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Maria (Mutter Jesu)
Maria (altgriechisch Μαριάμ, Mariam; auch: Maria von Nazaret) ist die im Neuen Testament genannte Mutter Jesu. Der Überlieferung zufolge lebte sie mit ihrem …
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Bedeutung und Quellenlage
Maria, auch Maria von Nazaret, ist im Neuen Testament die Mutter Jesu. Nach der Überlieferung lebte sie mit ihrem Mann Josef und weiteren Angehörigen in Nazaret in Galiläa. Im Christentum wird sie als Mutter Jesu Christi besonders verehrt; auch der Koran nennt sie als jungfräuliche Mutter Jesu unter dem Namen Maryam.
Historisch sind außerhalb des Neuen Testaments keine unabhängigen Nachrichten über Jesu Eltern überliefert: Spätere Quellen gelten nach herrschender Forschungsmeinung als vom Neuen Testament abhängig. Die überwiegende Mehrheit der Historiker hält jedoch die Existenz Marias und Josefs sowie ihre Namen für authentisch. Das Neue Testament bietet keine Biografie Marias und berichtet nichts über ihr Lebensende. Ihre Erwähnungen dienen vor allem dazu, die Bedeutung Jesu darzustellen.
Spätere Theologie und Frömmigkeit deuteten Marias Rolle in der Heilsgeschichte weiter aus. Daraus entstanden der Ehrentitel Gottesgebärerin, legendarische Überlieferungen, Formen der Marienverehrung und die Mariologie als theologische Teildisziplin.
Maria in den Evangelien und der Apostelgeschichte
Maria wird im Neuen Testament namentlich nur in den Evangelien und der Apostelgeschichte genannt, in 142 von insgesamt etwa 8000 Versen. In den Briefen des Neuen Testaments erscheint ihr Name nicht. Gal 4,4 EU spricht von Gottes Sohn als „geboren von einer Frau und dem Gesetz unterstellt“, ohne die Mutter zu benennen.
Im Markusevangelium fehlt eine Geburtsgeschichte. Jesu Mutter und seine Brüder wollen ihn in Mk 3,20f und 3,31ff EU zurückholen, weil sie ihn für „von Sinnen“ halten. Jesus erklärt dagegen: „Wer den Willen Gottes tut, der ist für mich Bruder und Schwester und Mutter.“ (Mk 3,35 EU). Mk 6,3 EU nennt Maria und die Brüder Jakobus, Joses, Judas und Simon; Schwestern werden erwähnt, aber nicht benannt.
Matthäus beginnt mit einem Stammbaum von Abraham über David und Josef zu Jesus. Mt 1,16 EU formuliert jedoch nicht, Josef sei Jesu Vater, sondern: „Josef, [der] Mann Marias; von ihr wurde Jesus geboren“. Damit wird Josef nicht als leiblicher Vater dargestellt; die davidische Abstammung über Josef beruht dann auf rechtlicher Vaterschaft. In der Kindheitsgeschichte handelt Josef, während Maria weder redet noch angeredet wird.
Bei Lukas steht Maria im Mittelpunkt. Der Engel Gabriel verheißt ihr einen Sohn namens Jesus, der Sohn Gottes genannt wird und Davids Thron besteigen soll. Auf ihre Frage, wie dies ohne intime Beziehung zu einem Mann geschehen könne (Lk 1,34), antwortet der Engel mit dem Wirken des Heiligen Geistes. Maria besucht ihre schwangere Verwandte Elisabet; deren ungeborenes Kind hüpft bei Marias Gruß (Lk 1,41 EU). Im Magnificat, Marias längster zusammenhängender Rede im Neuen Testament, beginnt ihr Lob Gottes mit dessen Handeln an ihr und weitet sich auf die Heilsgeschichte Israels aus (Lk 1,46–55 EU). Die sprachlich stark semitisch geprägte Kindheitsgeschichte könnte sich eng an eine jüdische Quelle anlehnen; Maria kommt als mögliche Auskunftsperson in Betracht, besonders wegen Lk 2,19 und 51 EU. Bei einer Geburt um 20 v. Chr. wäre eine persönliche Befragung durch Lukas um 50 n. Chr. möglich gewesen, bei einer Datierung des Evangeliums in die 80er Jahre dagegen sehr unwahrscheinlich.
Johannes nennt Maria nie beim Namen. Bei der Hochzeit zu Kana ist sie anwesend; Jesus spricht sie mit „Frau“ an und verhält sich auffällig distanziert. Nur Johannes zeigt sie auch bei der Kreuzigung. Dort setzt Jesus den Lieblingsjünger als ihren Sohn und sie als dessen Mutter ein (Joh 19,25 EU). Die Erzählung kann die Zuverlässigkeit der Überlieferung des Lieblingsjüngers in der johanneischen Gemeinde begründen; weil sie in den synoptischen Evangelien fehlt, ist möglicherweise eine symbolische Szene gemeint. Nach der Auferstehung betet Maria laut Apg 1,14 EU mit Jesu Brüdern und den Jüngern in Jerusalem.
Herkunft und Frage nach Geschwistern
Die Bibel nennt Marias Eltern nicht ausdrücklich. Eine mögliche Deutung von Lukas 3 versteht die dortige Abstammungsliste als Linie Marias: Jesus sei nur vermeintlich Sohn Josefs, tatsächlich Nachkomme Elis; Eli wäre dann Marias Vater oder Großvater. Das Protoevangelium des Jakobus, ein einflussreiches apokryphes Marienleben aus dem 2. Jahrhundert, nennt Anna und Joachim als ihre Eltern und behauptet zudem eine davidische Abstammung Marias. Eli und Joachim müssen dabei nicht widersprüchlich sein: Eli ist Kurzform von Eljakim, eine Variante von Jojakim; Jojakim ist wiederum eine Schreibweise von Joachim. Der Jerusalemer Talmud erwähnt in einer Vision Maria als Tochter Elis.
Die leibliche davidische Herkunft Jesu wird im Neuen Testament mehrfach ausgesagt, etwa in Röm 1,3 ELB, 2 Tim 2,8 ELB, Apg 2,30 ELB und Offb 22,16 ELB. Lukas bezeichnet Elisabet als Verwandte Marias und als Nachkommin Aarons (Lk 1,5 und 36 ELB). Marias davidische Abstammung wäre nach dieser Darstellung wohl über ihren Vater verlaufen; eine Verwandtschaft ihrer Mutter mit Elisabet wäre dennoch möglich.
Ob Maria außer Jesus weitere Kinder hatte, ist zwischen den Konfessionen umstritten. Mk 6,3 EU nennt vier Brüder Jesu, Jakobus, Joses, Judas und Simon, sowie Schwestern. Die katholische und orthodoxe Kirche deutet diese Geschwister meist als Vettern und Basen oder seltener als Josefs Kinder aus einer früheren Ehe. Das griechische adelphoi kann diese Deutung zulassen. Dagegen wird eingewandt, dass mit anepsios ein eigenes, auch biblisch verwendetes Wort für Vettern existiert und adelphoi in dieser Bedeutung nicht üblich gewesen sei.
Lk 2,7 EU nennt Jesus Marias „erstgeborenen“ Sohn. Dies kann Geschwister nahelegen, bezeichnet in der Antike aber auch eine rechtlich und kultisch bedeutsame Erstgeburt, selbst wenn kein weiteres Kind folgte. Mt 1,18–25 EU berichtet, Josef habe Maria vor Jesu Geburt nicht „erkannt“, also die Ehe nicht vollzogen; daraus wird teilweise auf späteren Geschlechtsverkehr geschlossen. Katholische und orthodoxe Kirchen lehren dagegen die immerwährende Jungfräulichkeit Marias. Einige folgern aus den wiederholten Nennungen von Mutter und Brüdern einen engen Familienverband. Nach neuerer protestantischer Auffassung gehört zu Jesu Menschwerdung, dass er mit Vater, Mutter und Geschwistern aufwuchs. Jakobus, Jesu ältester Bruder, übernahm später in der Jerusalemer Urgemeinde eine Führungsrolle (Gal 1,19 EU; Gal 2,9 EU).
Verehrung in Religionen und Mariologie
Marienverehrung findet vor allem im Christentum statt, daneben auch in anderen Religionen. Im Christentum zeigt sie sich in Marientiteln, Marienfesten, dem Rosenkranz, marianischen Kongregationen, Volksfrömmigkeit und zahlreichen Bilddarstellungen; auch in der Heraldik erscheint Maria in Wappen.
Bei Tamilen, besonders bei Sri-Lanka-Tamilen, hat die Verehrung Marias eine herausragende Rolle. Der Artikel hält fest, dass alle Tamilen Maria verehren. Im Islam ist Maryam die einzige im Koran namentlich erwähnte Frau. Ihr Name erscheint in sechs Suren in etwa 40 Versen, und die 19. Sure trägt ihren Namen. Auch in nachkoranischer Überlieferung und Frömmigkeit gehört sie neben Khadijah und Fatima zu den am meisten verehrten Frauen.
Die Mariologie ist ein Teil der katholischen Dogmatik, also der Lehre von verbindlichen Glaubensaussagen. Sie steht in enger Verbindung zur Christologie, der Lehre über Jesus Christus. Sie betrachtet Maria als erste Adressatin des Heilshandelns Gottes am Menschen und untersucht ihre Rolle im Erlösungswerk ihres Sohnes. Das dritte ökumenische Konzil von Ephesos erklärte Maria 431 zur Theotókos, zur „Gottesgebärerin“, und wandte sich damit gegen die Bezeichnung Anthropotókos, „Menschengebärerin“. Im 19. und 20. Jahrhundert verkündigte die katholische Kirche weitere Mariendogmen, zuletzt 1950 die leibliche Aufnahme Mariens in den Himmel. Die Darstellung solcher Dogmen als Kennzeichen der Rechtgläubigkeit vergrößerte die Distanz zur Orthodoxie und zum Protestantismus.
Fest- und Gedenktage
Verschiedene christliche Konfessionen begehen im Jahreslauf zahlreiche Fest- und Gedenktage zu Ehren Marias. Für Anna und Joachim nennt die römisch-katholische Kirche den 26. Juli als Gedenktag.