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Indochinakrieg
Der Indochinakrieg (1946 bis 1954), auch als Erster Indochinakrieg oder Französischer Indochinakrieg bezeichnet, war ein Krieg in Französisch-Indochina …
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Kern des Krieges
Der Indochinakrieg von 1946 bis 1954, auch Erster Indochinakrieg oder Französischer Indochinakrieg genannt, war ein Krieg in Französisch-Indochina zwischen Frankreich und der Liga für die Unabhängigkeit Vietnams, den Việt Minh. Die Việt Minh standen unter Führung vietnamesischer Kommunisten und wollten ein unabhängiges, kommunistisches Vietnam. Frankreich versuchte, seine politische Herrschaft in der Kolonie wiederherzustellen.
Der Krieg begann nach einer kurzen Phase der Koexistenz zwischen den Việt Minh und den zurückkehrenden Franzosen. Als Beginn werden unterschiedlich die französische Bombardierung Haiphongs im November 1946 oder die Kämpfe in Hanoi ab dem 19. Dezember 1946 gesehen. Der Krieg endete nach der französischen Niederlage bei Điện Biên Phủ mit der Indochinakonferenz 1954. Ergebnis waren die Unabhängigkeit von Laos und Kambodscha sowie die Teilung Vietnams. Diese Teilung führte später zum Vietnamkrieg.
Bis 1949 war der Konflikt vor allem ein Kolonialkrieg und Guerillakrieg. Danach wurde er durch chinesische Hilfe für die Việt Minh und US-amerikanische Unterstützung für Frankreich zunehmend zu einem Stellvertreterkrieg im Kalten Krieg.
Kolonialer Hintergrund
Frankreich hatte ab 1858 mit militärischer Gewalt Gebiete in Südostasien erobert; 1887 war die Kolonisierung Indochinas abgeschlossen. Vietnam wurde in die Protektorate Annam und Tonkin sowie die direkt verwaltete Kolonie Cochinchina geteilt. Der Kaiser blieb formal an der Spitze, die tatsächliche politische und militärische Macht lag aber bei französischen Kolonialbehörden.
Die Kolonialherrschaft verschärfte soziale Gegensätze. Land konzentrierte sich bei Großgrundbesitzern, europäischen Siedlern und Teilen der einheimischen Elite. In den 1930er Jahren waren rund 90 Prozent der etwa 18 Millionen Vietnamesen Bauern, etwa die Hälfte davon ohne Landbesitz. 0,3 Prozent der Landbesitzer kontrollierten 45 Prozent der bewirtschafteten Fläche.
Im Zweiten Weltkrieg wurde Frankreich geschwächt, und Japan gewann Einfluss in Indochina. 1945 übernahmen japanische Truppen direkt die Kontrolle. Nach Japans Kapitulation nutzten die Việt Minh die Lage in der Augustrevolution und brachten Hanoi, Saigon und Huế unter ihre Kontrolle. Am 2. September 1945 rief Ho Chi Minh die Unabhängigkeit der Demokratischen Republik Vietnam aus. Frankreich beanspruchte jedoch weiter seine Kolonialherrschaft und brachte ab Herbst 1945 vor allem im Süden wieder Truppen in Stellung.
Kräfte und Strategie
Die Việt Minh bauten seit 1944 eigene Streitkräfte auf. Ihre Strategie orientierte sich an Mao Zedong und sah drei Phasen vor: zuerst defensiver Guerillakrieg, dann eine Phase der „Parität“ mit begrenzten konventionellen Operationen, schließlich überregionale Operationen, um der Kolonialmacht die Kontrolle über Vietnam zu entreißen. Võ Nguyên Giáp beschrieb den langen Krieg als Mittel, materielle Schwäche in Stärke zu verwandeln.
Die Việt Minh organisierten sich in Guerillakräfte, regionale Vollzeitsoldaten und reguläre Truppen. 1945 hatten sie rund 31.000 reguläre Soldaten. Ende 1954 verfügten sie über 161.000 reguläre Soldaten, 68.000 Regionaltruppen und 110.000 Guerillas. Ihre Versorgung beruhte stark auf zivilen Trägern; je nach Kriegsphase waren rund 30.000 bis 300.000 Personen daran beteiligt.
Frankreich setzte das Expeditionskorps CEFEO, Kolonialtruppen, Fremdenlegionäre und zunehmend einheimische Soldaten ein. Im Juli 1954 standen 183.000 Mitglieder des Expeditionskorps und 313.000 einheimische Soldaten auf französischer Seite. Zu jeder Zeit waren rund 60 Prozent der eingesetzten Kombattanten keine französischen Staatsangehörigen. Ab 1949/1950 wurde Frankreich zunehmend von den USA mit Material unterstützt; von 1950 bis 1954 lieferten die USA unter anderem rund 30.000 Kraftfahrzeuge, 360.000 Schusswaffen, 1880 Panzer und gepanzerte Fahrzeuge sowie rund 5000 Artilleriegeschütze.
Verlauf bis Điện Biên Phủ
Anfangs kontrollierten französische Truppen vor allem Städte wie Hanoi, Haiphong und Huế, während die Việt Minh in ländlichen Gebieten und unzugänglichen Rückzugsräumen aktiv blieben. Die Việt Minh bauten dort eine verdeckte Parallelherrschaft auf: Sie erhoben Abgaben, verbreiteten Propaganda, organisierten Alphabetisierung und mobilisierten die Bevölkerung militärisch. Gegen mutmaßliche Kollaborateure setzten sie auch Terror ein. Französische Stellen nutzten Nachrichtendienste und Folter, konnten die Netzwerke der Việt Minh aber nicht entscheidend zerstören.
1949 versuchte Frankreich, durch formal unabhängige Staaten Vietnam, Laos und Kambodscha innerhalb der Union française eine nichtkommunistische Alternative zu schaffen. Gleichzeitig veränderte der Sieg der Volksrepublik China im Chinesischen Bürgerkrieg den Krieg grundlegend: Die Việt Minh erhielten nun Waffen, Ausbildung und Beratung aus China. 1950 führten sie an der Route Coloniale 4 eine erfolgreiche Offensive, nach der Frankreich die Grenzregion aufgab.
1951 scheiterten Versuche der Việt Minh, das Delta um Hanoi in konventionellen Schlachten zu erobern. Danach kehrten sie stärker zum Abnutzungskrieg zurück. Ab 1952/1953 verlagerten sie Operationen in den Nordwesten und nach Laos, wo Frankreich logistisch schwächer war. Der französische Oberbefehlshaber Henri Navarre wollte eine bessere Ausgangslage für Verhandlungen schaffen. Dies führte zur Besetzung von Điện Biên Phủ, einem aus der Luft versorgten Stützpunkt nahe der Grenze. Die Việt Minh konnten dort entgegen französischer Erwartungen Artillerie einsetzen und den Stützpunkt vom 13. März bis 8. Mai 1954 erobern. Diese Niederlage veränderte die französische öffentliche Meinung stark: Nach Điện Biên Phủ waren nur noch 7 Prozent für die Fortsetzung des Krieges, 60 Prozent für eine Verhandlungslösung.
Genfer Lösung und Teilung
Die Indochinakonferenz begann am 26. April 1954 in Genf. Beteiligt waren Frankreich, die Demokratische Republik Vietnam, die USA, China, Großbritannien, die Sowjetunion, Vietnam, Laos und Kambodscha. Frankreich wollte zunächst einen Waffenstillstand entlang der tatsächlichen militärischen Kontrolllinien. Die Việt Minh forderten die Unabhängigkeit der drei Staaten Indochinas und freie, geheime Wahlen binnen sechs Monaten.
Nach dem Sturz der französischen Regierung wurde Pierre Mendès France Regierungschef. Er wollte den Krieg diplomatisch beenden. Unter Vermittlung des chinesischen Delegationsführers Zhou Enlai einigten sich Frankreich und die Việt Minh auf eine provisorische Teilung Vietnams entlang des 17. Breitengrades. Freie Wahlen sollten spätestens zwei Jahre nach Kriegsende stattfinden. Die Việt Minh verzichteten unter Druck ihrer chinesischen und sowjetischen Verbündeten vorerst auf das Ziel eines einheitlichen vietnamesischen Staates unter ihrer Führung.
Laos und Kambodscha wurden als souveräne Staaten anerkannt. In Laos erhielt die kommunistische Bewegung Pathet Lao zwei nördliche Provinzen als Umgruppierungszonen. Die kleine kommunistische Guerillagruppe Khmer Issarak in Kambodscha erhielt keine Anerkennung.
Folgen und Erinnerung
Die Opferzahlen sind unsicher. Gesamtschätzungen gehen von rund einer halben Million Todesopfern aus. Auf französischer Seite starben rund 130.000 Kombattanten, darunter 59.745 Angehörige der französischen Armee und 20.700 französische Staatsangehörige aus dem Mutterland. Die Việt Minh hatten zwischen 1946 und 1954 rund 200.000 Tote. Für zivile Opfer reichen Schätzungen von 125.000 bis rund 800.000; Bernard B. Fall ging von rund einer Million Todesopfern insgesamt auf vietnamesischer Seite aus. Beide Seiten setzten Folter ein, und beide nutzten Kinder in unterschiedlichem Umfang für Aufklärung, Nachrichtenaufgaben oder militärische Zwecke.
Der Krieg zerstörte in weiten Teilen des Landes Infrastruktur und beschleunigte Urbanisierung. Nach Kriegsende flohen rund eine Million Menschen, vor allem katholische Vietnamesen aus dem Norden, in den Süden. Die USA sahen die Genfer Ergebnisse als Niederlage im Kalten Krieg und unterstützten in Südvietnam den antikommunistischen Staat unter Ngô Đình Diệm. Die vereinbarten gesamtvietnamesischen Wahlen wurden nicht durchgeführt. Ab 1956/1957 entstand im Süden eine Guerilla gegen Diệms Regime; ab 1959 unterstützte Nordvietnam diese Bewegung. Daraus entwickelte sich schließlich der Vietnamkrieg.
Für Frankreich hatte der Krieg innenpolitische Folgen. Er wurde ab 1948 zunehmend als „dreckiger Krieg“ kritisiert. Die Niederlage stärkte antikoloniale Bewegungen in anderen Kolonien, besonders in Algerien. In Vietnam wurde der Indochinakrieg zum Gründungsmythos des modernen kommunistischen Staates. Frankreich schuf 1986 mit der Nekropole von Fréjus eine zentrale Gedenkstätte für 25.000 französische Zivilisten und Soldaten.