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Lied

Lied (aus mittelhochdeutsch liet, „Strophe“) ist der Sammelbegriff für kleinere, knapp gegliederte gesungene Kompositionen aus Musik und Liedtext.

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Grundbegriff und musikalischer Aufbau
  2. 2. Geschichtliche Entwicklung
  3. 3. Besetzung, Überlieferung und Liedgattungen
  4. 4. Wichtige Liedarten
  5. 5. Lied, Chanson, Song und Urheberrecht

Grundbegriff und musikalischer Aufbau

Ein Lied ist ein Sammelbegriff für kleinere, knapp gegliederte gesungene Kompositionen aus Musik und Liedtext. Diese Form gibt es in allen Kulturen. Lieder bestehen gewöhnlich aus mehreren Strophen, deren Texte sich unterscheiden, und einem Kehrvers, der mehrfach wiederholt wird.

Im Mittelpunkt steht eine singbare Melodie. Ihr Tonumfang ist meist begrenzt, und ihr Rhythmus sowie ihr Metrum folgen meistens dem Sprachfluss des Textes. Der Aufbau der Musik entspricht in der Regel dem Aufbau der Strophen, sodass am Ende einer Strophe auch die Melodie oder musikalische Periode endet. Deutsche Volkslieder sind metrisch meist auftaktig gestaltet, weil ihre Texte häufig mit unbetonten Silben beginnen.

Geschichtliche Entwicklung

Das Lied gilt als ursprünglichste und schlichteste Form der Lyrik. Es ermöglicht den Ausdruck menschlicher Gefühle, Stimmungen und Beziehungen in besonders unmittelbarer Weise.

Im Mittelalter war die Volksballade ein volkstümliches, episches und strophisches Lied aus ritterlichen Kreisen, das später zum Volksgut wurde. Ein Beispiel ist das „Lied auf die Abschiedsszene zwischen Elisabeth und Ludwig von Thüringen“, das 1227 zum Aufbruch Ludwigs zum Kreuzzug komponiert wurde. 1504 lobte Jörg Widmann in „Ain schönes lied von Vilshofen“ die Verteidiger der Stadt. Um 1518 erschien beim Kölner Buchdrucker Arnd von Aich die älteste deutsche Liedersammlung mit dem Titel „75 hubscher lieder myt Diskant, Alt, Bas und Tenor“.

Der Begriff „Volkslied“ geht auf Johann Gottfried Herder zurück. Eine singbare Melodie war dabei wichtig, damit jeder das Lied ohne besondere Stimmausbildung nachsingen konnte. Durch Herders 1778 herausgegebene Sammlung „Stimmen der Völker in Liedern“ rückte das Volkslied erstmals europaweit stärker in den Mittelpunkt. Seit der Frühromantik wurde es als Ausdruck des „Volksgeistes“ verstanden. Bekannte Sammlungen waren etwa Clemens Brentanos „Des Knaben Wunderhorn“ von 1806. Das Volkslied konnte im Volk entstehen oder von ihm übernommen werden und wurde wegen seiner Strophenform und eingängigen Melodik oft als ideale Liedform betrachtet.

Franz Schubert entwickelte das Lied zu einer komplexeren Kunstform. Um 1830 kam es dadurch zu einer Trennung zwischen ernsten und unterhaltenden Liedformen. Daraus entstand später die Einteilung in E-Musik und U-Musik. Diese umstrittene Einteilung wird auch heute von der GEMA verwendet. Bei Veröffentlichungen erhält ein E-Musik-Komponist laut Artikel die achtfachen Tantiemen beziehungsweise Royalties eines U-Musikkomponisten.

Besetzung, Überlieferung und Liedgattungen

Lieder unterscheiden sich nach ihrem Text, ihrer Satztechnik, ihrer Besetzung und ihrem ästhetischen Anspruch. Ihre Texte können Alltagssituationen, die Umwelt, die Natur und viele weitere Themen behandeln. Diese thematische Vielfalt findet sich bereits im Volkslied.

Ein Lied kann von einem Solisten, einem Ensemble oder einem Chor vorgetragen werden. Es kann a cappella, also ohne Instrumentalbegleitung, oder mit Instrumenten gesungen werden. Auch rein instrumentale Bearbeitungen von Liedern werden gelegentlich als „Lied“ bezeichnet. Häufig ist die Verbindung von Sologesang und Instrumentalbegleitung. Die Begleitung kann solistisch von einem einzelnen Instrument oder von einem kleinen Ensemble ausgeführt werden; teilweise übernimmt dieselbe Person Gesang und Begleitung. Bei einer chorischen Besetzung spricht man vom Chorlied.

Die Verbindung von Klavier und Gesang ist typisch für das Kunstlied. Es ist ein „Vortragslied ausgebildeter Stimmen und Begleiter“. Seine Melodik stellt häufig höhere Anforderungen, zum Beispiel durch Intervallsprünge.

Lieder können mündlich überliefert werden, etwa als Volkslieder, religiös-kultische Lieder, Kampf- oder Tanzlieder. Sie können aber auch als musikalische Werke auf bestimmte Komponisten zurückgehen. Die Strophen sind meist gleich gebaut und häufig gereimt; alternativ kann für jede Strophe eine auskomponierte, veränderte Melodie verwendet werden.

Wichtige Liedarten

Zu den im Artikel genannten Liedarten gehören:

  • Abendlied und Morgenlied
  • Adventslied und Weihnachtslied
  • Ballade und Chanson
  • Couplet und Schlager
  • Fahrtenlied und Wanderlied
  • Frühlingslied
  • Geistliches Lied
  • Karnevalslied
  • Klagelied und Liebeslied
  • Preislied
  • Stimmungslied
  • Studentenlied
  • Trinklied
  • Volkslied

Lied, Chanson, Song und Urheberrecht

Das deutsche Wort „Lied“ wird in einigen europäischen Nachbarländern als Fremdwort verwendet und bezeichnet dort meist das Kunstlied. Im Französischen heißt es „le lied“, im Englischen „the lied“; der Begriff wird mit deutscher Kultur verbunden. Umgekehrt wurden fremdsprachige Bezeichnungen für Lied teilweise ins Deutsche übernommen: „chanson“ aus dem Französischen sowie „song“ aus dem Englischen bezeichnen insbesondere französische beziehungsweise englische Werke. Weitere im Artikel genannte verwandte Begriffe sind „tune“, „hymn“ und „canzone“.

Urheberrechtlich sind Text und Musik eines Liedes jeweils eigenständige Werke. Sie können daher getrennt voneinander verwertet werden.

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