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Agent Orange

Vier US-amerikanische Transportflugzeuge des Typs Fairchild C-123 – zu Sprühflugzeugen umgebaut – während der „Operation Ranch Hand“ in Vietnam.

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Was Agent Orange ist
  2. 2. Einsatz im Krieg und Zusammensetzung
  3. 3. Herstellung, Restbestände und Dioxinmengen
  4. 4. Langzeitfolgen und Sanierung
  5. 5. Entschädigung und Gedenken

Was Agent Orange ist

Agent Orange ist die militärische Bezeichnung eines chemischen Entlaubungsmittels (Herbizids). Die USA setzten es im Vietnamkrieg und im Laotischen Bürgerkrieg großflächig ein, um Wälder von Blättern zu befreien und Nutzpflanzen zu zerstören. Dadurch sollten Guerillakämpfer der FNL („Vietcong“) im dichten Dschungel weniger Tarnung haben und schlechter versorgt werden.

Das Mittel wurde aus Flugzeugen und Hubschraubern versprüht. Seine Hauptbestandteile waren zu gleichen Teilen die Pflanzenwirkstoffe 2,4,5-T und 2,4-D. Entscheidend für die schweren Schäden war jedoch vor allem die bei der Herstellung entstandene Verunreinigung 2,3,7,8-Tetrachlordibenzodioxin (TCDD). TCDD ist der giftigste Vertreter der Dioxine, sehr persistent – es bleibt also lange in der Umwelt – und fetotoxisch beziehungsweise teratogen: Es kann ungeborene Kinder im Mutterleib schädigen.

Der Name geht auf orangefarbene Streifen auf den Fässern zurück; „agent“ bedeutet hier Mittel oder Wirkstoff. Die CAS-Nummer lautet 39277-47-9.

Einsatz im Krieg und Zusammensetzung

Die Operation Ranch Hand war 1961 von John F. Kennedy autorisiert worden. Zwischen 1962 und 1971 führte die US-Luftwaffe mehr als 6000 Einsätze mit verschiedenen Entlaubungsmitteln durch. Agent Orange wurde von Januar 1965 bis April 1970 versprüht; seinen Höhepunkt erreichte der Einsatz 1967 und 1968. Der erste flächendeckende Einsatz erfolgte am 7. Februar 1967. Die Vereinigung von „Agent Orange“-Opfern in Südvietnam nennt dagegen den 10. August 1961 als ersten derartigen Einsatz.

Ziele waren das Aufdecken von Verstecken und Versorgungswegen, etwa am Ho-Chi-Minh-Pfad, die Erweiterung eigener Stützpunkte und Flugplätze sowie die Zerstörung von Ackerflächen zur Unterbrechung der Nahrungsversorgung des Gegners. Insgesamt versprühten die US-Streitkräfte 45.677.937 Liter Agent Orange. Mit den weiteren Herbiziden zusammen waren es fast 80 Millionen Liter. 1971 war fast ein Viertel Vietnams entlaubt.

Die Hauptmischung bestand aus n-Butyl-Estern von 2,4,5-T und 2,4-D im Verhältnis 50:50; der Wirkstoffgehalt betrug 1033 Gramm pro Liter, jeweils als esterfreie Säure angegeben. Vermutlich ab 1968 kam „Agent Orange II“ hinzu: eine 50:50-Mischung aus iso-Octylester von 2,4,5-T und n-Butylester von 2,4-D mit 910 Gramm Wirkstoff pro Liter. Davon wurden 3.591.000 Liter nach Vietnam geliefert. Eine Mischung mit Picloram, „Modified Orange“, wurde nur testweise eingesetzt.

Herstellung, Restbestände und Dioxinmengen

Zu den Herstellern und Lieferanten gehörten die US-Firmen Dow Chemical und Mobay, ein Gemeinschaftsunternehmen von Monsanto und Bayer AG. Wegen des hohen Bedarfs lieferten auch Boehringer Ingelheim und das tschechoslowakische Unternehmen Spolana Zwischenprodukte. Laut einem Spiegel-Artikel von 1991 lieferte Boehringer Ingelheim 1967 720 Tonnen Trichlorphenolatlauge an Dow Chemical.

Das letzte Sprühflugzeug mit Agent Orange startete am 7. Januar 1971. 1973 besaß die U.S. Air Force noch 2.338.900 Gallonen beziehungsweise 8.853.672 Liter im Anschaffungswert von 16.540.000 US-Dollar. Nach der Anwendungsbeschränkung für 2,4,5-T in den USA im Jahr 1970, die die EPA 1971 bestätigte, wurden die Vorräte unter anderem auf Johnston Island und in Gulfport, Mississippi, gelagert. Die TCDD-Werte unterschieden sich stark zwischen einzelnen Fässern. In Untersuchungen lagen sie je nach Probe zwischen 0,05 und 47 ppm; für Johnston Island wurde nach Ausschluss von vier möglicherweise zu Agent Purple gehörenden Proben ein Mittelwert von 1,91 ppm ± 20 % TCDD ermittelt.

Die verbliebenen Bestände wurden 1977 auf dem Verbrennungsschiff Vulcanus auf hoher See verbrannt. Die Schätzungen für die in Vietnam zusammen mit den Herbiziden freigesetzte Dioxinmenge reichen von 106 bis über 366 kg.

Langzeitfolgen und Sanierung

TCDD entsteht bei der Synthese von Trichlorphenoxyessigsäure bei 300 bis 600 Grad Celsius. Es ist das giftigste der rund 300 Dioxine und wurde nach dem Sevesounglück 1976 auch als „Seveso-Gift“ bekannt. Bereits kleinste Mengen können schwere Organschäden und Krebs auslösen. TCDD stört hormonelle Signalwege und kann bei ungeborenen Kindern schwere Fehlbildungen verursachen.

Nach Schätzungen des Roten Kreuzes litten 2002 etwa eine Million Vietnamesen unter Spätfolgen von Agent Orange, darunter etwa 100.000 Kinder mit angeborenen Fehlbildungen. Die Vietnamese Association of Victims of Agent Orange nennt mehr als drei Millionen Betroffene. Zu den genannten Folgen gehören Lippen-Kiefer-Gaumenspalten, Immunschwächen, Krebs sowie Früh- und Totgeburten. Laut Artikel fehlen bisher Untersuchungen, die die Exposition mit Agent Orange und die Tumorentstehung direkt verknüpfen; Dioxin ist jedoch als krebserregend bekannt. Noch drei Generationen nach dem Einsatz werden schwere Fehlbildungen bei Neugeborenen berichtet.

An der Bodenoberfläche zerfällt TCDD in ein bis drei Jahren, in Böden sowie Fluss- und Meeressedimenten kann es mehr als 100 Jahre erhalten bleiben. Über Flüsse, Wind und Bodenerosion während des Monsuns gelangte es in Nahrungsketten. Seit 2012 beteiligen sich die USA an der Bodensanierung um den früheren Stützpunkt Da Nang und stellten dafür 43 Millionen Dollar bereit. USAID schätzte 2016 die Kosten einer umfassenden Dioxin-Beseitigung in Bien Hoa auf 126 bis 600 Millionen US-Dollar. Viele Betroffene erhalten keine ausreichende medizinische Versorgung; 1998 eröffnete das mit Hilfe von US-Kriegsveteranen errichtete Dorf der Freundschaft als Behandlungszentrum.

Entschädigung und Gedenken

Auch frühere US-Soldaten erlitten Gesundheitsschäden. Nachdem der Zusammenhang mit Dioxin anerkannt worden war, verklagten Betroffene mehrere Herstellerfirmen. Am 7. Mai 1984 wurde ein vorläufiger außergerichtlicher Vergleich geschlossen. Sieben Firmen richteten 1985 einen Fonds von 180 Millionen Dollar ein. Bis 1994 erhielten 52.000 Veteranen und Hinterbliebene zusammen 197 Millionen Dollar.

Eine Klage vietnamesischer Opfer gegen US-Hersteller wurde im März 2005 abgewiesen. Nach Auffassung des Richters war der Einsatz keine chemische Kriegsführung und daher kein Verstoß gegen internationales Kriegsrecht. Vietnamesische Opfer erhielten laut Artikel bis heute keine Entschädigung.

Der 10. August ist in Vietnam seit 2009 als Orange Day offizieller Gedenktag für die Opfer von Agent Orange.

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