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Nepal
Das Land hat etwa 30 Millionen Einwohner, die über 100 verschiedenen Volksgruppen angehören. Nepal gilt als das Geburtsland des Buddhismus. Heute haben etwa 80 …
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Staat und Überblick
Nepal ist ein Binnenstaat in Südasien zwischen China und Indien. Die Hauptstadt ist Kathmandu; Amtssprache ist Nepali. Das Land ist eine parlamentarische Bundesrepublik mit Staatspräsident Ram Chandra Paudel und Premierminister Balen Shah. Das Parlament besteht aus Pratinidhi Sabha und Rastriya Sabha. Nepal hat 147.516 km² Fläche und nach der Volkszählung 2021 29,2 Millionen Einwohner; für 2023 nennt der Text 30,9 Millionen Einwohner.
Weltweit ist Nepal besonders für seinen Anteil am Himalaya bekannt, besitzt aber auch tropisches Flachland mit Feuchtwald. Mehr als 100 Volksgruppen leben im Land. Nepal gilt als Geburtsland des Buddhismus, doch Hinduismus ist mit 81,34 % der Bevölkerung die größte Religion. Bis 2008 war Hinduismus Staatsreligion, seither ist Nepal offiziell säkular. Der Nationalfeiertag am 28. Mai erinnert an die Ausrufung der Republik 2008.
Naturraum, Siedlung und Verkehr
Nepal erstreckt sich ungefähr vom 26. bis 30. Grad nördlicher Breite und vom 80. bis 88. Grad östlicher Länge. Es ist 885 km breit; seine maximale Nord-Süd-Ausdehnung beträgt rund 241 km. Der höchste Punkt ist der Mount Everest mit 8848 m, der tiefste Kencha Kalan im Distrikt Jhapa mit 70 m. Über 40 % der Landesfläche liegen höher als 3000 m.
Der junge Himalaya ist ein Faltengebirge von etwa 45 Millionen Jahren. Große Flüsse haben während der Gebirgshebung Durchbruchstäler geschaffen. Das Tal des Kali Gandaki gilt, gemessen zwischen Dhaulagiri (8167 m) und Annapurna (8091 m), mit etwa 6000 m als tiefstes Tal der Erde. Das Gebirge ist nur dünn besiedelt; Tourismus, Trekking und Bergsteigen sind wichtig. Von 1950 bis 2005 starben dort 832 Bergsteiger, etwa jeder hundertste Expeditionsteilnehmer auf Bergen ab 6000 m.
Naturräumlich gliedert sich Nepal in Terai, Mittelland und Hochgebirgsregion. Das Terai ist der nepalesische Teil der Gangestiefebene. Es umfasst 14 % der Fläche, beherbergt aber 47 % der Einwohner. Fruchtbare Böden, frostfreies Klima und Bewässerung machen es zur wichtigsten Agrarregion; fast alle Industrieansiedlungen außerhalb des Kathmandutals liegen dort. Das Mittelland reicht bis etwa 3000 m, umfasst 30 % der Fläche und hat 45 % der Bevölkerung. Sein stark gegliedertes Relief erschwert Verkehr und Landwirtschaft, trotzdem ist es das altbesiedelte Kernland. In der Hochgebirgsregion liegen Siedlungen vor allem in Talflächen; Weidewirtschaft reicht bis 5000 m. Erosion, Monsunniederschläge und auf den Nordseiten Niederschlagsarmut erschweren Landwirtschaft. Die Region ist ein Nahrungsmitteldefizitgebiet, dessen wichtigste externe Einnahmequelle der Tourismus ist.
Die wichtigsten Einzugsgebiete sind Karnali im Westen, Narayani in der Mitte und Koshi im Osten. Die Verstädterung wächst, obwohl 2023 nur 22 % der Einwohner in Städten lebten. Das Kathmandutal mit Kathmandu/Lalitpur ist das größte Bevölkerungszentrum und hat etwas mehr als 1,5 Millionen Einwohner. Auch Pokhara und Lekhnath bilden ein größeres Zentrum. Zugleich verlagert sich Bevölkerung aus den Bergen ins Terai.
Wegen der Landschaft ist das Straßennetz schwach ausgebaut. Die wichtigste Ost-West-Verbindung ist Teil des Asian Highway 2; die Araniko- bzw. Arniko-Verbindung ist die einzige Straße nach China. Neben drei internationalen Flughäfen und mehr als 40 regionalen Flugplätzen bleiben Fußwege und Hängebrücken bedeutend. Über 5000 Drahtseil-Hängebrücken wurden gebaut; die Dodhara Chandani Bridge ist 1453 m lang. Eine Bahnverbindung von Indien nach Janakpur wird ausgebaut, außerdem sind weitere Strecken geplant. Die Zahl der Elektrofahrzeuge stieg von 250 im Jahr 2020 auf über 13.000 im Jahr 2024; 2025 lag ihr Anteil bei 76 %.
Bevölkerung, Religion und Lebensbedingungen
Nepal hat eine junge Bevölkerung: 2023 waren 28,5 % unter 15 Jahre und 6,2 % älter als 64 Jahre. Die Geburtenziffer lag bei 20,2, die Sterbeziffer bei 6,7 je 1000 Einwohnern; 2022 entfielen statistisch 2,0 Geburten auf eine Frau. Die Lebenserwartung bei Geburt betrug 2022 70,5 Jahre.
Das Land ist ethnisch und kulturell ein „Minoritätenmosaik“. Bei der Zählung 2001 wurden über 100 ethnische Gruppen und Kasten sowie 124 Sprachen und Dialekte erfasst. Zu den größten Gruppen gehören Chhetri (16,6 %), Bahun (12,2 %), Magar (7,1 %), Tharu (6,6 %), Tamang (5,8 %), Newar (5,0 %) und Kami (4,8 %). 44,6 % waren 2011 Nepali-Muttersprachler; wichtige weitere Sprachen sind Maithili, Bhojpuri, Tharu, Tamang, Newari und Bajjika.
Das Kastenwesen besteht gesellschaftlich weiter, auch wenn Regeln weniger strikt angewandt werden und Diskriminierung verfassungswidrig ist. Die Kategorien Kaste und ethnische Zugehörigkeit überschneiden sich teilweise. Kami, Damai und Sarki gehören zu den Dalit, den „Unberührbaren“, und machen zusammen mehr als 7 % der Bevölkerung aus. In einer verbreiteten rituellen Einteilung gibt es chokho jaat, „reine Kasten“, und pani nachalne jaat, „unberührbare Kasten“. Bei hinduistischen Newar im Kathmandutal besteht ein eigenes, vergleichsweise schwach ausgeprägtes Kastensystem.
81,34 % der Bevölkerung waren 2011 Hindus, 9,04 % Buddhisten, 4,39 % Muslime und 3,05 % Anhänger von Kirant Mundhum, einer animistischen Glaubensrichtung. Christen stellten 1,42 %. Da Hinduismus und Buddhismus stark vermischt sind, sind genaue statistische Zuordnungen schwierig. In Volksreligionen spielen Schamanen und Naturgottheiten eine Rolle.
Im Bildungssystem sollen Zugang zur Primarstufe (Klassen 1–8) und Sekundarstufe (Klassen 9–12) sowie berufsvorbereitende Angebote verbessert werden. Die Analphabetenquote lag 2015 bei 35,3 %; bei Frauen 44,9 %, bei Männern 24,4 %. Die Gesundheitsausgaben betrugen 2021 5,4 % des BIP. 2017 gab es 9,1 Ärztinnen und Ärzte je 10.000 Einwohner. Die Sterblichkeit unter Fünfjähriger sank von 325 pro 1000 Lebendgeburten 1960 auf 27,3 im Jahr 2022.
Vom Königreich zur Bundesrepublik
Der Überlieferung nach wurde Siddhartha Gautama, der Buddha, um 500 v. Chr. in Lumbini geboren. Im 14. Jahrhundert einte und befreite der Newar Jayadharma Malla das Kathmandutal. Nach erneuter Zersplitterung vereinte Prithvi Narayan Shah etwa 50 Fürstentümer 1768 zum Königreich Gorkha, das später Nepal genannt wurde. Im Gurkha-Krieg von 1814 bis 1816 unterlag Gorkha der Britischen Ostindien-Kompanie, blieb aber unabhängig.
1846 übernahm Jang Bahadur Rana nach einem Massaker die Macht. Das Amt des Ministerpräsidenten wurde erblich, während der König praktisch nur nominell herrschte. König Tribhuvan führte unter indischem Einfluss wieder eine konstitutionelle Monarchie ein; 1951 wurden aktives und passives Frauenwahlrecht Gesetz. König Mahendra verbot 1960 alle politischen Parteien.
Von 1996 bis 2006 führte die Kommunistische Partei Nepals (Maoistisches Zentrum) einen Bürgerkrieg gegen Monarchie und Kastensystem. Mehr als 12.700 Menschen starben; schätzungsweise zwei Drittel der Toten gingen auf Armee und Polizei zurück. Nach Protesten, einem Generalstreik und internationalem Druck wurde 2006 das Parlament wieder eingesetzt. Am 21. November 2006 unterzeichneten Premierminister Girija Prasad Koirala und Maoistenführer Prachanda das Abkommen zur Beendigung des Krieges. Am 28. Mai 2008 rief die verfassungsgebende Versammlung die Republik aus.
Eine neue Verfassung wurde 2015 verabschiedet. Seither besteht Nepal aus sieben Provinzen; zuvor gab es 14 Verwaltungszonen mit 75 Distrikten. Das politische System ist von vielen Parteien und wechselnden Koalitionen geprägt. Nach Protesten gegen Korruption und der Sperrung von 26 Social-Media-Diensten trat Premierminister Khadga Prasad Oli 2025 zurück. Für den 5. März 2026 wurden Neuwahlen angesetzt, die nach dem Text die 2022 gegründete Rastriya-Swatantra-Partei gewann. Politische Indizes bewerteten Nepal 2024 als „Hybridregime“ (Demokratieindex 4,6 von 10) und „teilweise frei“ (Freedom in the World: 62 von 100).
Wirtschaft, Außenbeziehungen und Rechte
Landwirtschaft ist der wichtigste Wirtschaftszweig. 68 % der Erwerbstätigen arbeiten dort, doch der Sektor erwirtschaftet nur 38 % des Bruttosozialprodukts. Angebaut werden vor allem Reis, außerdem Kartoffeln, Mais und Getreide; Reis beansprucht mehr als 55 % der landwirtschaftlichen Nutzfläche. 80 % der Exportgüter sind landwirtschaftliche Produkte. Rücküberweisungen von Nepalesen im Ausland, besonders in den Golfstaaten, machen geschätzt etwa 30 % des BIP aus.
2024 betrug das nominale BIP 43 Milliarden USD und das kaufkraftbereinigte BIP etwa 170 Milliarden USD beziehungsweise 5745 USD pro Kopf. Probleme sind Binnenlage, Bürokratie, Korruption, fehlende Rohstoffe, Handelsdefizite und Naturkatastrophen. Das Erdbeben 2015 beschädigte Infrastruktur stark; insgesamt starben mehr als 8600 Menschen. Bergbau ist wegen Relief und Infrastruktur wenig entwickelt; gewonnen werden unter anderem Glimmer, Kalkstein sowie Braun- und Steinkohle. Tourismus bringt mit 50 Millionen Euro etwa 30 % der Gesamtdevisen.
Nepal verfolgt eine neutrale Diplomatie ohne feste Bündnisse. Indien ist wegen Versorgung, Verkehrswegen, Wirtschaft und Sicherheit der wichtigste Partner. Zugleich baut Nepal Beziehungen und Handelsrouten mit China aus. Nepal gehört unter anderem zu SAARC, BIMSTEC, der Bewegung der Blockfreien Staaten und seit 1960 den Vereinten Nationen; nepalesische Streitkräfte beteiligen sich traditionell an UN-Friedensmissionen.
Trotz verfassungsrechtlichem Schutz sind Diskriminierung von Minderheiten, unteren Kasten und Kastenlosen sowie von Frauen und Kindern weiterhin verbreitet. Der Text nennt jährlich etwa 20.000 zwischen acht- und achtzehnjährige Mädchen, die in das Sexgewerbe verkauft werden. Die Verfassung von 1990 stellte Männer und Frauen gleich; Nepal ratifizierte 1981 CEDAW. Nach der neuen Verfassung wird Staatsbürgerschaft nur durch den Vater weitergegeben, wodurch Kinder alleinerziehender nepalesischer Mütter staatenlos werden können. Am 28. Juni 2023 wurde die einstweilige Öffnung der Ehe für alle Menschen angeordnet.
Kultur und Sport
Musik und Tanz sind in Nepal eng mit Festen, Religion, Jahreszeiten und Übergangsfeiern wie Hochzeiten verbunden. Eine einheitliche landesweite Musikkultur gibt es nur begrenzt, weil zahlreiche ethnische Gruppen eigene Formen pflegen und bestimmte Instrumente besonderen Musikerkasten vorbehalten sind. Bedeutende Traditionsräume sind die Nepali sprechenden Indo-Nepalesen, die Newar des Kathmandutals und tibeto-nepalesische Gruppen wie Sherpa und Gurung.
Bei den Newar gehören carya, ein tantrisch-buddhistischer Ritualgesang, und gunla bajan, Musik für buddhistische Prozessionen im August, zu wichtigen Formen. Die Damai spielen bei Festen das Ensemble panche baja mit Trommeln, Trompeten, Kegeloboe und Zimbeln. Die Gaine oder Gandharva sind wandernde Balladensänger; sie begleiten sich auf der viersaitigen sarangi. Gurung pflegen unter anderem ghantu und sorathi, Tanzformen mit rituellen Wurzeln. Moderne Lieder verbinden Volkslieder mit indischen Ragas und westlichen Harmonien; seit 2002 findet in Kathmandu das Jazzfestival Jazzmandu statt.
Fußball ist die beliebteste Sportart, gefolgt von Cricket; Volleyball ist offizieller Nationalsport. Die Cricket-Nationalmannschaft erhielt am 28. Juni 2014 T20I-Status und am 15. März 2018 ODI-Status. Sie nahm an drei T20 World Cups teil: 2014, 2024 und 2026, qualifizierte sich aber noch nicht für einen Cricket World Cup. Die Fußballnationalmannschaft erreichte ebenfalls noch keine Weltmeisterschaft; Nepal gewann 2015 die SAFF U-18 Championship und verteidigte den Titel 2017. Basketball wird besonders unter jüngeren Menschen beliebter.