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Grotte

Wortfeld „Hohlräume in Gestein und Erdreich“ · Ein natürlicher Hohlraum wird als „Höhle“ bezeichnet. · „Grotte“ nennt man entweder eine kleine Felsenhöhle oder …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Definition und Abgrenzung
  2. 2. Grotte als Element der Gartenkunst
  3. 3. Technik und künstliche Grotten im 19. Jahrhundert
  4. 4. Mariengrotten und zeitgenössische Formen
  5. 5. Übertragene Bedeutung in Adjektiven

Definition und Abgrenzung

Eine Grotte ist in der Geomorphologie ein unterirdischer Hohlraum mit mindestens einem zugänglichen horizontalen Teil. Dadurch unterscheidet sie sich von einem Erdloch oder einem Abgrund. Grotten können natürlich entstanden, vom Menschen geschaffen oder verändert worden sein. Sie können außerdem sehr feucht sein. Als Gestaltungselemente der Gartenkunst sind künstliche oder überarbeitete Grotten besonders wichtig.

Die Begriffe „Grotte“ und „Höhle“ lassen sich nicht eindeutig voneinander abgrenzen, weil es keine einheitlichen, allgemeinverbindlichen Definitionen gibt. Im traditionellen Sprachgebrauch bezeichnet „Grotte“ eher einzelne, meist kleine Räume mit besonders reichhaltigem Inhalt, etwa Tropfsteinen, Muscheln oder Versteinerungen. „Höhle“ bezieht sich dagegen häufiger auf größere Hallen und Gänge. In einem Höhlensystem kann eine einzelne Halle traditionell „Grotte“ genannt werden; mehrere solcher Hallen sind durch Gänge miteinander verbunden.

Der Verband österreichischer Höhlenforscher bezeichnet nur natürliche Hohlräume als Höhlen und empfiehlt, natürliche Hohlräume nicht als Grotten zu bezeichnen, weil der Begriff „Grotte“ meist auch künstliche Objekte einschließt. Die Verwendung ist dadurch nicht grundsätzlich falsch, kann aber Verwirrung verursachen. Auch im 21. Jahrhundert werden natürliche Höhlungen gelegentlich weiterhin „Grotten“ genannt.

Zum Wortfeld gehören weitere genaue Bezeichnungen: Ein natürlicher Hohlraum heißt Höhle. Eine Grotte kann eine kleine Felsenhöhle oder ein Bauwerk sein, das eine Felsenhöhle vortäuscht. Ein künstlich in natürlich anstehendes Material gegrabener, waagerechter oder begehbar schräger Hohlraum mit einem Ausgang ist ein Stollen. Ein Tunnel ist ein annähernd waagerechter Hohlraum mit zwei Ausgängen. Ein senkrechter Hohlraum heißt Schacht; ein natürlich entstandener Schacht wird als Höhlenschacht bezeichnet.

Grotte als Element der Gartenkunst

In der Antike galten natürliche Höhlen und Felsquellen als Aufenthaltsorte von Nymphen und anderen chthonischen, also mit der Unterwelt oder der Erde verbundenen Wesen. Im Hellenismus und in der römischen Zeit wurden solche Orte als Nymphäen architektonisch gestaltet: Man versah sie mit Nischen und Skulpturen. Bereits in der Römischen Kaiserzeit entstanden außerdem Anlagen, die diese mythologischen Traditionen nur noch aufgriffen und vor allem einen profanen, künstlerischen Charakter hatten.

In der Renaissance wurden antike Vorstellungen und die Götterwelt erneut aufgenommen. Leon Battista Alberti empfahl 1452, in Gärten kühle und feuchte Grotten anzulegen. Im 16. und 17. Jahrhundert gehörten Grotten, Nischen an Futtermauern, Wasserkünste sowie mit unbehauenem Naturstein, Tuff und Muscheln ausgekleidete Architekturen zum festen Programm größerer Gärten. Französische Anlagen wie Fontainebleau und Versailles übernahmen und entwickelten italienische Vorbilder weiter. Auch nördlich der Alpen wurden Grotten als Staffagebauten oder Follies Bestandteil von Schlossgärten, etwa im Hortus palatinus, im Grottenhof der Münchner Residenz und in Hellbrunn bei Salzburg.

Das zentrale Gestaltungselement der Grotte ist die Verbindung mit Wasser. Spiegel, Dämmerlicht und eine naturähnliche Ausstattung konnten geheimnisvolle oder magisch-unwirkliche Wirkungen erzeugen. Grotten konnten außerdem als mineralogische Raritätenkabinette gestaltet werden. Wasserscherze in ihrer Umgebung, beispielsweise in Hellbrunn, dienten der Unterhaltung der Hofgesellschaft.

Grotten wurden sehr unterschiedlich platziert. Als zerklüftete Nachahmung wilder Natur konnten sie am Rand eines Gartens den Übergang zur Landschaft bilden. Sie konnten aber auch in die Untergeschosse von Schlossbauten integriert werden und dort Gartensäle prägen, etwa in Pommersfelden, Schloss Wilhelmsthal oder im Neuen Palais in Potsdam. Möglich waren auch unterirdisch gebaute oder nur unterirdisch wirkende Bauwerke sowie ausgeschmückte Pavillons. Bei der Eremitage in Bayreuth orientieren sich sogar Teile der Außenfassaden an der Grottenarchitektur.

Das Interesse der Gartentheoretiker an Grotten nahm in den frühen Jahren des 18. Jahrhunderts ab. In der Gartenpraxis arbeiteten sogenannte Grottierer jedoch bis zum Ende des Rokoko weiter. Aus Grottenmotiven entwickelte sich seit 1730 die Rocaille, ein asymmetrisches, muschelartiges Ornament, das sich anschließend in vielen Bereichen der Rokokodekoration verbreitete.

Grotten eigneten sich auch für weniger formelle Landschaftsgärten. Ein Beispiel ist die von Alexander Pope geschaffene Grotte in Twickenham. Scott’s Grotto bei Ware in Hertfordshire besteht aus miteinander verbundenen Kammern und Tunneln, die sich 67 Fuß (20 Meter) in einen Kreidehang erstrecken. Die im späten 18. Jahrhundert erbauten Räume sind mit Muscheln, Feuersteinen und farbigen Glasstücken ausgekleidet. Die Beliebtheit solcher Anlagen in der Romantik zeigt sich außerdem an der Bedeutung der Fingalshöhle auf der Insel Staffa.

Technik und künstliche Grotten im 19. Jahrhundert

Der technische Fortschritt im Betonbau erleichterte im 19. Jahrhundert die Herstellung künstlicher Grotten. Joseph Monier (1823–1906), Gärtner, Erfinder und Zementhersteller, gehörte zu den Pionieren des Stahlbetons. 1867 meldete er ein erstes Patent für ein Verfahren zur Herstellung von Kisten und Becken aus Eisen und Zement an, das in der Gartenkunst eingesetzt werden konnte. Bis in die 1880er Jahre folgten zahlreiche weitere Patente.

Nach Moniers Verfahren wurde zunächst eine Form aus Eisenstäben mit rundem oder quadratischem Querschnitt und aus Draht hergestellt. Diese Form ummantelte man mit einer 1 bis 4 Zentimeter dicken Zementschicht. Das Ergebnis war ein haltbares Gerüst, das sich für künstliche Grotten eignete. Auf diese Weise konnten sehr unterschiedliche Formen nachgebildet werden, darunter Miniaturen des Matterhorns, Lourdes-Grotten und Steingärten.

Als Vorläufer gelten unter anderem die Felsenstücke des Bois de Boulogne, deren zweite Bauphase zwischen 1855 und 1858 lag, der Park Buttes-Chaumont von 1863 bis 1867 sowie zahlreiche Zementausstattungen und Konstruktionen der Weltausstellungen von 1867 und 1878 in Paris.

Um 1870 entwickelte August Dirigl ein preisgünstiges Verfahren, das künstlichen Grotten mehr Leichtigkeit und Stabilität gab. Wegen des vergleichsweise geringen Gewichts konnten die künstlichen Felswände im Unterschied zu einer herkömmlichen Zementkonstruktion sogar zerlegt und transportiert werden. Dirigl war der Hauptgestalter der Venusgrotte im Park von Schloss Linderhof.

Mariengrotten und zeitgenössische Formen

Eine wichtige Gruppe künstlicher Grotten sind die Mariengrotten. Sie gehen meist auf die Grotte von Lourdes zurück. Dabei handelt es sich ursprünglich um eine natürliche Höhle von geringer Ausdehnung, die kaum mehr als ein überhängender Fels ist. Aufgrund der weltweiten Popularität dieses Ortes wurden Mariengrotten in vielen Ländern künstlich angelegt. Häufig enthalten sie eine Darstellung der Madonna von Lourdes oder orientieren sich in ihrer Gestaltung an der Lourdes-Grotte.

Grotten sind inzwischen weitgehend aus der Mode gekommen. Architekten und Künstler greifen das Motiv jedoch gelegentlich in zeitgenössischen Arbeiten auf und versuchen, die Grotte neu zu definieren. Beispiele sind Frederick Kieslers Grotte der Meditation für New Harmony von 1964, ARM’s Storey Hall von 1995, Aranda/Laschs Grotto Concept von 2005, Callum Moretons Grotto Pavilion von 2010 und Antonino Cardillos Grottoes series von 2013 bis 2023.

Übertragene Bedeutung in Adjektiven

Das Adjektiv „grottenhässlich“ bedeutet nicht, dass Grotten als hässlich angesehen werden. Die häufigste Erklärung führt den ersten Bestandteil auf das schwäbische beziehungsweise pfälzische Wort „Krott“ zurück, das hochdeutsch „Kröte“ bedeutet. Wörter wie „grottenschlecht“ und „grottenfalsch“ gelten vermutlich als Analogiebildungen zu „grottenhässlich“.

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