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Niedersachsen

Neben der Landeshauptstadt Hannover gibt es sechs weitere Großstädte: Braunschweig, Oldenburg, Osnabrück, Wolfsburg, Göttingen und Salzgitter. Die Ballungsräume …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Überblick und Raum
  2. 2. Naturraum, Gewässer und Klima
  3. 3. Entstehung und Entwicklung des Landes
  4. 4. Politik, Verwaltung und Bevölkerung
  5. 5. Wirtschaft, Energie und Verkehr
  6. 6. Bildung, Kultur und Freizeit

Überblick und Raum

Niedersachsen ist ein Land im Nordwesten der Bundesrepublik Deutschland. Es wurde am 1. November 1946 aus Hannover sowie den früheren Ländern Braunschweig, Oldenburg und Schaumburg-Lippe gebildet. Als parlamentarische Republik ist es ein teilsouveräner Gliedstaat des deutschen Bundesstaates. Landeshauptstadt ist Hannover. Amtssprache ist Deutsch; Saterfriesisch und Niederdeutsch sind zum Amtsgebrauch zugelassen.

Mit 47.709,82 km² ist Niedersachsen nach Bayern das zweitgrößte der 16 deutschen Länder. Es hatte am 31. Dezember 2025 8.000.826 Einwohner und eine Bevölkerungsdichte von 168 Einwohnern je km². Neben Hannover gehören Braunschweig, Oldenburg, Osnabrück, Wolfsburg, Göttingen und Salzgitter zu den Großstädten. Die Ballungsräume Bremen und Hamburg reichen weit in das Land hinein.

Niedersachsen grenzt an die Nordsee, an die Niederlande sowie an neun deutsche Länder: Bremen, Hamburg, Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Thüringen, Hessen und Nordrhein-Westfalen. Damit hat es die meisten deutschen Nachbarn. Der genaue Grenzverlauf in der Emsmündung zu den Niederlanden und in der Elbmündung zu Schleswig-Holstein ist umstritten.

Naturraum, Gewässer und Klima

Rund drei Viertel der Landesfläche liegen in der Norddeutschen Tiefebene. Der Süden gehört zum Niedersächsischen Bergland, etwa mit Weserbergland, Leinebergland und Harz. Weitere prägende Landschaften sind Lüneburger Heide, Elbe-Weser-Dreieck, Ostfriesland, Emsland und die fruchtbaren Lössbörden im mittleren Osten und Südosten. Der tiefste Punkt liegt bei Freepsum in Ostfriesland rund zweieinhalb Meter unter dem Meeresspiegel; der höchste Berg ist der Wurmberg im Harz mit 971 m ü. NN.

Alle Flüsse entwässern direkt oder indirekt in die Nordsee. Die wichtigsten Einzugsgebiete sind Ems, Weser und Elbe. Wichtige Kanäle sind unter anderem Mittellandkanal, Dortmund-Ems-Kanal, Elbe-Seitenkanal und Küstenkanal. Größter See ist das Steinhuder Meer mit 29,1 km², vor dem Dümmer mit 13,5 km² und dem Zwischenahner Meer mit 5,5 km². Die Okertalsperre ist mit 47,4 Millionen m³ Speichervolumen die größte Talsperre; Talsperren dienen besonders Trinkwassergewinnung und Hochwasserschutz.

2016 bestanden 60,9 % der Fläche aus Landwirtschaftsflächen und 21,6 % aus Wald. Zum Naturschutz gehören 13 Naturparks, die Nationalparks Niedersächsisches Wattenmeer und Harz sowie zahlreiche Landschafts- und Naturschutzgebiete. Das Wattenmeer schützt ein Küstenökosystem und ist zugleich Weltnaturerbe.

Das Klima liegt in der gemäßigten Westwindzone zwischen maritimem und kontinentalem Klima. Im Nordwesten sind Temperaturunterschiede im Jahreslauf geringer und Niederschläge reichlicher; nach Südosten nehmen Temperaturunterschiede zu und Niederschläge werden geringer und ungleichmäßiger. Die Jahresmitteltemperatur beträgt etwa 8 °C. An der Nordseeküste stieg der Meeresspiegel im 20. Jahrhundert um 15 bis 25 Zentimeter. Bis 2100 erwartet der IPCC für Niedersachsen, abhängig von den weltweiten Treibhausgasemissionen, einen Anstieg von 60 bis 110 Zentimetern.

Entstehung und Entwicklung des Landes

Das Gebiet des heutigen Landes gehörte lange verschiedenen Herrschaften an. Der Name und das Sachsenross im Wappen beziehen sich auf die Sachsen und das frühere Stammesherzogtum Sachsen. Nach der Entmachtung Heinrichs des Löwen 1180 zerfiel dieses Herzogtum. Später prägten insbesondere das Königreich Hannover, das Herzogtum beziehungsweise der Freistaat Braunschweig, Oldenburg und Schaumburg-Lippe das Gebiet. Das Königreich Hannover wurde 1866 von Preußen annektiert und zur preußischen Provinz Hannover.

Nach dem Zweiten Weltkrieg lag Nordwestdeutschland überwiegend in der britischen Besatzungszone. Mit Verordnung Nr. 55 der britischen Militärregierung entstand rückwirkend zum 1. November 1946 Niedersachsen mit Hannover als Hauptstadt. Nicht alle früheren Gebiete wurden einbezogen: Teile des Landes Braunschweig kamen in die sowjetische Besatzungszone; Amt Neuhaus und weitere Orte kamen zunächst zur DDR und wurden 1993 nach Niedersachsen zurückgegliedert. Wesermünde wurde 1947 als Bremerhaven in das Land Bremen eingegliedert.

Der erste, von der britischen Besatzungsverwaltung eingesetzte Landtag trat am 9. Dezember 1946 zusammen und wählte Hinrich Wilhelm Kopf (SPD) zum Ministerpräsidenten. Ein Hauptproblem der Nachkriegszeit war die Aufnahme von Flüchtlingen und Vertriebenen: 1950 lebten 1,82 Millionen von ihnen im Land, gut ein Viertel der damals knapp 7 Millionen Einwohner; rund 730.000 Wohnungen fehlten. Wirtschaftlich wurde der Volkswagen-Konzern prägend. Niedersachsen war lange ländlich und strukturschwach.

Die neue Niedersächsische Verfassung trat am 1. Juni 1993 in Kraft. Sie erlaubt Volksbegehren und Volksentscheide und macht Umweltschutz zum Staatsgrundsatz. 2005 wurden die vier Regierungsbezirke Braunschweig, Hannover, Lüneburg und Weser-Ems aufgelöst. Nach den Landtagswahlen 2022 regieren SPD und Bündnis 90/Die Grünen. Stephan Weil trat im Mai 2025 zurück; seitdem ist Olaf Lies (SPD) Ministerpräsident.

Politik, Verwaltung und Bevölkerung

Die Verfassung vom 19. Mai 1993 bestimmt die staatliche Ordnung Niedersachsens. Der Landtag hat seinen Sitz im Leineschloss in Hannover. Niedersachsen verfügt im Bundesrat über sechs Stimmen, die höchstmögliche Zahl. Das Landeswappen zeigt in einem roten Halbrundschild ein springendes weißes beziehungsweise heraldisch silbernes Ross, das Sachsenross. Die Landesflagge verbindet Schwarz-Rot-Gold mit diesem Wappen.

Verwaltungsmäßig gibt es 36 Landkreise, die Region Hannover, acht kreisfreie Städte, 159 Städte, 49 Flecken, 731 Gemeinden und 25 gemeindefreie Gebiete. Die Region Hannover entstand 2001 aus dem Landkreis Hannover und der kreisfreien Stadt Hannover. Die größten Städte sind Hannover mit 522.803 Einwohnern und Braunschweig mit 252.811 Einwohnern; danach folgen Oldenburg, Osnabrück, Göttingen, Wolfsburg und Salzgitter. Drei Metropolregionen reichen in das Land: Hannover-Braunschweig-Göttingen-Wolfsburg, Hamburg und Nordwest.

Die Bevölkerung ist regional, kulturell und religiös vielfältig. Nach dem Zweiten Weltkrieg prägten Flüchtlinge und Vertriebene, später Gastarbeiter, Aussiedler und weitere Zuwanderer das Land. „Niedersachsen“ bezeichnet deshalb vor allem Menschen, die hier wohnen oder das Land als Heimat oder Wahlheimat ansehen. Die Bevölkerung stieg nach dem Zensus 2011 von 7.774.253 im Jahr 2011 auf 8.015.257 im Jahr 2021.

Nach dem Zensus 2022 waren 38,9 % evangelisch, 15,4 % römisch-katholisch und 45,7 % konfessionslos, Angehörige anderer Glaubensgemeinschaften oder ohne Angabe. Ende 2025 betrugen die Anteile 35,5 % evangelische und 14,5 % katholische Kirchenmitglieder; 50,0 % gehörten einer anderen Glaubensgemeinschaft an oder machten keine Angabe. Traditionell katholisch sind besonders Emsland, Oldenburger Münsterland, Teile des Osnabrücker Landes und das Untereichsfeld. Friesen sind im Nordwesten als nationale Minderheit anerkannt; die Saterfriesen sprechen Saterfriesisch. Niederdeutsch, meist Plattdeutsch genannt, ist eine geschützte Regionalsprache, wird aber in vielen Regionen weniger gesprochen.

Wirtschaft, Energie und Verkehr

Das nominale Bruttoinlandsprodukt betrug 2024 385,21 Milliarden Euro; damit lag Niedersachsen unter den Ländern auf Rang 4. Die Wirtschaft ist räumlich unterschiedlich stark: Der Raum Hannover ist ein Schwerpunkt, während Teile des Nordostens, Westens und der Küste lange strukturschwächer waren. Landwirtschaft, Industrie und Dienstleistungen sind wichtige Bereiche. 2007 entfielen 1,6 % der Bruttowertschöpfung auf den Primärsektor, also Land- und Forstwirtschaft, 30,6 % auf den Sekundärsektor, also vor allem Industrie, und 67,8 % auf Dienstleistungen.

Zu den größten Unternehmen zählen Volkswagen in Wolfsburg, Continental in Hannover, Talanx, Salzgitter AG, Rossmann, EWE und Symrise. Das industrielle Zentrum liegt im Raum Hannover-Braunschweig-Wolfsburg mit Automobilwerken, Stahlindustrie in Peine und Salzgitter sowie Maschinen- und Anlagenbau. Landwirtschaftliche Schwerpunkte unterscheiden sich nach Böden: In den Börden werden besonders Zuckerrüben und Getreide angebaut, in der Lüneburger Heide Kartoffeln und Spargel, an der Küste dominiert Tierhaltung. Auch Obstanbau im Alten Land, Lebensmittelverarbeitung und Agribusiness sind bedeutsam.

Niedersachsen verfügt über die größten Erdgasvorkommen Deutschlands: 95 % der deutschen Erdgasförderung und 40 % der Erdölförderung entfallen auf das Land. Bei Windenergie nimmt es eine Spitzenstellung ein. Ende 2025 gab es 6.272 Onshore-Windkraftanlagen mit 13.976 MW Gesamtleistung; 2022 speisten sie rund 35,3 Milliarden kWh Strom ein. Die früheren Kernkraftwerke sind stillgelegt: Stade 2003, Unterweser 2011, Grohnde Ende 2021 und Emsland im April 2023.

Niedersachsen ist eine wichtige Logistikdrehscheibe. Straßen- und Schienennetze konzentrieren sich unter anderem auf Hannover, Braunschweig, Hildesheim und Salzgitter. Hannover ist der wichtigste Bahnknoten. Wichtige Wasserwege sind Mittellandkanal, Weser, Elbe, Elbe-Seitenkanal und Ems. Zu den großen Seehäfen zählen Wilhelmshaven, Cuxhaven, Nordenham, Emden und Brake; der JadeWeserPort in Wilhelmshaven ist ein Tiefwasserhafen für große Containerschiffe. Wichtige Flughäfen sind Hannover sowie die außerhalb des Landes liegenden Flughäfen Bremen, Hamburg und Münster/Osnabrück.

Bildung, Kultur und Freizeit

Niedersachsen besitzt zahlreiche Hochschulen und Forschungseinrichtungen. Zu den Universitäten gehören unter anderem die Technische Universität Braunschweig, die Universität Göttingen, die Leibniz Universität Hannover, die Universitäten Oldenburg und Osnabrück sowie die Universitäten Hildesheim, Lüneburg und Vechta. Wichtige wissenschaftliche Standorte sind Braunschweig, Göttingen, Hannover und Oldenburg. Historisch bedeutende Bibliotheken sind die Herzog August Bibliothek in Wolfenbüttel, die Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek in Hannover und die Landesbibliothek Oldenburg.

Kulturell prägen regionale Küchen und Traditionen das Land. Typisch sind Grünkohlgerichte und die Ostfriesische Teekultur. Der Reformationstag ist seit 2017 zusätzlicher gesetzlicher Feiertag. Der Tag der Niedersachsen ist ein seit 1981 jährlich in wechselnden Städten veranstaltetes dreitägiges Landesfest. Bedeutende Veranstaltungen sind auch Maschseefest und Schützenfest in Hannover, der Oldenburger Kramermarkt und der Stoppelmarkt in Vechta.

Zu den herausragenden Kultur- und Naturstätten gehören vier UNESCO-Weltkulturerbestätten: Dom St. Mariae und Michaeliskirche in Hildesheim, die Welterbestätte im West-Harz mit Rammelsberg, Goslar, Oberharzer Wasserregal, Grube Samson und Kloster Walkenried sowie das Fagus-Werk in Alfeld. Das niedersächsische Wattenmeer ist Weltnaturerbe. Mehr als 60 Gedenkstätten und Geschichtsinitiativen erinnern an die Opfer des Nationalsozialismus.

Sport ist stark organisiert: Der Landessportbund umfasst rund 9.600 Vereine mit rund 2,70 Millionen Mitgliedschaften. Fußball, Turnen, Schützenwesen, Reiten und Tennis haben viele Mitglieder. Niedersachsen gilt als Pferdeland; Zentren sind unter anderem Verden, Vechta, das Osnabrücker Land und das Oldenburger Land. An Küste, Seen und Flüssen sind Wassersport und Angeln verbreitet; in Ostfriesland und im Emsland werden traditionelle Sportarten wie Boßeln und Klootschießen gepflegt.

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