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Veganismus

Veganismus ist eine aus dem Vegetarismus hervorgegangene Ernährungs- und Lebensweise. Veganer verzichten auf alle Nahrungsmittel tierischen Ursprungs.

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Kern des Veganismus
  2. 2. Entwicklung und Verbreitung
  3. 3. Motive und Folgen für Umwelt und Ernährung
  4. 4. Ernährung, Nährstoffe und Gesundheit
  5. 5. Bewertung, Lebensmittel und Haustiere

Kern des Veganismus

Veganismus ist eine aus dem Vegetarismus hervorgegangene Ernährungs- und Lebensweise. Veganer verzichten auf alle Lebensmittel tierischen Ursprungs. Manche vermeiden zusätzlich andere Tierprodukte, etwa Leder, und lehnen Formen der Tiernutzung wie Tierversuche ab. Begründet wird dies mit Tierethik, Umwelt- und Welthungeraspekten, Gesundheit oder Religion.

Die Vegan Society definiert Veganismus seit 1988 als Philosophie und Lebensweise, die – „so weit wie möglich und praktisch durchführbar“ – Ausbeutung und Grausamkeiten an Tieren für Essen, Kleidung und andere Zwecke vermeiden und tierfreie Alternativen fördern will. Für die Ernährung bedeutet das den Verzicht auf alle ganz oder teilweise vom Tier gewonnenen Produkte. Donald Watson prägte 1944 das Wort „vegan“ aus Anfang und Ende von „vegetarian“; 1950 wurde Veganismus zunächst als Leitsatz formuliert, ohne Ausbeutung von Tieren zu leben. Wörterbücher beschreiben Veganer heute sowohl als strenge Vegetarier ohne tierische Lebensmittel als auch als Menschen, die tierische Produkte insgesamt nicht verwenden.

Entwicklung und Verbreitung

Vorläufer gab es in vegetarischen und lebensreformerischen Bewegungen. 1847 entstand in Manchester die Vegetarian Society. Donald Watson gründete 1944 in Birmingham die Vegan Society, nachdem eine eigene Rubrik für Menschen, die auch Eier und Milchprodukte ablehnten, verweigert worden war. Ihr Manifest schloss Fleisch, Fisch, Geflügel, Eier, Honig, Tiermilch, Butter und Käse aus und wollte Alternativen zu tierischen Rohstoffen fördern. Seit 1994 ist der 1. November Weltvegantag.

Seit den 1970er Jahren wurden pflanzenbasierte Ernährung auch mit Hunger in Entwicklungsländern und Umweltbelastungen der Tierproduktion begründet. Die Tierrechtsdebatte gewann durch Peter Singers Animal Liberation (1975) und Tom Regans The Case for Animal Rights (1983) an Bedeutung. In Deutschland wurde Veganismus in den 2010er Jahren zu einem breiteren Trend; das Bundeszentrum für Ernährung ordnete „Vegane und pflanzenbasierte Ernährung“ 2022 auf Platz 2 der wichtigsten Ernährungstrends ein. Ernährungsempfehlungen und Tagebücher auf YouTube sind dabei meist nicht wissenschaftlich fundiert.

Die Angaben zur Verbreitung unterscheiden sich je nach Erhebung: In Deutschland lebten 2020 etwa 1,1 Millionen Menschen über 14 Jahre weitgehend ohne Tierprodukte oder mit Selbstbezeichnung vegan. Der Ernährungsreport nannte 2020 1 % und 2021 2 %, eine Forsa-Umfrage 2023 3 %; das Max-Rubner-Institut ermittelte 2025 unter mehr als 3.000 online Befragten von 18 bis 80 Jahren 1 %. Für Österreich reichen Angaben von etwa 80.000 Veganern über 16 Jahren 2018 über 5 % 2023 bis 1,4 % in einer Marketagent-Umfrage 2024. In der Schweiz und Liechtenstein lagen die Werte bei 0,6 % 2021 und 0,7 % 2025. Für Israel werden 5 %, für das Vereinigte Königreich etwa 3 % und für die USA 2018 3 % genannt. Im Vereinigten Königreich umfasst eine Erhebung 2025 auch „pflanzenbasierte“ Ernährungsformen, die nicht zwingend vegan sind.

Motive und Folgen für Umwelt und Ernährung

Ein zentrales ethisches Motiv ist, vermeidbares Tierleid zu vermeiden. Singer vertritt die Ansicht, das Leid jedes Wesens müsse berücksichtigt werden; der Ausschluss nichtmenschlicher Tiere vom Gleichheitsprinzip sei willkürlich. Andere Ansätze betonen Empfindungsfähigkeit, Bewusstsein, soziale Fähigkeiten oder einen inhärenten Wert bestimmter Tiere als „Subjekte eines Lebens“. Der Begriff Speziesismus kritisiert, Rechte allein aufgrund der Artzugehörigkeit zu- oder abzuerkennen. Diese tierethischen und tierrechtlichen Argumente bleiben kontrovers. Ethisch motivierte Veganer nennen etwa Tiertransporte, Massentierhaltung, Schlachtungen, die Trennung von Kälbern, die Tötung männlicher Küken und Haltungsbedingungen als Gründe. Teilweise verzichten sie deshalb auch auf Pelz, Wolle, Daunen, Seide, Honig oder tierversuchsgetestete Kosmetik und kritisieren Zoos, Delphinarien und Zirkusse.

Studien beschreiben geringere Umweltbelastungen pflanzlicher Ernährung. Eine Studie von 2019 errechnete für vegane Ernährung durchschnittlich 50 bis 73 % weniger ernährungsbedingte Treibhausgase, 76 % weniger landwirtschaftlichen Flächenverbrauch sowie je 50 % weniger Bodenversauerung und Eutrophierung. Nach einer deutschen Vergleichsrechnung können durchschnittlich rund 1,1 Tonnen Treibhausgasemissionen pro Person und Jahr eingespart werden. Andere dargestellte Vergleichswerte gegenüber der tatsächlichen Ernährung in Deutschland 2006 lauten: Flächenbedarf −50 %, Ammoniakemissionen −89 %, Treibhausgasemissionen −53 %, Phosphorbedarf −63 % und Primärenergiebedarf −30 %; der Wasserbedarf liegt dabei bei +108 %. Eine weltweite Abkehr von Fleisch und Milchprodukten könnte Land in der Größe der USA, der EU, Chinas und Australiens freisetzen; durch Renaturierung könnten jährlich 8 Milliarden Tonnen CO₂ eingelagert werden. Eine Studie von 2022 betont, dass bereits eine Halbierung tierischer Produkte in reichen Ländern große Effekte haben könne.

Als Beitrag zur Welternährung wird auf die niedrige Futterkonversionsrate der Tierproduktion verwiesen. Edward O. Wilson zufolge könnte die derzeit landwirtschaftlich nutzbare Fläche bei ausschließlich vegetarischer Ernährung etwa 10 Milliarden Menschen versorgen. Vegan orientierte Organisationen empfehlen diese Lebensweise zudem zur Verringerung von Risiken durch Antibiotikaresistenzen, die auch mit Antibiotika in der Tiermast zusammenhängen.

Ernährung, Nährstoffe und Gesundheit

Die Angaben zur Nährstoffversorgung beziehen sich auf gesunde Erwachsene; Schwangerschaft, Kindheit und Leistungssport haben eigene Anforderungen. Bei Veganern gelten Ballaststoffe, Magnesium, Vitamin E, günstige Fettsäureprofile und sekundäre Pflanzenstoffe wie Carotinoide meist als unkritisch. Cholesterin muss nicht zugeführt werden, weil der Körper es selbst bildet; es kommt nur in tierischen Lebensmitteln vor.

Potenziell kritisch sind Calcium, Eisen, langkettige n-3-Fettsäuren, Protein, Selen, Vitamin D und Zink. Calcium kann durch kalziumreiche, oxalsäurearme pflanzliche Lebensmittel, angereicherte Pflanzenmilch und kalziumreiches Mineralwasser gedeckt werden. Pflanzliches Eisen ist ausschließlich Nicht-Hämeisen und schlechter verfügbar; Hülsenfrüchte, Ölsamen, Nüsse, Vollkorn, bestimmte Gemüse und Trockenfrüchte können beitragen. Der Proteinbedarf Erwachsener von etwa 0,8–1 g/kg Körpergewicht lässt sich beispielsweise mit Reis, Quinoa, Linsen, Bohnen, Nüssen, Nussmus und Sojaprodukten decken. Selen in Pflanzen schwankt stark nach Anbaugebiet. Vitamin D kann bei ausreichender Sonnenexposition in der Haut gebildet werden; vegane Nahrungsquellen sind unter anderem Avocados, Pilze und UV-B-behandelte Zuchtchampignons.

Als kritische Nährstoffe gelten besonders Jod und Vitamin B₁₂. Veganer haben häufiger eine zu geringe Jodzufuhr. Vitamin B₁₂ wird für Zellteilung, Blutbildung und Nervensystem benötigt; nach etablierter Fachmeinung liefert pflanzliche Nahrung dafür keine ausreichenden verwertbaren Mengen. Große ernährungswissenschaftliche Organisationen empfehlen daher allen Veganern B₁₂ aus angereicherten Lebensmitteln oder Supplementen sowie regelmäßige Kontrolle des Status.

Studien zeigen bei Veganern unter anderem einen niedrigeren durchschnittlichen Body-Mass-Index und niedrigere Hypertonieraten. In einer 22-wöchigen Studie 2006 konnten bei 43 % von 50 Personen mit Typ-2-Diabetes unter einer fettarmen veganen Diät Medikamente reduziert werden, gegenüber 23 % in der Vergleichsgruppe nach Empfehlungen der American Diabetes Association. Eine Metaanalyse fand bei Veganern gegenüber regelmäßigen Fleischessern ein um 26 % niedrigeres Sterberisiko durch koronare Herzkrankheit. Eine Metaanalyse von 2017 ergab ein um 15 % geringeres Krebsrisiko gegenüber Nichtvegetariern. Zugleich zeigte die EPIC-Studie bei Veganern ein um 30 % höheres Knochenbruchrisiko; ab mindestens 525 mg Calcium täglich verschwand der Unterschied.

Bewertung, Lebensmittel und Haustiere

Die Empfehlungen wissenschaftlicher Organisationen sind nicht vollständig einheitlich. Die Eidgenössische Ernährungskommission erklärte 2018, eine gut geplante und supplementierte vegane Ernährung könne den Bedarf theoretisch decken, Nährstoffmängel seien aber in der Praxis verbreitet. Sie hält sie für ernährungskompetente gesunde Erwachsene sowie bestimmte Patienten mit Typ-2-Diabetes oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen für akzeptabel, empfiehlt sie aber nicht für Schwangere, Stillende, Kinder, Jugendliche und besondere Erwachsenengruppen ohne medizinische Beratung und Überwachung.

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) beurteilt 2024 eine gut geplante, ausgewogene vegane Ernährung mit B₁₂-Präparat und Abdeckung aller potenziell kritischen Nährstoffe für gesunde Erwachsene als gesundheitsfördernd. Für Kinder, Jugendliche, Schwangere, Stillende und Senioren spricht sie wegen begrenzter Daten weder eine eindeutige Empfehlung dafür noch dagegen aus, rät aber dringend zu qualifizierter Beratung. Gemüse, Hülsenfrüchte, Obst, Nüsse, Samen, hochwertige Pflanzenöle und Vollkornprodukte gelten als vorteilhaft; stark verarbeitete vegane Produkte mit viel Zucker, Fett oder Salz nicht. BDA, Academy of Nutrition and Dietetics und australischer National Health and Medical Research Council bewerten angemessen geplante pflanzliche Ernährungsweisen grundsätzlich als möglich beziehungsweise gesund, nennen aber ebenfalls unter anderem Calcium, Omega-3-Fettsäuren, Vitamin D, Jod, B₁₂, Eisen, Zink, Selen und Protein als zu beachtende Nährstoffe.

Für Lebensmittel lautet die deutsche Definition von 2016: Vegan sind Produkte ohne Erzeugnisse tierischen Ursprungs, bei denen auf allen Produktions- und Verarbeitungsstufen keine tierischen Zutaten, Zusatz- oder Verarbeitungshilfsstoffe verwendet wurden. Dies ist für Käufer oft schwer erkennbar, etwa bei Gelatine zur Filtration von Wein oder Fruchtsaft. Nichtstaatliche Siegel wie V-Label, Vegan-Society- und Vegan.org-Kennzeichen sollen Orientierung geben; staatliche Kontrollen für Siegel und Herstellerkennzeichnungen finden nicht statt. Fleischalternativen liefern laut einer Untersuchung 2017 meist hochwertiges pflanzliches Protein und weniger Fett sowie gesättigte Fettsäuren als Fleischprodukte, können aber viel Salz enthalten. Von übermäßigem Konsum hochverarbeiteter Ersatzprodukte wird abgeraten.

Eine Meta-Studie von 2023 hält kommerziell formuliertes veganes Futter für Hunde und Katzen grundsätzlich für möglich, wenn es ihren Nährstoffbedarf deckt, fordert jedoch bessere Studien. Der Deutsche Tierschutzbund hält rein vegane Katzenernährung dagegen aus Tierschutzsicht für nicht vertretbar, weil sie den ernährungsphysiologischen Grundbedürfnissen nicht entspreche.

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