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Tierethik
Die Tierethik ist eine Teildisziplin der Bioethik. Ihr Gegenstand sind die moralischen Fragen, die sich aus dem menschlichen Umgang mit Tieren ergeben.
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Gegenstand und Bedeutung
Tierethik ist eine Teildisziplin der Bioethik. Sie untersucht moralische Fragen, die aus dem menschlichen Umgang mit Tieren entstehen. Im Zentrum steht, ob und unter welchen Bedingungen Tiere für menschliche Interessen genutzt werden dürfen.
Sie fragt nach dem ethischen Status von Tieren: also danach, ob Tiere moralisch berücksichtigt werden müssen und welchen eigenen Wert oder welche Rechte sie haben können. Dabei wird auch geprüft, ob verbreitete moralische Vorstellungen über Tiere begründbar sind.
Ethische Grundansätze
Anthropozentrische Ethik stellt den Menschen in den Mittelpunkt; nichtmenschliche Tiere und Natur werden als Objekte behandelt. Dennoch können Pflichten gegenüber Tieren gelten. Bei Immanuel Kant bestehen direkte Pflichten nur gegenüber Menschen. Grausamkeit gegenüber Tieren lehnt er ab, weil sie Menschen abstumpfen und damit ihr Verhalten gegenüber anderen Menschen verschlechtern könne.
Pathozentrische Positionen machen die Leidensfähigkeit zum entscheidenden Kriterium: Leidensfähige Lebewesen sollen moralisch berücksichtigt werden. Biozentrische Positionen schreiben jedem Leben einen Eigenwert zu. Auch wenn Tierethik unterschiedliche Grundlagen hat, bleibt sie anthroporelational: Sie wird vom Menschen für den Menschen entworfen.
Wer moralische Verpflichtungen gegenüber Tieren bejaht, kann hierarchisch oder egalitaristisch argumentieren. Die hierarchische Position hält eine Nutzung von Tieren für menschliche Zwecke trotz ihrer moralischen Berücksichtigung für möglich. Die egalitaristische Position weist eine Vorrangstellung des Menschen und die daraus folgende Ungleichbehandlung zurück. Viele christlich-theologische Ansätze beziehen Tiere als Subjekte in die moralische Wertegemeinschaft ein, halten aber an einer Sonderstellung des Menschen fest; jüngere christliche Ansätze lehnen Tiernutzung und das hierarchische Mensch-Tier-Verhältnis ab.
Verhältnis zu Tierschutz und Umweltethik
Tierschutz geht grundsätzlich davon aus, dass Tiere dem Menschen nutzen dürfen. Ihre Behandlung soll dabei mehr oder weniger artgerecht sein.
Arten-, Natur- und Landschaftsschutz folgen umfassenderen umweltethischen Gesichtspunkten. Sie nehmen eine Verantwortung des Menschen für die gesamte Umwelt an, einschließlich Pflanzen, niederen Wesen sowie kulturräumlichen und geologischen Besonderheiten.
Tierethik wird als Teil einer ökologischen Ethik verstanden. Ihre Leitfrage entspricht einer zentralen Frage der ökologischen Ethik: Gibt es nichtmenschliche Träger intrinsischer Werte, also Werte, die nicht nur wegen ihres Nutzens für Menschen bestehen?
Entwicklung der Tierethik
Tierschutzvorschriften finden sich bereits in der Bibel; tierethische Argumente gab es in antiken Diskussionen über Vegetarismus und tierische Vernunft. Eine eigenständige Tierethik entstand jedoch erst in der Neuzeit. Im antiken Griechenland bestanden verschiedene Auffassungen zum moralischen Status der Tiere, darunter die verbreitete Ansicht, Tiere existierten zum Nutzen und Gebrauch des Menschen.
Jeremy Bentham betonte 1789 in An Introduction to the Principles of Morals and Legislation die Leidensfähigkeit als entscheidende Gemeinsamkeit von Menschen und Tieren: „the question is not, Can they reason? nor, Can they talk? but, Can they suffer?“. Henry Stephens Salt bejahte 1892 in Animal Rights Considered in Relation to Social Progress die Frage nach Tierrechten mit „Zweifellos, wenn Menschen sie haben.“
Die akademische Debatte über Tierrechte etablierte sich erst in den 1970er Jahren. Wichtige Anstöße waren Animals, Men, and Morals: An Enquiry into the Maltreatment of Non-Humans von Godlovitch und Harris (1971) sowie Peter Singers Animal Liberation (1975). Danach institutionalisierte sich Tierethik schrittweise als wissenschaftliche Disziplin und ist heute ein fester Bestandteil philosophischer Ethik.
Aktuelle Fragestellungen und Tierrechte
Tierethik untersucht moralische Konzeptionen, moralische Intuitionen und historische Aspekte des Mensch-Tier-Verhältnisses. Ein Problem ist der pauschale Begriff „das Tier“, der nicht zwischen niedrig- und hochentwickelten Organismen unterscheidet. Viele Tierethiker betrachten ihn als arbiträres Konstrukt, das in klassisch-abendländischen Philosophien vor allem zur Abgrenzung des Menschen als Nicht-Tier diente.
Aktuelle Diskussionen beziehen sich besonders auf als „unmenschlich“ kritisierte Formen der Tiernutzung: Massentierhaltung, Tiertransporte, Tierversuche und Zucht. In der Zucht können „richtende“ Urteile darüber gefällt werden, welche Kreaturen als „lebenswert“ gelten. Weitere Themen infolge medizinischen Fortschritts sind Xenotransplantation und die Züchtung von Mensch-Tier-Mischwesen.
Tierrechte bezeichnet subjektive Rechte für nichtmenschliche Tiere. Umstritten ist, welche Tiere Rechtssubjekte sind oder sein können, welche Rechte ihnen zustehen sollten, wie diese Rechte begründet werden können und welche praktischen Folgen daraus entstehen.