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Varanasi
1,8 Millionen Einwohnern im indischen Bundesstaat Uttar Pradesh. Sie gilt als heiligste Stadt des Hinduismus. Varanasi …
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Überblick und Lage
Varanasi ist eine Stadt im indischen Bundesstaat Uttar Pradesh und Sitz des gleichnamigen Distrikts. Sie liegt am nördlichen Ufer des Ganges auf etwa 76 m Höhe. Das Stadtgebiet umfasst nach den Angaben im Artikel 79,79 km²; an anderer Stelle wird die Stadtgemeinde mit ca. 82 km² angegeben. Varanasi gilt als heiligste Stadt des Hinduismus und hat deshalb eine besonders große religiöse Bedeutung.
Die Stadt ist seit 1994 eine Municipal Corporation, also eine selbstverwaltete Kommune der höchsten Kategorie. Sie liegt etwa 870 km Fahrstrecke östlich von Delhi. Knapp 11 km nordöstlich befindet sich Sarnath, ein wichtiger buddhistischer Pilgerort. Der Eisenbahnknotenpunkt Mughalsarai liegt etwa 18 km östlich von Varanasi.
Namen der Stadt
Varanasi ist unter mehreren Namen bekannt. Neben Varanasi werden auch Benares beziehungsweise Banaras und Kashi verwendet. Der Name Varanasi kommt bereits im Hindu-Epos Mahabharata und in den buddhistischen Jataka-Erzählungen vor. Er wird traditionell mit den Flüssen Varana beziehungsweise Varuna und Asi beziehungsweise Assi verbunden, die die Stadt begrenzen. Wahrscheinlicher ist laut Artikel aber, dass der Varuna-Fluss allein namensgebend war.
Benares oder Banaras ist eine volkstümliche Abwandlung des Sanskrit-Namens Varanasi. Während der muslimischen und britischen Herrschaft war Benares der alleinige Name der Stadt. Nach der indischen Unabhängigkeit wurde Varanasi zur offiziellen Namensform, während Benares umgangssprachlich weiterhin verbreitet ist.
Kashi ist der älteste Name der Stadt. Er bezeichnete zunächst das Stammeskönigreich Kashi und später dessen Hauptstadt. Der Name wird meist von der Sanskrit-Wurzel kash für „leuchten“ abgeleitet und bedeutet ungefähr „die Leuchtende“ oder „Stadt des Lichts“. Heute wird Kashi vor allem im religiösen Zusammenhang verwendet.
Naturraum und Klima
Varanasi liegt auf der nordwestlichen Seite des Ganges. An dieser Stelle macht der Fluss eine Biegung und fließt in einem großen Bogen nach Nordosten. Die Lage auf dem steil aufragenden Hochufer schützt die Stadt vor den jährlich auftretenden Hochwassern des Ganges. Das flache östliche Ufer wird dagegen regelmäßig überflutet und ist unbebaut.
Das Stadtgebiet wird im Norden und Süden von zwei Flüssen begrenzt, die in den Ganges münden: dem Varuna im Norden und dem Assi im Süden. Diese Flüsse spielen auch für die Deutung des Namens Varanasi eine Rolle.
Das Klima ist heiß und vom Monsun geprägt. Die mittleren Tageshöchsttemperaturen reichen von 23,2 °C im Januar bis 40,9 °C im Mai. Die mittleren Tagestiefsttemperaturen liegen zwischen 8,8 °C im Januar und 27,9 °C im Juni. Der jährliche Niederschlag beträgt 1.033,8 mm. Am meisten Regen fällt im Juli mit 309,9 mm, im August mit 273,2 mm und im September mit 246,4 mm. Insgesamt werden 68,1 Regentage im Jahr angegeben.
Bevölkerung, Sprache und Religion
Nach der indischen Volkszählung von 2011 hatte Varanasi 1.201.815 Einwohner; für 2025 nennt der Artikel eine Schätzung von ca. 1,8 Millionen. Die Agglomeration Varanasi, also der größere zusammenhängende Siedlungsraum über das administrative Stadtgebiet hinaus, hatte 2011 1.435.113 Einwohner. Gegenüber 2001 war die Einwohnerzahl der Stadt um 9 % gestiegen. Varanasi ist nach Lucknow, Kanpur, Ghaziabad, Agra und Meerut die sechstgrößte Stadt Uttar Pradeshs.
Die Mehrheit der Bevölkerung sind Hindus. Nach der Volkszählung 2011 waren 70 % der Einwohner Hindus und 29 % Muslime. Andere Religionen wie Jainismus, Sikhismus und Christentum spielen zahlenmäßig nur eine geringe Rolle. Dennoch ist Varanasi seit 1970 Sitz eines römisch-katholischen Bistums mit einer Kathedrale in den Außenbezirken.
Wegen seiner religiösen Bedeutung zog Varanasi seit langer Zeit Hindus aus anderen Teilen Südasiens an. In der Stadt leben daher auch größere Gemeinschaften von Bengalen, Tamilen, Nepalesen und anderen Gruppen, die eigene Viertel und Tempel im Stil ihrer Herkunftsregionen haben.
Die wichtigste Sprache ist Hindi. Unter Muslimen ist außerdem Urdu verbreitet, das im Artikel als muslimische Variante des Hindi bezeichnet wird. Im Alltag sprechen viele Menschen Banarsi Boli, einen Dialekt, der sprachwissenschaftlich zum Bhojpuri gehört. Die Sprecher sehen sich aber meist als Hindi-Sprecher und betrachten Banarsi Boli als Dialekt des Hindi.
Religiöse Bedeutung und Stätten
Varanasi gilt als Stadt des Gottes Shiva, der hier auch Vishwanath, „Herr des Alls“, genannt wird. Seit mehr als 2500 Jahren pilgern Gläubige in die Stadt. Sie ist außerdem ein Zentrum traditioneller hinduistischer Kultur und Wissenschaft.
Für strenggläubige Hindus gilt es als besonders erstrebenswert, in Varanasi im Ganges zu baden sowie dort zu sterben und verbrannt zu werden. Am Fluss liegen kilometerlange Ghats, also stufenartige Uferbefestigungen. Dort baden Gläubige im als heilig verehrten Wasser; flussabwärts werden Verstorbene verbrannt und ihre Asche anschließend in den Ganges gestreut. Ein Bad im Ganges soll von Sünden reinigen. In Varanasi zu sterben und verbrannt zu werden, bedeutet nach hinduistischer Mythologie den Ausbruch aus dem Kreislauf der Wiedergeburt.
Varanasi besitzt etwa einhundert getreppte Bade- und Verbrennungsplätze sowie ca. 200 wichtige hinduistische, jainistische und buddhistische Tempel. Zu vielen haben Nicht-Hindus keinen Zutritt. Genannt werden unter anderem der Vishwanath-Tempel, auch „Goldener Tempel“ genannt, der Durga-Tempel, der Tulsi-Manas-Tempel, der Neue Vishwanath-Tempel, der Bharat-Mata-Tempel und der Annapurna-Tempel. Daneben gibt es Moscheen, Tempel der Jain- und Sikh-Religionen sowie christliche Kirchen.
Auch Sarnath in der Nähe von Varanasi ist religiös wichtig. Dort soll Buddha nach seiner Erleuchtung in Bodhgaya seine erste Predigt gehalten haben, mit der er das Rad der Lehre in Bewegung setzte. König Ashoka machte Sarnath später zu einem buddhistischen Wallfahrtsort.
Geschichte und Bildung
Varanasi soll um 1200 v. Chr. von Kashya, dem Sohn von Suhottra, gegründet worden sein. Im Jahr 1193 wurde die Stadt von Qutb-ud-Din Aibak, dem General der Ghuriden, eingenommen. Er machte sich später unabhängig und gründete das Sultanat von Delhi. In den folgenden etwa 500 Jahren stand Varanasi unter muslimischer Herrschaft; in dieser Zeit traten viele Hindus zum Islam über.
Unter Akbar I. wurde Varanasi an der Wende zum 17. Jahrhundert von einem hinduistischen Statthalter regiert, der mehrere Tempel und ein Observatorium errichtete. Diese Bauwerke sind nicht erhalten. Shah Jahan setzte seinen Sohn Dara Shikoh als Statthalter ein; dieser hatte enge Beziehungen zu hinduistischen Gelehrten. Aurangzeb verfolgte Ende des 17. Jahrhunderts eine Politik der Reislamisierung. Er ließ Schulen schließen, in denen muslimische Gelehrte sich mit hinduistischen Lehren befassten, zerstörte einen hinduistischen Tempel, ließ dort eine Moschee errichten und benannte die Stadt in Muhammadābād um. Dieser Name setzte sich nicht durch.
1739 wurde Balwant Singh zum Raja von Varanasi erhoben. Er arbeitete mit der Britischen Ostindien-Kompanie zusammen und geriet zunehmend in ihre Abhängigkeit. 1775 kam sein Territorium unter britische Verwaltung, während seine Familie den Raja-Titel behielt. 1950 wurde das Gebiet Teil des Bundesstaates Uttar Pradesh; das Königshaus besteht laut Artikel weiter.
Seit 1862 besteht der Bahnhof Varanasi Junction. Am 19. Januar 1977 ereignete sich bei Varanasi ein schwerer Eisenbahnunfall, bei dem 28 Menschen starben und 78 verletzt wurden.
Eine wichtige Bildungseinrichtung ist die 1916 gegründete Banaras Hindu University. Ihr besonderes Ziel ist das Studium und die Förderung der hinduistischen Shastras und der Sanskrit-Literatur. 2012 wurde sie in einer Aufstellung der 50 besten Universitäten Indiens an zweiter Stelle platziert.