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Vergleichende Politikwissenschaft
Als bedeutsame Forschungsfelder der vergleichenden Politikwissenschaft gelten ferner Regierungssysteme, Wahlsysteme und Parteiensysteme. Ebenso werden die …
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Gegenstand und Abgrenzung
Die Vergleichende Politikwissenschaft ist ein Teilgebiet der Politikwissenschaft. Sie untersucht durch Vergleiche – oft zwischen verschiedenen Ländern – Staats-, Regierungs- und Herrschaftsformen sowie politische Strukturen und Prozesse. Ein Beispiel ist die Frage, wie institutionelle Strukturen und staatliches Handeln zusammenhängen.
Ihr Gegenstandsbereich ist weiter als der der „Vergleichenden Regierungslehre“ (englisch comparative government). Diese bezog sich vor allem auf politische Institutionen, Prozesse und Inhalte. Die Vergleichende Politikwissenschaft untersucht dagegen auch politische Systeme in ihrer Gesamtheit und bezieht organisierte Interessen, politische Kultur und Wirtschaft ein. Wichtige Forschungsfelder sind Regierungssysteme, Wahl- und Parteiensysteme, Repräsentation und Parlamentarismus, Systemtransformation sowie die vergleichende Konfliktforschung.
Bezeichnung, Entwicklung und Bedeutung
Die Bezeichnung „Vergleichende Politikwissenschaft“ wird seit den 1980er Jahren verwendet und setzte sich um die Wende zum 21. Jahrhundert zunehmend gegenüber dem älteren Begriff „Vergleichende Regierungslehre“ durch. Dieser gilt teilweise als veraltet. Andere Autoren verwenden ihn weiterhin für engere Untersuchungen, die etwa Politikfeldanalysen bewusst nicht einschließen.
Frühere Übersetzungsversuche für comparative politics, etwa „Vergleichende Analyse politischer Systeme“ (1971) und „Vergleichende politische Systemforschung“ (1980), setzten sich nicht allgemein durch. Das Feld comparative politics entwickelte sich auch deshalb, weil Forschende wesentlich besser an Daten gelangen konnten, insbesondere an Vergleichsdaten von Regierungen, statistischen Behörden und Organisationen.
Die komparatistische Tradition reicht bis in die griechische Antike zu Thukydides und Aristoteles zurück. Der Vergleich politischer Verhältnisse soll helfen, eigene politische Verhältnisse kritisch zu prüfen und Subjektivität sowie Ethnozentriertheit zu überwinden. Ziel sind Erkenntnisse, aus denen allgemein gültige Aussagen formuliert werden können. Seit den 1970er Jahren wurden vergleichende Analysedesigns und die systematische Fallauswahl wichtiger. Mit IT-basierter Datensammlung und -auswertung gewannen statistische und quantitative Verfahren an Bedeutung. Indexbildung, also die Kombination bestimmter Daten zu einem Messwert, und Mehrebenenanalysen sind wissenschaftlicher Standard. Datenbanken wie Freedom House stellen Ländervergleichsdaten frei zur Verfügung.
Vergleichende Methode und Fallauswahl
Die Vergleichende Politikwissenschaft besitzt als einzige Disziplin der Politikwissenschaften eine eigene Methodik: die „Vergleichende Methode“. Nach Collier ist sie die systematische Analyse einer kleinen Anzahl von Fällen, auch small N genannt. Die Fallauswahl stützt sich auf die von John Stuart Mill konzipierten Methoden der Differenz und der Übereinstimmung.
Beim Most-Similar-Systems-Design (MSSD) werden Fälle ausgewählt, die sich in fast allen Aspekten gleichen oder ähneln und sich nur in einem Faktor unterscheiden. Dieser unterscheidende Faktor muss dann die Ursache des untersuchten Phänomens sein. Das MSSD entspricht Mill's Methode der Differenz. Anders formuliert: Varianz, also Unterschiedlichkeit, ist nur bei der unabhängigen oder der abhängigen Variable möglich, nicht bei allen anderen Variablen. Dies wird als ceteris paribus Klausel bezeichnet.
Beim Most-Different-Systems-Design (MDSD) unterscheiden sich die ausgewählten Fälle in fast allen Faktoren und ähneln sich nur in einem Faktor. Dieser gemeinsame Faktor muss die Ursache des zu erklärenden Phänomens sein. Das MDSD entspricht Mill's Methode der Übereinstimmung. Hier herrscht Varianz bei sämtlichen Variablen; konstant gehalten wird nur die Beziehung zwischen x und y.