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Verkündigung des Herrn
Das Hochfest am 25. März wird in vielen Konfessionen gefeiert. Ältere Bezeichnungen sind Conceptio Christi (‚Empfängnis Christi'), Mariä Bekleibung und Ancilla …
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Bedeutung und biblischer Bericht
Die Verkündigung des Herrn, lateinisch Annuntiatio Domini, auch Mariä Verkündigung, bezeichnet sowohl ein Hochfest im Kirchenjahr als auch das Ereignis aus dem Lukasevangelium (Lk 1,26–38 EU). Der Engel Gabriel wird von Gott nach Nazaret zu der mit Josef, einem Nachkommen Davids, verlobten Jungfrau Maria gesandt. Er kündigt ihr an, dass sie einen Sohn empfangen und gebären werde, der Jesus heißen, Sohn des Höchsten genannt werden und über das Haus Jakob ohne Ende herrschen werde.
Maria fragt, wie dies möglich sei, da sie keinen Mann erkenne. Gabriel erklärt, der Heilige Geist werde über sie kommen und die Kraft des Höchsten sie überschatten; deshalb werde das Kind heilig sein und Sohn Gottes heißen. Als Zeichen nennt er Elisabeths Schwangerschaft. Maria antwortet: „Ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe, wie du es gesagt hast.“ Die Ankündigung wird zugleich als Zeitpunkt der Empfängnis verstanden: Wenn Gott spricht, geschieht, was er sagt. Die Jungfrauengeburt gilt dabei als eigenständiges Mysterium.
Der griechische Gruß χαίρε (chaire) bedeutet „Freue dich, sei froh“ und war ein üblicher griechischer Gruß. In der lateinischen Übersetzung steht Ave, eine römische Grußformel im Sinn von „Gesegnet seist du“ oder „Heil dir“. Die Bibelstelle bildet die Grundlage des Ave Maria; auch das Angelus-Gebet betrachtet die Verkündigung als zentrales Heilsereignis.
Ort und Festdatum
Als Ort der Verkündigung gilt das Haus von Maria und Josef in Nazaret. Dort steht heute die Verkündigungsbasilika. Ihr zentraler Verehrungsort ist eine kleine Grotte, in der nach dem Zeugnis der Pilgerin Egeria bereits 383 ein Altar stand. Ein vor der Grotte errichtetes kleines Haus soll vor der endgültigen Vertreibung der Kreuzfahrer nach der Belagerung von Akkon 1291 abgebaut, nach Loreto gebracht und dort 1294 wieder aufgebaut worden sein. Es wurde Ziel der Loretowallfahrt.
Das Hochfest wird am 25. März gefeiert, neun Monate vor Weihnachten, und besitzt adventlichen Charakter. Es wurde in Teilen Europas lange als Jahresbeginn verwendet; in England galt dieser Annunziationsstil bis ins 16. Jahrhundert. Ältere Bezeichnungen sind Conceptio Christi („Empfängnis Christi“), Mariä Bekleibung und Ancilla Domini („Magd des Herrn“).
Feier in den Kirchen
Im römischen Generalkalender der katholischen Kirche ist die Verkündigung in der ordentlichen Form des römischen Ritus ein Herrenfest, weil die Menschwerdung Gottes im Mittelpunkt steht. In der außerordentlichen Form wird sie weiterhin als Marienfest begangen. Fällt der 25. März in die Karwoche oder die Osteroktav, wird das Fest in der lateinischen Kirche auf den ersten Tag nach der Osteroktav verlegt; Kartage und Osteroktav haben liturgisch Vorrang.
In den orthodoxen Kirchen gehört Euangelismos („Verkündigung der Frohbotschaft“) zu den zwölf Hauptfesten. Die Festliturgie nennt es „den Anfang unseres Heils“ und die Offenbarung eines ewigen Mysteriums. Auf der Königlichen Türe der Ikonostase befindet sich gewöhnlich eine Verkündigungsikone: Durch diese Türe wird das Evangelium verkündet; die Gläubigen sollen die Worte des Wortes wie Maria hören. Das Fest wird im orthodoxen Kalender nicht verdrängt. Für Zusammentreffen mit beweglichen Feiertagen bestehen besondere Vereinigungsliturgien; auch bei einem Zusammentreffen mit Karfreitag wird Eucharistie gefeiert. In griechisch-orthodoxen und anderen neukalendarischen orthodoxen Kirchen kann es heute jedoch nicht mit Kar- oder Ostertagen zusammenfallen, weil der feste Feiertag nach einem dem gregorianischen Kalender fast gleichen orthodoxen Kalender, Ostern aber nach dem julianischen Kalender berechnet wird.
Evangelische Kirchen, darunter Gliedkirchen der Evangelischen Kirche in Deutschland, die Evangelisch-Lutherische Kirche in Amerika und die Lutherische Kirche der Missouri-Synode, führen den Tag im Kalender. Martin Luther nannte ihn „eins der fürnehmsten Feste“. Auch die anglikanische Kirche feiert ihn.
Darstellungen, Musik und Aufführungen
Die Verkündigung an Maria ist ein häufiges Motiv der christlichen Kunst, besonders der Renaissance. Meist stehen Maria und der Engel in einem Innenraum. Dieser kann Marias Innerlichkeit, Keuschheit und Jungfräulichkeit symbolisieren. Der Engel bringt zuweilen eine weiße Lilie als Zeichen von Jungfräulichkeit und Reinheit; Maria zeigt Überraschung und Berührtsein. Sie wird manchmal lesend in einer Bibel dargestellt, was die Verbindung zur Ankündigung des Messias bei Jesaja 7,14 EU hervorhebt. Der Heilige Geist erscheint oft als Taube; ein Lichtstrahl kann die Empfängnis darstellen.
Kunstwissenschaftlich werden Botschaft, Begrüßung und Gespräch unterschieden sowie fünf Unterphasen: Conturbatio, Marias Aufregung; Cogitatio, ihr Nachdenken; Interrogatio, ihre Nachfrage; Humiliatio, ihre Unterwerfung unter den göttlichen Willen; und Meritatio, die Betonung ihres Verdienstes. Johann Sebastian Bach schrieb für den Festtag die Kantate „Wie schön leuchtet der Morgenstern“, BWV 1, und erweiterte die Widmung der ursprünglich für Palmsonntag geschriebenen Kantate „Himmelskönig, sei willkommen“, BWV 182.
Seit dem 13. Jahrhundert sind Prozessionen mit szenischen Aufführungen als Mysterienspiele besonders aus Venedig, Padua und Florenz bekannt. In Padua zog eine Prozession von der Piazza delle Erbe zur Arenakapelle. Jungen spielten Engel und Maria; bei einer zweiten Aufführung in der Kathedrale übernahm ein Geistlicher die Rolle Marias, ein Junge erneut die des Engels. Gesprochen wurden Begrüßungstexte des Lukasevangeliums.
Weihungen und Islam
Viele Kirchen tragen das Patrozinium, also die kirchliche Weihe, der Verkündigung des Herrn; dazu gehört die Verkündigungsbasilika in Nazaret. Auch die russische Stadt Blagoweschtschensk und die italienische Stadt Torre Annunziata stehen unter diesem Bezug. Mehrere katholische Orden und Gemeinschaften sind der Verkündigung geweiht, ebenso der Annunziaten-Orden.
Der Koran berichtet ebenfalls von der Verkündigung: in Sure 3, Verse 45–51, mit einer abweichenden Darstellung in 19:16–26. Dort verkünden Engel Maria ein Wort Gottes, dessen Name Jesus Christus, Sohn der Maria, sei; er werde im Diesseits und im Jenseits angesehen sein und zu den Gott Nahestehenden gehören.