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Weihnachtskrippe

Eine Weihnachtskrippe ist eine Darstellung der biblischen Weihnachtsgeschichte mit Menschen-, Engel- und Tierfiguren, teilweise nur mit offenem Krippenstall …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Wesen und biblische Grundlage
  2. 2. Figuren und biblische Motive
  3. 3. Geschichtliche Entwicklung und Verbreitung
  4. 4. Typen, Materialien und Gestaltung
  5. 5. Szenen, Aufstellung und Darstellungsformen
  6. 6. Krippenforschung und Museen

Wesen und biblische Grundlage

Eine Weihnachtskrippe ist eine dreidimensionale Darstellung der biblischen Weihnachtsgeschichte mit Menschen-, Engel- und Tierfiguren. Sie kann aus einem einfachen offenen Stall bestehen oder als aufwändige Modelllandschaft gestaltet sein. Häufig stellt die Landschaft die Gegend von Bethlehem dar, orientiert sich dabei aber meist nicht historisch genau an orientalischen Vorbildern. Alpenländische Krippen übertragen die Szene in die Heimat der Schnitzer; provenzalische Krippen verwenden regionaltypische Figuren und Gegenstände. Mittelpunkt ist das Jesuskind, das als Neugeborenes in der Krippe liegt. Im Deutschen bezeichnet „Krippe“ als pars pro toto, also als Teilbezeichnung für das Ganze, oft das gesamte Weihnachtsbild.

Die biblische Grundlage stammt vor allem aus dem Matthäus- und dem Lukasevangelium. Beide Evangelisten erzählen unterschiedliche Vorgeschichten und setzen eigene Schwerpunkte. Die meisten Krippen verbinden beide Überlieferungen: Nach Lukas gehören die Geburt Jesu, die Krippe, die Hirten und der Verkündigungsengel dazu; nach Matthäus kommen die Sterndeuter aus dem Osten, ihre Geschenke und der Stern von Betlehem hinzu. Weitere mögliche Szenen sind die Verkündigung an Maria, die Darstellung Jesu im Tempel, die Flucht nach Ägypten, der Kindermord des Herodes in Betlehem und die Rückkehr nach Nazareth.

Matthäus und Lukas schildern Maria und Josef mit unterschiedlichen Rollen: Bei Matthäus handelt Josef, während Maria bei Lukas im Mittelpunkt steht. Beide Evangelien nennen Bethlehem als Geburtsort Jesu, erklären den Aufenthalt der Familie dort aber verschieden. Bei Matthäus ist Bethlehem zunächst der Wohnort der Eltern; bei Lukas reisen Maria und Josef wegen des Zensus dorthin und finden keine Unterkunft.

Nur Lukas berichtet, dass Jesus in eine Krippe gelegt wird, weil in der Herberge kein Platz ist. Das griechische Wort phátnē kann einen Futtertrog aus Holz oder Stein, einen Stall oder einen Futterplatz im Freien bezeichnen. Die Krippe markiert den Aufenthaltsort der Tiere im Gegensatz zur Unterkunft der Menschen. In der lateinischen Vulgata wird phátnē mit praesepium („Gehege, Stall“) übersetzt. Im Lukasevangelium dient die Krippe außerdem als Erkennungszeichen für die Hirten. Ihre Bedeutung wird unterschiedlich gedeutet, unter anderem als Verbindung zum steinernen Grab Jesu oder als Anspielung auf alttestamentliche Stellen.

Figuren und biblische Motive

Zur Grundausstattung gehören Jesus, Maria und Josef, die gemeinsam als Heilige Familie bezeichnet werden, außerdem Hirten, Schafe, Engel sowie Ochs und Esel. Jesus liegt meist in der Krippe, manchmal hält ihn Maria in den Armen; häufig trägt er einen Heiligenschein. Maria wird meist knieend, gelegentlich als thronende Madonna oder auf einem Esel reitend dargestellt. Josef erscheint oft als älterer Mann mit Laterne oder Stock.

Ochs und Esel werden in den biblischen Weihnachtsgeschichten nicht erwähnt. Die Tradition geht auf das apokryphe, also nicht zum biblischen Kanon gehörende, Pseudo-Matthäus-Evangelium zurück, das vermutlich im 7. Jahrhundert auf Lateinisch verfasst wurde. Zusätzlich wurde sie mit Jesaja 1,3 und einer griechischen Übersetzung von Habakuk 3,2 verbunden. Bei Jesaja erkennen Ochs und Esel, wo sich die Krippe ihres Herrn befindet, während Israel dies vergessen hat.

Die Hirten können Lämmer oder Schafe tragen; alpenländische Krippen ergänzen häufig Ziegen, Katzen und Geflügel. Dazu kommen anbetende und kniende Figuren, Kinder, Menschen mit Gaben, Musikanten sowie Engel. Verkündigungs- und Gloria-Engel halten oft Spruchbänder mit „Gloria in excelsis Deo“, „Ehre sei Gott in der Höhe“ oder „Frieden auf Erden“.

Die drei Weisen aus dem Morgenland heißen traditionell Caspar, Melchior und Balthasar. Sie bringen Gold, Weihrauch und Myrrhe. Häufig symbolisieren sie die drei Lebensalter und die drei Kontinente der Alten Welt. Eine verbreitete Zuordnung ist: Balthasar steht für Asien und trägt Weihrauch, Melchior wird als greiser Europäer mit Gold dargestellt, Caspar als dunkelhäutiger Jüngling mit Myrrhe für Afrika. Es gibt jedoch abweichende Deutungen, nach denen sowohl Balthasar als auch Melchior dunkelhäutig sind. Zu den Königen gehören oft Kamele, Kameltreiber, Pferde oder Elefanten; auch deren Zuordnung zu Europa, Afrika und Asien ist nicht einheitlich.

Weitere Figuren sind orientalische, maurische und schwarz-afrikanische Gestalten, römische Soldaten, jüdische Geistliche und Propheten. In italienischen und südfranzösischen Krippen erscheinen traditionelle Berufe wie Bäcker, Schreiner, Schmied, Töpfer, Marktfrau und Händler. Sehr selten wird der Kindermord in Betlehem dargestellt. Katalanische Krippen können den Caganer und den Pixaner enthalten, Figuren, die ihre Notdurft verrichten beziehungsweise urinieren und als Glücksbringer gelten. Auch Pflanzen wie Dattelpalmen oder alpenländische Nadelbäume sowie Zubehör wie Laternen, Brunnen, Feuerstellen, Gefäße und Werkzeuge gehören im erweiterten Sinn zur Krippe.

Geschichtliche Entwicklung und Verbreitung

Nach Vorformen im Hoch- und Spätmittelalter entstanden im 14. und 15. Jahrhundert erste statische Krippendarstellungen, vor allem in Italien. Die früher verbreitete Auffassung, Franz von Assisi habe mit der Feier von Greccio im Jahr 1223 die Krippe begründet, gilt inzwischen als überholt: In Greccio wurde das Weihnachtsgeschehen eher als Krippenspiel mit Menschen und lebenden Tieren nachgestellt. Aus dem Jahr 1478 ist eine Liste für die Kirche San Giovanni a Carbonara in Neapel überliefert. Sie nennt unter anderem die Heilige Familie, Ochs und Esel, drei Hirten, zwölf Schafe, zwei Hunde, vier Bäume, elf Engel sowie je zwei Propheten und Sibyllen.

Im Zusammenhang mit der Gegenreformation förderten Jesuiten, Serviten und Franziskaner szenische Darstellungen des Lebens Jesu. Das Konzil von Trient dauerte von 1545 bis 1563. Die erste Krippe im heutigen Sinn nördlich der Alpen wurde 1562 von Jesuiten in der Prager Kirche St. Klemens am Hauptaltar aufgestellt. Eine Beschreibung von 1581 berichtet von offenbar lebensgroßen Figuren in einer mit Efeu, Säulen und Bäumen gestalteten Szenerie; dazu wurden Weihnachtslieder vorgetragen. Krippen sollten das religiöse Erleben ansprechen und die Kenntnis des Lebens Jesu vertiefen.

Nach einer Münchner Krippe von 1607 entstanden etwa 1608 eine Krippe in Innsbruck und 1609 eine in Hall. Die Marianische Kongregation schaffte 1622 eine noch heute in der Haller Jesuitenkirche aufgestellte Krippe mit bekleideten Figuren an. Im Benediktinerinnenkloster Nonnberg in Salzburg ist eine Krippe seit 1615 belegt. Besonders berühmt wurden die neapolitanischen Krippen mit charakterstarken Köpfen und sehr detailreichen Straßen- und Marktszenen. Im Barock verbreitete sich dieser Einfluss auch in Österreich und Süddeutschland.

Im 18. Jahrhundert bezog die Herrnhuter Brüdergemeine als einzige nicht-römisch-katholische Glaubensgemeinschaft Krippen gezielt in ihre Weihnachtsgottesdienste ein. Unter Maria Theresia und Joseph II. wurden Krippen aus öffentlichen Gebäuden, besonders Kirchen, verbannt. Im Fürstbistum Salzburg erließ Erzbischof Hieronymus Franz Josef von Colloredo-Mannsfeld am 22. November 1784 ein ähnliches Verbot. Dadurch gelangten Krippen in den privaten Bereich und blieben dort auch nach der Aufhebung der Verbote.

Im 19. Jahrhundert stand die Krippe vor der allgemeinen Verbreitung des Christbaums im Mittelpunkt der katholischen Weihnachtsfeier. Durch die serielle Herstellung preiswerter Figuren aus Terrakotta und Papiermaché konnten sich auch weniger wohlhabende Familien und ärmere Kirchengemeinden Krippen leisten. Missions-Spardosen waren etwa von 1865 bis Ende der 1960er-Jahre Bestandteil vieler katholischer Kirchenkrippen.

Im 20. Jahrhundert verbreiteten Krippenvereine, Schulen, Ausstellungen und Krippenbaukurse die Hauskrippe. Der 1909 in Innsbruck gegründete Verein der Krippenfreunde hatte bis 1934 über 3000 Mitglieder. Siegfried Schneider, der „Krippenpater“, förderte in den 1920er- und 1930er-Jahren Krippenspiele, Publikationen, Ausstellungen und Zusammenschlüsse; 1924 gründete er die Westfälische Landesgemeinschaft der Krippenfreunde, ab 1925 erschien die Zeitschrift Die Weihnachtskrippe. Im 20. Jahrhundert wurde die Krippe außerhalb des Kirchenraums teilweise von einem religiösen zu einem dekorativen Familienobjekt. Bis heute ist sie kirchlicher und häuslicher Weihnachtsschmuck. Öffentliche Krippen werden in Staaten mit weltanschaulicher Neutralität teilweise kritisiert; in Frankreich gab es 2015 sowohl eine Genehmigung als auch ein Verbot, und Papst Franziskus erklärte am 7. April 2019 ein Krippenverbot für inakzeptabel.

Typen, Materialien und Gestaltung

Krippen lassen sich nach Aufstellungsort, Material, Bauweise, Landschaft und dargestellter Szene unterscheiden. Nach der Landschaft gibt es unter anderem Höhlen-, Landschafts-, neapolitanische, orientalische, alpenländische, Ruinen-, Stall-, Tempel- und Wurzelkrippen. Nach der Bauweise unterscheidet man Kastenkrippen, Bretterkrippen, Dreieck-Eckkrippen, Rundkrippen, Drehkrippen, Reliefkrippen, mechanische Krippen, Miniaturkrippen und Großkrippen.

Für Figuren werden sehr unterschiedliche Materialien verwendet: Holz, Gips, Papiermaché, Kunstharz, Polyresin, Polyurethan, Porzellan, Ton, Terrakotta, Lehm, Wachs, Papier, Stroh, Maisstroh, Metall, Stein und Glas. Hinzu kommen Schwarzmehl-Leimwasser-Masse („Teig“), die bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts in Thüringen, Sachsen und Oberfranken verbreitet war, sowie spezielle Massen wie Berkalith, Romalith, Dolomith, Achatit, Edalith, Coxit und Kerkolin. Santons sind provenzalische Krippenfiguren aus Ton oder Terrakotta. „Loammandl“-Krippen werden aus Lehm mit Formen hergestellt; anthroposophische Holzfiguren, etwa die Ostheimer Krippe, orientieren sich an Konzepten der Waldorfpädagogik.

Beim Krippenbau kommen Naturmaterialien wie Wurzelholz, Wurzeln, Baumschwamm, Moos und Rinde oder künstliche Materialien wie Kunstharz und Papier zum Einsatz. Gustel Hertling baute 1998 eine Wurzelholzkrippe, die als „größte Naturwurzelkrippe der Welt“ in das Guinness-Buch der Rekorde aufgenommen wurde. 2006 entstand eine noch größere Krippen-Gebirgslandschaft mit fließendem Wasser: 8,50 m Höhe auf 130 m² Grundfläche. Die Wurzelkrippe Rheinbrohl wurde 1991 als größte künstlerisch gestaltete Wurzelkrippe Europas ausgezeichnet.

Mechanische Krippen bewegen ihre Figuren. Ein Beispiel ist die von Karl Klauda geschaffene mechanische Krippe in Christkindl aus den Jahren 1899–1939 mit fast 300 beweglichen Figuren. Die Pöttmesser-Krippe in Christkindl entstand ab 1950 auf 58 m² und umfasst 778 Figuren.

Szenen, Aufstellung und Darstellungsformen

Die bekannteste Form zeigt die Geburt Christi, oft zusammen mit der Anbetung durch die drei Weisen. Andere Krippen stellen die Verkündigung, die Herbergssuche, die Flucht nach Ägypten oder den Kindermord des Herodes dar. Zu den Szenen aus der Jugend Jesu gehören die Darbringung im Tempel und das Haus in Nazareth, in dem Maria spinnt und Jesus Josef in der Tischlerwerkstatt hilft. Im Barock war auch die Hochzeit zu Kana beliebt. Seltener werden Passion und Auferstehung gezeigt, etwa der Einzug Jesu in Jerusalem, die Kreuzigung oder das Heilige Grab.

Simultankrippen zeigen mehrere biblische Darstellungen gleichzeitig. Bei Wechselkrippen werden verschiedene Szenen mit denselben Figuren aufgebaut. Jahreskrippen können Ereignisse und Feste des gesamten Kirchenjahres darstellen.

Nach dem Aufstellungsort unterscheidet man Kirchenkrippen, Hauskrippen und Freikrippen. Stadt-, Orts-, Dorf- und Freikrippen werden oft von Kirchengemeinden, Vereinen oder Stadtverwaltungen errichtet. Weitere Formen sind drehbare Weihnachtspyramiden, Weihnachtsberge des Erzgebirges, lebende Krippen, avantgardistische Krippen, Krippen als zeitgenössische Kunst, Krippenwege und Krippen aus Gebrauchs- oder Abfallstoffen. Weihnachtsberge verbinden die biblische Geschichte häufig mit Szenen aus der regionalen Lebens- und Arbeitswelt, besonders dem Bergbau. In evangelischen Teilen Bayerns und angrenzenden Gebieten gab es historisch auch den Schäfergarten als Ersatz für eine Weihnachtskrippe. Der Trierer Dom schmückt statt einer eigens aufgebauten Krippe ein ganzjährig sichtbares Stuckrelief.

Die Aufstellung beginnt meist zum Weihnachtsfest, an manchen Orten mit einzelnen Figuren bereits zu Beginn des Advents. Am 24. Dezember wird das Vollbild mit dem Jesuskind gezeigt. Bis zum 6. Januar, dem Fest der Erscheinung des Herrn, kommen die Heiligen Drei Könige hinzu. Die Krippe bleibt bis zum Ende der Weihnachtszeit stehen: In der außerordentlichen Form des römischen Ritus bis zum 2. Februar, in der ordentlichen Form bis zum Fest der Taufe des Herrn. In der evangelischen Kirche in Deutschland legt die seit dem Kirchenjahr 2018/19 geltende Perikopenordnung das Ende der Epiphaniaszeit auf die Woche mit dem 2. Februar. Traditionell wird die Krippe dann abgebaut.

Krippenforschung und Museen

Krippenvereine widmen sich dem gemeinsamen Krippenbau, veranstalten Kurse und Ausstellungen und unterhalten teilweise eigene Museen. Seit 1952 befasst sich die internationale Vereinigung Universalis Foederatio Praesepistica mit dem Krippenkunsthandwerk.

Der katholische Theologe Adalbert Kuhn sammelt, dokumentiert und präsentiert seit 1984 afrikanische und lateinamerikanische Weihnachtskrippen. Seine etwa 140 Krippen umfassende Sammlung reicht von peruanischen Jahreskrippen aus Ton über eine bolivianische Taschenkrippe in Form eines aufklappbaren Altärchens bis zu einer aus einem Stück Ebenholz gefertigten Lebensbaumkrippe der tansanischen Makonde. Solche Krippen zeigen die Inkulturation, also die kulturelle Ausgestaltung, der christlichen Botschaft. Jesus wird in afrikanischen Krippen als Afrikaner und in lateinamerikanischen Krippen mit Gesichtszügen der dortigen Bevölkerung dargestellt; auch Gewänder, Gegenstände und Alltagsszenen werden an die jeweilige Kultur angepasst.

Krippensammlungen und Museen gibt es unter anderem in Deutschland, Italien, Österreich, der Schweiz, Tschechien und Spanien. Beispiele sind das Bayerische Nationalmuseum und das Weilheimer Krippenmuseum in München beziehungsweise Weilheim, das Norddeutsche Krippenmuseum in Güstrow, das Museo nazionale di San Martino in Neapel, das Tiroler Volkskunstmuseum in Innsbruck, das Diorama Bethlehem in Einsiedeln, die mechanische Krippe von Tomáš Krýza im Museum der Stadt Jindřichův Hradec sowie das Krippenmuseum in Mollina. In Třebechovice pod Orebem wird die mechanische Probošt-Krippe gezeigt; die spanische Ausstellung in Mollina wurde 2017 eröffnet und umfasst 100 Krippen mit mehr als 2000 Figuren auf 5000 m² Ausstellungsfläche.

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