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Vorgeschichte des Zweiten Weltkrieges im Pazifikraum

Zur Vorgeschichte des Zweiten Weltkrieges im Pazifikraum gehören die Machtkonstellationen und die internationale Politik ab dem Beginn der japanischen …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Gegenstand und zentrale Entwicklung
  2. 2. Kolonialreiche und Rohstoffe
  3. 3. Japans politischer Wandel und Expansion
  4. 4. Mandschurei und Krieg in China
  5. 5. Militärische Planungen
  6. 6. Vom Embargo zum Angriff

Gegenstand und zentrale Entwicklung

Die Vorgeschichte des Zweiten Weltkriegs im Pazifikraum umfasst die Machtverhältnisse und die internationale Politik vom Beginn der japanischen Taishō-Zeit 1912 bis zum Angriff auf Pearl Harbor und zu Japans Kriegserklärungen an die USA und Großbritannien am 7. beziehungsweise 8. Dezember 1941. Entscheidend war der Wandel Japans von einer zeitweise parlamentarisch geprägten Ordnung zu einem militaristischen Staat, der sein Kaiserreich nach China und Südostasien ausdehnen wollte.

Die Expansion führte 1931 zur Besetzung der Mandschurei, 1932 zur Gründung des japanisch kontrollierten Marionettenstaats Mandschukuo und 1937 zum Zweiten Japanisch-Chinesischen Krieg, der als Beginn des Pazifikkriegs gilt. Zugleich verschlechterten sich Japans Beziehungen zu den westlichen Mächten. US-Sanktionen, der Panay-Vorfall, japanische Kriegsverbrechen wie das Massaker von Nanking und Japans Beitritt zum Dreimächtepakt mit Deutschland und Italien am 27. September 1940 verstärkten auf beiden Seiten die Erwartung einer direkten militärischen Auseinandersetzung.

Kolonialreiche und Rohstoffe

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts stand ein großer Teil Ostasiens und des Südpazifiks unter europäischer, amerikanischer oder japanischer Herrschaft. Frankreich kontrollierte Indochina, die USA die Philippinen und Guam, die Niederlande Niederländisch-Indien und Großbritannien unter anderem Britisch-Indien, Malaya, Singapur, Brunei, Sabah und Sarawak. Portugal beherrschte Osttimor. Japan besaß Korea und Taiwan. Nach dem Ersten Weltkrieg erhielt es außerdem das ehemalige deutsche Pachtgebiet Kiautschou sowie als Japanisches Südseemandat die Palau-, Karolinen- und Marshallinseln und die Nördlichen Marianen.

Südostasien war wegen seiner Rohstoffe wie Erdöl, Kohle, Bauxit, Zinn und Naturkautschuk wirtschaftlich wichtig. Französisch-Indochina hatte zusätzlich strategische Bedeutung, weil es an China grenzte. Niederländisch-Indien umfasste unter anderem Sumatra, Java, Teile Borneos und Neuguineas, Celebes und die Molukken; dort waren etwa 85.000 Soldaten der Kolonialarmee KNIL stationiert.

Die USA hatten die Philippinen und Guam 1898 nach dem Spanisch-Amerikanischen Krieg übernommen. Amerikanisch-Samoa und Wake kamen 1899 hinzu. Zum Schutz ihrer Besitzungen bauten die USA ihre Seemacht aus und vereinigten 1907 das asiatische und das pazifische Geschwader zur US-Pazifikflotte. Hawaii war seit 1894 Flottenstützpunkt; die geplante Annexion löste 1897 japanischen Protest aus, weil etwa 40 % der dortigen Bevölkerung eingewanderte Japaner waren und die Inseln strategisch wichtig lagen.

Japans politischer Wandel und Expansion

Während der Herrschaft des Taishō-Tennō Yoshihito von 1912 bis 1926 verlagerte sich politische Macht vom Tennō und den Genrō, seinen einflussreichen Vertrauten, auf Parlament und Parteien. Diese Phase heißt Taishō-Demokratie. Gleichzeitig nahm der Einfluss großer Industrieunternehmen zu.

Aufgrund des Bündnisses mit Großbritannien trat Japan am 23. August 1914 aufseiten der Entente in den Ersten Weltkrieg ein. Japanische Truppen besetzten Tsingtao und deutsche Inselbesitzungen im Pazifik; die deutschen Kolonialtruppen kapitulierten am 7. November 1914. Am 18. Januar 1915 stellte Japan China die Einundzwanzig Forderungen, um seinen Einfluss auszubauen. Japanische Schiffe unterstützten ab 1917 die Alliierten im Mittelmeer. Spannungen mit den ebenfalls alliierten USA über China und den Pazifik führten am 2. November 1917 zum Lansing-Ishii-Abkommen.

Nach dem Krieg förderten Krisen den Nationalismus. Das Große Kantō-Erdbeben von 1923, die Bankenkrise von 1927 und die Weltwirtschaftskrise ab 1929 erschütterten Japan. 400 Banken schlossen, die Aktienkurse brachen ein und rund zehn Prozent aller Spareinlagen gingen verloren. Militärs, Politiker und mächtige Finanzgruppen, die Zaibatsu, betrachteten territoriale Expansion zunehmend als wirtschaftliche Lösung. Putschversuche, darunter derjenige vom 26. Februar 1936, und die Verfolgung von Sozialisten stärkten ultranationalistische Militärkreise. 1940 beseitigte die Taisei Yokusankai als Zentralorganisation den Mehrparteienstaat.

Die japanische Führung bezeichnete ihre Ordnungsvorstellung als Großostasiatische Wohlstandssphäre: Asiatische Länder sollten vom westlichen Einfluss befreit, tatsächlich aber japanischer Vorherrschaft unterstellt werden. Am 22. September 1940 erzwang Japan von Frankreich die Nutzung dreier Flugplätze und den Truppentransit durch Indochina. Mit dem Dreimächtepakt vom 27. September 1940 vereinbarte Japan mit Deutschland und Italien gegenseitige militärische Unterstützung und gab seine 1939 erklärte Neutralität auf.

Mandschurei und Krieg in China

Japans Interesse an der rohstoffreichen Mandschurei reichte bis ins späte 19. Jahrhundert zurück. Nach dem Sieg über Russland 1904/1905 errichtete Japan die Südmandschurische Eisenbahn, die von der Kwantung-Armee geschützt wurde und Rohstoffe nach Korea transportieren sollte. Korea war seit 1905 japanisches Protektorat und wurde 1910 annektiert.

Am 18. September 1931 inszenierten japanische Militärs einen Anschlag auf die Südmandschurische Eisenbahn, den Mukden-Zwischenfall. Die Kwantung-Armee machte China verantwortlich und besetzte ohne Ermächtigung der japanischen Regierung innerhalb eines halben Jahres die Mandschurei. Am 1. März 1932 entstand Mandschukuo unter Pu Yi, dem letzten Kaiser der Qing-Dynastie. Der Völkerbund forderte am 24. Oktober 1931 den Rückzug der japanischen Truppen und eine Untersuchung. Die Proteste blieben erfolglos; fast alle Staaten verweigerten Mandschukuo jedoch die Anerkennung. Japan trat 1933 aus dem Völkerbund aus.

Nach einem chinesischen Handelsboykott und einem Zwischenfall mit japanischen Mönchen bombardierte Japan am 29. Januar 1932 Shanghai. China erkannte 1933 in einem Waffenstillstand die japanischen Ansprüche auf die Mandschurei an, doch Japan setzte seinen Vormarsch fort: 1933 wurden Rehe und Chahar besetzt, 1935 entstand eine japanisch beeinflusste Pufferzone vor Peking und 1936 folgte die Besetzung von Teilen der Inneren Mongolei.

Ende 1936 bildeten chinesische Nationalisten und Kommunisten eine zweite Einheitsfront. Am 7. Juli 1937 lösten Feuergefechte an der Marco-Polo-Brücke den Zweiten Japanisch-Chinesischen Krieg aus. Japan eroberte Mitte November Shanghai und Mitte Dezember Nanjing, wo es zum Massaker von Nanking kam. Die USA waren zunächst neutral, verhängten nach Berichten über Kriegsverbrechen und dem Panay-Vorfall jedoch Stahl- und Ölembargos und unterstützten die chinesischen Nationalisten. Die Flying Tigers, drei Geschwader amerikanischer Freiwilligenpiloten unter Chennault, verteidigten unter anderem die Burmastraße und Rangoon mit der Taktik der „defensiven Verfolgung“.

Militärische Planungen

Die USA entwickelten seit 1913 farblich bezeichnete Verteidigungspläne. War Plan Orange behandelte einen Krieg mit Japan und konzentrierte sich zunächst auf die Philippinen. Nach der Washingtoner Flottenkonferenz von 1922 galt eine unmittelbare Verteidigung der Philippinen und Guams als unrealistisch, weil die US-Flotte den Westpazifik zu spät erreichen würde. Eine Revision von 1926 bestimmte Hawaii als Stützpunkt für Truppen und Nachschub und erwog die Einnahme der Karolinen, Marshallinseln und Marianen zur Errichtung eigener Basen. Der Versuch von 1928, Orange in einen Angriffsplan umzuwandeln, scheiterte daran, dass die erwarteten japanischen Kräfte mehr als zehnmal so stark waren. Eine Revision von 1936 sah 10.000 US-Soldaten und eine von Douglas MacArthur aufgebaute philippinische Armee vor.

Japan plante seit etwa 1918 eine Invasion der Philippinen. Der um 1923 konkretisierte Plan verlangte, die US-Marine vor Ort zu zerstören, Manila- und Subic-Bucht zu blockieren und Manila nach Landungen auf Luzon mit anderthalb Divisionen einzunehmen. Ab 1926 wurden auch Mindanao, die Visayas und wichtige Meerengen einbezogen. Japan nahm an, dass die amerikanische Hauptflotte innerhalb von 45 Tagen eintreffen könnte. Wegen fehlender Luftdeckung erwog man überraschende Landungen zur Besetzung von Flugplätzen. Flugzeugträger waren zunächst für Entscheidungsschlachten gegen feindliche Flotten vorgesehen, nicht für die philippinische Operation.

Der Washingtoner Flottenvertrag vom 6. Februar 1922 legte einen zehnjährigen Baustopp für Großkampfschiffe und ein Flottenverhältnis von 5 für die USA, 5 für Großbritannien und 3 für Japan fest. 1930 erhielt Japan bei Kreuzern ein günstigeres Verhältnis von 10:10:7. Nach seinem Austritt aus dem Völkerbund 1933 betrachtete es sich nicht mehr als gebunden.

Ab 1936 plante Japan auch gegen britische Stützpunkte. Bis 1940 stieg die jährliche Militärproduktion von etwa 500 auf 48.000 Fahrzeuge und von 400 auf mehr als 5.000 Flugzeuge; die Schiffsproduktion wuchs auf das Fünfeinhalbfache. Im Juli 1940 beschloss die Führung, bei günstiger Gelegenheit militärisch nach Süden vorzustoßen. Damit wurden die Philippinen, Guam, Hongkong, Malaya, Borneo und Niederländisch-Indien zu möglichen Zielen.

Vom Embargo zum Angriff

Nach Frankreichs Niederlage 1940 gewann Indochina für Japan Bedeutung: Von dort konnten chinesische Nachschublinien unterbrochen und Stützpunkte für Angriffe nach Süden geschaffen werden. Die USA reagierten am 16. Oktober 1940 mit einem Embargo auf Öl und Schrottmetall. Am 26. Juli 1941 verhängten die USA und Großbritannien nach Japans Entscheidung zur Ausweitung nach Südostasien ein umfassenderes Exportembargo und froren japanische Vermögen ein; Niederländisch-Indien schloss sich an. Japan verlor dadurch 75 % seines Außenhandels und 90 % seiner Ölimporte.

Admiral Isoroku Yamamoto erklärte am 7. Januar 1941, klassische Seegefechte seien für Japan nicht zu gewinnen. Ein sofortiger Trägerangriff auf die US-Pazifikflotte sollte Angriffe auf Japan verhindern und sechs bis zwölf Monate Zeit schaffen, die Rohstoffgebiete Südostasiens zu erobern. Diplomatische Gespräche mit den USA blieben 1941 ohne Ergebnis. Japan besetzte am 29. Juli Indochina und verkündete im August die Generalmobilmachung.

Die Gozen Kaigi, eine Konferenz in Gegenwart des Tennō, beschloss am 6. September den Krieg, falls die Verhandlungen nicht rechtzeitig erfolgreich wären, und legte am 5. November einen Überraschungsangriff als Kriegsbeginn fest. Am 1. Dezember wurde der Tennō über den Angriffskrieg informiert; Yamamoto befahl den Angriff auf die US-Flotte bei Hawaii. Das Signal „Ersteigt den Berg Niitaka“ setzte die Operationen in Gang.

Am 7. beziehungsweise 8. Dezember 1941 begann mit der japanischen Invasion der Malaiischen Halbinsel und dem Angriff auf Pearl Harbor die Ausweitung des Kriegs auf den gesamten Pazifikraum. Japan erklärte den USA und Großbritannien den Krieg. Am folgenden Tag erklärten die USA, Großbritannien, Australien, Neuseeland, Kanada und die Niederlande Japan den Krieg. Japans Kriegserklärung an die Niederlande folgte erst am 11. Januar 1942. Damit verbanden sich die europäischen und asiatischen Kriegsschauplätze zum Weltkrieg.

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