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Weihnachtsbaum

Als Baumschmuck dienen meist Lichterketten, Kerzen, Christbaumkugeln, Lametta, Engels- oder andere Figuren. Auch die Christbaumständer und drumherum sind …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Begriff, Bedeutung und Ursprung
  2. 2. Entstehung und weltweite Verbreitung
  3. 3. Baumarten, Anbau und Markt
  4. 4. Aufstellung und Gestaltung
  5. 5. Öffentliche Bäume, Nutzung und Entsorgung
  6. 6. Bräuche, Kultur und Gefahren

Begriff, Bedeutung und Ursprung

Ein Weihnachtsbaum, auch Christbaum oder Tannenbaum genannt, ist ein geschmückter Nadelbaum, der zur Weihnachtszeit in Wohnungen, Kirchen oder im Freien aufgestellt wird. Typischer Schmuck sind Lichterketten oder Kerzen, Christbaumkugeln, Lametta, Sterne, Engel und andere Figuren. Im 19. Jahrhundert verbreitete sich dieser ursprünglich vor allem deutschsprachige Brauch über die ganze Welt.

Immergrüne Pflanzen galten in verschiedenen Kulturen als Sinnbilder für Lebenskraft und ewiges Leben. Im Christentum entwickelte sich der Weihnachtsbaum wahrscheinlich aus dem „Paradiesbaum“. Dieser stellte in Mysterienspielen am 24. Dezember, dem damaligen Gedenktag von Adam und Eva, die Vertreibung aus dem Paradies dar. Weil dafür mitten im Winter ein grüner Baum benötigt wurde und der 24. Dezember zunehmend als Heiliger Abend galt, verselbstständigte sich der Paradiesbaum zum Christbaum.

Entstehung und weltweite Verbreitung

Frühe Belege stammen vor allem aus dem heutigen deutschsprachigen Raum. 1492 kaufte das Liebfrauenwerk zu Straßburg neun Tannen für die Kirchengemeinden. 1521 wurden in Schlettstadt Bäume ab dem St.-Thomas-Tag bewacht. Eine Akte aus Stockstadt am Main erwähnt 1527 „die weiennacht baum“. 1539 stand ein Weihnachtsbaum im Straßburger Münster, 1576 brachte ein Förster einen Baum in die Ratsstube von Gengenbach. Eine Straßburger Aufzeichnung von 1605 beschreibt bereits in Wohnräumen aufgestellte Tannen mit Papierrosen, Äpfeln, Oblaten, Metallflitter und Zucker. Der Prediger Johann Conrad Dannhauer kritisierte den häuslichen Brauch zwischen 1642 und 1646 als Kinderspiel.

Seit dem 18. Jahrhundert wurde der Weihnachtsbaum häufiger erwähnt und galt außerhalb Deutschlands teilweise als typisch deutsch und lutherisch. Goethe beschrieb 1774 in „Die Leiden des jungen Werthers“ einen Baum mit Wachslichtern, Zuckerwerk und Äpfeln. Wilhelm Hoffmann stellte 1815 in Weimar für arme Kinder den weltweit ersten öffentlichen geschmückten Weihnachtsbaum auf. E. T. A. Hoffmann rückte ihn 1816 in „Nussknacker und Mausekönig“ in den Mittelpunkt der Bescherung.

Zunächst war der Brauch besonders im Süden Deutschlands und in Österreich auf wohlhabende städtische Familien beschränkt; ärmere Menschen verwendeten Zweige. Von etwa 1800 bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts bildeten der bis Heiligabend verborgene, dann erstmals beleuchtete Baum und die darunterliegenden Geschenke den Kern der deutschen Weihnacht. Obwohl die katholische Kirche lange die Krippe bevorzugte, war der Baum bis zum Ende des 19. Jahrhunderts auch in katholischen Gebieten Deutschlands und Österreichs verbreitet. Der erste nachweisbare Wiener Weihnachtsbaum wurde 1814 von Fanny von Arnstein aufgestellt. Die ersten Christbaumkugeln entstanden um 1830.

Nach Nordamerika gelangte der Brauch durch deutsche Auswanderer und Soldaten. Friederike Riedesel stellte 1781 in Sorel-Tracy in Kanada einen mit Früchten und Kerzen geschmückten Baum auf. In den USA errichtete Karl Follen 1832 in Cambridge, Massachusetts, einen Weihnachtsbaum; Gustav Körner folgte 1833 in Illinois. In Großbritannien soll Königin Charlotte 1800 den ersten bekannten Baum aufgestellt haben. Breite Popularität gewann er dort 1848 durch ein Bild Königin Viktorias und ihrer Familie. Auch in den Niederlanden, Russland, Italien und Frankreich wurde der Brauch durch deutsche Einflüsse verbreitet; in Paris wurden zwei Jahrzehnte nach seiner Einführung in den Tuilerien bereits 35.000 Bäume verkauft.

1912 wurde in New York der erste öffentliche Weihnachtsbaum aufgestellt. Elektrische Lichter verbreiteten sich seit 1920. Seit 1982 steht zur Weihnachtszeit ein Baum auf dem Petersplatz im Vatikan. Heute werden teilweise zusätzliche Bäume in Gärten oder vor Häusern aufgestellt.

Baumarten, Anbau und Markt

Als Weihnachtsbäume dienen hauptsächlich Tannen, daneben Fichten, Kiefern und andere Nadelbäume. In Deutschland hatte die Nordmann-Tanne 2020 einen Marktanteil von rund 80 Prozent; etwa 85 Prozent dieser Bäume stammten aus Deutschland und 15 Prozent aus Importen. Bis Ende der 1950er-Jahre wurde fast ausschließlich die Rotfichte verwendet. Von den 1960er- bis Mitte der 1970er-Jahre war die dichtere Blaufichte beliebt, seit Anfang der 1980er-Jahre dominiert die Nordmann-Tanne. Sie wächst gleichmäßig, besitzt weiche, haltbare Nadeln, ist aber nahezu geruchlos. Wichtige Anbaugebiete liegen im Sauerland, in Schleswig-Holstein und in Dänemark.

Vom Samenkorn bis zum zwei Meter hohen Baum vergehen je nach Art acht bis zwölf Jahre. Samen aus den Zapfen älterer Bäume werden in Baumschulen zu Sämlingen gezogen. Nach drei bis vier Jahren gelangen die Jungpflanzen an Forst- und Weihnachtsbaumbetriebe. Boden, Klima und Pflege bestimmen ihre weitere Entwicklung.

Nach Angaben des Umweltbundesamts werden in vielen Kulturen intensiv Insektizide, Herbizide und Mineraldünger eingesetzt. Das kann Böden, Gewässer, Ökosysteme und möglicherweise auch die Gesundheit der Menschen belasten. Die Produktionsbedingungen sind sehr unterschiedlich und oft nicht transparent. Nachhaltige, zertifizierte Plantagen können durch verschiedene Altersgruppen und Sorten ein waldähnliches Klima schaffen. Kleinere Betriebe entfernen Begleitpflanzen von Hand oder mit Schafen. Nach Thomas Fartmann können die mehrjährigen Kulturen zugleich ein neues Ökosystem für gefährdete Brutvogelarten bilden.

Zur deutschen Absatzmenge nennt der Artikel unterschiedliche Werte: Einerseits seien seit Jahren etwa 25 Millionen Bäume jährlich verkauft worden, andererseits seien 2020 rund 29 Millionen gekauft worden. 67 Prozent der Deutschen stellten 2020 einen Baum auf. Die genutzte Anbaufläche betrug 15.900 Hektar, davon lagen 29 Prozent in Nordrhein-Westfalen. 91 Prozent der importierten Bäume, etwa 2 Millionen Stück, kamen aus Dänemark. 2006 wurden für 28 Millionen Bäume etwa 616 Millionen Euro ausgegeben, also ungefähr 22 Euro je Baum. Österreich stellt jährlich rund 2,4 Millionen Bäume auf, davon stammen 85 Prozent aus heimischen Wäldern. In der Schweiz werden schätzungsweise 1,2 bis 1,4 Millionen verkauft; 45 bis 50 Prozent stammen aus heimischem Anbau. Daneben gibt es zusammenlegbare und wiederverwendbare Kunstbäume aus Metall oder Kunststoff.

Aufstellung und Gestaltung

Der Baum wird vor Heiligabend aufgestellt. Im evangelischen Raum wurde er traditionell nach dem Fest der Erscheinung des Herrn am 6. Januar abgeschmückt. In katholischen Familien blieb er häufig bis Mariä Lichtmess am 2. Februar stehen. Seit der Liturgiereform endet die Weihnachtszeit allerdings mit dem Fest der Taufe des Herrn, dem Sonntag nach dem 6. Januar. In Nordamerika wird der Baum oft schon im Advent oder ab Thanksgiving aufgestellt und kurz nach dem 25. Dezember entfernt. Dieser kürzere Zeitraum wird auch in Deutschland häufiger.

Ein Weihnachtsbaumständer befestigt den Stamm. Herkömmliche Modelle arbeiten mit Schrauben; moderne Ständer pressen Klemmfinger mithilfe eines Drahtseils und eines Ratschensystems an den Stamm. Ein Dorn am Boden stabilisiert ihn, und ein Wasserbehälter soll ihn frisch halten. Glycerin im Wasser soll die Nadeln länger am Baum halten. Um 1900 entstanden außerdem teure mechanische Ständer, die den Baum drehten und zugleich eine Spieldose betrieben. Bis Ende des 19. Jahrhunderts wurden Bäume regional auch an der Zimmerdecke aufgehängt, teilweise mit der Spitze nach unten.

Christbaumkugeln erinnern an die Früchte vom biblischen Baum der Erkenntnis. Der norddeutsche Jöölboom zeigt weiterhin Adam, Eva und die Schlange aus Holz oder Gebäck. Lametta wurde 1878 in Nürnberg als Neuerung entwickelt und soll glitzernde Eiszapfen darstellen. Heute gehören Glaskugeln, Nikolausfiguren, Lametta, Strohsterne, Holzfiguren und Süßigkeiten zum üblichen Schmuck. Die Spitze trägt meist einen Stern als Hinweis auf den Stern von Betlehem, einen Engel oder eine Glasspitze. Unter dem Baum stehen häufig Krippe und Geschenke. In vielen Familien durften Kinder den geschmückten Baum erst bei der Bescherung sehen.

Öffentliche Bäume, Nutzung und Entsorgung

Öffentliche Weihnachtsbäume können natürliche Bäume oder große künstliche Konstruktionen sein. Als größter geschmückter Nadelbaum gilt eine 67,4 Meter hohe Douglasie, die 1950 in Seattle aufgestellt wurde. Der knapp 82 Meter hohe General Grant Tree im Sequoia National Park wurde 1926 zum „Nation’s Christmas Tree“ der USA bestimmt. 1999 schmückte man in Tasmanien einen 80 Meter hohen Eucalyptus regnans, um für den Schutz bedrohter Urwälder zu werben.

Zu den künstlichen Großbäumen gehört ein 2011 in Rio de Janeiro errichteter schwimmender Stahlbaum: Er war 85 Meter hoch, wog 542 Tonnen und trug 3,3 Millionen Glühlampen. Auf dem Dortmunder Weihnachtsmarkt entsteht seit 1996 jährlich ein 45 Meter hoher Baum aus einem Stahlgestell und 1.700 Rotfichten; eine Sprinkleranlage schützt ihn. In Gubbio bilden 450 farbige Lichter am Monte Ingino einen 800 Meter hohen und 400 Meter breiten Baum. Das Guinness-Buch der Rekorde führte ihn 1991 als „größten unnatürlichen Weihnachtsbaum der Welt“.

Ein Großteil der rund 29 Millionen gebrauchten Bäume in Deutschland wird in Müllverbrennungsanlagen verbrannt. Wien nutzt gesammelte Bäume in einem Biomassekraftwerk zur Erzeugung von Fernwärme; mancherorts dienen sie dem Osterfeuer. Auch Zoos, Wildparks und Wildtiergehege nehmen gebrauchte Bäume an. Für Lebensmittel oder Badezusätze sollte nur ein unbehandelter, nachhaltig angebauter Baum verwendet werden, etwa mit Bio-, FSC-, Naturland-, Bioland-, Demeter- oder PEFC-Siegel.

Bräuche, Kultur und Gefahren

Mancherorts werden Weihnachtsbäume nach Mondphasen geschlagen, weil eine Ernte bei Vollmond zum Jahresende angeblich die Nadeln länger haltbar mache; ein solcher Effekt ist nicht nachweisbar. Seit den 1960er-Jahren versenken Taucher in Klagenfurt einen geschmückten Baum im Wörthersee und erinnern dabei an im See Verstorbene. Am Bodensee dient ein ähnlicher Brauch dem Dank für ein unfallfreies Jahr und dem Abschluss der Tauchsaison.

Seit der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde der Lichterbaum selbst zum Gegenstand von Liedern und Erzählungen, oft ohne direkten Bezug zur Geburt Christi. Bekannte Beispiele sind „O Tannenbaum“ in den Fassungen von August Zarnack (1820) und Ernst Anschütz (1824), „Am Weihnachtsbaum die Lichter brennen“ von Hermann Kletke sowie Hans Christian Andersens Märchen „Der Tannenbaum“.

Im Zweiten Weltkrieg bezeichnete die Bevölkerung auch weiße, rote und grüne Leuchtkörper als „Christbäume“. Pfadfinder-Flugzeuge der Alliierten ließen diese vor Luftangriffen an Fallschirmen herabsinken, um Zielgebiete für Bomber zu markieren.

Brennende Kerzen am Weihnachtsbaum verursachen regelmäßig Zimmer- und Wohnungsbrände. Häufigste Ursache ist, dass sie unbeaufsichtigt bleiben. In der Adventszeit 2023 wurden rund 6.000 zusätzliche Brände gemeldet, die durch Adventskränze oder Weihnachtsbäume verursacht worden waren.

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