Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand
Schlacht um Verdun
Die Schlacht um Verdun fand an der Westfront des Ersten Weltkrieges zwischen Deutschland und Frankreich statt. Sie begann am 21. Februar 1916 und endete am …
Inhalt6 Abschnitte
Kern und Bedeutung
Die Schlacht um Verdun war eine der wichtigsten Materialschlachten des Ersten Weltkrieges an der Westfront. Sie fand vom 21. Februar bis zum 19. Dezember 1916 bei Verdun in Frankreich zwischen dem Deutschen Reich und der Dritten Französischen Republik statt. Der deutsche Versuch, die Festung Verdun zu erobern, scheiterte; der Ausgang gilt als französischer Sieg.
Verdun wurde zum Symbol für die tragische Ergebnislosigkeit des Stellungskriegs. Nach der deutschen Niederlage an der Marne und dem anschließenden „Wettlauf zum Meer“ war aus dem Bewegungskrieg ein Stellungskrieg geworden: Beide Seiten lagen in langen Grabensystemen von Flandern bis zur Schweiz. Die deutsche Oberste Heeresleitung wollte mit einem Angriff auf Verdun die strategische Initiative zurückgewinnen und den Krieg an der Westfront wieder in Bewegung bringen.
Die Schlacht wurde später in Deutschland und Frankreich als Sinnbild für die extreme Zermürbung durch Artillerie, Gräben, Massenangriffe und hohe Verluste erinnert. Heute gilt Verdun auch als Mahnmal gegen Krieg und als Zeichen der deutsch-französischen Aussöhnung.
Planung und Ausgangslage
Erich von Falkenhayn legte kurz vor Weihnachten 1915 ein Memorandum vor, in dem er einen Weg zum Sieg über die Entente beschrieb. Er sah Großbritannien als treibende Kraft der Triple Entente. Da andere Kriegsschauplätze aus seiner Sicht weniger geeignet waren, blieb Frankreich als Ziel einer Offensive. Falkenhayn hoffte, dass ein Zusammenbruch des französischen Widerstands auch den Rückzug britischer Streitkräfte nach sich ziehen würde.
Als Angriffsziel wählte die deutsche Seite Verdun statt Belfort. Verdun lag militärisch günstig für die deutsche 5. Armee unter Kronprinz Wilhelm: Nach den Kämpfen von 1914 bei Saint-Mihiel bestand ein deutscher Frontkeil, der es ermöglichte, Verdun von drei Seiten zu bedrohen. Der deutsche Plan sah zunächst einen Angriff am Ostufer der Maas vor. Ein gleichzeitiger Angriff auf beiden Seiten des Flusses wurde verworfen, weil Falkenhayn das Risiko einer ungeschützten Flanke für zu groß hielt.
Verdun war seit 1874 nach dem Deutsch-Französischen Krieg durch einen Ring aus 40 Forts und 20 Werken befestigt worden. Wichtige Anlagen waren unter anderem Fort Douaumont, Fort Vaux, Fort Souville, Fort Tavannes, Belleville und St. Michel. Obwohl schwere deutsche Haubitzen Anfang 1915 gezeigt hatten, dass die Forts direkten Treffern standhalten konnten, hatte das französische Oberkommando unter Joseph Joffre begonnen, Verdun teilweise abzubauen. General Philippe Pétain änderte diese Einschätzung später wieder und ließ die Verteidigungsanlagen erneut stärken.
Beginn der Kämpfe
Die deutsche Offensive wurde sorgfältig vorbereitet. Militäringenieure bauten neue Bahnlinien und Bahnhöfe; Dörfer wurden geräumt oder für Unterkünfte und militärische Einrichtungen genutzt. Auf über 13 Kilometern wurden 1.220 Geschütze mit einem Vorrat von 2,5 Millionen Granaten zusammengezogen. Am ersten Angriffstag sollten am Ostufer der Maas sechs Divisionen angreifen, unterstützt von weiteren Verbänden und von der Artillerie am Westufer.
Die französische Führung erkannte die Gefahr spät. General Frédéric Herr warnte vor einem Angriff, doch Joffre hielt die Bedenken zunächst für unbegründet. Erst abgefangene Hinweise, Berichte des Deuxième Bureau, Deserteursaussagen und andere Alarmzeichen führten zu Verstärkungen. Am 12. Februar schickte Joffre zusätzliche Korps und Reservedivisionen nach Verdun.
Am Morgen des 21. Februar 1916 eröffneten 1.220 deutsche Geschütze gleichzeitig das Feuer auf französische Stellungen und das Hinterland. Um 17 Uhr begann die erste Angriffswelle. Deutsche Pioniere und Sturmtrupps setzten unter anderem Flammenwerfer ein; dies gilt als erster größerer Einsatz dieser Waffe. In den folgenden Tagen eroberten deutsche Truppen unter hohen Verlusten Orte und Stellungen wie Haumont-près-Samogneux, Brabant, Herbebois, Höhe 344, Vaux-Kreuz und Teile der Wälder Caures, Chaume und Wavrille. Am 25. Februar gelang die überraschende Einnahme von Fort Douaumont, dessen französische Besatzung sich ohne Kampf ergab.
Verteidigung und Zermürbung
Nach seiner Ankunft wurde Philippe Pétain am 26. Februar zum Oberbefehlshaber von Verdun ernannt. Er wollte das Ostufer der Maas halten und baute statt einer ständigen Offensive eine „position de barrage“ auf, also einen tief gegliederten Verteidigungswall entlang der Forts. Zwischen dem 27. Februar und dem 6. März entstanden vier Verteidigungslinien. Außerdem organisierte Pétain den Nachschub über die Straße von Bar-le-Duc nach Verdun, die zweispurig ausgebaut wurde. Zwischen dem 28. Februar und dem 6. März transportierten 3.900 Fahrzeuge etwa 190.000 Soldaten und 25.000 Tonnen Nachschub in den bedrohten Frontbereich; bis Mitte 1916 stieg die Zahl der französischen Lastkraftwagen auf rund 12.000.
Im März und April entwickelten sich die Kämpfe zu einer extrem verlustreichen Abfolge von Angriffen und Gegenangriffen. Auf dem Westufer der Maas versuchten deutsche Truppen, wichtige Höhen wie Côte de l’Oie, Côte de Poivre, Höhe 304 und den „Toten Mann“ zu nehmen, weil französische Artillerie von dort den deutschen Vormarsch am Ostufer bedrohte. Auf dem Ostufer wurde heftig um Fort Vaux und die Umgebung gekämpft. Wiederholt meldete die deutsche Seite Erfolge oder versuchte Sturmangriffe, doch viele Angriffe scheiterten unter hohen Verlusten.
Im Mai verlagerte sich der Schwerpunkt erneut auf Mort Homme, Höhe 304 und Fort Douaumont. Am 8. Mai 1916 kam es im Inneren von Fort Douaumont zu einem schweren Explosionsunglück, bei dem mindestens 679 Deutsche starben und etwa 1.800 verletzt wurden. Französische Versuche unter General Charles Mangin, Fort Douaumont zurückzuerobern, scheiterten zunächst. Im Juni wurde Fort Vaux nach mehreren Angriffen am 8. Juni von deutschen Truppen eingenommen. Gleichzeitig erhöhte die Brussilow-Offensive ab dem 4. Juni den Druck auf die deutsche Oberste Heeresleitung, weil Truppen an die Ostfront verlegt werden mussten.
Wendepunkt und französische Gegenoffensive
Ab Juli verschlechterten sich die deutschen Möglichkeiten weiter, weil am 1. Juli 1916 die Schlacht an der Somme begann und die Oberste Heeresleitung Artillerie und Infanterie von Verdun abziehen musste. Trotzdem versuchte die deutsche Seite noch einmal, Fort Souville zu erobern, das Verdun überblickte. Am 12. Juli erreichten deutsche Truppen nach schwerem Beschuss den Bereich des Forts, mussten den Angriff aber etwa 500 Meter vor dem Ziel aufgeben. Das war der weiteste deutsche Vorstoß in Richtung Verdun. Danach befahl Falkenhayn die Einstellung weiterer Offensivbemühungen.
Im August wurde deutlich, dass ein Durchbruch unrealistisch geworden war. Kronprinz Wilhelm bat um die Abberufung des Stabschefs Schmidt von Knobelsdorf; dessen Nachfolger wurde Walther von Lüttwitz. Nach dem Kriegseintritt Rumäniens auf Seiten der Entente am 28. August wurde Falkenhayn durch Paul von Hindenburg ersetzt. Hindenburg ordnete an der Westfront die Beendigung aller Offensivaktionen bei Verdun an.
Am 4. September 1916 starben 474 französische Soldaten bei einer Explosionskatastrophe im Tunnel Tavannes. Der Tunnel war seit Beginn der Schlacht als Unterkunft, Lazarett und Waffenlager genutzt worden; Munition explodierte nach einem Feuer am Westportal.
Im Oktober begannen die Franzosen eine große Gegenoffensive am rechten Maasufer. Fort Douaumont wurde ab dem 19. Oktober schwer beschossen, unter anderem mit zwei 400-mm-Schneider-Creusot-Eisenbahngeschützen. Am 24. Oktober griffen drei französische Divisionen an und eroberten unter anderem die Steinbrüche von Haudromont, die Redoute Thiaumont, Fort Douaumont, Teile des Waldes von Caillette und weitere Stellungen. Fort Vaux wurde am 1. November von den Deutschen geräumt. Am 16. Dezember folgte ein letzter französischer Großangriff, bei dem Louvemont und Bezonvaux erobert und deutsche Verbände bei Douaumont über drei Kilometer zurückgedrängt wurden. Am 20. Dezember verkündete Robert Nivelle den Sieg.
Folgen, Verluste und Erinnerung
Der französische Sieg bezog sich vor allem auf das rechte Maasufer. Auf der westlichen Seite hielten deutsche Truppen weiterhin Höhe 304, Le Mort Homme und weitere Orte; die endgültige Räumung dauerte bis zum Kriegsende. Die Bewertung der Schlacht war lange umstritten. Deutsche Militärkritiker machten häufig Falkenhayn verantwortlich und warfen ihm begrenzte Offensiven, Zermürbungsdenken und Unentschlossenheit vor. In Frankreich wurde Verdun dagegen zu einem Ort nationaler Erinnerung: Wenn Verdun bedroht war, galt auch Frankreich als bedroht.
Insgesamt wurden bei Verdun 125 Divisionen eingesetzt: 50 deutsche und 75 französische. Bei einer durchschnittlichen Divisionsstärke von 15.000 bis 18.000 Mann waren etwa 2 Millionen Soldaten beteiligt. Die genaue Zahl der Toten und Verwundeten ist nicht endgültig geklärt. Die meisten Angaben nennen 377.000 bis 540.000 französische Verluste und 337.000 bis 434.000 deutsche Verluste.
Das Schlachtfeld verwandelte sich durch den massiven Artillerieeinsatz in eine Kraterlandschaft. Wälder bestanden oft nur noch aus Baumstümpfen. Dauerbeschuss begrub Soldaten lebendig oder legte Leichen wieder frei. Im Sommer lag Leichengeruch über dem Gelände, im Winter standen Soldaten in eisigem Wasser oder Schlamm. Hunger, Durst, verseuchtes Regenwasser, Gasmasken, schlechte Hygiene, Ratten und Läuse prägten den Alltag. Deutsche und Franzosen nannten Verdun deshalb „Blutpumpe“, „Knochenmühle“ oder „die Hölle“. Heute erinnert unter anderem das Mémorial de Verdun an die Schlacht.