Zum Inhalt springen
L

Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand

Politik der offenen Tür

Die Politik der offenen Tür (engl. Open door policy) ist eine besondere Form der Außen- und Wirtschaftspolitik. Sie regelte ursprünglich die …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Grundidee und Bedeutung
  2. 2. China unter dem Druck der Großmächte
  3. 3. Die Initiative der USA
  4. 4. Schwächung und Aufgabe
  5. 5. Folgen bis zur Grenzregelung

Grundidee und Bedeutung

Die Politik der offenen Tür (englisch Open Door Policy) ist eine Form der Außen- und Wirtschaftspolitik. Ursprünglich regelte sie die Handelsbeziehungen der Großmächte mit dem Kaiserreich China. Diese Mächte hatten sich durch militärische Interventionen und sogenannte Ungleiche Verträge – China aufgezwungene Vereinbarungen mit einseitigen Vorteilen – Zugang zum chinesischen Markt verschafft und konkurrierten miteinander.

Die Politik sollte allen mit China Handel treibenden Mächten gleiche wirtschaftliche Rechte und freien Zugang zu sämtlichen chinesischen Häfen garantieren. Dadurch sollten einzelne Einflussgebiete nicht zu exklusiven Märkten bestimmter Großmächte werden. Obwohl das Konzept vor allem mit China verbunden ist, übertrugen die Großmächte es spätestens seit der Kongokonferenz auch auf Gebiete anderer Länder.

Die USA formulierten die Politik erstmals im September beziehungsweise November 1899 in einer Note an die europäischen Weltmächte und Japan. Sie wollten damit ihre eigenen wirtschaftlichen und geopolitischen Interessen in Ostasien sichern und zugleich eine territoriale Aufteilung Chinas durch die europäischen Großmächte und Japan hemmen.

China unter dem Druck der Großmächte

Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts war China ein wichtiges Ziel im „Great Game“, dem Machtkampf der Großmächte um Zentralasien. Großbritannien beanspruchte Einfluss auf die chinesischen Zentralprovinzen, von Shanghai über das Gebiet am Jangtse bis zum wirtschaftlich erfolgreichen Szechuan sowie über Tibet bis zur indischen Grenze. Frankreich betrachtete Südchina als „natürliche Erweiterung“ seiner Kolonialansprüche in Indochina. Russland erhob Ansprüche auf die Äußere Mongolei und die gesamte Mandschurei. Dabei geriet es dauerhaft mit Japan in Konflikt, das die Innere Mongolei und die Mandschurei als eigenes Einflussgebiet ansah.

Im Ersten Opiumkrieg von 1839 bis 1842 zwang Großbritannien China zur Öffnung seines Marktes. Im Zweiten Opiumkrieg von 1856 bis 1860 gingen Großbritannien und Frankreich gemeinsam gegen China vor. Gleichzeitig verlegte die Kaiserlich Russische Armee Zehntausende Soldaten an die Grenze zur Äußeren Mandschurei und übernahm schrittweise die Kontrolle über das Amurgebiet.

Die Qing-Dynastie konnte dem militärischen Druck an fast allen Grenzen kaum widerstehen und musste zahlreiche Ungleiche Verträge schließen. Allein an Russland verlor China rund 1,5 Millionen Quadratkilometer. Danach versuchten fast alle europäischen Staaten, vergleichbare Rechte und Konzessionen zu erhalten. Das Deutsche Kaiserreich sicherte sich Kiautschou, Portugal Macau; beide gehörten zu den sogenannten Vertragshäfen, in denen ausländische Mächte besondere Handels- und Nutzungsrechte besaßen.

China verlor seine Vormachtstellung in Asien und wurde zu einem halbkolonialen Protektorat der Großmächte. Der Zustrom billiger westlicher Industriewaren schädigte das chinesische Gewerbe und Handwerk. Nach Darstellung des Artikels waren sozialer Verfall und ein sinkender Lebensstandard die Folgen.

Die Initiative der USA

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts standen bedeutende chinesische Gebiete unter europäischer Kontrolle. Das erschwerte den wirtschaftlich expandierenden USA den Zugang zum chinesischen Markt. Durch den Erwerb der Philippinen nach dem Spanisch-Amerikanischen Krieg von 1898 wurden die USA zu einer in Asien präsenten Großmacht. Sie sahen sich jedoch noch nicht in der Lage, ihre Interessen gegenüber den europäischen Mächten und Japan militärisch durchzusetzen.

US-Außenminister John Hay forderte deshalb, die Politik der offenen Tür auf ganz China anzuwenden. China sollte nicht wie Afrika territorial aufgeteilt werden, und die USA sollten dort Handel treiben können, ohne einen militärischen Konflikt mit den anderen Weltmächten führen zu müssen. Hay schlug den rivalisierenden Staaten 1898 vor, den territorialen Status quo Chinas zu sichern und statt exklusiver Konkurrenz gemeinsamen Freihandel zu ermöglichen. Das Konzept fand grundsätzlich Zustimmung; offiziell lehnte es nur Russland ab.

Schwächung und Aufgabe

Nach dem Boxeraufstand protestierte die US-Regierung 1902 gegen den russischen Übergriff in der Mandschurei und bezeichnete ihn als Verletzung der Politik der offenen Tür. Nach Russlands Niederlage im Russisch-Japanischen Krieg verständigten sich die USA und Japan darauf, die Politik fortzuführen. Sie wurde jedoch bereits 1917 geschwächt: In geheimen Verhandlungen sagten die Alliierten Japan für den Fall eines erfolgreichen Kriegsausgangs die deutschen Besitzungen in China zu.

Nach dem Ersten Weltkrieg entstand in der Republik China ein nationaler Widerstand gegen die ausländischen Mächte. Er zeigte sich 1919 erstmals deutlich in der Bewegung des vierten Mai und erreichte 1925 mit der Bewegung des 30. Mai einen Höhepunkt. Die westlichen Mächte hielten an der Politik der offenen Tür fest, während Japan neben wirtschaftlichen zunehmend territoriale Ansprüche erhob. Auch die Sowjetunion setzte de facto die Expansionspolitik des zaristischen Russlands fort. Die Spannungen mündeten 1927 in den Chinesischen Bürgerkrieg, 1929 in den Sowjetisch-Chinesischen Grenzkrieg und 1937 in den Zweiten Japanisch-Chinesischen Krieg.

Formal wurde die Politik nach der japanischen Besetzung der Mandschurei und der Gründung des japanisch kontrollierten Mandschukuos aufgegeben. Damit scheiterte der Versuch, Chinas territoriale Unversehrtheit und einen gleichberechtigten wirtschaftlichen Zugang dauerhaft miteinander zu verbinden.

Folgen bis zur Grenzregelung

Nach dem Zweiten Weltkrieg mussten die großen Kolonialmächte ihre während des Imperialismus erworbenen Gebiete in China schrittweise wieder aufgeben. Russland behielt dagegen seinen vollständigen Besitzstand. Dieser Umstand gilt unter Historikern als Hauptursache des Chinesisch-Sowjetischen Zerwürfnisses, das 1969 im Chinesisch-Sowjetischen Grenzkonflikt gipfelte.

Erst 2004 verzichtete China auf die an Russland verlorenen Gebiete und vereinbarte mit der Russischen Föderation den endgültigen Verlauf der gemeinsamen Grenze. Der Vertrag zwischen beiden Staaten wurde am 23. Juli 2008 ratifiziert.

Weiterlesen

Uncle Sam Uncle Sam ist die bekannteste Nationalallegorie der Vereinigten Staaten. Er war eine verbreitete Werbefigur, wurde aber erst 1961 durch Senatsbeschluss … Wirtschaftspolitik Im deutschen Stabilitätsgesetz wird das gleichzeitige Erreichen der vier wirtschaftspolitischen Ziele verlangt (siehe auch Magisches Viereck). Da die … Krieg Als Krieg wird ein organisierter und unter Einsatz erheblicher Mittel mit Waffen und Gewalt ausgetragener Konflikt bezeichnet, an dem planmäßig vorgehende … Kongokonferenz Die Kongokonferenz (oder Westafrika-Konferenz) fand vom 15. November 1884 bis zum 26. Februar 1885 auf Einladung des deutschen Reichskanzlers Otto von … Vereinigte Staaten Vereinigte Staaten ; Amtssprache · Englisch ; Hauptstadt · Washington, D.C. ; Staats- und Regierungsform · föderale präsidentielle konstitutionelle Republik. Japan Japan ist zu großen Teilen (68,4 %) von Bergwäldern bedeckt. · Japan hat neun Ökoregionen, die das Klima und die Geographie der Inseln widerspiegeln. Sie reichen … Geopolitik Geopolitik wird häufig als Synonym für das raumbezogene, außenpolitische Agieren von Großmächten im Rahmen einer Geostrategie bezeichnet. Geschichte Japans Die Expansion endete mit der Niederlage im Zweiten Weltkrieg und mit der Besetzung durch Truppen der Vereinigten Staaten. Heute gilt Japan als … Britisches Weltreich Das Britische Weltreich (englisch British Empire) war das vom 17. bis zum 20. Jahrhundert bestehende, größte Kolonialreich der Geschichte und vom Ende der … Shanghai Shanghai, auch Schanghai (chinesisch 上海, Pinyin) ist die bedeutendste Industriestadt der Volksrepublik China und eine der größten Städte der Welt. Japanisches Kaiserreich Als Japanisches Kaiserreich wird zumeist die von der Meiji-Restauration ab 1868 bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs 1945 bestehende Staatsform Japans … Erster Opiumkrieg Der Erste Opiumkrieg war ein bewaffneter Konflikt zwischen Großbritannien und dem Kaiserreich China der Qing-Dynastie, der vom 4. September 1839 bis zum 29.