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Verwaltungswissenschaft

Die Verwaltungswissenschaft ist ein interdisziplinäres staats- und politikwissenschaftliches Fach, dessen zentraler Untersuchungsgegenstand die öffentliche …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Gegenstand und Ziel der Verwaltungswissenschaft
  2. 2. Forschungsansätze und Reformfragen
  3. 3. Beispiele verwaltungswissenschaftlicher Themen
  4. 4. Studienmöglichkeiten
  5. 5. Forschungseinrichtungen in Deutschland und Österreich

Gegenstand und Ziel der Verwaltungswissenschaft

Verwaltungswissenschaft ist ein interdisziplinäres Fach an der Schnittstelle von Staats- und Politikwissenschaft. Sie untersucht die öffentliche Verwaltung sowohl auf der Makroebene, also etwa das Zusammenwirken von Bund, Ländern, Kommunen und internationalen Organisationen, als auch auf der Mikroebene einzelner Behörden und Organisationen.

Ihr Kerninteresse sind Möglichkeiten politischer Steuerung: Sie fragt, wie staatliche Institutionen in wechselseitiger Abhängigkeit handeln und wie dadurch politische Ziele umgesetzt werden. Zugleich soll sie eine ganzheitlichere Sicht auf das politische System und den politischen Prozess ermöglichen. Die Disziplin versteht sich als praxisnah, aber theoriegeleitet und ist innerhalb der Politikwissenschaft angesiedelt.

Forschungsansätze und Reformfragen

Untersucht werden Gebietskörperschaften wie Bund, Länder und Kommunen sowie andere Körperschaften, Anstalten und Stiftungen des öffentlichen Rechts. Hinzu kommen die Verwaltungsebenen der Europäischen Union und anderer internationaler Organisationen.

Die Verwaltungswissenschaft beschreibt zunächst bestehende Verhältnisse. Dafür nutzt sie Ansätze aus Verwaltungs- und Organisationssoziologie, Organisationspsychologie, Rechtswissenschaft und Politikwissenschaft. Außerdem fragt sie, wie Verwaltung ihre Aufgaben trotz wachsender Komplexität und Dynamik effizient und effektiv erfüllen kann. Dabei verwendet sie auch wirtschaftswissenschaftliche Ansätze, besonders aus der Managementlehre.

Eine wichtige Richtung ist der Neo-Institutionalismus, der Institutionen und ihre Regeln als prägend für Handeln betrachtet, sowie die Organisationstheorie. Besonders stark sind diese Ansätze in der sogenannten Skandinavischen Schule vertreten. Die Fachrichtung grenzt sich sowohl von einem angelsächsischen Mainstream einer quantitativ-positivistischen Policyforschung als auch von moderner Governanceforschung ab.

Ein Schwerpunkt sind Verwaltungsreformen. Unter „Öffentliche Reformverwaltung“ werden Managementinstrumente zur rationaleren Verfolgung politischer Ziele bei knappen öffentlichen Mitteln, die Überprüfung öffentlicher Aufgaben und die Zusammenarbeit mit gesellschaftlichen Akteuren behandelt. Diese Zusammenarbeit heißt „Koproduktion“ öffentlicher Leistungen. Die stärkere Orientierung an Management wird teils als „Managerialismus“ kritisiert. Zur Etablierung der Verwaltungswissenschaft in Deutschland trug die Projektgruppe Regierungs- und Verwaltungsreform bei, die von 1968 bis 1975 tätig war.

Beispiele verwaltungswissenschaftlicher Themen

Ein Beispiel für ein verwaltungswissenschaftlich vorbereitetes Großprojekt ist die Gebietsreform von 1967 bis 1978. Ihr Ziel war die Einheit von Planungs- und Verwaltungsraum.

Wiederkehrend ist auch die Frage, ob Mittelbehörden, insbesondere Regierungspräsidien, erforderlich sind. In Rheinland-Pfalz wurden sie zum 1. Januar 2000 aufgelöst, in Sachsen-Anhalt zum 1. Januar 2004 und in Niedersachsen zum 1. Januar 2005. Auch die Neugliederung der Bundesländer gehört zu den Themen des Fachs.

Studienmöglichkeiten

An Universitäten gibt es Bachelor- und Masterangebote in Politik- und Verwaltungswissenschaft, Public Administration, Public Policy oder Public Management. Genannt werden unter anderem die Universitäten Potsdam, Konstanz, Kassel und Münster, die Zeppelin Universität Friedrichshafen, die Fernuniversität Hagen sowie die Universität der Bundeswehr München. In Potsdam gibt es zusätzlich „Politik, Verwaltung und Organisation“; die Universität Münster bietet mit der Universität Twente einen Doppel-Bachelor „Public Administration“ an. Ein Promotionsstudiengang kann mit dem Doktor der Sozialwissenschaft, Dr. rer. soc., abgeschlossen werden.

Die Deutsche Universität für Verwaltungswissenschaften Speyer bietet postuniversitäre Studiengänge an, darunter ein einsemestriges Ergänzungsstudium für Rechtsreferendare, ein einjähriges Aufbaustudium zum Magister der Verwaltungswissenschaften sowie seit 2012 Masterstudiengänge. Genannt werden außerdem der Doktor der Verwaltungswissenschaften, Dr. rer. publ., und ein berufsbegleitender, entgeltpflichtiger Master Wissenschaftsmanagement.

An Fachhochschulen können Verwaltungswissenschaften besonders im Rahmen der Beamtenausbildung studiert werden. Frühere Abschlüsse waren etwa Diplom-Verwaltungswirt (FH), Diplom-Verwaltungsbetriebswirt (FH) und Diplom-Verwaltungsinformatiker (FH); im Bologna-Prozess erfolgt teilweise eine Umstellung auf Bachelor- und Masterabschlüsse. Länder und Bund unterhalten dafür eigene Hochschulen. Der Bund betreibt die Hochschule des Bundes für öffentliche Verwaltung, die neben Diplom- und Bachelorstudiengängen einen Master of Public Administration anbietet; dieser vermittelt die Bildungsvoraussetzung für den höheren Dienst.

Europaorientierte Angebote behandeln Verwaltung auf EU-Ebene. Dazu gehören European Studies, „Europäisches Verwaltungsmanagement“ und der deutsch-französische Master of European Governance and Administration (MEGA). Der Master-Fernstudiengang „Europäisches Verwaltungsmanagement“ konzentriert sich auf Institutionen, Recht und Verwaltung der EU sowie anderer europäischer Staaten.

Forschungseinrichtungen in Deutschland und Österreich

In Deutschland galten traditionell die Deutsche Universität für Verwaltungswissenschaften Speyer und das Deutsche Forschungsinstitut für öffentliche Verwaltung (FÖV) als Zentren der Verwaltungsforschung; diese Stellung hat sich in den letzten Jahrzehnten relativiert.

An der Universität Potsdam wirken das Potsdam Centrum für Politik und Management (PCPM), das Kommunalwissenschaftliche Institut (KWI) und das Potsdam eGovernment Competence Center (IfG.CC). Sie verbinden Forschung, Beratung, Weiterbildung sowie Fragen kommunaler Verwaltung und Informationstechnik im öffentlichen Sektor. Die Kommunale Gemeinschaftsstelle für Verwaltungsmanagement (KGSt) forscht und berät anwendungsorientiert zur Kommunalverwaltung. Weitere genannte Einrichtungen sind Institute an der Hochschule für Polizei und öffentliche Verwaltung Nordrhein-Westfalen sowie die Hochschule Meißen (FH) und Fortbildungszentrum, deren Forschung anwendungsorientiert und eng mit Ministerien, Kommunen und Hochschulen verbunden ist.

In Österreich bietet die FH Campus Wien seit 2009 Bachelor- und Masterstudien in Public Management an. Das KDZ – Zentrum für Verwaltungsforschung betreibt angewandte Forschung, Beratung und Weiterbildung; es entstand aus dem 1969 gegründeten Verein „Kommunalwissenschaftliches Dokumentationszentrum“ und trägt seinen neuen Namen seit 1999.

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