Das Video kommt von YouTube: erst beim Abspielen verbindet sich die Seite mit YouTube (Google).
Die Schlacht von Verdun 1916
Das Wichtigste aus dem Video
Tipp auf eine Zeit – das Video springt genau dorthin.
Transkriptautomatisch erstellt · 116 Zeilen
- In diesem Video geht es um eine Schlacht, die zum Mythos geworden ist?
- Die Schlacht von Verdun. Die erste und eine der blutigsten Schlachten des Ersten Weltkriegs.
- Klar ist, dass hundert Tausende junge deutsche und Franzosen bei Verdun ihr Leben lassen.
- Nicht so ganz klar ist, warum diese Schlacht überhaupt geschlagen wird. Wie es zur "Hölle von Verdun" kam,
- welchen Verlauf die Schlacht genommen hat und welche Folgen sie hatte.
- Alles das erklären wir euch jetzt. (Aufziehen, Bimmeln)
- Die Schlacht um Verdun. Lasst euch nicht von dem Begriff "Schlacht" irreführen.
- Normalerweise versteht man ja unter einer Schlacht ein Ereignis, das in mehreren Stunden erledigt ist.
- Vielleicht nach drei Tagen. Aber die Schlacht dauert mehr als 300 Tage.
- Vom 21. Februar bis zum 19. Dezember 1916. In dieser schier ewigen Schlacht
- werden so viele Menschen getötet und verwundet, werden so viele Granaten und Munitionen verschossen
- wie noch nie zuvor in der Geschichte. 25 Millionen Sprenggranaten und 100.000 Giftgasgranaten
- gehen auf die Soldaten nieder. Jeden Tag sterben mehr als 1.000 Mann.
- Mehr noch werden verwundet, oft verstümmelt - jeden Tag. Die durchschnittliche Lebenserwartung beträgt zwei Wochen.
- Kein Wunder, dass die Soldaten von einer Knochenmühle oder von der Hölle sprechen.
- Wie kommt es zu dieser Schlacht? Ende 1915 ist die Lage im Ersten Weltkrieg
- für die Deutschen und ihre Verbündeten schlecht. Zwar haben sie in den vergangenen Monaten einige Siege errungen,
- aber das lag vor allem daran, dass die Alliierten damals, Briten, Franzosen, Italiener und Russen,
- ihre Militäraktionen nicht ausreichend koordinierten. Zahlenmäßig waren die Deutschen klar unterlegen.
- Auch in der Rüstung, in der Waffen- und Munitionsproduktion fallen sie zurück.
- Zum Kriegsverlauf haben wir bereits ein Video, findet ihr oben und in der Infobox.
- Um die Niederlage abzuwenden, entwickelt der deutsche General Erich von Falkenhayn einen Plan.
- Er will den Feind mit einer Offensive so sehr schwächen, dass der den Krieg nicht mehr fortführen kann.
- So erzählt es Falkenhayn zumindest nach dem Krieg. Mit einem gewaltigen Angriff will der General
- eine gut zu verteidigende Stellung erobern und dann die Franzosen dagegen anrennen lassen.
- Bis sie am Ende erschöpft sind. Der Gegner soll regelrecht ausbluten.
- Für diesen Plan wählt er den Ort Verdun, eine der wichtigsten französischen Verteidigungsanlagen.
- Ein Köder, damit die Franzosen sich in eine nicht zu gewinnende Schlacht stürzen.
- Sie sollen so schwere Verluste erleiden, dass sie nicht mehr weiterkämpfen können.
- Es ist wahrscheinlicher, dass die Zivilbevölkerung einen Friedensschluss verlangt, weil die Opfer zu groß sind.
- Das ist die militärische Idee hinter der Schlacht von Verdun. Von Falkenhayn setzt darauf,
- Tausende und Abertausende der eigenen Männer zu opfern, um möglichst viele der Gegner zu töten.
- Wie gesagt, so stellt es der General nach dem Ersten Weltkrieg dar. Zur Zeit des Krieges wird behauptet,
- dass man mit dem Angriff den Stellungskrieg beenden will, um wieder in die Offensive zu kommen.
- Im Ersten Weltkrieg liegen sich die Feinde in Schützengräben gegenüber,
- die Front verschiebt sich nur um ein paar Meter. Der Krieg wird zu einer Materialschlacht.
- Wer mehr Männer und Munition hat, bleibt am Ende übrig und ist Sieger. Das ist die Logik.
- Die Schlacht von Verdun wird daran nichts ändern. Einige Historiker meinen,
- von Falkenhayn habe die erste Begründung, die mit dem Ausbluten, nur erfunden, um den militärischen Misserfolg kleinzureden.
- Wie läuft die Schlacht ab? Am 21. Februar 1916 donnern mehr als 1.500 deutsche Kanonen los.
- 40 Divisionen stehen zum Angriff bereit, gegen neun französische Divisionen.
- Deutsche Stoßtrupps greifen unter dem Schutz der Artillerie verschiedene Forts an, also Befestigungsanlagen
- rund um die Stadt Verdun an. Vier Tage später ist das Fort Douaumont eingenommen.
- Im Mai erobern die Deutschen die Höhenstellung "Toter Mann" und Höhe 304.
- Der Vormarsch geht dabei viel langsamer voran, als die Befehlshaber erhofft haben.
- Denn die Franzosen schießen natürlich auch mit Artillerie zurück, um ihre Stellungen zu verteidigen.
- Die Eroberungen führen zu erheblichen Verlusten. Genau das ist ja in der Strategie der Deutschen auch einkalkuliert.
- Wenn man die gut zu verteidigenden Höhenzüge erobert hat, will man selbst auf der günstigen Seite sitzen.
- So wird erbittert um jedes Dorf, jedes Fort und jede Anhöhe gekämpft. Die Granaten pflügen den Boden regelrecht um.
- In der Gegend schließt ein Bombenkrater an den nächsten an. Die Tausenden Toten verwesen auf dem Schlachtfeld.
- Ratten laufen in den Schützengräben herum und Krankheiten verbreiten sich.
- Der erbarmungslose Dauerbeschuss, der grausame Nahkampf, die ständige Angst vor dem Tod.
- Was die Soldaten körperlich und psychisch erleben, das können wir uns heute kaum vorstellen.
- Tagebücher und Briefe geben zumindest einen Eindruck. Der französische Soldat Gaston Biron
- schreibt am 18. April 1916 an seine Mutter: Gaston Biron wird die Schlacht nicht überleben.
- Er wird wenige Monate später verwundet und stirbt nach dreitägigem Todeskampf.
- Zitate wie dieses zeigen: Verdun ist wirklich die Hölle. Und es ist erst der Anfang.
- Am 11. Juli bleibt der deutsche Angriff stecken. Die wichtigen Stellungen sind nur zum Teil erobert.
- Jetzt greifen die Franzosen an. Meter für Meter erobern sie das, was sie verloren haben, zurück,
- bis auch sie am 19. Dezember erschöpft sind. Dass die Franzosen überhaupt so lange durchhalten,
- verdanken sie dem französischen General Philippe Pétain. Seine Taktik verhindert, dass das Kalkül der Deutschen aufgeht.
- Pétain nämlich führt ständig neue Truppen heran und tauscht die Soldaten immer wieder aus.
- So stellt sich lange kein Gefühl der übergroßen Erschöpfung ein, es kommt keine Resignation auf.
- Etwa zwei Drittel aller französischen Soldaten kämpft im Verlauf der Schlacht bei Verdun mit.
- Die Deutschen dagegen füllen immer nur ihre Lücken auf. Während der Name Verdun in Frankreich für ein gemeinsames Opferbringen,
- für das Durchhalten gegen alle Höllenqualen steht, bedeutet Verdun in Deutschland ein Loch ohne Boden,
- wo Abertausende junge Männer verschwinden. Ein sinnloses Opfer.
- Zu Pétain haben wir ein Video, das empfehle ich euch sehr. Ist oben auf dem "i" oder in der Infobox.
- Er wird nach dem Ersten Weltkrieg als Held von Verdun verehrt, aber der Mythos bröckelt schnell.
- Er hat im Zweiten Weltkrieg wieder den Oberbefehl über französische Truppen,
- kollaboriert aber nach der Niederlage mit den Nationalsozialisten. Er regiert im von der Wehrmacht unbesetzten Teil Frankreichs
- wie ein Diktator. Nun wieder zurück ins Jahr 1916.
- Welches Ergebnis hat die Schlacht von Verdun? Elend, Leid und Not.
- Ruinen, Krater, verwüstete Landschaft. Deutsche und Franzosen haben am Ende der Schlacht
- 700.000 Tote, Vermisste und Verwundete zu beklagen. Aber die Geländegewinne sind lächerlich
- und völlig unbedeutend. Die Schlacht hat praktisch keinen militärischen Nutzen.
- Sie ist keine entscheidende Schlacht des Krieges. Aber bei Verdun wird einiges ausprobiert, das neu ist.
- Die Deutschen setzen hier erstmals neue Waffen und Geräte ein. Zum Beispiel Giftgas.
- Das wird zwar nicht zum allerersten Mal angewendet, aber es wird zum ersten Mal mit Granaten verschossen.
- Das Gas ist gar nicht so wirksam, wie es immer dargestellt wird. An Giftgas zu sterben oder davon verwundet zu werden ist grausam.
- Aber nur relativ wenige Soldaten werden getroffen. Gas ist eben sehr flüchtig.
- Trotzdem eine fürchterliche Waffe, keine Frage. Eine weitere grausame Waffe ist der Flammenwerfer,
- der gegen die Bunker der Franzosen bei Verdun eingesetzt wird. Das brennende Öl, das lässt sich mit den Bunkern nicht abhalten.
- Es dringt durch jede Ritze ein. Eine dritte Neuerung ist der Stahlhelm,
- der die Pickelhaube aus Leder ersetzt, die die Deutschen noch zu Beginn des Krieges tragen.
- Der schützt relativ gut vor Granatsplittern und herumfliegendem Gestein, sodass ihn bald alle Armeen nutzen.
- Gas, Flammenwerfer, Stahlhelm. Drei Waffen und Ausrüstungsgegenstände,
- die zum Symbol der modernen Kriegsführung werden. Auch dafür steht Verdun.
- Die moderne Welt, die Errungenschaften der Technik und die industrielle Produktionsweise wenden sich gegen den Menschen.
- Der einzelne Soldat ist selbst nur noch Material in einer Schlacht. Verdun zeigt, dass es völlig egal ist,
- ob man einen Schuss abgibt oder 100.000, dass es egal ist, ob einer stirbt oder 100.000,
- es ändert nichts an der menschenverachtenden militärischen Logik
- des modernen Krieges. Es ändert offenbar auch nichts daran, wer gewinnt oder verliert.
- Was ist das Erbe von Verdun? In Frankreich sieht man in der Schlacht
- lange den Wendepunkt des Krieges, der zum Sieg führt. Aber schon bald wird Verdun zum Symbol für den Ersten Weltkrieg.
- Anfangs für heldenhafte Aufopferung, später für das sinnlose und lebensverachtende Verheizen von Menschen.
- In den 1980er-Jahren erhält Verdun ein weiteres Sinnbild. Und zwar für die Aussöhnung der ehemaligen angeblichen Erzfeinde
- Frankreich und Deutschland. Das kommt so:
- 1984 jährt sich die Landung der Alliierten in der Normandie im Zweiten Weltkrieg zum 40. Mal.
- Dieses Jubiläum wollen die ehemaligen Alliierten noch ohne Deutschland feiern.
- Zum Ausgleich wird aber ein gemeinsames deutsch-französisches Gedenken organisiert.
- Das findet in Verdun statt. Der französische Präsident und der deutsche Bundekanzler Helmut Kohl
- verneigen sich am 22. September 1984 gemeinsam vor den Toten des Krieges.
- Um zu zeigen, dass man aus der Geschichte lernen kann, wie Kohl in seiner Autobiografie schreibt.
- Er schreibt weiter, dass Mitterrand spontan seine Hand ergriff, wobei dieses Foto hier entsteht.
- Im Fragenkatalog zur deutschen Einbürgerung wird das Bild auch gezeigt.
- Es wird gefragt, was es bedeutet. Ich finde, es ist wirklich eine starke Geste. Kann man so sagen.
- Heute ist Verdun ein Mythos. Im Guten wie im Schlechten.
- Es ist wichtig, dass wir begreifen, wie zynisch und menschenverachtend die Logik des Krieges ist.
- Und wie lange es dauert, bis man sie überwindet und zur Versöhnung kommt.
- Deshalb die Frage an euch: Was empfindet ihr denn, wenn ihr den Begriff Verdun hört?
- Welche Lehren müssen wir daraus ziehen? Kommentiert gerne.
- Falls ihr mehr über das Ende und die Folgen des Ersten Weltkrieges wissen wollt,
- findet ihr hier ein Video zum Versailler Vertrag. In dem Video von Terra X erklären wir euch ausführlicher
- den Verlauf des Krieges und was in den 1910er-Jahren noch Wichtiges passiert ist.
- Danke und bis zum nächsten Mal.
Zum Nachlesen
1914Das Jahr 1914 stellt in mehrfacher Hinsicht eine historische Zäsur dar. Das Attentat von Sarajevo, bei dem serbische Nationalisten den österreichisch- …
1918Die Novemberrevolution stürzt das Deutsche Kaiserreich und führt in die Erste Republik. Kaiser Wilhelm II. geht ins Exil.
DeutschlandDeutschland (; Vollform des Staatsnamens: Bundesrepublik Deutschland) ist ein Bundesstaat in Mitteleuropa. Es besteht aus 16 Ländern und ist als …
Erster WeltkriegDer Erste Weltkrieg war ein bewaffneter Konflikt, der von 1914 bis 1918 in Europa, Vorderasien, Afrika, Ostasien und auf den Ozeanen geführt wurde.