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Johannes der Täufer

Johannes wird im von Urchristen in griechischer Sprache verfassten Neuen Testament als Prophet der Endzeit mit eigener Anhängerschaft und Wegbereiter Jesu …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Person und Bedeutung
  2. 2. Quellen und frühe Angaben
  3. 3. Geburt, Herkunft und Auftreten
  4. 4. Predigt, Taufe und Anhänger
  5. 5. Gefangennahme, Tod und Datierung
  6. 6. Verehrung, Islam und Nachwirkung

Person und Bedeutung

Johannes der Täufer, lateinisch Ioannes Baptista, war ein jüdischer Bußprediger. Er wurde etwa 5 v. Chr. geboren und starb um 30 bzw. vor 36 n. Chr. in Machaerus. Um 28 n. Chr. trat er in Galiläa und Judäa auf. Er wirkte im antiken Judentum, hatte Anhänger auch in der jüdischen Diaspora und wird nach heute vorherrschender Ansicht durch den jüdischen Geschichtsschreiber Flavius Josephus historisch bestätigt.

Im Neuen Testament erscheint Johannes als Prophet der Endzeit, als Leiter einer eigenen Anhängerschaft und als Wegbereiter Jesu Christi. Darum verehren ihn viele Kirchen als Heiligen. Die Mandäer führen ihre Religion auf ihn zurück und sehen ihn als wichtigsten Propheten. Im Koran ist Johannes bzw. Yahya der drittletzte Prophet vor ʿĪsā ibn Maryam, also Jesus, und Mohammed.

Der Name Johannes geht auf den hebräischen Namen jôḥānān zurück und bedeutet „der Herr ist gnädig“. Der Beiname „der Täufer“ bezeichnet seine besondere Tätigkeit: Er taufte Menschen, wobei Taufe damals ein Eintauchen ins Wasser bedeutete.

Quellen und frühe Angaben

Wichtige Quellen zu Johannes sind die vier Evangelien des Neuen Testaments, die Apostelgeschichte des Lukas und Flavius Josephus, Antiquitates Judaicae XVIII 5,2. Diese Quellen unterscheiden sich deutlich, weil sie verschiedene Aussageabsichten haben.

Im Markusevangelium erscheint Johannes als Vorläufer und Wegbereiter Jesu. In Texten wie Mt 3,7–10 und Lk 3,7–9 wird er als apokalyptischer Bußprediger dargestellt: Das bedeutet, dass er ein nahes Endgericht Gottes ankündigt und zur Umkehr ruft. Das Lukasevangelium erzählt Geburt und Kindheit von Johannes und Jesus teilweise parallel und deutet beide Geburten als göttliche Sendung. Im Johannesevangelium steht Johannes vor allem als erster und entscheidender Zeuge für Jesus im Mittelpunkt.

Bei Flavius Josephus erscheint Johannes eher als asketisches Vorbild, das die Tora beachtet und Juden zu wiederholten Reinigungsbädern anhält. Die im Urchristentum betonte Vorstellung, dass seine Taufe die letzte Chance zur Umkehr sei, fehlt dort.

Geburt, Herkunft und Auftreten

Die Erzählungen über Geburt und Kindheit in Lk 1–2 haben nach dem Artikel nur geringes historisches Gewicht, können aber Hinweise enthalten. Nach Lk 1,13–15 kündigt der Engel Gabriel Johannes schon vor seiner Geburt als Mann an, der Wein und berauschende Mittel meidet. Diese Askese, also freiwillige Enthaltsamkeit, kann als prophetisches Merkmal verstanden werden.

Wahrscheinlich stammte Johannes aus priesterlichem Geschlecht. Nach Lukas war er Sohn des Priesters Zacharias aus der Priesterklasse Abija und der Elisabet aus dem Geschlecht Aarons. Geboren wurde er nach Lk 1,5 „zur Zeit des Herodes, des Königs von Judäa“, der von 38 v. Chr. bis 4 v. Chr. regierte. Der Wohnort seiner Mutter wird nur ungenau als „eine Stadt im Bergland von Judäa“ angegeben.

Das Auftreten des Johannes begann nach Lukas „im fünfzehnten Jahr der Regierung des Kaisers Tiberius“. Das verweist je nach Berechnung auf 27–29 n. Chr. oder genauer auf 27/28 bzw. 29/30 n. Chr. Auch der Ort seines Wirkens wird in den Quellen unterschiedlich angegeben: Wüste am Jordan, Wüste von Judäa, Betanien jenseits des Jordans oder Aenon bei Salim. Gute Argumente sprechen laut Artikel für die jordanische Ostseite, also Peräa, weil Herodes Antipas dort das Recht hatte, Johannes festnehmen zu lassen.

Predigt, Taufe und Anhänger

Johannes begann sein öffentliches Wirken etwa 27/28 oder 29/30 n. Chr. Sein Hauptwirkungsgebiet lag im damaligen Peräa auf der anderen Seite des Jordans gegenüber von Jericho. Er führte ein stark asketisches Leben; nach Mk 1,6 ernährte er sich von Heuschrecken und wildem Honig.

Er predigte im Stil der alten Propheten, rief zur Umkehr auf und kündigte das Kommen des Gottesreiches sowie „eines Stärkeren“ zum endzeitlichen Gericht an. Im Christentum gilt er deshalb als Wegbereiter der unmittelbar bevorstehenden Ankunft des Messias und wird mit Elija in Verbindung gebracht.

Johannes hatte eine große Anhängerschaft. Auch Jesus von Nazaret ließ sich von ihm taufen. Johannes und Jesus stehen mit ihrer Gerichtsbotschaft in der prophetischen Tradition Israels. Auf die Frage jüdischer Soldaten im Dienst der Herodesdynastie, was sie tun sollten, antwortete Johannes nach Lk 3,14: Sie sollten niemandem Gewalt antun, niemanden erpressen und sich mit ihrem Sold begnügen. Nach Johannes’ Tod schloss sich ein Teil seiner Anhänger Jesus an; später werden Johannesjünger unter dem Namen Mandäer genannt.

Gefangennahme, Tod und Datierung

Nach den Evangelien wurde Johannes gefangen genommen, kurz nachdem er Jesus getauft hatte und Jesus mit einigen Jüngern eine eigene Täufergemeinschaft gebildet hatte. Die Forschung datiert die Gefangennahme auf 27/28 oder etwa 30/31.

Als Grund nennen die Evangelien Johannes’ Kritik an Herodes Antipas, weil dieser Herodias, die Frau seines Halbbruders Herodes Boethos, geheiratet hatte. Dafür hatte Herodes Antipas seine erste Frau Phasaelis, die Tochter des Nabatäer-Königs Aretas IV., verstoßen. Flavius Josephus nennt dagegen einen politischen Grund: Herodes habe befürchtet, Johannes könne wegen seines Ansehens das Volk zum Aufruhr bewegen. Johannes wurde auf Machaerus am Ostufer des Toten Meeres gefangen gehalten.

Nach Mk 6,17–29 und Mt 14,3–12 forderte die Tochter der Herodias nach einem Tanz als Belohnung den Kopf Johannes’ des Täufers. Die Evangelien nennen ihren Namen nicht; bei Josephus heißt sie Salome. Die Hinrichtung geschah nach Josephus auf Machaerus. Sie wird meist auf 28/29 oder 31/32 datiert. Der kirchliche Gedenktag der Enthauptung ist der 29. August; unklar ist, ob dieser Tag historisch der Todestag oder der Weihetag einer Kirche ist.

Die Chronologie ist nicht völlig spannungsfrei. Josephus verbindet die Ereignisse mit dem späteren Krieg zwischen Herodes Antipas und Aretas nach dem Tod des Tetrarchen Philippus, der auf 33/34 datiert wird. Gewöhnlich wird daraus aber nicht geschlossen, Johannes sei erst nach 33/34 gestorben, weil das die übliche Chronologie Jesu oder die Gleichzeitigkeit des Wirkens von Johannes und Jesus in Frage stellen würde.

Verehrung, Islam und Nachwirkung

Im Islam wird Johannes als Yaḥyā erwähnt. Der Koran berichtet, dass Zacharias durch Engel die Geburt eines Sohnes angekündigt wurde. Als Zeichen sprach Zacharias drei Tage lang nicht zu den Menschen. Der Koran nennt nur wenige Details zu Johannes’ Leben, sagt aber, dass er schon als Kind „Weisheit“ hatte. Muslime nennen ihn wie die Mandäer Yahya; die Anhänger Johannes’ werden im Koran vermutlich als Sabäer bezeichnet.

In der orthodoxen und der katholischen Kirche gehört Johannes der Täufer zu den bedeutendsten Heiligen. Er gilt als letzter und größter der Propheten, als adventlicher Wegbereiter Jesu und als Vorbild des Asketen. Sein Geburtsfest ist der 24. Juni, der Johannistag. Es wird in fast allen Kirchen begangen. Der Gedenktag seiner Enthauptung ist in vielen Kirchen der 29. August.

In der Kunst erkennt man Johannes häufig an Fellgewand, Kreuzstab, Lamm und dem Zeigegestus auf Jesus, oft verbunden mit „Ecce Agnus Dei“ („Seht das Lamm Gottes“). Wichtige Themen sind die Taufe Jesu im Jordan und die Enthauptung Johannes’ des Täufers. In der Ostkirche wird Johannes wegen einer Deutung aus Maleachi 3,1 oft mit Flügeln dargestellt.

Es gibt zahlreiche Reliquienüberlieferungen, besonders zu seinem Haupt, etwa in Rom, Amiens, Damaskus und Madaba. Auch Bräuche wie Johannisfeuer, Johanniskräuter, Johanniskuchen, Johannistau und Johannisschüssel beziehen sich überwiegend auf Johannes den Täufer. In der Freimaurerei gilt der Johannistag als Bundesfest der Johannislogen.

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