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Wechselkurs
Der Wechselkurs (oder Devisenkurs; englisch exchange rate) ist in der Außenwirtschaft und im Finanzwesen der Preis einer Währung, ausgedrückt in einer …
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Begriff und Notierung
Der Wechselkurs, auch Devisenkurs genannt, ist in der Außenwirtschaft und im Finanzwesen der Preis einer Währung, ausgedrückt in einer anderen Währung. Er setzt voraus, dass mindestens zwei Währungen miteinander verglichen werden. Dieser Vergleich ist unter anderem für Anleger, Exporteure, Importeure, Investoren, Manager, Spekulanten und Unternehmer wichtig, weil er wirtschaftliche Entscheidungen beeinflusst. Wird ein Wechselkurs über die Kurse beider Währungen zu einer dritten Währung ermittelt, handelt es sich um einen Kreuzkurs (cross rate).
Im engeren Sinn bezeichnet der Wechselkurs den Preis einer Einheit der Inlandswährung in ausländischer Währung. Der Devisenkurs bezeichnet dagegen den Preis einer Einheit der ausländischen Währung in Inlandswährung. Beide Größen sind Kehrwerte voneinander:
WK = 1 / DK.
Die Mengennotierung gibt an, wie viele Einheiten ausländischer Währung einer Einheit der inländischen Währung entsprechen. Aus europäischer Sicht lautet ein Beispiel: 1 EUR = 1,20 CHF. Die Preisnotierung gibt dagegen an, wie viel Inlandswährung eine Einheit ausländischer Währung kostet; ein Beispiel ist 1 CHF = 0,83 EUR. Daher gilt:
e_M = Einheiten ausländischer Währung / eine Einheit inländischer Währung
e_P = Einheiten inländischer Währung / eine Einheit ausländischer Währung = e_M⁻¹.
In Deutschland und Österreich ist die Mengennotierung üblich, in der Schweiz die Preisnotierung. In der Eurozone, Großbritannien, Australien und Neuseeland wird heute mehrheitlich die Mengennotierung verwendet; ansonsten ist meist die Preisnotierung üblich. Welche Notierung vorliegt, hängt von der Sichtweise des jeweiligen Landes ab.
Arten und Wechselkurssysteme
Wechselkurse werden zunächst in nominelle, reale und effektive Wechselkurse sowie in feste und flexible Wechselkurse eingeteilt.
Der nominelle Wechselkurs ist das Wertverhältnis zweier Währungen. In der Preisnotierung bedeutet ein steigender nomineller Wechselkurs eine Abwertung der Inlandswährung; eine Aufwertung zeigt sich durch einen sinkenden Kurs. Bei Mengennotierung ist es umgekehrt: Positive Änderungsraten bedeuten eine Aufwertung, negative eine Abwertung der Inlandswährung.
Der reale Wechselkurs beschreibt das Verhältnis, zu dem ein repräsentativer Warenkorb eines Staates gegen den Warenkorb eines anderen Staates getauscht werden kann. Er ist ein Index, dessen absoluter Wert keine eigenständige Aussagekraft besitzt. Erst die Veränderung im Zeitverlauf zeigt, wie sich die Kaufkraft entwickelt. Eine reale Aufwertung erhöht zwar die Kaufkraft gegenüber dem Ausland und verbessert die Terms of Trade, verringert aber zugleich die Wettbewerbsfähigkeit der inländischen Wirtschaft. Eine reale Falschbewertung liegt vor, wenn der reale Wechselkurs vom Gleichgewichtspreis abweicht.
Bei einem festen Wechselkurssystem dürfen die Kurse nur innerhalb einer festgelegten Bandbreite zwischen einem oberen und einem unteren Interventionspunkt schwanken. Wird ein Interventionspunkt überschritten oder unterschritten, muss die Zentralbank durch Devisenmarktintervention als Käuferin oder Verkäuferin eingreifen. Der Crawling Peg ist ein elastisches System fester Wechselkurse. Dabei dürfen die Währungsbehörden Wechselkursparitäten, Bandbreiten oder beides verschieben, sodass kein unmittelbarer Zwang zur Intervention besteht.
Ein flexibler Wechselkurs, etwa beim Floating, kann frei schwanken. Die Zentralbank greift im Regelfall nicht ein; der Kurs entsteht aus Devisenangebot und Devisennachfrage. Ein Zahlungsbilanzdefizit mit starker Nachfrage nach Fremdwährung führt zu steigenden Devisenkursen, ein Zahlungsbilanzüberschuss mit starkem Fremdwährungsangebot zu sinkenden Devisenkursen. Bei festen Wechselkursen wird der gleichzeitige Ausgleich der Zahlungsbilanz, Vollbeschäftigung und Preisniveaustabilität zu einem Problem, das nur durch international koordinierte Konjunkturpolitik gelöst werden kann.
Bilaterale und effektive Kurse
Ein bilateraler Wechselkurs bezieht sich auf zwei Währungen. Ein effektiver oder multilateraler Wechselkurs misst dagegen den Wert einer Währung gegenüber einem Währungskorb. Dieser Korb enthält die Währungen der wichtigsten Handelspartner. Dazu werden die bilateralen Wechselkurse gemittelt und mit dem Anteil des jeweiligen Landes am Außenhandel gewichtet.
Bei einer Gewichtung mit der Exportquote spricht man vom Exportwechselkurs, bei einer Gewichtung mit der Importquote vom Importwechselkurs. Wird der Durchschnitt aus Export- und Importanteil verwendet, heißt der effektive Wechselkurs auch Außenwert der Währung. Er ist ein wichtiger Indikator für die internationale Wettbewerbsfähigkeit, weil ein bilateraler Kurs immer nur zwei Volkswirtschaften vergleicht und dadurch die Gesamtbeziehungen eines Staates nur unvollständig abbildet.
Die Europäische Zentralbank berechnet den effektiven Außenwert des Euro gegenüber 23 Haupthandelspartnern, der EWK-23-Gruppe. Besonders wichtig sind der US-Dollar, das britische Pfund und der japanische Yen; sie machen gemeinsam derzeit über 55 Prozent des gesamten effektiven Wechselkurses des Euro aus. Zusätzlich berechnet die EZB einen effektiven Wechselkurs gegenüber den 42 wichtigsten Handelspartnern, der EWK-42-Gruppe. Effektive Wechselkurse entsprechen methodisch einem Preisindex.
Bildung und theoretische Erklärungen
Bei flexiblen Wechselkursen bildet sich der Kurs am Devisenmarkt aus Angebot und Nachfrage. Wichtige Einflussgrößen sind Direktinvestitionen, unterschiedliche Preisniveaus, Spekulation, Zahlungsströme und Zinsdifferenzen zwischen Inland und Ausland. Exporteure verkaufen ausländische Währung und erzeugen dadurch Devisenangebot; Importeure fragen ausländische Währung nach. Auch politische oder wirtschaftliche Erwartungen beeinflussen den Kurs, etwa bei Finanz- und Wirtschaftskrisen, Handelskriegen, Handelsstreitigkeiten, Kriegen oder der Veröffentlichung volkswirtschaftlicher Kennzahlen.
Ein Kassageschäft liegt vor, wenn zwischen Abschluss und Erfüllung höchstens zwei Handelstage liegen. Bei einem Devisentermingeschäft liegt der Terminkurs für einen Zeitraum von einem Monat bis zu zwei Jahren fest. Der Kassakurs wird aus Sicht eines Kreditinstituts in Geldkurs und Briefkurs aufgeteilt: Zum Geldkurs kauft das Institut Devisen von Kunden, zum Briefkurs verkauft es sie. Das arithmetische Mittel dazwischen ist der Mittelkurs. Für Sorten, also Bargeld in Fremdwährung, gilt dies ebenfalls.
Seit Januar 1999 ermittelt die EZB an Handelstagen täglich Referenzkurse der wichtigsten Währungen. Sie können Finanzkontrakten und anderen Verträgen zugrunde gelegt werden und ersetzten die Devisenkurse der im Dezember 1998 abgeschafften Devisenbörsen. Weitere Referenzwerte sind die EuroFX-Kurse: Insgesamt 17 Institute legen gegen 13 Uhr die Mittelkurswerte ihrer Wechselkurse fest und veröffentlichen sie bei Reuters.
Wechselkurstheorien gehören zur monetären Außenwirtschaftstheorie. Bestandsgrößenorientierte Ansätze betrachten die Devisenbestände im Portfolio von Wirtschaftssubjekten und deren Erwartungen. Der monetäre Ansatz erklärt, dass Wechselkursvolatilität allein kein Beweis für Marktineffizienz ist. Rudiger Dornbusch zeigte 1976, dass Wechselkurse nach exogenen Störungen unter bestimmten Bedingungen kurzfristig über den langfristigen Gleichgewichtspreis hinausschießen können (Overshooting). Finanzmärkte reagieren schneller als Gütermärkte; langfristig orientieren sich die Erwartungen nach Dornbusch an der Kaufkraftparitätentheorie.
Der 1981 von Stephen J. Turnovsky mitentwickelte Finanzmarktansatz erklärt Wechselkurse aus den Präferenzen für in- und ausländische Kapitalanlagen. Die Entscheidungen beruhen auf Wechselkursprognosen und Zinserwartungen. Die makroökonomische Portfoliotheorie der Zahlungsbilanz nimmt ein stabiles System fester Wechselkurse mit relativ engen Bandbreiten an, bei dem keine Verschiebung der Parität erwartet wird; zu ihren Vertretern gehörten unter anderem Black und Branson.
Stromgrößenorientierte Ansätze untersuchen die Wirkung von Änderungen des Preisniveaus, des Einkommens oder des Zinssatzes auf Kapitalverkehrs- und Leistungsbilanz. Das keynesianisch geprägte Mundell-Fleming-Modell beziehungsweise der Absorptionsansatz richtet sich auf den Leistungsbilanzsaldo. Der Zinsparitätenansatz besagt, dass Kapital wegen internationaler Arbitrage so lange in Anlagen mit höherer erwarteter Rendite fließt, bis sich die entsprechenden Ertragsraten angleichen. Die Kaufkraftparitätentheorie leitet den Wechselkurs aus den Preisniveaus zweier Länder ab. Sie nimmt an, dass Wechselkurse vor allem Preisniveauunterschiede ausgleichen und dass eine Geldeinheit überall dieselbe Kaufkraft besitzt; betrachtet werden dabei Warenkörbe mit international handelbaren Gütern.
Wechselkursänderungen und ihre Folgen
Wechselkursänderungen entstehen grundsätzlich durch das Angebots- und Nachfrageverhalten der Marktteilnehmer. Der Kurs stellt sich dort ein, wo Angebot und Nachfrage zusammentreffen. Beteiligt sind sowohl Großanleger wie Zentralbanken, internationale Großbanken und Großunternehmen als auch Kleinanleger. Die Schwankungsintensität heißt Wechselkursvolatilität. Besonders starke Änderungen treten häufig in allgemeinen Finanz- oder Wirtschaftskrisen auf.
Die prozentuale Änderungsrate des Wechselkurses lautet:
Änderungsrate = (WK_t − WK_{t−1}) / WK_{t−1} = WK_t / WK_{t−1} − 1.
In Mengennotierung bedeuten positive Änderungsraten eine Aufwertung und negative Änderungsraten eine Abwertung beziehungsweise Devaluation der Inlandswährung. In Preisnotierung gilt die umgekehrte Zuordnung.
Wichtige Auslöser sind veränderte Wechselkurserwartungen, Leitzinsänderungen, ausländisches Investitionsinteresse und Zentralbankinterventionen. Erwarten Anleger eine Aufwertung, kaufen sie die betreffende Währung. Eine Erhöhung des Leitzinses steigert die Nachfrage nach Staatsanleihen und damit nach der Währung des Landes; die Währung wertet auf. Sinkende Leitzinsen wirken entsprechend abwertend. Mehr ausländische Investitionen erhöhen die Nachfrage nach der inländischen Währung und führen zu einer Aufwertung. Zentralbanken können durch Kauf oder Verkauf inländischer gegen ausländische Währung sogenannte Realignments auslösen.
Eine Abwertung verteuert importierte Güter für Inländer, senkt zunächst die Importmenge und erhöht die Nachfrage nach inländischen Gütern. Für ausländische Käufer werden die inländischen Waren günstiger, wodurch die Exportmenge steigen kann. Dadurch verbessert sich die Leistungsbilanz und die Beschäftigung im Inland kann zunehmen. Gleichzeitig verschlechtern sich die Terms of Trade, weil mit den Erlösen einer konstanten Exportmenge weniger Importgüter bezahlt werden können.
Kurzfristig kann die Leistungsbilanz zunächst schlechter werden: Da Rechnungen meist in der Währung des Lieferlandes gestellt werden, verteuern sich die Importe in Inlandswährung, während die Exporterlöse zunächst gleich bleiben. Erst nach Preisänderungen und entsprechenden Reaktionen der Import- und Exportnachfrage kann sich die Leistungsbilanz verbessern. Dieser Verlauf wird J-Kurven-Effekt genannt.
Eine Abwertung erhöht außerdem unmittelbar die Importpreise und kann über importierte Inflation den Konsumentenpreisindex steigern. Das real verfügbare Einkommen sinkt, weil Inländer mehr für importierte Güter ausgeben müssen. Eine Aufwertung wirkt kurzfristig inflationsbremsend. Mittelfristig schwächt eine Aufwertung die Wettbewerbsfähigkeit, weil Exporte im Ausland teurer werden; eine Abwertung stimuliert die Exportwirtschaft. Eine Abwertung zulasten der Wettbewerbsfähigkeit anderer Staaten heißt kompetitive Abwertung oder Beggar-thy-Neighbor-Politik.
Wechselkursrisiko und rechtliche Regeln
Das Wechselkursrisiko ist ein besonderes Kursrisiko für Wirtschaftssubjekte, die als Zahlungsempfänger oder Zahlungspflichtige mit einer Fremdwährung zu tun haben. Es beruht auf der Unsicherheit über die zukünftige Entwicklung des Wechselkurses. Absichern lässt es sich insbesondere durch Devisentermingeschäfte, Devisenoptionsgeschäfte oder Währungsswaps. Besonders betroffen sind Kreditinstitute, Versicherer und Unternehmen mit Außenhandel, wenn Forderungen oder Verbindlichkeiten in Fremdwährung bestehen.
Der Wechselkurs ist auch ein Rechtsbegriff. Bei einem Immobiliar-Verbraucherdarlehen in Fremdwährung muss der Kreditgeber nach § 493 Abs. 4 BGB unverzüglich informieren, wenn der Wert des noch zu zahlenden Restbetrags oder der regelmäßigen Tilgungsraten in der Landeswährung des Kreditnehmers um mehr als 20 Prozent gegenüber dem Wert steigt, der sich beim Wechselkurs zum Vertragsabschluss ergeben hätte. Nach § 503 Abs. 1 BGB kann der Kreditnehmer die Umwandlung verlangen, wenn der Kredit nicht auf die Währung eines EU-Mitgliedstaats lautet, in dem er bei Vertragsschluss seinen Wohnsitz hat, beispielsweise bei einem Kredit in Schweizer Franken.
Nach § 651f Abs. 1 Nr. 2c BGB darf ein Reiseveranstalter den Reisepreis unter anderem erhöhen, wenn sich nach Vertragsschluss die für die Pauschalreise geltenden Wechselkurse ändern. Beim Girovertrag können Wechselkursänderungen nach § 675g Abs. 3 BGB unmittelbar und ohne vorherige Benachrichtigung wirksam werden, sofern dies im Zahlungsdiensterahmenvertrag vereinbart ist und auf den dort festgelegten Referenzwechselkursen beruht.
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