chronographen von 354 ausdrücklich belegt. Daher ist auch denkbar, dass heidnische Feiern an diesem Tag auf die christliche Festlegung reagierten.

Eine weitere Hypothese von Hans Förster erklärt das wachsende Interesse am Geburtsfest mit Pilgerfahrten ins Heilige Land im 4. Jahrhundert: Der Gottesdienst in der Bethlehemer Geburtskirche am 6. Januar könnte Pilgern als Vorbild gedient haben.

Kirchenjahr und Gottesdienste

Der Weihnachtsfestkreis besteht aus Adventszeit und Weihnachtszeit. Mit dem ersten Adventssonntag beginnt auch das neue Kirchenjahr. In der römisch-katholischen Kirche beginnt die Weihnachtszeit liturgisch mit der ersten Vesper an Heiligabend. Ihr erster Höhepunkt ist die Mitternachtsmesse oder Christmette in der Nacht vom 24. auf den 25. Dezember.

Im römisch-katholischen Ritus gab es in Rom seit dem 6. Jahrhundert drei Weihnachtsmessen: die Mitternachtsmesse, die Messe am Morgen oder Hirtenmesse und die Tagesmesse. Sie haben unterschiedliche Lesungen und Akzente. Die Christmette erzählt die Geburt und die Engelsbotschaft an die Hirten (Lk 2,1–14); die Hirtenmesse behandelt die Anbetung der Hirten (Lk 2,15–20); die Tagesmesse stellt mit dem Prolog des Johannesevangeliums Gottes Heilsplan und die Menschwerdung in den Mittelpunkt (Joh 1,1–18). Zur Weihnachtsoktav gehören die Feste des Stephanus am 26. Dezember, Johannes des Evangelisten am 27. Dezember und der unschuldigen Kinder am 28. Dezember. Am 1. Januar wird seit 1970 das Hochfest der Gottesmutter Maria begangen.

In evangelischen Kirchen beginnen Christfest und Gottesdienste ebenfalls am Abend des 24. Dezember. Christvesper und Christnacht sind typische Formen. Seit der Perikopenordnung 2018 gehören unter anderem Lk 2,1–20 zur Christvesper und Christnacht, Joh 1,1–5.9–14 zum ersten und Mt 1,18–25 zum zweiten Weihnachtstag. Evangelische Kirchen dehnen Weihnachten traditionell auf den zweiten, früher teilweise auch auf den dritten Feiertag aus.

Die Weihnachtszeit endet je nach Kirche unterschiedlich: Im römisch-katholischen Ritus mit dem Fest Taufe des Herrn, im evangelischen Bereich seit der Reform 2017 am Letzten Sonntag nach Epiphanias, also am Sonntag vor oder am 2. Februar. In der altkatholischen Kirche endet sie am 2. Februar, dem Fest der Darstellung des Herrn. Orthodoxe Kirchen feiern liturgisch ebenfalls die Geburt Christi, unterscheiden sich aber in der Kalenderfrage: Kirchen mit julianischem Kalender feiern Weihnachten im Zeitraum 1900 bis 2100 am 7. Januar gregorianischer Zeitrechnung. Die Armenische Apostolische Kirche hält am umfassenden Epiphaniasfest fest; wegen des julianischen Kalenders fällt ihr 6. Januar auf den 19. Januar gregorianischer Rechnung.

Wandel, Verbreitung und gesellschaftliche Rolle

Das Weihnachtsfest am 25. Dezember verbreitete sich vom lateinischen Westen im Osten des Römischen Reichs nur schrittweise. In Konstantinopel ist es für 381, in Kappadokien um 383 und in Antiochia für 386 belegt; in Ägypten erst ab 432 und in Jerusalem erst im 6. Jahrhundert. Die armenische Kirche blieb beim 6. Januar als Geburtsfest.

Bis zum Ende des 18. Jahrhunderts war Weihnachten vor allem ein kirchliches und öffentliches Fest mit Umzügen und Weihnachtsmärkten. Um 1800 entwickelte sich, regional und konfessionell verschieden, die familiäre Feier am Heiligen Abend. Im Biedermeier wurde sie besonders zum Kinder-Beschenkfest. Das Christkind verbreitete sich aus protestantischen Regionen auch in katholische Gegenden; der Weihnachtsmann vereinte im 19. Jahrhundert verschiedene männliche Schenkfiguren. Weihnachtsbaum und häusliche Bescherung waren zunächst vor allem bürgerliche Formen, weil sie ein vorbereitetes Wohnzimmer und finanzielle Mittel erforderten.

In England, Schottland und Neuengland wurde Weihnachten zeitweise von reformierten und puritanischen Gruppen abgelehnt oder verboten. In England verbot ein Parlamentsgesetz das Fest 1647; nach 1660 wurde dies nicht mehr kontrolliert. Im 19. Jahrhundert wurde Weihnachten dort wieder zu einem volkstümlichen Familienfest. In den USA entstand Santa Claus aus verschiedenen Traditionen. Das Gedicht An Account of a Visit of St Nicholas von 1823 verband ihn mit dem 25. Dezember und einem fliegenden Rentierschlitten. Thomas Nast prägte ab 1863 die weltweit bekannte Figur des alten, bärtigen Weihnachtsmanns in Rot und Weiß. Präsident Ulysses S. Grant erklärte Weihnachten am 26. Juni 1870 zum staatlichen amerikanischen Feiertag.

Durch Handel, Migration, Kolonialismus, Radio, Fernsehen und nach dem Zweiten Weltkrieg stationierte US-Truppen wurde Weihnachten weltweit verbreitet und umgeformt. In China ist es eher eine Zeit für Unternehmungen mit Freunden und Kollegen als ein Familienfest; öffentliche Dekoration steht für Modernität. In Japan gilt Kurisumasu besonders als romantischer Abend für Paare. Im Judentum werden Weihnachten und Chanukka teils kulturell verbunden; dies heißt im deutschen Sprachraum „Weihnukka“, im angloamerikanischen Raum „Chrismukkah“. In manchen islamischen Staaten ist Weihnachten Teil des öffentlichen Lebens, in anderen werden Fest und christliche Bräuche bekämpft oder verboten. Im Islam wird die Geburt von ʿĪsā ibn Maryam in Sure 19, Verse 16–36 des Korans erzählt.

Weihnachten ist gesetzlicher Feiertag in vielen christlich geprägten Staaten. Gesetzliche Feiertage ermöglichen die Teilnahme an Feiern, verpflichten in demokratischen Staaten aber nicht dazu. Kritik richtet sich gegen Profanierung, Kommerzialisierung sowie Hektik und Stress. Das Weihnachtsgeschäft ab der Woche vor dem ersten Advent ist für den Einzelhandel die umsatzstärkste Zeit des Jahres.

Kunst und Musik

Die christliche Bildkunst entwickelte Weihnachtsszenen aus Matthäus, Lukas, apokryphen Kindheitsevangelien und Legenden. Seit den Katakombenbildern des 3. Jahrhunderts wurden Geburt, Hirtenverkündigung und Anbetung der Magier verbunden; der Stall kam im 4. Jahrhundert hinzu. Ochs und Esel erscheinen früh und beziehen sich auf Jes 1,3: „Der Ochs kennt seinen Besitzer, der Esel seine Krippe.“ In byzantinischen Bildern betonen Hebammen, besonders Zelomi und Salome, die wirkliche menschliche Geburt Jesu. Später rückten Maria, die innige Beziehung zum Kind und eine aktivere Rolle Josefs stärker in den Vordergrund. Seit dem 14. Jahrhundert zeigt ein verbreiteter Andachtstypus Maria und Josef kniend neben dem auf dem Boden liegenden Kind.

Weihnachtliche Kirchenmusik entstand aus der Gestaltung der drei Messen und aus dem „Gloria in excelsis Deo“ der Engel bei den Hirten. Seit dem Mittelalter gibt es volkstümliche Weihnachtslieder. Martin Luther verfasste oder bearbeitete unter anderem „Gelobet seist du, Jesu Christ“, „Vom Himmel hoch, da komm ich her“ und „Vom Himmel kam der Engel Schar“. „Stille Nacht, heilige Nacht“ wurde 1818 erstmals aufgeführt; Text und Melodie stammen von Joseph Mohr und Franz Xaver Gruber und das Lied ist in etwa 300 Sprachen und Dialekten verbreitet.

Auch klassische Musik, Popmusik, Literatur und Film greifen Weihnachten auf. Das Thema reicht von biblischer Verkündigung über winterliche Stimmung und Geschenkfiguren bis zu Sehnsucht nach einer abwesenden geliebten Person. Zugleich können Werke das Fest, seine Konsumformen oder gesellschaftliche Heuchelei kritisch darstellen.

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