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Nazareth

Nazareth ist heute die israelische Stadt mit der größten Zahl arabischer Israelis. Die Altstadt besteht vor allem aus Gassen und einem arabischen Markt.

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Überblick und Bedeutung
  2. 2. Lage, Landschaft und Klima
  3. 3. Frühe Geschichte und Archäologie
  4. 4. Vom Mittelalter zur modernen Stadt
  5. 5. Stadtentwicklung und Politik
  6. 6. Verkehr, Sport und Verbindungen

Überblick und Bedeutung

Nazareth ist eine Stadt im Nordbezirk Israels in Galiläa. Sie liegt auf 347 m Höhe, hat eine Fläche von 14,123 km² und 77.295 Einwohner (Stand 2022). Die Bevölkerungsdichte beträgt 5.473 Einwohner je km². Nazareth ist heute die israelische Stadt mit der größten Zahl arabischer Israelis. Die Altstadt ist vor allem durch Gassen und einen arabischen Markt geprägt.

Besonders wichtig ist Nazareth wegen seiner christlichen Tradition. Im Neuen Testament wird die Stadt mehrfach als Ort genannt, an dem Jesus aufwuchs. Nach den Evangelien lebten dort auch seine Eltern Maria und Josef. In deutschsprachigen Bibeln gilt „Nazaret“ als ökumenische Schreibweise; die Lutherbibel verwendet die traditionelle Form „Nazareth“.

Nazareth gehört heute zu den wichtigsten Pilgerstätten des Heiligen Landes. Bedeutende christliche Orte sind die griechisch-orthodoxe Wallfahrtskirche der Verkündigung an die Theotokos aus den 1730er Jahren und die römisch-katholische Verkündigungsbasilika, die 1969 geweiht wurde. Nach orthodoxer Überlieferung begegnete Erzengel Gabriel Maria an der Quelle unter der orthodoxen Kirche. Nach katholischer Überlieferung stand an der Stelle der Verkündigungsbasilika das Haus Marias. Die Basilika trägt die Inschrift „Hic verbum caro factum est“ („Hier ist das Wort Fleisch geworden“).

Lage, Landschaft und Klima

Die Altstadt von Nazareth liegt in einer Geländemulde. Diese Mulde liegt knapp 100 m tiefer als der Hügelzug, der die Stadt hufeisenförmig umgibt. Die Hänge steigen mäßig steil an und sind heute fast vollständig bebaut.

Nazareth liegt am etwa 1100 Kilometer langen Israel National Trail, einem Fernwanderweg, und außerdem am Jesus Trail. In der Umgebung können Wanderer Kultur und Geschichte der Region erschließen, etwa auf Wegen Richtung Berg Arbel.

Das Klima zeigt feuchte Winter und sehr trockene Sommer. Die mittleren Tageshöchsttemperaturen reichen von 14,8 °C im Januar bis 30,8 °C im Juli und August. Die mittleren Tagesminimumtemperaturen liegen zwischen 7,6 °C im Januar und 21,5 °C im August. Der Jahresniederschlag beträgt 582,7 mm; die meisten Niederschläge fallen im Winter, besonders im Januar mit 139,7 mm und im Dezember mit 131,1 mm. Im Juli und August fällt nach den angegebenen Daten kein Niederschlag. Insgesamt werden 50,6 Regentage im Jahr angegeben.

Frühe Geschichte und Archäologie

Nazareth wird weder in der hebräischen Bibel noch im Talmud erwähnt. Auch außerbiblische Quellen aus dem 1. und 2. Jahrhundert, etwa Flavius Josephus, nennen den Ort nicht. Deshalb wurde seit dem 19. Jahrhundert teilweise bezweifelt, ob Nazareth zur Zeit der Geburt Jesu existierte.

Archäologische Funde zeigen jedoch eine Besiedlung der Umgebung seit dem 2. Jahrtausend v. Chr. Aus dieser Zeit stammt ein Grabfeld an einem Berghang. Für das 13. Jahrhundert v. Chr. ist ein eisenzeitliches Dorf nachgewiesen. Außerdem wurden Reste eines kleinen Dorfes gefunden, das in späthellenistischer Zeit zwischen 141 und 30 v. Chr. gegründet wurde.

Für das 1. Jahrhundert legen die Befunde nahe, dass die Gegend nur sehr dünn besiedelt war. Es wurden landwirtschaftlich genutzte Bauten, Terrassenmauern, Fundamente von drei Türmen und jüdische Gräber aus römischer Zeit gefunden. Die University of the Holy Land deutet die Funde als Hinweis auf eine Siedlung mit etwa 200 bis 500 Einwohnern. 2009 wurden nahe der Verkündigungsbasilika erstmals Überreste eines Wohnhauses aus der frühen römischen Periode entdeckt: ein kleines, bescheidenes Haus mit zwei Zimmern, Hof und einer in den Felsen gehauenen Zisterne. Kalksteingefäße weisen auf jüdische Bewohner hin, da Kalkstein nach der Halacha keine rituelle Unreinheit annimmt. Hinweise auf eine Synagoge, wie sie im Neuen Testament erwähnt wird, wurden nicht gefunden.

Die früheste außerchristliche Erwähnung Nazareths ist eine Inschrift aus Caesarea Maritima aus dem späten 3. oder frühen 4. Jahrhundert. Sie nennt Nazareth als Sitz einer von 24 Priesterordnungen. Bis zum 7. Jahrhundert lebten Juden in Nazareth. Eine christliche Präsenz ist im 3./4. Jahrhundert durch Eusebius von Caesarea und Julius Africanus bezeugt.

Vom Mittelalter zur modernen Stadt

Im Jahr 1099 eroberte Tankred Nazareth. Für das frühe 12. Jahrhundert ist ein lateinischer Bischof bezeugt; um 1120 wurde ihm das Erzbistum Galiläa übertragen. 1187 eroberten die Araber Nazareth. Von 1229 bis 1263 gab es eine zweite Periode der Kreuzfahrerherrschaft. Mehrere Kirchenbauten, darunter die Verkündigungskirche und die Josephskirche, stammen aus der Kreuzfahrerzeit. 1263 eroberten die Mamluken unter Baibars I. Nazareth, zerstörten christliche Stätten und wiesen christliche Geistliche aus. Im Osmanisch-Mamlukischen Krieg 1516–1517 kam Nazareth mit der Levante unter osmanische Herrschaft.

Im frühen 19. Jahrhundert war Nazareth nach Dan Rabinowitz ein Dorf mit höchstens 2000 meist muslimischen Bewohnern. Yehoshua Ben-Arieh schätzt, dass die Bevölkerung von 1800 bis 1880 von 1250 auf 6000 Personen wuchs. 1867 waren von 5500 Einwohnern 65 Prozent Christen; 1888 wurde mit 68 Prozent ein Höchststand erreicht. 1948 hatte Nazareth 17.000 Einwohner, davon 60 Prozent Christen und 40 Prozent Muslime.

Im Ersten Weltkrieg endete die osmanische Herrschaft praktisch mit der Einnahme Nazareths durch Entente-Streitkräfte am 20. September 1918. Danach kam Nazareth in den britischen Einflussbereich Palästinas. Während des Großen Arabischen Aufstands von 1936 bis 1939 war die Stadt stark betroffen. Im Palästinakrieg ab 1948 blieb Nazareth von den Kampfhandlungen weitgehend verschont. Durch eine Intervention David Ben Gurions erhielt die Stadt die Möglichkeit, sich zu ergeben; die Einwohner konnten in ihren Häusern bleiben.

Nach 1948 kamen rund 20.000 arabische, teils muslimische Binnenflüchtlinge nach Nazareth, viele aus den zerstörten christlichen Dörfern Saffuriya, al-Mudschaidil und Maʿalul. Dadurch änderte sich die religiöse Zusammensetzung. Spätestens beim Zensus von 1972 stellten Muslime die Mehrheit; um die Jahrtausendwende lag ihr Anteil bei rund zwei Dritteln. 2022 waren bei etwa 78.000 Einwohnern rund 24.100 beziehungsweise 30,9 % Christen.

Stadtentwicklung und Politik

Die israelische Regierung gliederte 1956 östlich von Nazareth landwirtschaftlich genutztes Hügelland aus der Zuständigkeit Nazareths aus, um dort die jüdische Siedlung Nazrath Illit, seit 2019 Nof HaGalil, anzulegen. Beide Städte sind selbständig und haben getrennte Verwaltungen. Zusammen hatten Nazareth und Nof HaGalil 120.774 Einwohner (Stand 2022). Nazareth ist überwiegend homogen arabisch; Nof HaGalil gilt als gemischte Stadt. Dort leben zwei Drittel Juden, während der Anteil arabischer Einwohner durch Zuzug aus Nazareth steigt.

Nazareth entwickelte sich zum wirtschaftlichen Zentrum des arabischen Galiläa. Es gibt drei Krankenhäuser und zahlreiche Schulen, die von christlichen Wohltätigkeitsorganisationen und Ordensgemeinschaften gegründet wurden. Aus muslimischen und christlichen Absolventen dieser Schulen bildete sich eine Mittelschicht.

1975 wurde Nazareth die erste israelische Stadt mit einem kommunistisch dominierten Stadtrat. Tawfiq Ziad gewann mit der „Nazareth-Front“ deutlich. Nazareth wurde dadurch ein wichtiges Zentrum der Demokratischen Front für Frieden und Gleichheit. In den 1990er Jahren gewann die Islamische Bewegung in Israel an Zulauf. Bei den Bürgermeisterwahlen im Januar 2015 siegte der unabhängige Kandidat Ali Salam gegen den bisherigen Bürgermeister Ramez Jeraisi. Damit endete eine rund 40-jährige Periode, in der die Demokratische Front die Stadtregierung gestellt hatte.

Eine große lokale Kontroverse entstand in den 1990er Jahren um das Stadterneuerungsprojekt „Nazareth 2000“ und die geplante Gestaltung eines zentralen Platzes nahe der Verkündigungsbasilika. Auf Teilen des Geländes befand sich das Grab von Schihab ad-Din, dem Neffen Saladins. Muslimische Aktivisten forderten statt einer Freifläche den Bau einer Moschee und errichteten 1997 ein Zelt als provisorische Moschee. Der Konflikt führte zu politischen Spannungen, Ausschreitungen in der Osternacht vom 3. auf den 4. April 1999, internationalen christlichen Protesten und schließlich am 9. Januar 2002 zu einem dauerhaften Baustopp durch das israelische Sicherheitskabinett.

Verkehr, Sport und Verbindungen

Nazareth soll durch die geplante Bahnstrecke Haifa–Nazareth an das Eisenbahnnetz angeschlossen werden. Im Straßenverkehr liegt die Stadt an den Nationalstraßen 75 von Haifa nach Nof HaGalil und 79 von Kirjat Bialik nach Nof HaGalil. Außerdem ist Nazareth Endpunkt der Nationalstraße 60 von Beʾer Scheva.

Im Sport wird der Fußballverein Maccabi Ahi Nazareth genannt. Er spielte zwei Jahre lang in der Ligat ha’Al, der höchsten israelischen Spielklasse.

Nazareth hat eine Städtepartnerschaft mit Neubrandenburg in Deutschland. Städtefreundschaften bestehen mit Tschenstochau in Polen, Loreto und Florenz in Italien, Den Haag in den Niederlanden sowie Saint-Denis in Frankreich.

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