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V. Chr.
Die Abkürzung v. Chr. bedeutet ‚vor Christus'. Sie dient in der Zeitrechnung, in der das vermeintliche Geburtsjahr Jesu Christi als Bezugsjahr benutzt wird, …
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Grundbedeutung und Zeitrechnung
Die Abkürzung „v. Chr.“ bedeutet „vor Christus“. Sie bezeichnet Jahre vor dem vermeintlichen Geburtsjahr Jesu Christi, das in dieser Zeitrechnung als Bezugsjahr dient. „n. Chr.“ bedeutet „nach Christus“ und bezeichnet das Bezugsjahr 1 n. Chr. sowie alle folgenden Jahre.
Die Zählung beginnt auf beiden Seiten jeweils mit eins. Ein Jahr null gibt es in der kalendarischen Zeitrechnung nicht: Auf das Jahr 1 v. Chr. folgt unmittelbar das Jahr 1 n. Chr. Dieser Wechsel wird Zeitenwende genannt. Die Kennzeichnung „n. Chr.“ ist optional und wird vor allem dann ergänzt, wenn ohne sie unklar wäre, ob ein Jahr vor oder nach der Zeitenwende gemeint ist. So heißt es etwa „Octavian erhielt im Jahre 27 v. Chr. ... den Titel Augustus“, aber „Wir schreiben heute das Jahr 2026“. Eine Zeitspanne kann beide Angaben enthalten, etwa „von 31 v. Chr. bis 14 n. Chr.“.
Gleichbedeutende und religionsneutrale Varianten
„a. Chr. n.“ ist die Abkürzung für das lateinische ante Christum natum („vor der Geburt Christi“) und bedeutet dasselbe wie „v. Chr.“. Für „n. Chr.“ stehen unter anderem anno Domini (AD, „im Jahr des Herrn“), anno domini nostri Jesu Christi („im Jahre unseres Herrn Jesus Christus“) und Anno Salutis (AS, „im Jahr des Heils“ oder „im Jahr der Erlösung“).
Wenn der Religionsbezug vermieden werden soll, werden für dieselbe Jahreszählung „v. u. Z.“ („vor unserer Zeitrechnung“), „u. Z.“ („unserer Zeitrechnung“) oder „n. u. Z.“ („nach unserer Zeitrechnung“) verwendet. Weitere Bezeichnungen sind „v. d. Z.“ und „n. d. Z.“ („vor/nach der Zeitrechnung“ beziehungsweise „vor/nach der Zeitenwende“) sowie „v. d. g. Z.“ und „(n.) d. g. Z.“ („vor/nach der gewöhnlichen Zeitrechnung“). Im Englischen entsprechen unter anderem BC („before Christ“), AD („anno Domini“), BCE („before [the] Christian Era“ beziehungsweise „before [the] Common Era“) und CE („Christian Era“ beziehungsweise „Common Era“) diesen Varianten. Im Französischen gibt es beispielsweise av. J.-C. („avant Jésus-Christ“), apr. J.-C. („après Jésus-Christ“), av. n.è. („avant notre ère“) und de n.è. („de notre ère“).
Einige Abkürzungen können je nach Schreibweise sowohl Zeitangaben vor als auch nach Christi Geburt bezeichnen. Deshalb ist aus der Abkürzung allein nicht immer eindeutig ersichtlich, welche Richtung gemeint ist.
Übersicht wichtiger Abkürzungen
Im Deutschen stehen „v. Chr.“ beziehungsweise selten „v. C.“ oder „vC.“ für „vor Christus“, „vor Christo“ oder „vor Christi Geburt“. „n. Chr.“ beziehungsweise selten „n. C.“ oder „nC.“ bedeutet „nach Christus“, „nach Christo“ oder „nach Christi Geburt“. Ebenfalls gebräuchlich sind „v. Chr. Geb.“ und „v. Chr. G.“ sowie „n. Chr. Geb.“ und „n. Chr. G.“.
Lateinische Formen sind unter anderem ante Christum (a. Chr., a. Ch., a. C., A. C., AC), post Christum (p. Chr., p. Ch., p. C.), ante Christum natum (a. Chr. n. und Varianten) und post Christum natum (p. Chr. n. und Varianten). Für Jahresangaben nach Christus gibt es außerdem anno Christi und anno Domini (AD). Weitere lateinische Ausdrücke sind anno orbis redempti/redemti (A. O. R., „im Jahr[e] der Welterlösung“), Anno Salutis (A. S.), ante aeram vulgarem sowie aerae vulgaris und ante aeram communem sowie aerae communis.
Im Französischen stehen neben den christlichen Formen Bezeichnungen wie AEC beziehungsweise av. é. c. („avant l’ère commune“), EC beziehungsweise è.c. („ère commune“), AEV beziehungsweise av. e. v. („avant l’ère vulgaire“) und EV beziehungsweise e. v. („ère vulgaire“). Außerdem gibt es „avant l’ère actuelle“ und „ère actuelle“. Die englischen, französischen und lateinischen Formen unterscheiden sich teilweise in Schreibweise und Bedeutung, beziehen sich aber häufig auf dieselbe Jahreszählung.
Argumente für und gegen christliche Bezeichnungen
Für „v. Chr.“ und „n. Chr.“ spricht, dass diese Bezeichnungen weit verbreitet und seit langer Zeit üblich sind. Ihre Verwendung lässt daher normalerweise keine bestimmte Haltung zum Christentum erkennen. Außerdem verweisen sie auf den historischen Ursprung dieser Jahreszählung und gelten deshalb als historisch sachgemäßer. Befürworter weisen auch darauf hin, dass es im Jahr 1 n. Chr. kein historisch nachvollziehbares Ereignis gab, das den Beginn einer universellen Zeitrechnung begründen würde. Formulierungen wie „vor/nach der Zeitenwende“ könnten daher fälschlich einen von der christlichen Entstehung unabhängigen, universellen Ursprung suggerieren.
Gegen den christlichen Bezug spricht zunächst, dass der Bezugspunkt der Zeitrechnung nicht eindeutig mit den historischen Angaben zu Jesu Geburt übereinstimmt. Nach den Evangelien könnte Jesus, wenn diese als verlässliche Quellen gelten, in den Jahren 7 bis 4 v. Chr. geboren worden sein, weil seine Geburt in die Amtszeit Herodes’ des Großen fällt. Das Lukas-Evangelium verbindet die Geburt dagegen mit der Volkszählung unter dem syrischen Statthalter Quirinius im Jahr 7 nach Christus (Lukas 2,1–2 EU). Die Angaben stehen damit in einem zeitlichen Widerspruch.
„v. d. Z.“ wird als religionsneutralere Bezeichnung angesehen und passt dadurch eher zu den pluralen Verhältnissen eines säkularen, freiheitlich-demokratischen Rechtsstaats. Gegen „vor/nach unserer Zeitrechnung“ wird jedoch eingewandt, dass diese Formulierung voraussetzt, dass alle Beteiligten dieselbe Zeitrechnung verwenden. Außerdem kann „nach unserer Zeitrechnung“ auch „gemäß unserer Zeitrechnung“ bedeuten. Eine ähnliche Mehrdeutigkeit besteht bei „vor/nach der Zeitrechnung“.
Andere Zeitrechnungen und neutrale Modelle
In deutschen Schriften verschiedener Religionen, besonders im Judentum, ist „v. d. Z.“ für Zeiten vor der Zeitenwende gebräuchlich. In der Deutschen Demokratischen Republik waren „v. u. Z.“ und „(n.) u. Z.“ Standardformulierungen.
Die jüdische Ära zählt die Jahre Anno Mundi ab der Erschaffung der Welt. Deutsche Juden verwendeten schon im 19. Jahrhundert „vor der gewöhnlichen Zeitrechnung“, um die Anerkennung Jesu als Messias zu vermeiden. Moses Mendelssohn (1729–1786) riet davon ab; die Juden Berlins behielten „vor/nach der Zeitrechnung“ dennoch bei. In den Ostkirchen war über viele Jahrhunderte die Weltära Annus mundi üblich. Russland ersetzte sie erst 1700 als letzter Staat durch die Zählung ab Christi Geburt.
Die Alte Kirche besaß zunächst keine eigene Zeitrechnung und nutzte unter anderem die Seleukidische Ära, ab urbe condita und die Olympiade. Die Ära Diokletians wird als Ära der Märtyrer (Anno Martyrum) noch von der Koptischen Kirche verwendet. Auf der Iberischen Halbinsel und zeitweise in Südfrankreich war im Mittelalter die Era gebräuchlich. Sie beginnt 38 v. Chr., wurde regional bis ins 15. Jahrhundert verwendet, und ihr Bezugspunkt ist unbekannt.
Während der Französischen Revolution ersetzte Frankreich die christliche Zeitrechnung durch den Französischen Revolutionskalender. Der gregorianische Kalender und die christliche Zeitrechnung wurden dabei als ère vulgaire (e. v., „gemeine Ära“) bezeichnet. Im heutigen französischen Sprachraum werden Jahreszahlen vor dem christlichen Zeitalter teilweise mit einem negativen Vorzeichen geschrieben. Dabei besteht wegen des fehlenden Jahres null die Gefahr von Rechenfehlern. Auch die Religion Thelema verwendet era vulgaris zur Abgrenzung von der christlichen Zeitrechnung.
Die buddhistische Zeitrechnung setzt das Todesjahr ihres Stifters, 544 v. Chr., als Ausgangspunkt an. Nach heutigen Erkenntnissen starb Siddhartha Gautama jedoch um 483 v. Chr.; auch diese Zeitrechnung gilt deshalb als nicht stimmig. Ein religionsfreies alternatives Modell ist der 1993 von Cesare Emiliani vorgeschlagene Holozän-Kalender. In der Human- oder Holozän-Ära (HE) entspricht das Jahr 1 HE dem Jahr 10000 v. Chr. und das Jahr null HE dem Jahr 10001 v. Chr. Die Jahreszahlen steigen dabei durchgehend an; außerdem kann die Ära wegen ihres frühen Beginns als Vergleichs- und Umrechnungsskala dienen.
Normen für Datumsangaben
In Deutschland, Österreich und der Schweiz schrieb die frühere Norm DIN 1355 die Verwendung von „v. Chr.“ und „n. Chr.“ verbindlich vor. Heute ist das Datumsformat in der Europäischen Norm EN 28601 von 1992 festgelegt. Diese aus ISO 8601 von 1988 abgeleitete Norm gilt für Deutschland und Österreich uneingeschränkt. Sie macht jedoch keine Vorgaben mehr dazu, ob ein Datum mit einer Angabe vor oder nach Christus bezeichnet werden soll.