Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand
Wahlsystem
Personalisiertes Verhältniswahlrecht Grabenwahlsystem. Wahlsysteme werden zum Beispiel in der Politik, in Vereinen oder bei der Preisvergabe im Sport …
Inhalt5 Abschnitte
Grundidee und Bedeutung
Ein Wahlsystem oder Wahlverfahren ist eine formalisierte Methode für Wahlen. Es legt fest, welche Auswahlmöglichkeiten den Wahlberechtigten vorgelegt werden und wie aus den gültigen Stimmen abgeleitet wird, welche Kandidaten Ämter erhalten. Wahlsysteme werden etwa in der Politik, in Vereinen und bei der Preisvergabe im Sport eingesetzt.
Die wichtigsten Klassen sind Mehrheitswahl und Verhältniswahl; in der Schweiz und in Teilen der Fachliteratur heißen sie Majorz und Proporz. Beide gibt es in vielen Varianten sowie in Mischformen. Wahlsysteme können einzelne Parteien begünstigen und andere benachteiligen. Deshalb stimmen Parteien bei Entscheidungen über Wahlgesetze gewöhnlich nach ihrem eigenen Interesse ab; dies wird mit dem Satz „Wahlrecht ist auch Machtrecht“ beschrieben.
Ziele und Zielkonflikte
Ein Wahlsystem soll mehrere Ziele zugleich erfüllen, die miteinander in Konflikt stehen können:
- Proportionalität: Die Mandatsanteile einer Partei sollen möglichst proportional zu ihren Stimmenzahlen sein.
- Repräsentation: Mandatsinhaber sollen möglichst gleich viele Wähler vertreten. Stimmen sollen nicht nur denselben Zählwert haben, sondern auch einen möglichst gleichen Erfolgswert, also eine vergleichbare Wirkung auf die Mandatsvergabe.
- Stabilität: Das System soll eine stabile Regierungsbildung fördern, einer Zersplitterung der Parteienlandschaft entgegenwirken und der Wählerschaft möglichst direkt Einfluss auf die Regierungsbildung geben, statt dies erst den Parteien in Verhandlungen nach der Wahl zu überlassen.
- Einfachheit: Ein schwer verständliches System kann dazu führen, dass Wähler Stimmen abgeben, die nicht ihrem eigentlichen Willen entsprechen.
Der Artikel weist darauf hin, dass die Darstellung dieser Ziele überarbeitet werden sollte und insbesondere weitere Zielfunktionen fehlen können.
Einteilung nach Dieter Nohlen
Dieter Nohlen unterscheidet fünf Mehrheits- und fünf Verhältniswahlsysteme. Er betont zugleich, dass weitere Systeme existieren, die sich nicht ohne Weiteres einem dieser zehn Typen zuordnen lassen.
Zu den Mehrheitswahlsystemen zählen die relative Mehrheitswahl in Einerwahlkreisen, etwa in Großbritannien, und die absolute Mehrheitswahl in Einerwahlkreisen, etwa in Frankreich. Weitere Typen sind die Mehrheitswahl mit Minderheitenvertretung, beispielsweise die nicht übertragbare Einzelstimmgebung (Single Nontransferable Vote, SNTV), die Mehrheitswahl in kleinen Mehrpersonenwahlkreisen sowie die Mehrheitswahl mit proportionaler Zusatzliste. Zu letzterer gehört auch ein segmentiertes System wie das Grabenwahlsystem.
Bei den Verhältniswahlsystemen nennt Nohlen die reine Verhältniswahl, etwa in den Niederlanden, die Verhältniswahl in relativ großen Mehrpersonenwahlkreisen, etwa in Spanien, die kompensatorische Verhältniswahl mit oder ohne Sperrklausel, die personalisierte Verhältniswahl mit oder ohne Sperrklausel, etwa in Deutschland, sowie die übertragbare Einzelstimmgebung (Single Transferable Vote, STV). Eine Sperrklausel ist dabei eine Hürde, die für den Einzug in die Mandatsverteilung überwunden werden muss.
Verfahren für einen Sieger
Wahlverfahren können einen einzelnen Sieger bestimmen, etwa bei einer Bürgermeisterwahl. Sie können aber auch mehrere gleichberechtigte Mandatsinhaber gleichzeitig wählen; dann bleibt die Rangfolge der Gewählten ungenutzt. Bei Verfahren, die einen einzigen Sieger bestimmen, kann der vorletzte ausgeschiedene Kandidat als Zweitplatzierter angesehen werden.
Bei der bloßen Bezeichnung von Kandidaten gehören dazu die Wahl durch relative Mehrheit, bei der die Stimmenzahl den Rang bestimmt, sowie eine Wahl mit Quorum, häufig „mehr als die Hälfte der Stimmen“, meist mit Stichwahl, falls das Quorum nicht erreicht wird. Weitere Verfahren sind die Zustimmungswahl (Approval Voting), bei der Zustimmung angegeben wird, und die Veto-Wahl (Anti-Plurality voting).
Bei Präferenzwahlen wird eine Rangfolge für einige oder alle Kandidaten angegeben; dabei müssen alle Rangzuweisungen verschieden sein. Genannt werden Borda-Wahl, Bucklin-Wahl, Coombs-Wahl, Dodgson-Wahl und integrierte Stichwahl. Bei anderen Rangfolgeverfahren dürfen mehrere Kandidaten denselben Rang erhalten: Kemeny-Young-Wahl, Ranked Pairs und Schulze-Methode. Außerdem gibt es Verfahren, bei denen Kandidaten bewertet oder benotet werden, nämlich Bewertungswahl und Majority Judgment.
Verfahren zur Mandatsverteilung
Für die Zuteilung mehrerer Mandate, also als Sitzzuteilungsverfahren, nennt der Artikel das Hare/Niemeyer-Verfahren, das D’Hondt-Verfahren, das dem Hagenbach-Bischoff-Verfahren äquivalent ist, das Sainte-Laguë-Verfahren, das Hill/Huntington-Verfahren, das Dean-Verfahren, das Adams-Verfahren, das Penrose-Verfahren und das doppeltproportionale Zuteilungsverfahren.
Als Verhältniswahlen, die zugleich Präferenzwahlen sind, werden die übertragbare Einzelstimmgebung und die Ersatzstimme genannt.
Lernvideos zu Wahlsystem
5:59
USA Wahlsystem so funktionieren die Wahlen in Amerika USA Wahlen einfach erklärt
The Handyman · 2.164 Aufrufe
4:34
Wahlsysteme 1 - Mehrheitswahl & Verhältniswahl + Anforderungen an Systeme einfach erklärt - Politik
Die Merkhilfe · 168.048 Aufrufe
5:13
Wahlsysteme 2 - Vorteile & Nachteile - Mehrheitswahl & Verhältniswahl einfach erklärt - Politik
Die Merkhilfe · 97.055 Aufrufe
4:03
Verhältniswahl & Mehrheitswahl im Vergleich I Vor- und Nachteile der Wahlsysteme
Study History · 36.934 Aufrufe