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Volksmusik
Als Volksmusik werden Lieder und Instrumentalmusikformen bezeichnet, die nach dem Wortsinn zum kulturellen Grundbestand eines Volkes gehören.
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Grundbegriff und Abgrenzung
Volksmusik bezeichnet Lieder und instrumentale Musikformen, die zum kulturellen Grundbestand eines Volkes oder einer Regionalkultur gehören. Instrumentale Volksmusik begleitet häufig Volkslieder und Volkstänze. Sie wird soziologisch, stilistisch und funktional von Kunstmusik, Kirchenmusik und Popularmusik unterschieden. Wichtig ist dabei nicht nur, wie die Musik klingt, sondern auch, in welchen sozialen Situationen sie entsteht, weitergegeben und verwendet wird.
Im allgemeinen Sprachgebrauch wird Volksmusik manchmal mit volkstümlicher Musik gleichgesetzt. Der Artikel unterscheidet jedoch beide Bedeutungen: Volkstümliche Musik ist eine kommerzielle Unterhaltungsmusik, die Elemente traditioneller Volksmusik nutzt und oft auch als volkstümlicher Schlager bezeichnet wird. Anhänger traditioneller Volksmusik grenzen sich häufig von dieser kommerzialisierten Form ab. Medien, Produzenten und Freunde der volkstümlichen Musik verwenden die Begriffe dagegen oft weniger streng.
Für das 20. Jahrhundert lässt sich der Begriff Volksmusik nicht exakt festlegen. Im deutschsprachigen Raum kann man grob zwischen traditioneller Volksmusik, volkstümlicher Musik und neuer Volksmusik unterscheiden. Neue Volksmusik, auch Volxmusik genannt, verbindet Jazz, Rock und Folklore mit tradierter, meist alpenländischer Volksmusik.
Begriff und wissenschaftliche Einordnung
Der Begriff „Volks-Musik“ ist erstmals 1770 bei Jacob von Staehlin in den Nachrichten von der Musik in Russland belegt. Johann Gottfried Herder führte 1771 den Begriff „Volkslied“ als Übertragung des englischen popular song ein und bezeichnete 1773 zuerst schottische, dann „deutsche Lieder“ als „Volkslieder“. Der Begriff „Volkstanz“ entstand erst im 20. Jahrhundert als Abgrenzung zum Gesellschaftstanz.
Im 19. Jahrhundert war die Vorstellung verbreitet, Volksmusik sei sehr alt, ohne bekannten Verfasser und direkt aus der Mitte des Volkes entstanden. John Meier kam Anfang des 20. Jahrhunderts zu einem anderen Ergebnis: Viele Volkslieder seien auf einzelne Autoren zurückführbar. Er folgerte, Volksmusik sei häufig aus der Musik höherer Schichten übernommen und als „gesunkenes Kulturgut“ dem Geschmack breiter Bevölkerungsschichten angepasst worden. Seitdem wurden verschiedene Definitionskriterien für europäische Volksmusik diskutiert, ohne dass eine einfache, überall gültige Definition entstanden wäre.
Der Artikel macht deutlich, dass die Einordnung von Volksmusik immer vom sozialen Zusammenhang abhängt. Ein bloßer Höreindruck reicht nicht aus. Präzise musikalische Merkmale oder Gattungen, die für alle Volksmusik gelten, lassen sich kaum festlegen. Dafür müsste man eine bestimmte Region und einen bestimmten Zeitraum betrachten.
Soziale Funktion und musikalische Formen
Traditionelle Volksmusik ist häufig schriftlos überlieferte Musik, die für bestimmte Regionalkulturen charakteristisch ist. Sie ist eng mit sozialen Situationen verbunden: mit Festen, Tänzen, Liedern, alltäglichen Lebenszusammenhängen und direkter Kommunikation zwischen Musizierenden und Hörenden. Wenn Volksmusik nur noch über Ton- und Bildträger konsumiert wird, verliert sie nach dem Artikel ihren eigentlichen Ort: die Bindung an bestimmte Ereignisse und die unmittelbare Kommunikationssituation.
Volksmusik kann sehr verschieden klingen. Wie in der Kunstmusik gibt es Vokalmusik, Instrumentalmusik und instrumental begleitete Vokalmusik. Sie kann einstimmig oder mehrstimmig sein, homophon oder polyphon. Homophon bedeutet, dass mehrere Stimmen rhythmisch ähnlich zusammenwirken; polyphon bedeutet, dass mehrere selbständige Stimmen gleichzeitig erklingen. Als Beispiel nennt der Artikel Georgien, wo in verschiedenen Regionen homophone und polyphone Vokalmusik geografisch eng nebeneinander vorkommen.
Ein wichtiger Unterschied zur Kunstmusik liegt in der sozialen Rolle. Kunstmusik richtet sich seit der Frühen Neuzeit vor allem an gebildete, oft musikalisch gebildete Gruppen und ist mit professionellen Komponisten, ausgebildeten Ensembles und Aufführungssituationen verbunden. Dabei sind Publikum und Ausführende meist deutlich getrennt. Volksmusik ist dagegen zuerst eine Angelegenheit von Laien und lebt wesentlich von gegenseitiger Interaktion.
Traditionelle Volksmusik im deutschsprachigen Raum
Traditionelle Volksmusik hat ihren Ursprung in der Musizierpraxis bäuerlich-dörflicher oder kleinstädtischer Gemeinschaften. Wegen sozialer Barrieren entwickelte sie sich teilweise relativ selbständig. Sie spiegelte Lebensweisen und war in alltägliche Prozesse, rituelle Feste des Dorflebens oder kleinstädtische Gesellschaften eingebunden. Außerdem diente sie der mündlichen Überlieferung von Traditionen, Geschichten und Sitten, besonders in Gesellschaften vor der Industrialisierung.
Der Artikel weist darauf hin, dass Volksmusik eine wichtige Quelle populärer Musik ist, heute aber gegenüber Popmusik in den Hintergrund getreten ist. Johann Wolfgang von Goethe vertrat die Ansicht, Volksmusik sei nur Musik, die anonym aus dem Volk entstanden sei. Zugleich trug er selbst eigene Volkslieder bei. Auch viele andere Komponisten und Autoren von Liedern sind bekannt, obwohl ihre Werke wegen ihrer Struktur als Volkslieder gelten. Volksmusikstücke und Volkslieder entstehen laut Artikel weiterhin in ungebrochener Tradition.
Im bayerischen, österreichischen und schweizerischen Raum erhält ländlich-bodenständige Volksmusik auch im Rundfunk viel Raum. Dort wird sie häufig streng von schlagerorientierter volkstümlicher Unterhaltungsmusik getrennt. Der Begriff Volksmusik meint in diesen Gegenden meist handgemachte Folklore mit mundartlich vorgetragenen Liedern und überlieferten Volksmusikstücken. Viele Formen stammen überwiegend aus dem 19. und 20. Jahrhundert, wurden von Volkskundlern schriftlich aufgezeichnet und werden von Musikgruppen neu interpretiert oder im alten Stil neu geschaffen.
Formen, Beispiele und Wandel
Zu den im Artikel genannten Formen traditioneller Volksmusik gehören Walzer, Polka, Marsch, Ländler, Boarische, Mazurkas, Schottische, Zwiefache, Menuette, Tanzstücke, Balladen sowie Gstanzln und Schnaderhüpfeln, die couplethaft vorgetragen werden. Im bairisch-alemannischen Raum und in Österreich ist der Jodler verbreitet. Sonderformen sind der Arienjodler aus dem Bayerischen Wald und der Naturjodler in alemannischen Alpengegenden wie der Schweiz und dem Allgäu. Der Naturjodler verzichtet mit seinen eingängigen Harmonien weitgehend auf Instrumentalbegleitung.
Eine besondere Form war das Volkssängertum, das im deutschsprachigen Raum besonders in Wien ausgeprägt war. Volkssänger traten in Gasthäusern, Singspielhallen oder Unterhaltungsetablissements auf. Ihre Lieder standen dem Wienerlied nahe und bildeten auch Wurzeln davon. Volkssänger waren nicht nur Sänger, sondern auch Alleinunterhalter. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurden sie zunehmend von anderen Unterhaltungsformen wie dem Kabarett abgelöst.
Der Artikel nennt außerdem Entwicklungen bei Jugendlichen. In den letzten fünf Jahrzehnten habe es eine starke Abkehr von traditionellen mundartlichen Weisen gegeben, vor allem wegen der Dominanz englischsprachiger populärer Musik wie Rock und Pop. Für die Schweiz wird angegeben, dass sich dieser Trend gewendet habe: Seit 2010 habe eine Volksmusikwelle auch urbane Jugendliche erfasst, wobei sich Volksmusik mit Rap und Pop vermische. Diese Aussage steht im Artikel in einem Abschnitt, der ausdrücklich als überarbeitungsbedürftig markiert ist.
Die Annahme, Volksmusik sei ausschließlich die Musik einer Nation oder eines Staatsvolkes, wird im Artikel zurückgewiesen. Diese Vorstellung sei erst durch die Vereinnahmung der Volksmusik durch nationalistische Bewegungen entstanden. Tatsächlich gebe es viele regionale Gemeinsamkeiten über Sprach- und Staatsgrenzen hinweg. Beim Zwiefachen werden zum Beispiel Texte übersetzt und Melodien weitergegeben.
Instrumente, andere Traditionen und Verbände
In der Volksmusik werden weitgehend dieselben Musikinstrumente verwendet wie in der Kunstmusik. Zusätzlich sind viele ältere Instrumente, die in der Kunstmusik nicht mehr gebräuchlich sind, weiterhin als Volksmusikinstrumente im Einsatz.
Im deutschsprachigen Raum wurden auch Volksmusiktraditionen anderer Völker populär. Besonders genannt werden Irish Folk aus Irland und populäre Musikstile aus den USA. Außerdem erwähnt der Artikel den griechischen Rembetiko und die jiddische Klezmer-Musik. Durch die Zuwanderung spanischer Arbeitskräfte, besonders aus Andalusien, fand seit den 1960er Jahren auch der Flamenco zahlreiche Anhänger.
Als europäische Regionen und Stile nennt der Artikel unter anderem alpenländische Volksmusik in Österreich, der Schweiz, Süddeutschland, Südtirol und Slowenien, Bal Folk in Frankreich sowie in Deutschland und der Schweiz im Stil französischer Tanzfeste, bretonische Musik, erzgebirgische Volksmusik, Cante Alentejano, Folk aus England, Schottland, Wales, Irland, Nordamerika und Skandinavien, fränkische und griechische Volksmusik, Volksmusik in den Karpaten, Klapa aus Kroatien, Shanty und Tarantella aus Süditalien.
Als landesweite Volksmusikverbände nennt der Artikel das Österreichische Volksliedwerk und den Verband Schweizer Volksmusik.