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Wege zum Ruhm

Wege zum Ruhm (Originaltitel: Paths of Glory) ist ein im 35mm-Schwarzweiß-Format produziertes Anti-Kriegs-Drama von Stanley Kubrick aus dem Jahr 1957.

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Überblick und Bedeutung
  2. 2. Handlung
  3. 3. Historischer Hintergrund
  4. 4. Entstehung und Titel
  5. 5. Filmische Gestaltung und Aussage
  6. 6. Rezeption, Zensur und Auszeichnungen

Überblick und Bedeutung

Wege zum Ruhm, im Original Paths of Glory, ist ein US-amerikanisches Anti-Kriegs-Drama von Stanley Kubrick aus dem Jahr 1957. Der Film wurde in 35mm-Schwarzweiß gedreht, ist 83 Minuten lang und basiert auf dem gleichnamigen Roman von Humphrey Cobb. Die Handlung spielt im Ersten Weltkrieg im Stellungskrieg in Nordfrankreich. Kirk Douglas spielt Colonel Dax, den Kommandanten eines französischen Regiments.

Der Film gilt als einer der besten Antikriegsfilme und als Plädoyer für Antimilitarismus. Im Mittelpunkt steht weniger die Darstellung von Schlachten als die Kritik an militärischen Herrschaftsstrukturen, Karrieredenken, Willkür und Todesstrafe. Für den 29-jährigen Stanley Kubrick bedeutete der in und um München produzierte Film mit seinem vierten Kinospielfilm den internationalen Durchbruch. 1992 wurde Wege zum Ruhm von der Library of Congress in das National Film Registry für besonders erhaltenswerte Filme aufgenommen.

Handlung

Zwei Jahre nach Beginn des Ersten Weltkriegs stehen sich französische und deutsche Truppen in einem Schützengrabensystem gegenüber, das vom Ärmelkanal bis zur Schweizer Grenze reicht. Beide Seiten versuchen durch verlustreiche Angriffe, die festgefahrene Lage zu verändern, gewinnen dabei aber oft nur wenige Hundert Meter und verlieren sehr viele Soldaten.

Divisionsgeneral Broulard befiehlt Brigadegeneral Mireau einen Angriff auf eine deutsche Schlüsselstellung, den sogenannten Ameisenhügel, in der deutschen Fassung Höhe 19. Mireau hält den Angriff zunächst für aussichtslos, weil seine Männer erschöpft und dezimiert sind. Als ihm Broulard jedoch eine Beförderung in Aussicht stellt, stimmt er zu. Colonel Dax, Kommandant des 701. Regiments, erkennt ebenfalls die geringe Erfolgschance, übernimmt den Angriff aber, nachdem Mireau ihm mit dem Entzug seines Kommandos droht.

Vor dem Angriff schickt Dax einen Spähtrupp los. Lieutenant Roget gerät dabei in Panik und tötet versehentlich einen eigenen Soldaten mit einer Handgranate. Danach verfasst er einen Bericht, der ihn entlasten soll. Caporal Paris, der den Vorfall beobachtet hat, droht, die Wahrheit aufzudecken. Roget weist ihn darauf hin, dass man einem Offizier eher glauben werde als einem Untergebenen.

Der Angriff am nächsten Morgen scheitert sofort. Die erste Angriffswelle bleibt unter schweren Verlusten liegen, die zweite verlässt wegen des starken Feuers nicht einmal den Graben. Mireau befiehlt daraufhin der eigenen Artillerie, auf die französischen Gräben zu schießen, um die Soldaten zum Angriff zu zwingen. Capitaine Rousseau verweigert dies ohne schriftlichen, von Mireau persönlich unterzeichneten Befehl.

Nach dem Scheitern verlangt Mireau zunächst die Hinrichtung von 100 zufällig ausgewählten Soldaten wegen „Feigheit vor dem Feind“. Broulard reduziert dies auf drei Angeklagte, je einen Stellvertreter für jede Kompanie der ersten Angriffswelle. Ausgewählt werden Caporal Paris, Soldat Armand und Soldat Ferol. Armand wird ausgelost, Paris wird von Roget ausgewählt, um einen Mitwisser loszuwerden, und Ferol wird aus persönlichen Gründen denunziert. Dax, der im Zivilberuf Anwalt ist, verteidigt die drei Männer vor dem Kriegsgericht, kann aber weder eine ordentliche Verlesung der Anklage noch entlastende Zeugen durchsetzen. Die drei werden zum Tode verurteilt.

Dax erfährt von Rousseau von Mireaus Befehl, auf die eigenen Soldaten schießen zu lassen. Er versucht, Broulard dazu zu bringen, die Hinrichtung zu stoppen, bleibt aber erfolglos. Am nächsten Morgen werden die drei Verurteilten erschossen. Später konfrontiert Broulard Mireau mit dem Vorwurf des Schießbefehls und lässt erkennen, dass Mireau zum Sündenbock werden soll. Dax lehnt Broulards Angebot ab, Mireaus Posten zu übernehmen. Am Ende sieht Dax, wie die Soldaten in einer Kneipe zunächst eine deutsche Sängerin verhöhnen, dann aber bewegt mitsummen, als sie Der treue Husar singt. Kurz darauf erhält das Regiment den Befehl zum sofortigen Abmarsch an die Front.

Historischer Hintergrund

Die Romanvorlage von Humphrey Cobb beruht auf einem historischen Ereignis. Am 10. März 1915 weigerten sich Soldaten einer bereits stark dezimierten französischen Kompanie, in einer militärisch aussichtslosen Lage erneut aus den Schützengräben zu steigen und eine stark befestigte deutsche Stellung in Souain im Département Marne anzugreifen. Der französische General Géraud François Gustave Réveilhac befahl daraufhin seiner Artillerie, auf die eigenen Stellungen zu schießen. Der verantwortliche Artilleriekommandant Colonel Bérubéden verweigerte diesen Befehl.

Am 16. März 1915 wurden vier zufällig ausgewählte Korporale, später als Caporaux de Souain bekannt, in einem eintägigen Kriegsgerichtsverfahren wegen Gehorsamsverweigerung zum Tode verurteilt. Am folgenden Tag wurden sie standrechtlich erschossen. Einer von ihnen war Théophile Maupas, für den auf dem Friedhof von Sartilly ein Denkmal steht. Es wurde 1925 errichtet, noch bevor die Hingerichteten am 3. März 1934 offiziell rehabilitiert wurden. Auch die Meutereien in der französischen Armee 1917 bilden den historischen und moralischen Hintergrund des Romans.

Entstehung und Titel

James B. Harris kaufte die Filmrechte an Cobbs Roman für 10.000 US-Dollar. Kubrick und Harris fanden zunächst keine Produktionsgesellschaft, bis Kirk Douglas die Hauptrolle übernahm und den Film mit seiner eigenen Firma Bryna produzierte. United Artists übernahm den Verleih.

Der Film entstand zwischen März und Mai 1957 in den Bavaria-Filmstudios Geiselgasteig und in der Schlossanlage Schleißheim. Die Schlachtszenen wurden auf einem Feld bei Puchheim-Ort gedreht. Das Neue Schloss Schleißheim diente unter anderem als Kulisse für die Erschießungsszene. Bei den Dreharbeiten lernte Kubrick Susanne Christiane Harlan kennen, seine spätere dritte Frau; sie singt in der Schlussszene das deutsche Volkslied Der treue Husar.

Zunächst war ein positiveres Ende vorgesehen: General Broulard sollte sich von Dax erweichen lassen, sodass die drei Soldaten statt hingerichtet zu werden nur 30 Tage Haft erhalten. Kirk Douglas und Calder Willingham überzeugten Kubrick jedoch von einem negativen, weniger kommerziellen, aber glaubwürdigeren Ende. Der Film hatte am 18. September 1957 in München Premiere, die US-Erstaufführung fand am 20. Dezember 1957 in Los Angeles statt.

Der Originaltitel Paths of Glory stammt aus Thomas Grays Gedicht Elegy Written in a Country Church-yard: „The paths of glory lead but to the grave.“ Das bedeutet etwa: „Die Wege des Ruhms führen nur ins Grab.“ Paths of Glory ist außerdem der Titel eines Gemäldes von Christopher Nevinson über die Schrecken des Ersten Weltkriegs.

Filmische Gestaltung und Aussage

Kubrick arbeitet stark mit Gegensätzen. Er schneidet oft hart vom Elend an der Front zum Luxus barocker Schlösser. Die engen Schützengräben stehen der Weitläufigkeit der Schlossanlagen gegenüber. Auch der Offiziersball im Hauptquartier bildet einen Kontrast: Während Soldaten in den Gräben sterben, tanzt der Generalstab zu Musik, unter anderem zum Walzer Künstlerleben von Johann Strauss Sohn.

Im Gerichtssaal verwendet Kubrick High-key-Technik, also eine auffallend helle Beleuchtung. Auf dem schachbrettartigen Boden des Festsaals wirken die Figuren wie Spielfiguren. Dem steht der dunkle Gefängnisort gegenüber, ein Stall des Schlosses, der in Low-key-Technik aufgenommen ist: wenige helle Luken erzeugen starke Gegenlichtkontraste.

Das Urteil des Gerichts wird nicht direkt gezeigt; stattdessen erscheint eine schwarze Blende. Dadurch entsteht für einen Moment die Hoffnung, das Geschehen könne noch aufgehalten werden. Die spätere Hinrichtung verbindet militärische Rituale mit Motiven der biblischen Kreuzigungsgeschichte: Die drei Verurteilten gehen zu drei Hinrichtungspfählen, die an die drei Kreuze von Golgota erinnern, während der Priester das Golgotagespräch aus Lk 23,39-43 zitiert.

Der Film kritisiert nicht nur die willkürliche Auswahl der Angeklagten, sondern auch die Todesstrafe selbst als unmenschlich. Kubrick positioniert sich damit früh gegen die Todesstrafe. Die letzte Szene zeigt zugleich die widersprüchliche Natur der Soldaten: Sie verhalten sich zunächst roh gegenüber der deutschen Sängerin, sind dann aber tief bewegt, als sie singt. Kubrick fasste dies so zusammen, dass der Mensch zu den hässlichsten wie zu den schönsten Dingen fähig sei.

Rezeption, Zensur und Auszeichnungen

Wege zum Ruhm löste besonders in Ländern mit Bezug zur französischen Armee heftige Reaktionen aus. In Frankreich wurde der Film bis 1975 nicht gezeigt, weil man ihn als Angriff auf die Ehre der französischen Armee verstand. Er war dort nicht offiziell verboten; der Verleih legte ihn aber nicht der Zensurbehörde vor, weil Proteste erwartet wurden. Nachdem die französische Regierung gegen die Verwendung der Marseillaise in der Titelsequenz protestierte, wurde sie in einigen als besonders frankophil eingeschätzten Ländern durch Perkussionsinstrumente ersetzt.

Im französischen Sektor Berlins erließ der Stadtkommandant im Juni 1958 ein Aufführungsverbot. Außerdem drohte er, französische Festivalbeiträge von der Berlinale zurückzuziehen, falls der Film während des Festivals in Westberliner Kinos gezeigt würde. Willy Brandt nannte dies öffentlich einen „Rückschritt in das Jahr 1948“. Später durfte der Film mit einem erklärenden Vorspann im französischen Sektor starten. In der Schweiz verboten zunächst einzelne Kantone ab Mai 1958 die Aufführung; im Dezember folgte ein Verbot durch den Schweizer Bundesrat. Erst in den 1970er Jahren wurde der Film dort freigegeben. Auch in Israel gab es ein staatliches Aufführungsverbot, in Großbritannien, Australien und Neuseeland Schnittauflagen.

Kritiken würdigten den Film als schonungslose Anklage gegen Krieg und militärische Ruhmsucht. Das Lexikon des internationalen Films nannte ihn realistisch, zeitlos und erschütternd glaubhaft und verwies auf ein Budget von nur 900.000 Dollar. Adolf Heinzlmeier und Berndt Schulz beschrieben ihn als genaue Psychostudie militärischen Denkens und bewerteten ihn mit 3½ von 4 Sternen.

Der Film erhielt mehrere Auszeichnungen, darunter den Jussi Award 1958 als bester ausländischer Regisseur und 1959 das Silberne Band der Italian National Syndicate of Film Journalists für die beste Regie eines ausländischen Films. Nominiert wurde er unter anderem für den BAFTA Award 1958 als bester Film, den Laurel Award 1958 für Adolphe Menjou als besten Nebendarsteller und den WGA Award 1958 für das beste Drehbuch in der Kategorie Drama. 1992 wurde er in das National Film Registry des National Film Preservation Board in den USA aufgenommen.

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