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Japanisches Kaiserreich
Als Japanisches Kaiserreich wird zumeist die von der Meiji-Restauration ab 1868 bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs 1945 bestehende Staatsform Japans …
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Staat und zeitliche Einordnung
Das Japanische Kaiserreich bezeichnet meist die Staatsform Japans von der Meiji-Restauration 1868 bis zur Niederlage im Zweiten Weltkrieg 1945. Politisch lässt sich der Zeitraum genauer von der Abschaffung der Han, also der feudalen Lehen, und der Einrichtung von Präfekturen am 14. Juli 1871 bis zur Unterzeichnung der Kapitulationsurkunde am 2. September 1945 fassen. Verfassungsrechtlich bestand das Kaiserreich vom 30. November 1890, als die Meiji-Verfassung in Kraft trat, bis zum 2. Mai 1947. Danach wurde es vom Staat Japan abgelöst.
Das Kaiserreich war eine konstitutionelle Erbmonarchie mit dem Tennō, dem Kaiser, als Staatsoberhaupt. Seit 1885 leitete ein Premierminister die Regierung. Hauptstadt und Amtssprache waren Tokio beziehungsweise Japanisch, die Währung war der Yen und die Nationalhymne Kimi Ga Yo. Für 1935 werden eine Fläche von 675.000 km², rund 97.770.000 Einwohner und eine Bevölkerungsdichte von 144,8 Einwohnern je km² angegeben.
Staatsbildung und Bezeichnungen
Die dem Shōgun feindlich gegenüberstehenden Lehen Satsuma und Chōshū schufen während der Meiji-Restauration die Grundlage einer neuen Regierung, welche die Einigung des Reiches anstrebte. Obwohl der Staat seit dieser Zeit als Japanisches Kaiserreich bezeichnet wird, verwendete erst die „Verfassung des Kaiserreichs Großjapan“ von 1889 den Titel Tennō offiziell. Die wörtliche Übersetzung der japanischen Staatsbezeichnung Dai-Nihon Teikoku lautet „Kaiserreich Großjapan“.
Bis zur gesetzlichen Festlegung des offiziellen Namens im Jahr 1936 wurden mehrere Bezeichnungen gleichzeitig amtlich gebraucht, darunter Nippon, Nippon koku oder Nihon koku, Dai-Nippon, Dai-Nippon koku oder Dai-Nihon koku sowie Nihon Teikoku. 1946, ein Jahr nach Kriegsende, begann die staatliche Neuordnung. Der Verfassungsentwurf von 1946 bezeichnete das Land als „Staat Japan“ (Nihon Koku).
Industrialisierung und koloniale Expansion
Die wirtschaftliche und militärische Entwicklung folgte vor allem merkantilistischen Vorstellungen. Danach benötigte Japan rohstoffreiche Kolonien, um industriell wachsen und mit den europäischen Mächten konkurrieren zu können. Das Kaiserreich gliederte 1869 Hokkaido und 1879 das Ryukyu-Königreich auf Okinawa ein. 1895 nahm es dem Qing-Reich Formosa, das heutige Taiwan, und die Penghu-Inseln ab. Formosa diente als Flottenstützpunkt und Vorzeigekolonie. Sachalin wurde nach einem Krieg gegen Russland erobert. Korea wurde 1910 annektiert und sollte ähnlich wie Hokkaido und die Ryukyu-Inseln vollständig assimiliert werden.
Die weitere Expansion richtete sich besonders auf wirtschaftlich wichtige Ressourcen: Die Mandschurei verfügte über Eisen und andere Mineralien, Indochina über Gummi, und China besaß insgesamt große Rohstoffvorkommen. Diese Gebiete bildeten deshalb bis zur Niederlage im Zweiten Weltkrieg zentrale wirtschaftliche Ziele Japans.
Großmacht und Abwendung vom Westen
Durch den Sieg im Russisch-Japanischen Krieg von 1904 bis 1905 war Japan spätestens zur Großmacht aufgestiegen. Im Ersten Weltkrieg kämpfte es auf der Seite der Entente. Bis zum Herbst 1914 besetzte es einen Teil der deutschen Kolonie Deutsch-Neuguinea und nahm den deutschen Stützpunkt Tsingtau in China ein. Insgesamt blieb seine Beteiligung an den militärischen Auseinandersetzungen jedoch begrenzt.
Auf der Pariser Friedenskonferenz von 1919 fühlte sich Japan rassistisch diskriminiert und von den westlichen Mächten nicht als gleichrangig behandelt. Dies trug zu seiner schrittweisen Abwendung vom Westen bei. 1923 endete die seit 1902 bestehende Anglo-Japanische Allianz.
Krise, Aufrüstung und Krieg
Während der Weltwirtschaftskrise entwickelte Japan eine besondere politische Form, die wegen bestimmter Ähnlichkeiten mit europäischen Systemen unter dem Begriff Faschismus diskutiert wird. Eine streng kontrollierte Rüstungsindustrie sollte die Wirtschaft aus der Depression führen. Gleichzeitig war die japanische Industrie wegen des Mangels an natürlichen Ressourcen stark auf Einfuhren von Eisen, Erdöl und Kohle angewiesen, die größtenteils aus den Vereinigten Staaten kamen.
1931 eroberte Japan die Mandschurei gegen schwachen Widerstand. Als Rechtfertigung erklärte es, die Mandschu von chinesischer Herrschaft zu befreien. Anschließend entstand dort der abhängige Marionettenstaat Mandschukuo mit Puyi, dem früheren Kaiser von China, als Staatsoberhaupt. 1933 nahm Japan außerdem das angrenzende chinesische Gebiet Jehol ein.
Mit der Invasion Chinas begann Japan 1937 den Zweiten Japanisch-Chinesischen Krieg. Dieser fiel mit dem Konflikt zwischen den Kommunisten Mao Zedongs und den Nationalisten Chiang Kai-sheks zusammen. Japan kontrollierte einen großen Teil der chinesischen Küste und der Hafenstädte, achtete aber darauf, die europäischen Einflussgebiete nicht zu berühren. Bereits 1936 hatte es mit Deutschland den antikommunistischen Antikominternpakt geschlossen; Italien trat 1937 bei. Am 27. September 1940 folgte der Dreimächtepakt mit dem Deutschen Reich und dem Königreich Italien.
Von entscheidender Bedeutung war der japanische Überraschungsangriff auf Pearl Harbor ohne vorherige Kriegserklärung. Dabei wurde ein Großteil der amerikanischen Schlachtflotte ausgeschaltet. Die japanische Flotte besaß dadurch für mehrere Monate die absolute Überlegenheit im Pazifikraum. Japans Expansion reichte zeitweise vom Pazifik bis in den Indischen Ozean, endete jedoch mit der Niederlage und Kapitulation von 1945.