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Manchester
Vor allem im Zeitalter der Industriellen Revolution wurde Manchester zu einem wichtigen Wirtschaftsstandort. Einen besonderen Stellenwert nahm dabei die …
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Lage, Größe und Klima
Manchester ist eine City und ein Metropolitan Borough im Nordwesten Englands im Vereinigten Königreich. Die Stadt liegt bei 53° 29′ N, 2° 14′ W, gehört zur Region North West England und zum Metropolitan County Greater Manchester; die traditionelle Grafschaft ist Lancashire. Am 30. Juni 2022 hatte sie 568.996 Einwohner auf 115,65 km², also 4920 Einwohner je km². Die Bewohner heißen Mancunians oder Mancs. Greater Manchester ist mit 2,9 Mio. Einwohnern (2022) eine der größten Agglomerationen Englands.
In der Umgebung liegen unter anderem Altrincham, Sale, Stretford, Ashton-under-Lyne, Bury, Bolton, Oldham, Rochdale, Salford, Stockport und Wigan. Südöstlich befindet sich der Peak-District-Nationalpark, nördlich der Lake-District-Nationalpark.
Das Klima ist mäßig: Die mittlere Tageshöchsttemperatur reicht von 6,9 °C im Januar bis 20,2 °C im Juli, die mittlere Tagesminimumtemperatur von 0,6 °C im Dezember bis 11,7 °C im Juli. Im Jahresmittel liegen Tagesmaximum und -minimum bei 13,3 °C beziehungsweise 5,5 °C. Der Jahresniederschlag beträgt 867,1 mm bei 151,8 Regentagen; der meiste Niederschlag fällt im Oktober mit 98,8 mm.
Vom Kastell zur Industriestadt
Die Stadt entstand an einem strategisch wichtigen Ort am Zusammenfluss von Irwell und Medlock. Vor der römischen Invasion gehörte das Gebiet zum Territorium des keltischen Stammes der Briganten. Gnaeus Iulius Agricola ließ dort 79 n. Chr. das Kastell Mamucium errichten; der keltisch-lateinische Name bedeutet „brustförmiger Hügel“. Nach dem Abzug der Römer um 407 war die Gegend dünn besiedelt. Im 7. Jahrhundert gründeten Angelsachsen das Dorf Mameceaster, aus dem sich Manchester entwickelte. In Castlefield steht ein Nachbau des römischen Kastells.
Im 13. Jahrhundert wurde Manchester Marktsiedlung: 1222 erhielt es das Recht auf Jahrmärkte, 1301 das Recht auf Selbstverwaltung. Einwanderer aus Flandern begründeten im 14. Jahrhundert Wollverarbeitung und Leinenherstellung. Die Baumwollweberei, die um 1620 eingeführt wurde, verstärkte das Wachstum. Im Englischen Bürgerkrieg ab 1642 stand Manchester auf Seite des Parlaments und widerstand einer königlichen Belagerung. Nach der Rückkehr der Royalisten 1660 verlor die Stadt fast zweihundert Jahre lang ihre Parlamentssitze, gewann wirtschaftlich aber weiter an Bedeutung.
Während der Industriellen Revolution wurde Manchester zum weltweit wichtigsten Industriezentrum. Bäche aus den Pennines lieferten zunächst Wasserkraft für Baumwollspinnereien; die Nähe zum Hafen Liverpool war ebenfalls vorteilhaft. Mit der Dampfmaschine entstanden größere Fabriken in Manchester und den umliegenden Orten. Viele Menschen zogen für Arbeit zu, doch Hungerlöhne und schlechte Wohnverhältnisse führten 1797 nach einer Rezession der Textilindustrie zu Aufständen und Plünderungen. Der Bridgewater-Kanal von 1761 verband die Kohlegruben in Worsley mit Manchester und ermöglichte den günstigen, sicheren Kohletransport sowie den Abtransport von Fabrikwaren.
Politische Entwicklung, Krisen und Erneuerung
Die fehlende parlamentarische Vertretung begünstigte radikale politische Ideen. 1819 geschah das Peterloo-Massaker; nach der Parlamentsreform von 1832 durfte Manchester wieder Abgeordnete ins Unterhaus entsenden. Friedrich Engels lebte von 1842 bis 1844 sowie von 1850 bis 1870 in Manchester und schrieb dort „Die Lage der arbeitenden Klasse in England“. Richard Cobden gründete 1839 die Anti-Corn Law League; 1846 wurden die Corn Laws abgeschafft. Manchester wurde 1853 offiziell eine Stadt.
Der Ausbau von Kanälen und Eisenbahnen förderte die Expansion. George Stephenson baute 1829 die Liverpool and Manchester Railway. Der Amerikanische Bürgerkrieg verursachte 1861 die Baumwollhungersnot. Der Manchester Ship Canal wurde am 21. Mai 1894 von Queen Victoria für den Schiffsverkehr freigegeben, war aber schon ab 1. Januar in Betrieb. Er machte Manchester trotz 64 Kilometern Entfernung zur See zur drittgrößten Hafenstadt Großbritanniens.
1910 eröffnete Trafford Park als erste eigens geschaffene Industriezone der Welt. Die Einwohnerzahl erreichte 1931 mit 766.311 ihren Höchststand. Weltwirtschaftskrise und Zweiter Weltkrieg beschleunigten den Niedergang der Textilindustrie; wegen des Baus von Avro-Flugzeugen war Manchester Luftangriffen ausgesetzt, weshalb wenig alte Bausubstanz erhalten blieb. Nach 1945 prägten Informatik und Medien die Stadt: Alan Turing lehrte an der Universität Manchester, 1948 entstand die Small-Scale Experimental Machine als erster Computer auf Von-Neumann-Architektur, 1949 der Manchester Mark I und 1951 daraus der Ferranti Star, weltweit der zweite kommerzielle Computer nach Konrad Zuses Z4.
Die Bevölkerung sank nach dem Krieg deutlich, stieg später aber wieder: von 70.409 im Jahr 1801 auf 766.311 im Jahr 1931, dann auf 392.819 im Jahr 2001 und 503.127 im Jahr 2011. Alte dicht bebaute Viertel wurden in den 1950er und 1960er Jahren durch Hochhaussiedlungen ersetzt, die seit den späten 1980er Jahren häufig wieder abgerissen werden. Der Wiederaufbau nach der IRA-Bombe vom 15. Juni 1996, bei der 1.500 kg Sprengstoff 206 Menschen verletzten, aber nach Evakuierung von 80.000 Menschen niemand getötet wurde, trug zum Aufschwung der Innenstadt um 2000 bei. Manchester erhielt 2003 den EU-Preis für den besten Strukturwandel einer europäischen Großstadt. Beim Attentat in der Manchester Arena am 22. Mai 2017 starben der Attentäter und 22 Konzertbesucher; viele weitere Menschen wurden verletzt.
Stadtverwaltung, Kultur und Sport
Der Manchester City Council hat 96 Stadträte, je drei aus 32 Wahlbezirken. Labour stellt mit 63 Sitzen die Mehrheit; die Grünen haben 21, Reform 7, die Liberaldemokraten 4 Sitze, ein Sitz ist vakant. Für Unterhauswahlen ist Manchester in fünf Wahlkreise gegliedert.
Das Stadtbild verbindet viktorianische Architektur und Moderne. Typisch ist roter Backstein; ehemalige Baumwollfabriken werden als Wohnungen oder Büros genutzt. Bedeutende Bauten sind die gotische Kathedrale von Manchester, das neugotische Rathaus von Alfred Waterhouse aus dem Jahr 1868, die Corn Exchange von 1897 und Chetham’s Library, die älteste frei zugängliche Bibliothek im englischen Sprachraum. Das Empfangsgebäude des Bahnhofs Liverpool Road von 1830 gilt als das älteste erhaltene der Welt. Der 2006 errichtete Beetham Tower ist das höchste Gebäude der Stadt. Manchester besitzt 135 Plätze, Park- und Gartenanlagen; der 250 Hektar große Heaton Park zählt zu den größten öffentlichen Parkanlagen Europas.
Musikalisch wichtig sind das Hallé Orchestra, das BBC Philharmonic, das Royal Northern College of Music, die Chetham’s School of Music sowie die Bridgewater Hall. Opern, Ballett, Konzerte und Musicals werden unter anderem im Manchester Opera House und Palace Theatre aufgeführt. Die Stadt ist ein bedeutender Ort der Pop-, Punk- und New-Wave-Musik; die lebendige Szene brachte ihr den Beinamen „Madchester“ ein. Die größte Veranstaltungshalle ist die Manchester Arena (AO Arena) mit 21.000 Sitzplätzen.
Museen behandeln Industrie, Verkehr, Naturgeschichte, Ägyptologie, Krieg, Fußball, Kunst und Stadtgeschichte. Dazu gehören das Science and Industry Museum, Manchester Museum, Imperial War Museum North, National Football Museum, Manchester Art Gallery, Whitworth Art Gallery und People’s History Museum.
Sportlich prägen Manchester City und Manchester United die Premier League. Manchester United spielt im Old Trafford in Trafford, Manchester City seit 2003 im Etihad Stadium. Die Commonwealth Games 2002 fanden im City-of-Manchester-Stadion statt. Weitere wichtige Einrichtungen sind das Aquatics Center und das Manchester Velodrome. Seit 2005 wird im Mai der Great Manchester Run über 10 km veranstaltet.
Wirtschaft, Medien, Bildung und Verkehr
Manchester zählt nach dem Bruttosozialprodukt hinter London und Birmingham zu den wirtschaftsstärksten Regionen Großbritanniens und liegt in England auf Platz drei. Schwer- und Textilindustrie sind heute kaum noch bedeutend; der Dienstleistungssektor beschäftigt die meisten Menschen. Der Strukturwandel führte zugleich zu Gegensätzen zwischen sehr wohlhabenden und sehr armen Haushalten. Wachstum bringen Beratung, Banken, Versicherungen, Logistik, Transport, Medien, Kreativwirtschaft sowie Biotechnologie und Umwelttechnik. In der Finanzwirtschaft arbeiten über 15.000 Angestellte; rund 60 Bankinstitute sind vertreten. Größter Arbeitgeber ist die genossenschaftliche Co-operative Group. Auch der Tourismus gewinnt an Bedeutung.
Wichtige Einkaufsstraßen sind Market Street, King Street und Deansgate. Chinatown ist die zweitgrößte Großbritanniens; in Rusholme liegt das indische Viertel „Curry Mile“. Das Gay Village um die Canal Street ist seit spätestens den 1940er Jahren ein Treffpunkt der Szene und heute mit mehr als 40 Bars, Pubs, Clubs und Geschäften eines der größten schwulen und lesbischen Kulturzentren Europas.
Manchester ist Hauptsitz von Granada Television, einem Teil von ITV, und ein BBC-Standort. The Guardian wurde 1821 als The Manchester Guardian gegründet. Die Stadt besitzt außerhalb Londons die größte Anzahl von Radiosendern in Großbritannien.
Es gibt zwei Universitäten: die Universität Manchester und die Manchester Metropolitan University. UMIST fusionierte 2004 mit der Victoria University of Manchester zur Universität Manchester. Weitere Bildungsangebote sind die Manchester Business School, das Royal Northern College of Music, Manchester City College und die 1515 gegründete Manchester Grammar School.
Der Flughafen Manchester ist nach London-Heathrow und Gatwick der drittgrößte des Vereinigten Königreiches und fertigt jährlich etwa 31 Mio. Passagiere ab. Der Nahverkehr besteht aus Bussen und der Stadtbahn Manchester Metrolink. Die kostenlosen Linien free bus 1 und 2 verbinden wichtige Punkte der Innenstadt. Vom 24. September 2023 bis 5. Januar 2025 wurden Busse und Stadtbahnen im Bee Network zusammengeführt; die Vorortzüge sollen bereits 2028 folgen. Manchester Piccadilly ist der verkehrsreichste Bahnhof Englands außerhalb Londons. Historische Binnenkanäle dienen heute vor allem Ausflugsschiffen.