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Westfront (Erster Weltkrieg)

Die Westfront entstand nach dem Erstarren der deutschen und alliierten Fronten zum Stellungskrieg im Oktober/November 1914. Sie verlief von der Nordseeküste …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Überblick und Bedeutung
  2. 2. Südabschnitt und Lothringen
  3. 3. Verdun, Argonnen und Champagne
  4. 4. Picardie und Artois
  5. 5. Flandern, Ypern und Nordseeküste

Überblick und Bedeutung

Die Westfront war die rund 750 Kilometer lange Front des Ersten Weltkriegs, die vom Ärmelkanal beziehungsweise von der Nordsee bis zur Schweizer Grenze verlief. Sie lag größtenteils in Frankreich und Belgien; deutsches Gebiet war nur auf kurzen Strecken in Elsaß-Lothringen betroffen. Die nördlichsten 60 Kilometer befanden sich in Belgien. Die Kämpfe dauerten vom 2. August 1914 bis zum 11. November 1918 und endeten mit dem Sieg der Alliierten.

Nach dem Erstarren der deutschen und alliierten Fronten entstand im Oktober und November 1914 ein Stellungskrieg: Beide Seiten hielten dauerhaft ausgebaute Verteidigungslinien, ohne größere Geländegewinne erzielen zu können. Bis zu den abschließenden alliierten Offensiven im Spätsommer und Herbst 1918 änderte sich der Frontverlauf nur wenig. Bedeutende Ausnahmen waren der deutsche Rückzug in die Siegfriedstellung 1917 und die deutsche Frühjahrsoffensive 1918.

Der Krieg an der Westfront war durch Infanterieangriffe gegen stark befestigte und mit Maschinengewehren verteidigte Stellungen, tagelangen Artilleriebeschuss, Minenkrieg, Giftgas und die ersten Luftkämpfe geprägt. Millionen Soldaten wurden verwundet oder getötet. Hunderttausende Gefallene liegen auf Soldatenfriedhöfen, in Beinhäusern oder noch unentdeckt in den ehemaligen Kampfgebieten. In der sogenannten Zone rouge, den besonders schwer verwüsteten Hauptkampfgebieten, befinden sich bis heute Munitions- und Giftgasreste im Boden. Schützengräben, Krater und andere Spuren des Stellungskriegs sind vielerorts weiterhin sichtbar.

Südabschnitt und Lothringen

Der südlichste Frontabschnitt erstarrte bereits im Herbst 1914. Von der Schweizer Grenze bei Bonfol verlief die Linie durch den Sundgau bis Thann und stieg anschließend zum östlichen Vogesenkamm an. Zu den besonders umkämpften Orten gehörte 1915 der Hartmannsweilerkopf. Französische Truppen kontrollierten vom 1.247 Meter hohen Elsässer Belchen aus die südlichen Vogesen und die Burgundische Pforte. Auch am Lingekopf wurde von August bis Oktober 1915 heftig gekämpft; er blieb bis Kriegsende in deutscher Hand. Über den Bonhomme-Pass und den Ste.-Marie-Pass führte die Front weiter auf die westliche Seite der mittleren Vogesen.

Zwischen Mosel und Maas scheiterten 1914 sowohl deutsche als auch französische Vorstöße. Deutsche Truppen konnten nach der Schlacht vor Lunéville bei Rozelieures und Gerbéviller nicht auf Épinal durchbrechen und damit den französischen Nordarmeen nicht in den Rücken fallen. Der französische Angriff in Richtung Saarburg misslang ebenfalls. Ab Mitte September 1914 erstarrte auch dieser Abschnitt.

Bei Pont-à-Mousson überschritt die Front die Mosel und verlief durch den Priesterwald, südlich des Montsec sowie durch die Wälder von Apremont und Ailly. Beim Ende September 1914 von bayerischen Truppen eingenommenen Fort Victor entstand der Frontbogen von Saint-Mihiel. Dieser weit nach Süden vorspringende deutsche Brückenkopf lag südlich der Maas und erlaubte die Überwachung der Woëvre-Ebene. Danach bog die Front scharf nach Norden ab und folgte dem östlichen Maasufer.

Verdun, Argonnen und Champagne

Östlich der Maas führte die Front über bewaldete Höhen sowie über Combres und Les Éparges. In einem großen Bogen verlief sie vor Étain entlang und überquerte nördlich des Festungsgürtels von Verdun die Maas. Dieser Frontbogen wurde 1916 zum Hauptgebiet der Schlacht um Verdun. Westlich davon lagen die stark umkämpften Höhen des Toten Mannes, Höhe 265 und Höhe 295. Über Vauquois erreichte die Front die Argonnen, den südlichen Ausläufer der Ardennen. Dort fanden bis September 1915 in Bergen, Schluchten und zerstörten Wäldern heftige Gefechte mit Minensprengungen und Stoßtruppunternehmen statt. Ab Herbst 1915 erstarrte auch dieser Abschnitt.

Vom Westrand der Argonnen bei Sainte-Menehould zog sich die Front über die Höhen und kargen Kreideböden der nördlichen Champagne. Sie führte an mehreren im Krieg ausgelöschten Dörfern vorbei und folgte östlich von Reims dem Höhenzug des massif de Moronvilliers mit dem Mont Cornillet. Reims lag nahe der Front und wurde besonders durch Artilleriebeschuss schwer beschädigt.

Bei Berry-au-Bac folgte die Front der Aisne und erreichte den Chemin des Dames, einen beherrschenden Höhenzug im Dreieck Reims–Laon–Soissons. Er war das Ziel der französischen Frühjahrsoffensive 1917, blieb jedoch in deutscher Hand. Nordöstlich von Soissons bildete die berüchtigte „Laffaux-Ecke“ einen nach Südwesten vorspringenden Eckpunkt. Von dort verlief die Linie über die Plateaus und Waldgebiete des Soissonnais, überquerte südlich von Noyon die Oise und führte schließlich in die Picardie.

Picardie und Artois

Vor dem deutschen Rückzug in die Siegfriedstellung im Rahmen des Unternehmens Alberich verlief die Front durch die weiten Felder der Picardie, der „Kornkammer“ Frankreichs. Westlich von Péronne erreichte sie die Somme. Der Fluss bildete ab 1916 die Grenze zwischen dem französischen und dem britischen Operationsgebiet und war im selben Jahr Schauplatz der Schlacht an der Somme.

Nördlich des Flusses verlief die Front in Richtung Albert und zu den Höhen an der Ancre. Im Frontbogen lagen zahlreiche zerstörte Dörfer, die deutsche Truppen zu Festungen ausgebaut hatten, darunter Mametz, Fricourt, Ovillers-la-Boisselle, Thiepval, Beaumont-Hamel, Beaucourt-sur-l’Ancre, Serre und Gommecourt. Gommecourt war der westlichste Punkt der Westfront.

Im Artois führte die Front in einem weiten Bogen um die von den Alliierten verteidigte Stadt Arras und weiter zur deutsch besetzten Höhenkette von Vimy sowie zur Loretto-Höhe. Um diese Höhen wurde 1915 und 1917 besonders schwer gekämpft: Die Lorettoschlacht dauerte vom 9. Mai bis zum 23. Juli 1915, die Schlacht bei Arras fand im April 1917 statt. Die Höhen boten kilometerweite Sicht über das strategisch wichtige, von Deutschland besetzte nordfranzösische Kohlerevier von Lens. Dort lagen Zechen sowie Kohle- und Schlackeberge; außerdem verlief hier die für Truppen- und Versorgungstransporte wichtige Eisenbahnlinie Metz–Lille.

An Lens vorbei zog sich die Front über Loos, Hulluch und das Hohenzollernwerk bis zum La-Bassée-Kanal. Danach führte sie durch Französisch-Flandern, unter anderem über Givenchy, Neuve-Chapelle, Fromelles und Aubers. Sie umfasste Armentières östlich und erreichte südlich des Ploegsteert-Waldes belgisches Gebiet.

Flandern, Ypern und Nordseeküste

In Flandern verlief die Front über den Rücken von Messines zum 159 Meter hohen Kemmelberg, der wegen seiner beherrschenden Lage heftig umkämpft war. Die Alliierten überwachten das Gebiet vom 176 Meter hohen Mont de Cassel aus; in der Nähe befand sich am Mont des Cats das britische Hauptquartier. Um Wytschaete zeugen noch heute große Krater von gewaltigen Minensprengungen.

Als Ypernbogen umschloss die Front Ypern in einem weiten Halbkreis von Osten. Die Alliierten bezeichneten diesen vorspringenden Frontabschnitt als „Salient“. Ypern blieb in alliierter Hand, befand sich aber bis Oktober 1918 im Beobachtungs- und Wirkungsbereich der höher gelegenen deutschen Stellungen bei Passchendaele und Gheluvelt. Weitere bekannte Kampfplätze waren Höhe 60, Zillebeke, Zonnebeke, Bikschoote, Langemark und Steenstraat. In diesem Gebiet erfolgte 1915 der erste große Giftgasangriff des Krieges.

Nördlich von Ypern erreichte die Front die Yser und folgte ihr bis Diksmuide. Dort standen belgische Truppen. Im November 1914 wurden die Schleusen von Nieuwpoort geöffnet beziehungsweise gesprengt, um den deutschen Vormarsch durch die Überflutung des Geländes aufzuhalten. Das dauerhaft unter Wasser stehende Gebiet verhinderte anschließend größere militärische Operationen.

Bei dem von französischen Truppen besetzten Nieuwpoort und dem auf deutscher Seite vom Marinekorps gehaltenen Lombardsijde erreichte die Front die Nordsee und damit ihren nördlichsten Punkt. Weiter östlich schützten schwere deutsche Küstenbatterien die besetzte belgische Küste und den wichtigen U-Bootstützpunkt Zeebrugge vor Angriffen alliierter Seestreitkräfte.

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