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Jainismus

Ahimsa (Ablassen von Töten und Verletzen von Lebewesen), · Satya (Verzicht auf nicht wahrheitsgemäße Rede), · Asteya (sich nicht an fremdem Eigentum vergreifen), …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Grundzüge und Bedeutung
  2. 2. Tirthankaras und Zeitvorstellung
  3. 3. Entwicklung und Heiligtümer
  4. 4. Weltbild, Karma und Befreiung
  5. 5. Ethik und Schulen

Grundzüge und Bedeutung

Der Jainismus, auch Dschainismus oder Jinismus, ist eine in Indien beheimatete transtheistische Religion. Er entstand etwa im 6./5. Jahrhundert v. Chr. Ein historisch fassbarer Verbreiter der Lehre war Mahavira (um 599–527 v. Chr.); nach Auffassung der Jainas war er jedoch ausdrücklich nicht ihr Begründer. Der Name der Religion bezieht sich auf Jina, „Sieger“, einen Ehrentitel Mahaviras.

Besonders bekannt ist der Jainismus für Ahimsa, das Ideal, kein Lebewesen zu verletzen. Dies prägt Ernährung, Alltag und religiöse Praxis. 2001/02 gab es etwa 4,4 Millionen Jainas, davon etwa 4,2 Millionen in Indien.

Tirthankaras und Zeitvorstellung

Die geistigen Führer heißen Tirthankaras, „Furtbereiter“. Sie gelten als Mittler zwischen der materiellen und der spirituellen Welt. Viele tragen außerdem die Ehrenbezeichnung arihant, ebenfalls „Sieger“ oder „Bezwinger“. Im tamilischen Kulturkreis werden Jainas samanar genannt, also Asketen, Einsiedler oder Mönche.

Das Kalpasutra, eine heilige Schrift, nennt 24 Tirthankaras. Ausführlicher erzählt es von Rishabha, dem ersten, sowie von Neminatha, Parshvanata und Mahavira, den letzten drei. Nur Parshvanata und Mahavira gelten als historische Persönlichkeiten. Parshvanata soll ungefähr 350 Jahre vor Mahavira gelebt haben.

Nach der dualistisch orientierten Vorstellung wechseln sich auf ewig Zeitalter, Kalpas, des Aufstiegs und des Niedergangs ab: In manchen wachsen menschliche Tugenden und spirituelle Fähigkeiten, in anderen nehmen sie ab. In jedem Zeitalter erscheinen 24 Tirthankaras. Der gegenwärtige Äon gilt als Zeitalter des Verfalls.

Entwicklung und Heiligtümer

Der Jainismus hat wie der Buddhismus Wurzeln im Brahmanismus, der Vorgängerreligion des Hinduismus. Die Überlieferung nennt Rishabha oder Adinath als ersten Tirthankara, um 1500 v. Chr.; aus der mythologischen Reihe von 24 Propheten sind aber möglicherweise nur die letzten beiden historisch belegbar. Parshvanata, der 23. Tirthankara, wird auf etwa 870 v. Chr. datiert. Er soll als Königssohn von Benares auf Reichtum verzichtet, als Asket absolutes Wissen erlangt und acht Gemeinden gegründet haben.

Mahavira, auch Vardhamana Mahavira, war der Sohn des Königs Siddhartha und stammte aus Kundalpur im Königreich Vaishali, dem heutigen Bihar. Seine Geburt wird unterschiedlich datiert: Einige Quellen nennen 599 v. Chr.; andere 539 oder 549 v. Chr. Im Alter von 28 bis 30 Jahren verließ er Familie und Königreich, lebte zwölf Jahre asketisch in Wald- und Bergregionen und verkündete anschließend seine Lehre. Der Jainismus verstand sich dabei nicht als Reaktion gegen den Adel der brahmanischen Gesellschaft, sondern als in traditionelle philosophische Überzeugungen eingebettet und zugleich reformorientiert.

Im 4. Jahrhundert v. Chr. soll Chandragupta Maurya seinen Thron aufgegeben haben und jainistischer Asket geworden sein. Danach verbreitete sich die Religion nach Südindien; sie blühte auch in Andhra Pradesh, Orissa und unter Kumarpal in Gujarat. Die islamische Invasion im 13. Jahrhundert behinderte ihre Ausbreitung, ließ sie aber nicht verschwinden. Im Mittelalter wurden Kastenregeln in abgeschwächter Form übernommen.

Wichtige Pilgerorte sind der Berg Parasnath mit 24 Tempeln für die 24 Tirthankaras, der Shatrunjaya Hill bei Palitana mit nahezu 1000 Tempeln, die Dilwara-Tempel bei Mount Abu, der Adinath-Tempel in Ranakpur und das Bahubali/Gomateshvara-Heiligtum von Shravanabelagola. Auch viele größere indische Städte haben Jain-Tempel.

Weltbild, Karma und Befreiung

Der Jainismus unterscheidet zwei Prinzipien: Geistiges und Ungeistiges. Das Geistige besteht aus unendlich vielen individuellen Seelen, Jivas. Das Ungeistige umfasst Bewegung, Ruhe, Raum, Stoff und Zeit. Alles Stoffliche gilt als beseelt, also nicht nur Menschen und Tiere, sondern auch Pflanzen und Wasser.

Die Seele ist ursprünglich rein und allwissend. Feinstoffliche Substanzen, die als Folge von Karma in sie eindringen, trüben diese Reinheit. Karma meint dabei jede Tat, beabsichtigt oder nicht. Es bindet die Seele an Samsara, den Kreislauf der Wiedergeburten, bis alles Karma getilgt ist. Jivas werden nach ihrem Reinheitsgrad unter anderem farblich abgestuft; das Spektrum reicht von Schwarz und Dunkelblau über Taubengrau, Feuerrot und Gelb bis Weiß. Eine gelbe Geistesmonade steht beispielsweise für ausgeglichene Wesenszüge.

Durch sittliche Lebensweise und strenge Askese kann die Seele gereinigt werden. Ist sie von allen Verunreinigungen frei, steigt sie in den höchsten Himmel auf und verharrt dort in ruhiger Seligkeit. Das Ziel heißt Moksha: Freiheit von Geburt, Leiden und Tod. Nicht alle Seelen können es erreichen: Abhavya jivas, „unfähige Seelen“, bleiben wegen ihrer natürlichen Veranlagung im Samsara.

Ethik und Schulen

Die drei Kleinen Gelübde, Anuvratas, der Laienanhänger sind Ahimsa (Gewaltlosigkeit gegenüber allen beseelten Existenzformen), Aparigraha (Unabhängigkeit von unnötigem Besitz) und Satya (Wahrhaftigkeit). Mönche und Nonnen legen bei ihrer Ordination fünf Große Gelübde, Mahavratas, ab: Ahimsa, Satya, Asteya (kein fremdes Eigentum nehmen), Brahma (keine unkeuschen Beziehungen) und Aparigraha (nur lebensnotwendige Güter besitzen).

Ahimsa führt meist zu lakto-vegetarischer, teilweise veganer Ernährung. Tiere sollen nicht leiden oder sterben; Pflanzen sollen nur unvermeidbar geschädigt werden. Jainas tragen keine Kleidung aus Tiermaterialien wie Gürtel oder Schuhe, viele gehen barfuß. Manche Mönche fegen mit einem weichen Besen Insekten aus ihrem Weg und tragen ein Tuch vor dem Mund, damit sie kein Insekt einatmen. Daraus entstanden auch Tierschutzhäuser und Vogel-Hospitäler, pāñjrāpoļs. Lebewesen werden in einer fünfsinnigen ontologischen Hierarchie eingeteilt; Verletzungen haben je nach Stufe unterschiedliche karmische Kosten.

Das Gewaltlosigkeitsgebot schränkt Berufe ein: Landwirtschaft und Kriegshandwerk galten wegen möglicher Verletzungen von Lebewesen als nicht zulässig. Daher arbeiteten Jainas beispielsweise häufig im Handel und Bankgewerbe. In einem Extremfall kann Samlekhama folgen: Ältere, durch Tapas, also Kasteiungen und meditative Praktiken, geläuterte Mönche entäußern sich durch Hungerfasten und körperliche Passivität der Welt, um neue karmische Verunreinigung zu vermeiden.

Es gibt zwei Sekten: Digambaras, die „Luftgewandeten“, vor allem im Süden des indischen Subkontinents, und Shvetambaras, die „Weißgekleideten“, mehrheitlich im Norden. Digambara-Mönche leben traditionell nackt. Unterschiede betreffen vor allem das Verständnis der Überlieferung und den Autoritätsanspruch von Schriften. Vor allem Shvetambaras betrachten Sutren und Agamas als heiligen Kanon.

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