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Verdun
Die alte Bischofs- und Festungsstadt und ihr Umfeld waren 1916 Schauplatz der Schlacht um Verdun, die zu den blutigsten Materialschlachten des Ersten …
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Lage und Bedeutung
Verdun ist eine Stadt im Nordosten Frankreichs in der Region Grand Est, im Département Meuse (55). Sie ist Sitz einer Unterpräfektur und liegt bei 49° 10′ N, 5° 23′ O auf 194–330 m Höhe. Das Gemeindegebiet umfasst 31,03 km². Am 1. Januar 2023 hatte Verdun 16.890 Einwohner; die Bevölkerungsdichte betrug 544 Einw./km².
Die Stadt ist eine alte Bischofs- und Festungsstadt. Internationale historische Bedeutung erhielt sie besonders durch die Schlacht um Verdun von 1916, eine der blutigsten Materialschlachten des Ersten Weltkrieges. Eine Materialschlacht ist ein Krieg, in dem große Mengen an Soldaten, Waffen und Munition eingesetzt werden und beide Seiten sehr hohe Verluste erleiden.
Geografische Lage
Verdun liegt im Tal der Maas. Im Bereich der Innenstadt ist der Fluss kanalisiert und dort mit dem Schifffahrtskanal Canal de la Meuse identisch; dieser hieß bis 2003 Canal de l’Est, branche Nord. Paris liegt 260 Kilometer, Metz 80 Kilometer und Nancy 90 Kilometer entfernt.
Mittelalter und Übergang zu Frankreich
Verdun, lateinisch Virodunum, ist seit dem 4. Jahrhundert Bischofssitz. Im Jahr 843 wurde im Vertrag von Verdun die Teilung des Frankenreichs beschlossen. Dies wurde in der Geschichtswissenschaft lange als Geburtsstunde der deutschen und französischen Geschichte angesehen.
Im frühen und hohen Mittelalter war Verdun eine wohlhabende Fernhandelsstadt. Sie war ein wichtiger Umschlagsplatz für Menschen, die aus Gebieten östlich der Elbe verschleppt und in das Kalifat von Córdoba exportiert wurden. Da dort eine große Nachfrage nach Eunuchen bestand, wurden betroffene Männer in Verdun kastriert. Der Historiker Charles Verlinden bezeichnete Verdun als eine „regelrechte ‚Fabrik‘ für Eunuchen“.
Im frühen 11. Jahrhundert erlebte die Stadt einen starken wirtschaftlichen Aufschwung. Spätestens im 13. Jahrhundert begann jedoch ein Niedergang; Klöster und Stifte wirkten nicht mehr als Motoren der Urbanisierung, sondern als Kräfte des Beharrens. Verdun gehörte zu Lothringen und seit 925 mit diesem zum Ostfrankenreich, aus dem das Heilige Römische Reich hervorging. Als Freie Reichsstadt kam es 1552 durch den Vertrag von Chambord zusammen mit den Trois-Évêchés zunächst als Protektorat und 1648 durch den Westfälischen Frieden endgültig zu Frankreich.
Festung und Erster Weltkrieg
Seit 1552 wurde Verdun befestigt. Der Ausbau wurde im 17. Jahrhundert fortgesetzt und nach dem Deutsch-Französischen Krieg im Rahmen der von Séré de Rivières ausgebauten Barrière de fer verstärkt. Um die Jahrhundertwende und erneut vor dem Ersten Weltkrieg modernisierte Frankreich die Anlagen. In der letzten Ausbaustufe umgaben 39 unterschiedlich große Forts und Ouvrages die Stadt. Sie waren durch Infanteriebunker, Artilleriestellungen und Maschinengewehrposten, darunter Casematte Pamard, verbunden.
Die Schlacht um Verdun dauerte von Februar bis Dezember 1916. Die deutsche Oberste Heeresleitung wollte mit dem Angriff auf die Festung die Westfront wieder in Bewegung bringen; Verdun bildete zudem eine Einbuchtung im deutschen Frontbogen. Der deutsche Vorstoß blieb auf dem rechten Maasufer zwischen Fleury-devant-Douaumont, Fort Souville und der Souvillenase stehen. Der französische Nachschub kam von Bar-le-Duc über die später „la Voie Sacrée“ genannte Straße, die in französischer Hand blieb. Auch die deutsche Offensive auf dem linken Maasufer blieb erfolglos.
Während der Schlacht starben 170.000 französische und 150.000 deutsche Soldaten. Verdun und mehrere Dörfer im Umland wurden schwer zerstört. Die Schlacht wurde zum Sinnbild der Schrecken des modernen Krieges. Das Beinhaus von Douaumont ist das bekannteste Soldatengrab der Umgebung. 1984 gedachten Präsident Mitterrand und Bundeskanzler Kohl dort mit dem Handschlag von Verdun der Gefallenen.
Zweiter Weltkrieg und heutige Stadt
Am Abend des 15. Juni 1940 marschierten Truppen der Wehrmacht in Verdun ein. Am 31. August 1944 gaben sie die Stadt auf, als Einheiten der 3. US-Armee näherrückten.
Die Einwohnerzahl stieg von 21.982 im Jahr 1962 auf 23.621 im Jahr 1975 und sank danach: 21.516 Einwohner 1982, 20.753 im Jahr 1990, 19.624 im Jahr 1999, 19.147 im Jahr 2008 und 16.942 im Jahr 2019.
Heute prägen Dienstleistungssektor, Fremdenverkehr, Verwaltung und Bistum die Stadt. Zu den wichtigen Zielen gehören das ehemalige Schlachtfeld, Soldatenfriedhöfe und Museen der Umgebung, das Stadtzentrum mit dem Kai an der Maas sowie die Kathedrale und das Weltfriedenszentrum im ehemaligen Bischofspalast. Jeden Sommer stellt das Schauspiel Des Flammes à la Lumière Ereignisse der Schlacht von 1916 dar; englische und deutsche Simultanübersetzungen sind über Kopfhörer verfügbar. Eine lokale Spezialität sind Dragées de Verdun: Bis zum 18. Jahrhundert enthielten sie Aniskörner, später Mandeln; in Frankreich werden sie zu Taufen und Hochzeiten verschenkt. Der Bahnhof Verdun liegt an der Kreuzung der Strecken Saint-Hilaire-au-Temple–Hagondange und Lérouville–Pont-Maugis.