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Realer Wechselkurs
Der reale Wechselkurs ist in der Volkswirtschaftslehre eine volkswirtschaftliche Kennzahl, die das Verhältnis beschreibt, zu dem ein repräsentativer …
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Grundidee und Bedeutung
Der reale Wechselkurs ist eine volkswirtschaftliche Kennzahl. Er beschreibt, zu welchem Verhältnis ein repräsentativer Warenkorb eines Währungsraums gegen einen repräsentativen, idealerweise gleichen Warenkorb einer Fremdwährung getauscht werden kann. Sein Pendant ist der nominale Wechselkurs, der nur das Austauschverhältnis zweier Währungen angibt, zum Beispiel 100 US-Dollar = 99 Euro.
Der reale Wechselkurs bereinigt den nominalen Wechselkurs um Unterschiede im Preisniveau. Dadurch werden Preis- oder Kursunterschiede berücksichtigt, die durch Inflation oder Deflation entstehen. Er kann daher als Preis inländischer Güter verstanden werden, ausgedrückt in Mengeneinheiten ausländischer Güter. Während der nominale Wechselkurs zwei Währungen vergleicht, vergleicht der reale Wechselkurs zwei Güter oder Güterbündel, etwa französischen Wein gegen Schwarzwälder Schinken.
Der reale Wechselkurs ist wichtig, weil er etwas über die internationale Wettbewerbsfähigkeit eines Staates aussagt. Wenn inländische Güter im Vergleich zu ausländischen Gütern teuer oder billig sind, beeinflusst das Exporte, Importe und die Nachfrage nach inländischen oder ausländischen Gütern.
Nominale und reale Größen
In der Volkswirtschaftslehre wird allgemein zwischen nominalen und realen Größen unterschieden. Nominale Größen sind in Geld ausgedrückt und noch nicht um Preisänderungen bereinigt. Reale Größen sind preisbereinigt und zeigen eher die tatsächliche Kaufkraft oder reale wirtschaftliche Wirkung.
Diese Unterscheidung gibt es auf mehreren Märkten: Auf dem Arbeitsmarkt stehen Nominaleinkommen oder Nominallohn dem Realeinkommen oder Reallohn gegenüber. Auf Geld-, Kapital- und Kreditmärkten steht der Nominalzins dem Realzins gegenüber. Auf dem Devisenmarkt steht der nominale Wechselkurs dem realen Wechselkurs gegenüber. Außerdem wird zwischen Nominalrendite und Realrendite unterschieden.
Ein wichtiger Zusammenhang ist die Neutralität des Geldes: Veränderungen der Geldmenge beeinflussen nominale Größen, aber nicht reale Größen. Wird die Geldmenge verringert, wirkt sich das demnach nicht auf den realen Wechselkurs aus. Einzelne Marktteilnehmer wie Arbeitnehmer oder Gewerkschaften können reale Größen wie den Reallohn nicht direkt bestimmen, weil Preisniveauänderungen auf dem Gütermarkt außerhalb ihres Einflusses liegen.
Kaufkraftparität und Berechnung
Die Kaufkraftparitätentheorie erklärt Wechselkurse über Preisniveaus. Sie nimmt an, dass der Wechselkurs zwischen den Währungen verschiedener Staaten dem Verhältnis ihrer Preisniveaus entspricht. Diese Preisniveaus werden über die Güterpreise zweier Warenkörbe gemessen. Wechselkurse schwanken nach dieser Theorie nur, um internationale Preisniveauunterschiede auszugleichen.
Die Theorie beruht auf dem Gesetz vom einheitlichen Preis. Danach müsste ein Gut überall auf der Welt zum gleichen Preis verkauft werden können. Wäre das nicht so, entstünden Arbitragemöglichkeiten, also Gewinnmöglichkeiten durch Ausnutzen von Preisunterschieden, die mittelfristig zu einem Preisausgleich führen würden. Absolute Kaufkraftparität bedeutet, dass eine Geldeinheit in allen Ländern die gleiche Kaufkraft und damit den gleichen realen Wert hat.
Für die Ermittlung wird der Preis deutscher Güter in Euro mit P bezeichnet. Wird dieser mit dem Wechselkurs E multipliziert, ergibt sich der Preis deutscher Güter zum Beispiel in US-Dollar, also EP. Der Preis amerikanischer Güter in US-Dollar sei p. Der reale Wechselkurs ε wird im Artikel angegeben als: ε = EP / P. Die Terms of Trade TT sind fachlich der Kehrwert des realen Wechselkurses: TT = P / EP.
Alternativ kann der reale Wechselkurs berechnet werden als: ε = (E · p) / p_i. Dabei bezeichnet p_i das inländische Preisniveau. Da der reale Wechselkurs meist nicht für einzelne Güter, sondern für repräsentative Warenkörbe oder Warengruppen berechnet wird, wird er gewöhnlich als Index ausgewiesen.
Für einen Index des realen Wechselkurses werden unter anderem der nominale Wechselkurs zum Zeitpunkt t in Mengennotierung e_t^n, der nominale Wechselkurs des Basisjahres e_0^n, der ausländische Preisindex P_t^* und der inländische Preisindex P_t verwendet. Das Basisjahr muss jeweils identisch sein. Die Formel lautet: e_t^r = (e_t^n / e_0^n) · (P_t^* / P_t) · 100.
Für einzelne Güter gilt: e_t^r = e_t^n · (p_t / p_t^). Dabei ist p_t^ der Preis des Gutes im Ausland, p_t der Preis des Gutes im Inland und e_t^n der nominale Wechselkurs in Mengennotierung. Für niedrige Inflationsraten lässt sich die Veränderung des realen Wechselkurses näherungsweise schreiben als: Δ%e^r = Δ%e^n + π − π^. Dabei ist π die Inflationsrate im Inland und π^ die Inflationsrate im Ausland.
Berechnungsprobleme
Die Berechnung des realen Wechselkurses ist in der Praxis mit mehreren Problemen verbunden. Erstens muss ein Preisindex gewählt werden. Mögliche Indizes sind zum Beispiel Exportpreisindex, BIP-Deflator, Verbraucherpreisindex oder Index der Arbeitskosten. Problematisch ist, dass solche Indizes in verschiedenen Ländern nicht dieselben Waren und Dienstleistungen enthalten. Das ist besonders wichtig bei der Unterscheidung zwischen handelbaren und nicht-handelbaren Gütern.
Kritisiert wird außerdem die Verwendung von Indizes, die eng verwandte handelbare Güter enthalten. Für solche Gütergruppen gilt die Kaufkraftparität häufig bereits, sodass ein damit berechneter realer Wechselkurs nur wenig über die Wettbewerbsfähigkeit der betrachteten Länder aussagt.
Zweitens ist die Wahl des Basisjahres entscheidend für die Interpretation längerfristiger Wechselkursentwicklungen. Als Basisjahr sollte ein Zeitpunkt gewählt werden, in dem sich die betrachteten Volkswirtschaften in einem internen und externen Gleichgewicht befinden. Allerdings ist auch die Definition eines solchen Zeitpunkts schwierig. Eine Alternative besteht darin, Indizes für verschiedene Basiszeitpunkte zu berechnen und miteinander zu vergleichen.
Drittens reicht ein bilateraler realer Wechselkurs, also der Wechselkurs gegenüber nur einem Handelspartner, oft nicht aus. Staaten haben meist mehrere Handelsverflechtungen. Deshalb kann ein realer effektiver Wechselkurs berechnet werden. Er ist ein mit den jeweiligen Handelsanteilen gewichteter Durchschnitt der bilateralen realen Wechselkurse zu allen oder zumindest den relevanten Handelspartnern.
Weitere Probleme entstehen durch unterschiedliche Rechtssysteme, Steuertarife, Unterschiede in fiskal- und geldpolitischen Maßnahmen sowie durch Entwicklungen der Finanzmärkte. Auch dauerhafte Änderungen der Terms of Trade sollten sich im realen Wechselkurs niederschlagen. Solche Ursachen sind jedoch schwer festzustellen oder zu quantifizieren und können deshalb zu Fehlinterpretationen führen.
Aufwertung und Abwertung
Eine Änderung des realen Wechselkurses entsteht, wenn sich die abhängige Variable e^r ändert. Ausgelöst wird das durch Änderungen einer oder mehrerer unabhängiger Variablen, etwa des nominalen Wechselkurses oder der Preisniveaus im In- und Ausland. Bei gegebenen in- und ausländischen Preisen verlaufen nominale und reale Auf- und Abwertung parallel. Kurzfristig ist dieser Fall besonders wichtig, weil der nominale Wechselkurs meist stärker schwankt als Preisindizes.
Bei Verwendung der Mengennotierung bedeutet ein steigender realer Wechselkurs eine reale Aufwertung. Dann sinken die Exporte, weil inländische Waren im Vergleich zu ausländischen teurer werden. Gleichzeitig steigen die Importe, weil ausländische Güter relativ preisgünstiger werden. Für das Inland bedeutet reale Aufwertung einen Verlust an Wettbewerbsfähigkeit, aber eine höhere Kaufkraft gegenüber dem Ausland und verbesserte Terms of Trade.
Ein sinkender realer Wechselkurs in Mengennotierung bedeutet eine reale Abwertung. Dann steigen die Exporte, weil inländische Waren im Vergleich zu ausländischen billiger werden. Die Importe sinken, weil ausländische Güter relativ teurer werden. Für das Inland bedeutet reale Abwertung einen Zuwachs an Wettbewerbsfähigkeit, aber eine niedrigere Kaufkraft gegenüber dem Ausland und verschlechterte Terms of Trade.
Empirische Vergleiche und wirtschaftliche Wirkung
Der Artikel vergleicht die Entwicklung nominaler und realer Wechselkurse für wichtige Währungsräume im Zeitraum 1975–2002. Für den Euro-Raum und Japan werden Indizes mit dem Basisjahr 1995 = 100 dargestellt.
Im Euro-Raum verliefen nominaler und realer Wechselkurs tendenziell ähnlich, zeigten aber zeitweise deutliche Unterschiede. Der reale Kurs sank zwischen 1977 und 1982 von 108 auf 82, während der nominale Kurs erst ab 1980 sank. Ab 1990 näherten sich beide Kurse an, verliefen zwischen 1992 und 1997 synchron und danach wieder mit ähnlicher Tendenz.
In Japan verliefen die Kurse zwischen 1975 und 1982 gegenläufig: Der reale Wechselkurs sank bis auf 50, während der nominale Wechselkurs auf 42 stieg. Danach verliefen beide bis 1994 tendenziell gleichgerichtet und erreichten dort den Wert 96. Ab 1994 verliefen sie annähernd synchron.
Im Vereinigten Königreich verliefen beide Kurse ab 1977 mit gleicher Tendenz, aber unterschiedlichen Werten. Bis 1995 lag der nominale Wechselkurs höher als der reale Wechselkurs, danach der reale höher als der nominale. Der nominale Wechselkurs stagnierte ab 1997 bei etwa 115, während der reale Kurs bis 2002 auf 145 stieg und damit seit 1975 um 60 Punkte zunahm.
In den USA verliefen nominaler und realer Wechselkurs ab 1978 tendenziell gleich. Von 1989 bis 2002 verliefen sie bis auf geringe Abweichungen vollkommen synchron. Insgesamt ist ein Zusammenhang zwischen nominalem und realem Wechselkurs erkennbar, aber laut Artikel noch nicht ausreichend empirisch belegt. Die Beispiele USA und Vereinigtes Königreich zeigen ähnliche Verläufe, Japan und Euro-Raum zeigen dagegen, dass sich beide Kurse auch unterschiedlich entwickeln können.
Wirtschaftlich kann der reale Wechselkurs aus der Kaufkraftparitätentheorie oder aus der Unterscheidung zwischen handelbaren und nicht-handelbaren Gütern hergeleitet werden. Beim nominalen Wechselkurs muss zwischen Mengennotierung und Preisnotierung unterschieden werden. Der reale Wechselkurs ist der um das Preisverhältnis zwischen Inlands- und Auslandsgütern bereinigte nominale Wechselkurs. Ist er hoch, sind ausländische Güter relativ preiswert und inländische relativ teuer; ist er niedrig, sind inländische Güter relativ preiswert. Ein niedriger realer Wechselkurs begünstigt daher die Nachfrage nach inländischen Gütern und lässt die Nettoexporte NE zunehmen. Im Artikel wird dies als NX = NX(ε) dargestellt. Als Beispiel nennt der Artikel, dass nominaler und realer Wechselkurs zwischen US-Dollar und kanadischem Dollar von 1976 bis 1999 stark schwankten, was auf Ungleichgewichte im bilateralen Export und Import beider Volkswirtschaften hinwies.
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