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Datumsgrenze

Die Datumsgrenze verläuft zwischen den beiden Polen der Erde durch den Pazifischen Ozean in der Nähe des 180. Längengrads. Wer die Datumsgrenze passiert, …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Begriff, Zweck und Grundprinzip
  2. 2. Überquerung und Zeitzonen
  3. 3. Historische Entwicklung
  4. 4. Heutiger Verlauf
  5. 5. Besondere Datumsverhältnisse

Begriff, Zweck und Grundprinzip

Die Datumsgrenze ist eine gedachte, international festgelegte Linie, die zwischen Nord- und Südpol durch den Pazifischen Ozean verläuft. Sie liegt überwiegend in der Nähe des 180. Längengrads. Auf ihrer westlichen Seite ist das Kalenderdatum grundsätzlich einen Tag weiter als auf ihrer östlichen Seite. Wer sie mit östlichem Kurs überquert, gelangt daher in den vorangegangenen Kalendertag; bei einer Überquerung in der Gegenrichtung gelangt man in den nächsten Kalendertag.

Eine Datumsgrenze ist nötig, weil sich das Datum an der Mitternachtslinie, also dort, wo es gerade 24:00 beziehungsweise 00:00 Uhr ist, täglich auf natürliche Weise ändert. Diese Linie wandert einmal pro Tag um die Erde. Zusätzlich muss es eine erdfeste Grenze geben, welche die Gebiete mit dem alten und dem neuen Datum voneinander trennt. Andernfalls wäre das Datum eines Ortes nicht eindeutig: Jeder Ort kann sowohl durch eine Reise nach Osten als auch durch eine Reise nach Westen erreicht werden, wobei man in einer Richtung Mitternacht einmal häufiger erlebt.

Grundsätzlich könnte jeder Längengrad als Datumsgrenze dienen. Die Lage im Pazifik eignet sich jedoch besonders, weil die Linie dort zwischen Asien und Amerika verläuft und nur wenige Menschen sowie kaum zusammenhängende Landflächen betrifft. Der genaue Verlauf ist eine Konvention, also eine gemeinsame Festlegung, und wurde an politische Grenzen und zusammengehörende Inselgruppen angepasst.

Überquerung und Zeitzonen

Die heutige Uhrzeit richtet sich meist nach Zonenzeiten und nicht unmittelbar nach der Sonnenzeit jedes einzelnen Längengrads. Bei einer Reise um die Erde nach Osten wird die Uhr beim Wechsel der Zeitzone normalerweise jeweils um eine Stunde vorgestellt. Ohne eine Korrektur des Datums an der Datumsgrenze würden sich nach einer vollständigen Erdumrundung insgesamt 24 Stunden beziehungsweise ein Tag scheinbar zusätzlich ergeben. Nach Westen wird die Uhr dagegen zurückgestellt; ohne Datumskorrektur würde scheinbar ein Tag fehlen.

Dabei wird keine wirkliche Zeit erzeugt oder beseitigt. Durch das Vorstellen der Uhr werden die einzelnen Reisetage kürzer, durch das Zurückstellen länger. Beim Überqueren der Datumsgrenze wird deshalb ein Kalendertag weggenommen oder hinzugefügt. So wird ausgeglichen, dass ein ostwärts und ein westwärts reisender Mensch zwar am Ziel dieselbe Uhrzeit, ohne Datumsgrenze aber unterschiedliche Kalendertage erhalten könnten.

Für das Seetagebuch gibt es den Merkspruch: „Von Ost nach West halt’s Datum fest, von West nach Ost lass’ Datum los.“ Ost und West bezeichnen hier die vom Nullmeridian aus betrachtete östliche beziehungsweise westliche Hemisphäre, nicht einfach die momentane Fahrtrichtung. Im Logbuch erfolgt die Reaktion verzögert auf der nächsten Tagesseite: Bei östlichem Kurs erhält diese nochmals dasselbe Datum, bei westlichem Kurs beginnt sie mit dem übernächsten Datum.

Historische Entwicklung

Schon der arabische Geograph Abu’l-Fida und Nikolaus von Oresme sagten im 14. Jahrhundert voraus, dass eine Datumsgrenze notwendig sei. Praktisch sichtbar wurde das Problem bei der ersten Weltumseglung: Die Überlebenden der 1519 unter Ferdinand Magellan nach Westen aufgebrochenen Flotte erreichten nach eigener Zählung am Mittwoch, dem 9. Juli 1522, die Kapverden. Dort war jedoch bereits Donnerstag, der 10. Juli. Der venezianische Botschafter Gasparo Contarini erklärte später die Ursache.

Lange blieb der Verlauf der Datumsgrenze vage und wurde von den Seefahrernationen unterschiedlich festgelegt. Spanien führte sie zunächst westlich der Philippinen, weil die Inseln von Mexiko aus erobert, besiedelt und verwaltet worden waren. Als die Beziehungen zu den asiatischen Nachbarn wichtiger wurden, übernahmen die Philippinen zur Jahreswende 1844/45 das asiatische Datum; dadurch verschob sich die Datumsgrenze nach Osten in den Pazifik.

Auch Alaska wechselte die Seite: Solange es zu Russland gehörte, lag es auf der asiatischen Seite. Nach dem Verkauf an die Vereinigten Staaten erfolgte dort 1867 ein direkter Wechsel vom 6. Oktober nach dem Julianischen Kalender zum 18. Oktober 1867 nach dem Gregorianischen Kalender. Wegen der gleichzeitigen Verschiebung der Datumsgrenze betrug die Differenz 11 statt der damaligen 12 Kalendertage zwischen beiden Kalendern.

1884 wurde der Meridian von Greenwich international als Nullmeridian vereinbart. Danach definierte der russische Diplomat Karl von Struve den gegenüberliegenden 180. Längengrad streng als Datumsgrenze. Diese gerade Linie passte zur weltweiten Einführung von Zeitzonen und durchschnitt im Wesentlichen keine zusammenhängende Landmasse.

Heutiger Verlauf

Die Datumsgrenze folgt dem 180. Längengrad nicht genau. Wo dieser Land oder politisch zusammengehörende Inselgruppen durchquert, weicht sie aus; heute verläuft sie nirgends über Land.

Im Norden wird sie östlich um die russische Wrangelinsel und die Tschuktschen-Halbinsel herum bis ungefähr 169° West durch die Beringstraße geführt. Dort wurde die Zeitzone UTC+12 bis zur Beringstraße ausgedehnt. Zwischen den benachbarten Diomedes-Inseln verläuft die Grenze dagegen mitten hindurch: Die westliche Ratmanow-Insel gehört zu Russland, Little Diomede Island im Osten zu Alaska.

Die zu den Vereinigten Staaten gehörenden Aleuten liegen beiderseits des 180. Längengrads. Da ihre westlichen Inseln zu UTC−10 gehören, ist die Datumsgrenze dort bis ungefähr 171° Ost nach Westen ausgebuchtet. Bei Neuseeland weicht sie dagegen bis ungefähr 172,5° West nach Osten ab, weil unter anderem die östlich des 180. Längengrads gelegenen Chathaminseln zu Neuseeland gehören.

Die stärkste Verschiebung veranlasste Kiribati. Der Inselstaat erstreckt sich mit kleinen Inseln über fast 5000 km in Ost-West-Richtung und war früher durch die Datumsgrenze geteilt. Seit dem 1. Januar 1995 liegt das gesamte Staatsgebiet westlich der Grenze. Die Linie reicht dadurch bis ungefähr 150° West. Kiribatis östlichstes Eiland konnte offiziell als erster Teil der Welt das Jahr 2000 begrüßen und wurde zu Werbezwecken in „Millennium Island“ umbenannt.

Samoa wechselte 1892 unter dem Einfluss amerikanischer Händler auf die östliche Seite; dadurch gab es dort den 4. Juli zweimal. Wegen der inzwischen wichtigeren Handelsbeziehungen zu Neuseeland, Australien und Asien kehrte Samoa 2011 auf die westliche Seite zurück und übersprang den 30. Dezember 2011. Tokelau vollzog denselben Wechsel, während Amerikanisch-Samoa auf der östlichen, „amerikanischen“ Seite blieb.

In der Antarktis gibt es keine einfache lineare Datumsgrenze. Die Forschungsstationen richten ihre Zeitzonen meist nach dem jeweiligen Betreiberstaat oder dem nächstgelegenen Versorgungsland. Auf der amerikanischen Amundsen-Scott-Südpolstation gilt beispielsweise wie in Neuseeland UTC+12.

Besondere Datumsverhältnisse

Durch die große Ausbuchtung bei Kiribati können auf der Erde gleichzeitig drei verschiedene Kalenderdaten vorkommen. Dies geschieht täglich von einschließlich 10:00 UTC bis ausschließlich 11:00 UTC. Rechnet man UTC−12 hinzu, hält dieser Zustand bis ausschließlich 12:00 UTC an. In dieser Zeitzone liegen Gewässer sowie die beiden unbewohnten US-amerikanischen Baker- und Howlandinseln.

An kurzen Abschnitten östlich von Kiribati ist außerdem die sonst übliche Regel für den Datumswechsel bei Reisen nach Osten oder Westen umgekehrt. An bestimmten Stellen der Datumslinie kann sich das Datum beim Überqueren zu bestimmten Zeiten sogar nicht um einen, sondern um zwei Kalendertage ändern.

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