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Stellungskrieg
Durch die Grabenkämpfe in Nordfrankreich und Belgien wurde der Erste Weltkrieg zum längsten und blutigsten Stellungskrieg in der Geschichte. Der Stellungskrieg …
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Begriff und Bedeutung
Stellungskrieg ist im Unterschied zum Bewegungskrieg eine defensive Form der Kriegsführung mit weitgehend statischen Fronten. Die Front wird meist durch ausgedehnte Feldbefestigungen gesichert; deshalb waren viele Stellungskriege zugleich Grabenkriege. Die Verteidigung hat dabei einen großen Vorteil, weil Angreifer Hindernisse überwinden und unter gegnerischem Feuer vorgehen müssen.
Besonders prägend war der Stellungskrieg an der Westfront des Ersten Weltkriegs. Dort blockierten sich die Gegner über lange Zeit gegenseitig; der Stellungskrieg erreichte nach dem Artikel hier seinen Höhe- und Endpunkt. Überwunden werden konnte diese Kriegsform erst, als der Durchbruch nicht mehr allein von der Infanterie abhängen musste. Wichtig waren Motorisierung, das Zusammenwirken verschiedener Waffengattungen, die Weiterentwicklung gepanzerter Waffen und Luftstreitkräfte sowie veränderte taktische Konzepte.
Entstehung und technische Voraussetzungen
Eine Vorform zeigte sich im Pfälzischen Erbfolgekrieg (1688–1697): Beide Seiten reagierten auf bessere Waffen mit mehr Schanzarbeiten und langgezogenen Befestigungen. Der Stellungskrieg im eigentlichen Sinn wurde im 19. Jahrhundert durch große Wehrpflichtarmeen begünstigt. Frühere Armeen waren meist zu klein, um große Räume dauerhaft zu verteidigen; Schlachten waren daher kürzer oder wurden zu Belagerungen. Große Armeen erschwerten es, Gegner auszumanövrieren oder ihre Flanken anzugreifen.
Als erster Stellungskrieg gilt der Krimkrieg (1853–1856). Die russische Festung Sewastopol wurde fast ein Jahr lang aus befestigten Stellungen heraus verteidigt. Etwa 150.000 Menschen starben, ungefähr ein Drittel unmittelbar durch Kampfhandlungen und etwa 100.000 durch Krankheiten, Seuchen und mangelhafte Versorgung.
In der Spätphase des Amerikanischen Bürgerkriegs (1861–1865) wurden Feldbefestigungen besonders wichtig. Spanische Reiter oder Krähenfüße aus spitzen Holzpfählen wirkten ähnlich wie später Stacheldraht. Die Gatling Gun als Vorläufer des Maschinengewehrs erlaubte es, zahlenmäßig überlegene Angreifer abzuwehren. Angriffe wie „Pickett’s Charge“ bei Gettysburg zeigten, wie aussichtslos ein Frontalangriff gegen eine konzentrierte Verteidigungslinie geworden war.
Entscheidend waren neue Handfeuerwaffen: der gezogene Minié-Vorderlader und später der Hinterlader. Sie erhöhten Feuerkraft und Reichweite; mit Hinterladern konnte man liegend nachladen und blieb dadurch besser geschützt. Rauchloses Pulver erschwerte gegen Ende des 19. Jahrhunderts zusätzlich das Erkennen feuernder Verteidiger. Maschinengewehre, besonders beim flankierenden Feuer, und Stacheldraht verstärkten den Vorteil der Verteidigung. Moderne Artillerie mit Brisanzgranaten wurde ebenfalls zu einer besonders tödlichen Waffe. Alfred Krupp steigerte bereits in den 1860er Jahren Schussweite, Genauigkeit und Feuerrate von Geschützen erheblich.
Im Ersten Weltkrieg zeigte die Verbindung aus Artillerie, Stacheldraht und Maschinengewehrfeuer besonders deutlich den Verteidigungsvorteil. Auch starke Artillerievorbereitung ermöglichte Einbrüche in ausgebaute Stellungen nur unter hohen Verlusten. Als modernes Beispiel nennt der Artikel den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine seit dem 24. Februar 2022: Nach ukrainischen Geländegewinnen im Donbass von August bis November 2022 gruben sich russische Truppen ein; ukrainische Offensiven scheiterten im Sommer 2023 an diesen Stellungen.
Kampfweise im Ersten Weltkrieg
Nach Kriegsbeginn erkannten deutsche und alliierte Truppen, dass schon geringe Deckung Angriffe wirksam abwehren konnte. Frontale Angriffe verursachten dramatische Verluste. Beide Seiten versuchten, den Stellungskrieg durch massiven Einsatz von Menschen und Material zu überwinden und den Gegner „strategisch ausbluten“ zu lassen.
Ein örtlicher Sturmangriff sollte einen Durchbruch schaffen, damit danach Flankenangriffe möglich wurden. Solche Angriffe wurden durch Ablenkungsangriffe, Trommelfeuer, Gasangriffe und Minenkrieg vorbereitet. Nachhaltige Erfolge blieben jedoch meist aus: Die gegnerischen Linien bestanden aus mehreren parallelen Verteidigungslinien, konnten durch rasche Truppenverschiebungen verstärkt werden und boten wegen Gräben, Maschinengewehren und Deckung große Vorteile für Verteidiger.
An der Westfront endete der Bewegungskrieg 1914 nach der Marneschlacht in Umfassungsmanövern. Im „Wettlauf zum Meer“ erreichten die Gegner die Kanalküste in Flandern. Danach reichte das Grabensystem von Westflandern bis zur Schweizer Grenze im Oberelsass. Die Kämpfe in Nordfrankreich und Belgien machten den Ersten Weltkrieg zum längsten und blutigsten Stellungskrieg der Geschichte. An der Westfront dauerte er bis zur deutschen Frühjahrsoffensive, Operation Michael, im März 1918 an.
Überwindung und spätere Folgen
Der Stellungskrieg entstand aus Massenarmeen, schnellfeuernden Waffen und der Massenproduktion von Rüstungsgütern. Zu seinem Ende trugen neue Technologien wie Giftgas, Flugzeuge und vor allem Panzer bei. Panzer erschienen gegen Ende des Ersten Weltkriegs bei der Entente in größeren Zahlen, hatten aber noch erhebliche technische Mängel und wurden wegen fehlender Erfahrung oft falsch eingesetzt. Mit höchstens 8 km/h waren sie langsam und konnten durch Flammenwerfer, Geschütze und manchmal konzentriertes Maschinengewehrfeuer bekämpft werden. Der britische Panzervorstoß bei Cambrai Ende 1917 brachte zunächst Geländegewinn, der nach einer deutschen Gegenoffensive jedoch rasch wieder verloren ging.
Nach dem Krieg wurde die Wirkung des Panzers laut Artikel von beiden Seiten überschätzt. Er erklärte den Wandel nur teilweise: Den Alliierten gelangen 1917 auch ohne oder mit wenigen Panzern Erfolge, und deutsche Truppen erzielten in der Frühjahrsoffensive 1918 Geländegewinne ohne nennenswerte Panzertruppe. Die wichtigste Lehre war taktisch. Panzerverbände, motorisierte Infanterie, Kampfflugzeuge und Infanterie sollten an einem begrenzten Frontabschnitt konzentriert werden; dies heißt Schwerpunktbildung. Taktische Überraschung, Angriffe auf Schwachpunkte, das Umgehen von Befestigungen und kleine selbständig handelnde Sturmtruppen machten die Verteidigungsvorteile der Infanterie geringer. Motorisierte Transportmittel wurden zudem wichtig, weil Eisenbahnen einem schnellen Vormarsch nicht schnell genug zur Versorgung folgen konnten.
Diese Grundsätze zeigten sich im Blitzkrieg 1940. Trotzdem bauten Staaten weiter große Verteidigungslinien, etwa die Maginot-Linie, den Westwall, den Ostwall und ab 1929 die Stalin-Linie. Nach dem Artikel hielten sie feindliche Angriffe trotz großen Aufwands nur wenige Tage auf. Im Zweiten Weltkrieg blieb die Front besonders an der Ostfront zeitweise wieder statisch. Dort entstanden erneut Schützengräben, Geschützstellungen und eingegrabene Panzer; da viele Wehrmachtverbände Infanteriedivisionen waren, lief die Infanterie beim Angriff den Panzern hinterher und wurde bei erfolgloser Verteidigung im Rückzug eingekesselt.
Als dauerhaftes Erbe nennt der Artikel die über große, nun mobile Fronten verfügbare Feuerkraft. Moderne Landkriegsführung beruht zudem auf kleinen, quasi-autonomen Einheiten, den Fire Teams, und auf reibungsloser Kommunikation, um die Initiative gegenüber dem Feind zu gewinnen und zu behalten.