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Ganga
Ganga (Sanskrit, f.,गंगा, gaṅgā), der indische Name für den Fluss Ganges, ist auch der Name einer Göttin des Hinduismus. Sie wird häufig als ‚Mutter …
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Ganga als Göttin und heiliger Fluss
Ganga ist der indische Name für den Fluss Ganges und zugleich der Name einer Göttin des Hinduismus. Sie wird häufig „Mutter Ganga“ genannt. Für Hindus ist der Fluss nicht nur ein heiliger Ort, sondern die lebendige Wasserform der Göttin: Der Fluss selbst gilt als ihre Personifizierung.
Ganga verkörpert vor allem Reinheit. Ihr Wasser wird in vielen religiösen Handlungen zur materiellen und spirituellen Reinigung verwendet. Es soll außerdem von Sünden beziehungsweise schlechtem Karma befreien. Bei jeder Puja, dem hinduistischen Gottesdienst, gilt Gangeswasser als unverzichtbares „Weihwasser“. Viele Gläubige bewahren auch weit entfernt vom Fluss eine kleine Menge zu Hause auf.
Die Herabkunft der Ganga
Nach der wichtigsten Überlieferung ist Ganga eine Tochter des Himavat, der Personifizierung des Himalaya-Gebirges, und der Mena. Damit ist sie eine Schwester Parvatis. In manchen Überlieferungen gilt sie auch als Mutter von Skanda beziehungsweise Karttikeya, der normalerweise eher Parvati zugeordnet wird. Einer anderen Quelle zufolge entspringt Ganga den Füßen Vishnus; dann trägt sie den Beinamen Vishnupadi.
Die bekannteste Erzählung handelt von ihrer Herabkunft auf die Erde, der Gangadhara-Murti. Der Weise Kapila verbrannte die Söhne des Königs Sagara wegen ihres schlechten Verhaltens durch einen Glutstrahl aus seinen Augen zu Asche. Kapila erklärte einem Verwandten des Königs, dass das erlösende Totenritual nur mit Hilfe der Ganga vollzogen werden könne, die damals als Milchstraße am Himmel floss.
Erst drei Generationen später wurde Bhagiratha geboren, der diese Aufgabe erfüllen konnte. Nach vielen Jahren der Askese erschien Ganga vor ihm. Sie warnte, ihre herabstürzenden Wassermassen würden die Erde zerschmettern. Nur Shiva könne das Wasser auffangen. Bhagiratha übte daraufhin tausend Jahre lang am heiligen Berg Kailash Askese, bis Shiva seine Hilfe zusagte. Als Ganga vom Himmel herabstürzte, bremste Shiva den Aufprall mit seinen Haaren. Anschließend ließ er das Wasser über seine langen Haarflechten in sieben Strömen auf die Erde fließen.
Bhagiratha führte Ganga zu dem Ort, an dem seine verstorbenen Vorfahren lagen. Ihr heiliges Wasser erlöste sie. Seitdem besitzt Indien der Überlieferung zufolge sieben heilige Flüsse. Ganga gilt als der heiligste von ihnen. Sie bewässert zusammen mit der Yamuna den Norden Indiens und fließt in den Golf von Bengalen und damit in den Indischen Ozean. Weil Bhagiratha sie zur Erde gebracht haben soll, wird sie auch Bhagirathi genannt. An diese Erzählung erinnert jedes Jahr das große Pilgerfest Sagar-Mela.
Rituale und religiöse Bedeutung
Millionen von Pilgern besuchen das ganze Jahr über die großen und kleinen Wallfahrtsorte an den Ufern der Ganga. Viele Gläubige möchten mindestens einmal im Leben rituell in ihre heiligen Fluten eintauchen. Wasser wird anschließend häufig für die eigene Familie und für Nachbarn in Flaschen mit nach Hause genommen.
Manche Menschen versprechen sich vom Gangeswasser sogar Heilung und nehmen es wie ein Medikament ein. Einige Homöopathen verwenden es als Grundlage für ihre Medizin. Während religiöser Zeremonien wird manchmal etwas Gangeswasser, das von einer Pilgerreise in einem Bronzekrug mitgebracht wurde, in örtliche Brunnen, Stufenbrunnen oder Tempelteiche gegossen. Diese Orte sollen dadurch an der Heiligkeit der Ganga teilhaben.
Obwohl der Fluss extrem verschmutzt ist, bleibt seine Bedeutung als heiliges Gewässer ungebrochen. Viele Hindus vertrauen weiterhin auf Gangas unendliche Reinigungskraft. Als mögliche Besonderheit werden chemische und biologische Phänomene genannt; unter anderem soll der Fluss im Vergleich zu anderen Gewässern über eine dreifache Selbstreinigungskraft verfügen. Die Verehrung der Ganga wird auch in einem Gebet aus dem Ramayana deutlich. Darin wird sie als „Mutter Ganga“, als Schmuck am „Kleid der Erde“ und als Weg zum Himmel angerufen. Der Beter wünscht, sein Körper möge vergehen, nachdem er an ihren Ufern gelebt, ihr Wasser getrunken, von ihren Wellen bewegt und ihres Namens gedacht hat.
Bildliche Darstellungen
Darstellungen von Ganga und Yamuna sind seit der Gupta-Zeit bekannt. Beide Göttinnen erscheinen nahezu immer in einem gemeinsamen Zusammenhang, auch wenn sie nicht unmittelbar nebeneinander dargestellt werden. Besonders häufig finden sie sich an Tempelportalen.
Ursprünglich standen sie an den beiden Enden von Türstürzen. Später wurden sie an der Basis der seitlichen Türpfosten als attraktive Frauengestalten gezeigt. Dort erfüllen sie mehrere religiöse Funktionen: Sie gelten als glückverheißend und segenspendend, sollen von Sünden reinigen und Unheil abwehren. Diese unheilabwehrende Wirkung wird als apotropäisch bezeichnet.
Ganga und Yamuna werden oft von Dienerinnen und Wächtern begleitet. Nach der textlichen Überlieferung sollte jede der beiden Göttinnen einen Krug oder eine Vase, einen sogenannten Kalasha, in den Händen halten; diese Gefäße sind bei vielen Darstellungen jedoch abgebrochen. Gangas Reittier, ihr Vahana, ist meistens ein Seeungeheuer, der Makara, oder ein Fisch, der Matsya. Bildliche Darstellungen beider Göttinnen kommen gelegentlich auch an Eingängen buddhistischer Tempel vor.