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Wagniskapital

Wagniskapital oder Risikokapital (englisch Venture Capital) ist eine Form des außerbörslichen Beteiligungskapitals (englisch private equity), …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Begriff und Bedeutung
  2. 2. Finanzierung und Frühphase
  3. 3. Wachstum und spätere Entwicklung
  4. 4. Ausstieg und Rendite
  5. 5. Anreizprobleme und Kontrolle
  6. 6. Entwicklung in den USA, Deutschland und der Schweiz

Begriff und Bedeutung

Wagniskapital oder Risikokapital (englisch Venture Capital) ist eine Form des außerbörslichen Beteiligungskapitals (Private Equity). Eine Beteiligungsgesellschaft stellt es Unternehmen bereit, die als besonders riskant gelten. Gemeint sind vor allem junge, nicht börsennotierte und häufig technologieorientierte Unternehmen mit hohem Wachstumspotenzial.

Da solche Unternehmen meist nicht genügend Sicherheiten für Bankkredite besitzen, erhalten sie vollhaftendes Eigenkapital oder eigenkapitalähnliche Mittel, etwa Mezzanine-Kapital oder Wandelanleihen. Als Gegenleistung bekommt der Kapitalgeber Unternehmensanteile. In Deutschland sind Minderheitsbeteiligungen von 20 bis 35 % üblich.

Wagniskapital ist mit einem hohen Risiko bis hin zum Totalverlust verbunden, kann bei erfolgreicher Entwicklung aber sehr hohe Renditen erzielen. Das Hauptziel sind nicht Dividenden oder Zinsen, sondern Gewinne durch den späteren Verkauf der Beteiligung, den sogenannten Exit.

Häufig stellen Investoren neben Geld auch betriebswirtschaftliches Wissen, Managementunterstützung und geschäftliche Kontakte bereit. Deshalb wird Wagniskapital auch als „intelligentes Kapital“ oder Smart Capital bezeichnet. Ein aktiv unterstützender privater Kapitalgeber wird Business Angel genannt. Er kann beispielsweise beim Aufbau von Geschäftsbeziehungen und bei der Personalsuche helfen. Im Gegenzug erhalten Kapitalgeber oft besondere Informations-, Kontroll- und Mitspracherechte.

Finanzierung und Frühphase

Vor einer Beteiligung durch Wagniskapitalgesellschaften stammen erste Mittel häufig von Freunden und Angehörigen („friends & family“), aus Förderprogrammen, Crowdfunding oder von Founding Angels. Diese Anschubfinanzierung wird als Pre-Seed Stage bezeichnet. Förderprogramme richten sich sowohl an Gründende als auch an Investoren. Deutsche Beispiele sind EXIST für Start-ups und INVEST, das über das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz und das BAFA Zuschüsse für den Anteilskauf bereitstellt.

Die Finanzierung richtet sich nach dem Lebenszyklus des Unternehmens. In jeder Phase kann es mehrere Finanzierungsrunden geben: Die erste heißt Serie A, die zweite Serie B und so weiter. Üblicherweise steigt dabei der Preis je Anteil, während das Risiko mit wachsender Erfahrung sinkt. Für die Abgrenzung der Phasen gibt es allerdings keine einheitliche Festlegung.

Die Frühphase besteht aus Vorgründungs- und Gründungsphase. In der Vorgründungsphase oder Seed Stage existieren zunächst nur eine Idee oder unfertige Prototypen. Wagniskapital finanziert unter anderem Forschung und Entwicklung, die Erstellung eines Geschäftsplans und den Prototypenbau bis zur Marktreife. Weil noch kein fertiges Produkt vorliegt und der kommerzielle Erfolg kaum abschätzbar ist, ist das Risiko besonders hoch. Investoren verlangen deshalb meist eine höhere Beteiligungsquote und kaufen sich zu einem niedrigen Preis ein.

In der Gründungsphase reichen die Aufgaben von der formellen Unternehmensgründung bis zur Markteinführung. Dazu gehören Produktionsplanung, die Entscheidung zwischen eigener und fremder Produktion, Vertriebsaufbau, Marketing und erste Kundenakquise. Pharma- und Biotechnologieunternehmen benötigen beispielsweise Kapital für Tests wie klinische Studien. Das Risiko ist etwas geringer, weil die Funktionsfähigkeit bereits gezeigt werden kann; der kommerzielle Erfolg bleibt jedoch unsicher. Forschungsintensive Unternehmen können lange in dieser Phase bleiben.

Wachstum und spätere Entwicklung

An die Gründungsphase schließt sich die Wachstums- oder Expansionsphase an. In der ersten Wachstumsphase ist das Produkt marktreif; das Unternehmen erzielt bereits Umsätze oder zumindest ein deutliches Kundenwachstum. Für eine schnelle Marktdurchdringung werden die Produktions- und Vertriebskapazitäten ausgebaut. Da das Risiko niedriger als in den Frühphasen ist, müssen Investoren für ihre Anteile einen relativ hohen Preis zahlen.

In der Überbrückungsphase entscheidet sich das Unternehmen für eine weitreichende Expansion. Mögliche Schritte sind die Diversifikation der Produktpalette, die Erweiterung des Vertriebssystems und der Eintritt in ausländische Märkte. Ein Auslöser kann das Auftreten von Konkurrenten in der bisherigen Marktnische sein. Soll die Expansion durch einen Börsengang finanziert werden, deckt eine Überbrückungsfinanzierung oder Bridge Financing den Kapitalbedarf bis zum Eingang der erwarteten Börsenerlöse.

In der Spät- oder Endphase können weitere Expansion und Diversifikation, aber auch Sanierung, Umstrukturierung oder die Ergänzung beziehungsweise Ablösung des Gründerteams notwendig werden. Die Geldgeber sind hier meist keine klassischen Venture-Fonds mehr, sondern Private-Equity-Gesellschaften. Mögliche Finanzierungsformen sind ein Management-Buy-out, die Nutzung von Fördermitteln oder der Einsatz von Erlösen aus einem Börsengang.

Ausstieg und Rendite

Nach zwei bis sieben Jahren, je nach Strategie auch später, strebt der Kapitalgeber gewöhnlich den Exit an. Dabei zieht er sich aus dem Unternehmen zurück und verkauft seine Anteile.

Übliche Exit-Strategien sind:

• Börsengang (Initial Public Offering, IPO): Das Unternehmen wird in der Regel an der Börse notiert und die Anteile werden am Markt verkauft.

• Trade Sale: Ein anderes Unternehmen, meistens aus derselben Branche, übernimmt das Jungunternehmen.

• Secondary Sale: Der Risikokapitalgeber verkauft seine Beteiligung an einen Dritten.

• Company Buy-Back: Der Unternehmer kauft die Anteile des Risikokapitalgebers zurück.

Kann sich das Unternehmen nicht am Markt behaupten, bleibt als letztes Mittel die Liquidation. Sie führt für den Kapitalgeber gewöhnlich zu einem finanziellen Verlust.

Angestrebt werden durchschnittliche Renditen von 15 bis 25 % jährlich. Eine wissenschaftliche Untersuchung europäischer Wagniskapitalfonds ermittelte für den Investitionszeitraum 1980 bis 2003 eine durchschnittliche interne Rendite (IRR) von 10 %. Für Fonds, die 1989 oder später gegründet wurden, ergaben sich etwa 20 %. Diese Werte wurden allerdings durch die Euphorie an Wachstumsbörsen wie dem deutschen Neuen Markt während der Dotcom-Blase beeinflusst. Bei einer Investition in einen Wagniskapitalfonds verringert sich das Risiko bei einer durchschnittlichen Haltedauer von sieben Jahren erheblich.

Anreizprobleme und Kontrolle

Zwischen Wagniskapitalgesellschaft und Unternehmer entstehen typische Anreizprobleme: Der Investor kann nicht vollständig beobachten, ob der Unternehmer das bereitgestellte Geld tatsächlich so verwendet, dass der Unternehmenswert im Sinne der Kapitalgeber steigt.

Zur Begrenzung dieses Problems wird das Kapital häufig in mehreren Teilbeträgen, sogenannten Tranchen, ausgezahlt. Eine weitere Finanzierung erfolgt nur, wenn vereinbarte Meilensteine erreicht wurden. Dieses Verfahren heißt Staging.

Außerdem werden bevorzugt Wandelanleihen eingesetzt. Sie ermöglichen den Kapitalgebern eine Beteiligung an einer guten Unternehmensentwicklung, bieten bei einem schlechten Verlauf aber weiterhin eine laufende Verzinsung und gegebenenfalls Vorrang im Konkursfall. Darüber hinaus besitzen Wagniskapitalgesellschaften umfassende Kontroll- und Eingriffsrechte. Bei schlechter Leistung können sie den Unternehmer sogar entlassen.

Entwicklung in den USA, Deutschland und der Schweiz

Die Ursprünge des modernen Wagniskapitals liegen in den USA. Dort entstanden nach dem Zweiten Weltkrieg in größerem Umfang Wagniskapitalinvestmentfirmen wie die American Research and Development Corporation (ARDC).

In der Bundesrepublik Deutschland wurde 1975 die erste Wagniskapitalgesellschaft gegründet; 1988 gab es bereits 40 Gesellschaften. Im Jahr 1987 waren 1,2 Milliarden DM an Wagniskapital angesammelt, von denen rund 540 Millionen DM vor allem in Hochtechnologie, Elektronik und Mikroelektronik investiert wurden. Im Dezember 1987 gründeten zwölf West-Berliner Gesellschaften den Deutschen Venture Capital Verband (DVCA). Im Dezember 1989 fusionierte er mit dem am 29. Januar 1988 ebenfalls in West-Berlin gegründeten Bundesverband Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften (BVK). Nach 2005 entwickelte sich Berlin zu einem führenden Zentrum wagniskapitalgetriebener Investitionen. Ab 2021 stellte die Bundesregierung einen „Beteiligungsfonds für Zukunftstechnologien“ mit mindestens 10 Milliarden Euro bereit.

In der Schweiz führte eine parlamentarische Debatte Mitte der 1990er-Jahre zu einer Initiative von 1996 und einem Gesetzentwurf von 1997. Am 1. Mai 2000 trat das Bundesgesetz über die Risikokapitalgesellschaften (BRKG) in Kraft. Es sollte durch Steuererleichterungen für Risikokapitalgesellschaften und Business Angels die Unternehmensgründung fördern. Das Gesetz erzielte jedoch nicht die gewünschten Ergebnisse: Die steuerlichen Vorteile galten als zu gering, beeinflussten die Renditen kaum und schufen für vermögende Privatpersonen nur geringe oder keine Anreize. Zudem wurde die wenig risikofreudige schweizerische Unternehmenskultur als größeres Problem betrachtet als die bloße Verfügbarkeit von Kapital. Später folgten unter anderem das Gesetz über die kollektiven Kapitalanlagen, die Unternehmenssteuerreform II und weitere steuerliche Anreize.

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