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Grabenkrieg
Allein in der Schlacht um Verdun wurden von Februar bis Dezember 1916 über 700.000 Soldaten getötet oder verletzt. Die Kämpfe konnten den Frontverlauf nicht …
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Definition und Bedeutung
Als Grabenkrieg bezeichnet man eine Form des Stellungskrieges, bei der sich zwei gegnerische Fronten in befestigten Systemen aus Schützen- und Laufgräben gegenüberliegen. Schützengräben dienen der Deckung von Soldaten gegen Beschuss; Laufgräben verbinden einzelne Stellungen und ermöglichen Bewegung innerhalb des Systems. Ein Grabenkrieg entsteht besonders dann, wenn ungefähr gleich starke Truppen aus entgegengesetzten Richtungen aufeinandertreffen und keine Seite den Gegner entscheidend zurückdrängen kann.
Wichtig für diese Frontverfestigung waren technisch fortgeschrittene Artillerie mit wirkungsvollen Granaten und großer Reichweite sowie Maschinengewehre, die seit dem Ersten Weltkrieg immer wichtiger wurden. Diese Waffen machten offene Angriffe sehr verlustreich. Gleichzeitig blieb die Beweglichkeit schwerer Waffen gering, vor allem in schwierigem Gelände. Auch die Zugtiere, die zum Transport gebraucht wurden, waren der gesteigerten Waffenwirkung ausgesetzt.
Größere Grabenkämpfe gab es erstmals 1854 im Krimkrieg. Später kam es auch im Amerikanischen Bürgerkrieg (1861-1865) und im Russisch-Japanischen Krieg (1904-1905) zu Kämpfen in Gräben. Den blutigen Höhepunkt erreichte diese Kriegsform im Ersten Weltkrieg. Allein in der Schlacht um Verdun wurden von Februar bis Dezember 1916 über 700.000 Soldaten getötet oder verletzt, ohne dass sich der Frontverlauf wesentlich änderte.
Voraussetzungen und Entwicklung
Befestigungen an Grenzen gab es bereits in der Antike, etwa den Hadrianswall in England, den Limes in Deutschland oder die Chinesische Mauer. Diese Anlagen sollten Grenzübertritte vor allem erschweren und kontrollieren, nicht vollständig verhindern. Wegen kleinerer Armeen und geringerer Waffenreichweiten konnte meist nur ein Abschnitt verteidigt werden.
Feldbefestigungen wurden in offenen Feldschlachten lange selten verwendet, weil ihr Bau viel Zeit kostete. Feldschlachten waren vergleichsweise kurz; die unterlegene Seite zog sich oft in eine Festung zurück, die dann belagert wurde. Trotzdem nutzten schon die arabischen Muslime Medinas Gräben in der Grabenschlacht von 627 zur Verteidigung gegen Kavallerie.
Mit der Weiterentwicklung von Befestigungen und Waffen änderte sich die Kriegsführung schrittweise. Die Einführung der Artillerie, etwa in der Zeit des Osmanischen Reiches und bei Belagerungen wie der Belagerung von Wien, beeinflusste Festungsbau und Belagerung stark. Angreifende Infanterie musste sich Festungen in Approchen nähern, also in Annäherungsgräben.
Entscheidend für Stellungskrieg und Grabenkrieg war später die Einführung großer Wehrpflichtarmeen zur Zeit der Französischen Revolution und der Napoleonischen Kriege. Große Armeen machten es schwerer, den Gegner auszumanövrieren oder an den Flanken anzugreifen. Maschinengewehre wie das Gatling Repetiergeschütz erhöhten die Feuerkraft zusätzlich. Dadurch mussten sich Infanteristen in Feldstellungen vor Angriffen und vor immer wirksamerer Artillerie schützen. Neben den Gräben wurden Bodenhindernisse wichtiger, darunter Stacheldraht, Spanische Reiter, Krähenfüße und heute auch Bandstacheldraht.
Frühe Kriege mit Grabenkämpfen
Im Krimkrieg wurden vor der Belagerung von Sewastopol (1854-1855) auf russischer Seite provisorische Grabensysteme angelegt, um die Stadt zu verteidigen. Die Anwendung dieses Verteidigungskonzepts ging vom russischen Ingenieuroffizier Franz Totleben aus. In diesem Krieg wurden erstmals Gewehre mit gezogenen Läufen verwendet, zum Beispiel die Enfield Rifled Musket. Mit ihnen konnte man auf größere Entfernung treffen. Außerdem zeigte sich im Grabenkrieg die Effektivität von Handgranaten.
Im Sezessionskrieg wurde anfangs noch mit Taktiken aus der napoleonischen Zeit gekämpft. Gegen Ende des Krieges wurde er jedoch zu einer Vorschau auf den Ersten Weltkrieg, weil Feldbefestigungen stark an Bedeutung gewannen. Dazu gehörten Spanische Reiter aus spitzen Holzpfählen und die ersten Landminen. Die Schlacht von Cold Harbor gilt als erste offene Feldschlacht, also keine Belagerung, die zu einem Stellungskrieg mit Grabensystemen erstarrte. Auch der Atlanta-Feldzug und die Belagerung von Petersburg zeigten deutliche Grabensysteme.
Im Russisch-Japanischen Krieg (1904-1905) wurden bei der Belagerung von Port Arthur erstmals Stacheldraht und Maschinengewehre verwendet. Die Infanterie war durchgängig mit Hinterladern ausgerüstet. Hinterlader sind Feuerwaffen, die von hinten geladen werden und dadurch schnelleres Schießen ermöglichen als ältere Vorderlader. So konnte schon eine kleine Truppe eine große Feuerkraft entfalten. Mit ausreichender Deckung konnten wenige Verteidiger Angreifer deutlich leichter zurückschlagen.
Höhepunkt im Ersten Weltkrieg
Im Ersten Weltkrieg erkannten die Truppen schnell, dass schon kleinste Deckung einem Verteidiger half, einen frontal angreifenden Gegner zurückzuschlagen. Frontale Angriffe führten deshalb zu dramatischen Verlusten. Flankenangriffe, also Angriffe gegen die Seiten eines Gegners, galten als wichtige Möglichkeit zum Sieg.
Nach der Marneschlacht kam es zu einer Serie von Umfassungsmanövern. Beide Seiten versuchten, den Gegner zu umgehen. Diese Bewegungen endeten erst, als beide Armeen die Küste erreichten. Danach erstarrte die Westfront weitgehend. Das Grabensystem der Westfront erstreckte sich von der Nordsee bis zur Schweiz.
Die Schlacht um Verdun zeigt die Folgen besonders deutlich: Von Februar bis Dezember 1916 wurden über 700.000 Soldaten getötet oder verletzt, ohne dass sich der Frontverlauf wesentlich änderte. Auch bei der Schlacht von Gallipoli kam es nach der amphibischen Landung, also einer Landung von See aus, zu einem Erstarren der Fronten und zu Grabenkämpfen. Nach dem Ersten Weltkrieg kam es nur noch sehr selten zu Grabenkämpfen.
Spätere Beispiele und Gegenmaßnahmen
In der Zwischenkriegszeit entwickelten Militärs in Europa und den USA neue Taktiken, um die hohen Verluste des Grabenkriegs zu vermeiden. Dazu gehörte die bewegliche Gefechtsführung mit Panzerfahrzeugen. Im Zweiten Weltkrieg wurden solche Konzepte in großen Panzerschlachten angewendet. Der Krieg war stark durch Bewegungskrieg mechanisierter Truppen und durch Luftkrieg geprägt. Bewegungskrieg bedeutet, dass schnelle Vorstöße Lücken und Schwachstellen in der Verteidigung nutzen, tief in den gegnerischen Raum eindringen und feindliche Infanterie einkesseln oder vom Nachschub abschneiden.
Trotzdem war im Zweiten Weltkrieg die Masse der Infanterie nicht motorisiert. Kämpfe fanden oft weiterhin um Feldstellungen statt. Auch die Wehrmacht sicherte im Russlandfeldzug über längere Zeit größere Frontabschnitte mit Infanterie in ausgebauten Feldstellungen und Bunkerlinien. Befestigungen wie die Maginotlinie in Frankreich, die Metaxas-Linie in Griechenland oder der Atlantikwall konnten vom Angreifer meist schnell durchbrochen werden. Ähnliche Erfahrungen zeigten sich später im Indochinakrieg, etwa bei der Schlacht um Dien Bien Phu, und im Koreakrieg.
Ein bekanntes Beispiel nach dem Ersten Weltkrieg war der Iran-Irak-Krieg (1980-1988). Beide Seiten verfügten über große Infanteriearmeen, aber nur über wenige gepanzerte Fahrzeuge, Flugzeuge oder die nötige Ausbildung für bewegliche Kriegsführung. Das Ergebnis war ein Kampf mit Schützengräben, der mit dem Ersten Weltkrieg vergleichbar war. Der Krieg war außerdem durch den Einsatz chemischer Waffen durch den Irak gekennzeichnet. Auch im Eritrea-Äthiopien-Krieg trafen vor allem Infanterie-Einheiten aufeinander, wodurch es ebenfalls zu Grabenkämpfen kam.
Als Gegenmaßnahme gegen statische Grabenlinien wurde der Blitzkrieg entwickelt: ein kombinierter, koordinierter Einsatz verschiedener mobiler Teilstreitkräfte. Im Zweiten Golfkrieg zeigte sich die technische Überalterung des Grabenkampfs besonders deutlich. Der Irak versuchte, sich mit einer statischen Grabenlinie gegen die USA zu verteidigen. Dies misslang, weil die USA viele irakische Linien durch die Verbindung von Luft- und Bodenangriffen durchbrechen konnten. Zudem wurden gepanzerte Bulldozer eingesetzt, die Gräben zuschütteten.
Übertragene Bedeutung
Im Deutschen werden die Begriffe „Grabenkrieg“ und „Grabenkämpfe“ auch als Metapher verwendet. Gemeint sind Auseinandersetzungen, in denen sich die Fronten verhärten und die Beteiligten einander unversöhnlich gegenüberstehen.
Solche übertragenen Grabenkriege können in Familien, Betrieben oder anderen gesellschaftlichen Gruppen vorkommen. Typisch ist, dass immer wieder dieselben Argumente oder größtenteils Beschimpfungen ausgetauscht werden. Keine Seite geht ernsthaft auf die Vorwürfe der anderen ein, und niemand ist bereit, nachzugeben. Dadurch entsteht kein Gesprächsfortschritt und keine Einigung. Besonders häufig wurde das Wort in den 1990er Jahren genutzt.